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EHC - Bietigheim Steelers 7:4

Das erste Spitzenspiel der Saison im Eispalast wurde fast allen Erwartungen gerecht und begeisterte, nach anfänglichen Schwierigkeiten der Hausherren, die über 1400 anwesenden Fans der Grizzlies voll und ganz.
Der Spitzenreiter aus Bietigheim war mit einem deutlichen 5:1 Sieg gegen die zweitplatzierten Dresdner Eislöwen im Gepäck nach Wolfsburg gereist, um seine Tabellenführung auszubauen. Anfänglich schien dieses Unterfangen der Gäste auch durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen, doch mit fortschreitender Spieldauer wich der druckvolle Spielaufbau der Steelers zusehends der Frustration angesichts Wolfsburger überlegenheit vor allem in Person von Chris Rogles, der die Stürmer aus dem Ellental schier zur Verzweiflung trieb.
Aber auch die Offensive der Grizzlies kam mit sieben (!) Treffern voll auf Touren und feierte mit insgesamt 13 Treffern ihr bisher erfolgreichstes Wochenende.

1.Drittel
Den besseren Start in eine insgesamt sehr attraktive Partie erwischten die Gäste aus Bietigheim.
Da vor allem die Verteidigung der Grizzlies das erste Drittel offenbar zum Warmspielen nutzen wollte, konnte bereits in der 4.Minute Alexandre Jacques einen der zahlreichen Fehler im Abwehr- und Aufbauspiel des EHC zum 0:1 verwerten.
Fibiger zeigte sich hinter dem eigenen Tor ohne die nötige übersicht und Entschlossenheit und so war der Puck ruck-zuck weg und prompt im Grizzlygehäuse.
Die Steelers mit viel Druck aufs Drittel der Gastgeber schienen das Spiel früh in den Griff zu bekommen und standen zunächst auch in der Rückwärtsbewegung recht sicher.
Doch die Grizzlies verdauten den Schock schon nach wenigen Minuten und konnten das Spiel schnell wieder offen gestalten, was zu Chancen auf beiden Seiten führte.
Als zuerst Fibiger in der 11.Minute seinen Fehler per Powerplay-Tor korrigierte und den Puck von der Blauen zum 1:1 in die Maschen hämmerte und eine Minute später Boris Lingemann einen Konter mit einem sehenswerten Handgelenksschuss in den Winkel zum 2:1 abschloss, nahm das Spiel endgültig Fahrt auf und auch dem letzten der anwesenden Zuschauer wurde klar: Das wird ein ganz heißer Tanz heute abend!
Erwartungsfroh ging´s in die erste Pause.

2.Drittel
Die Fans sollten nicht enttäuscht werden: Beide Teams agierten weiterhin auf hohem Niveau, die Grizzlies bekamen ihre Probleme in der Defensive besser in den Griff und legten obendrein bereits nach 45 Sekunden durch ein weiteres Powerplay-Tor erstmal ein Schippchen nach.
Todd Simon verwertete einen Zurek-Abpraller zur Zwei-Tore-Führung was im Laufe des Drittels für Wirkung bei den Gästen sorgte.
Bietigheim begann nun auch jenseits des Erlaubten verstärkt zu arbeiten - HSR Kleiner, der eine äußerst dünne Vorstellung ablieferte, ließ die Gäste aber größtenteils gewähren und pfiff bestenfalls nur das Revanchefoul eines genervten Grizzlies.
Durch Mares sehenswerten Anschlusstreffer zum 3:2 in der 27.Minute weiter angestachelt, forcierte der Gast abermals seine Bemühungen und wurde durch die teilweise haarsträubenden Entscheidungen des HSR zur Mitte des Drittels trotz der Mehrzahl an unfairen Aktionen in überzahl gebracht.
Doch der Ausgleich wollte den Steelers nicht gelingen.
Im Gegenteil: Von der Strafbank kommend erzielte Delisle bei 4-5 Unterzahl das 4:2 und ließ den angestauten Unmut über die Schiedsrichterentscheidungen in diesem Drittel auf dem Eis und auf den Rängen explodieren.(30.Min)
Doch schon eine Minute später waren es die Bietigheimer, die einen Treffer lautstark einklagten den der Referee als Schlittschuhtor nicht geben wollte. Laut Augenzeugen von hinter dem betreffenden Tor hätte sich Campbell mit dem Schuss allerdings bei der Fußball-WM bewerben können.
Derart aufgeheizt kam es einige Minuten und Bietigheimer Provokationen später zu ersten kleineren Boxeinlagen, was zur Folge hatte, dass Mitte der 37.Spielminute mit Fibiger, Kurtz und Genze fast alle erfahrenen Defensivkräfte der Grizzlies auf der Strafbank Platz genommen hatten - ein Schelm, der Böses dabei dachte...
Wie schon zuletzt in Regensburg half Simon erneut in der Abwehr aus und der EHC überstand diese kritische Phase ohne weiteren Gegentreffer. Chris Rogles hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon längst zum Alptraum der Steelers entwickelt und den Grizzlies bereits den ein oder anderen sicher geglaubten Gegentreffer erspart.

3.Drittel
Die Bietigheimer gaben sich noch längst nicht geschlagen und starteten auch ins letzte Drittel sehr angriffslustig.
Doch die Torhüter machten nun endgültig den Unterschied: Während Rogles gegen Hart erneut überragend entschärfte, patzte sein Gegenüber in der 45.Minute und erlaubte somit Preston Callander das vorentscheidende 5:2. Elliott hatte dessen Schuss hoch prallen lassen und konnte Callander anschließend nicht daran hindern die Scheibe in der Luft an ihm vorbei zu legen und dann ins Tor zu schieben.
Die Spieler der Steelers waren nun deutlichst angefressen und ließen ihrem Frust teilweise freien Lauf. HSR Kleiner versäumte es ein ums andere Mal die Streithähne des Eises zu verweisen, so dass es erst eines open-ice Kniechecks von Mathias Hart gegen Kosick bedurfte, um den Referee an sein Pfeifinstrument zu erinnern. Dieses völlig überflüssige Foul zog dann aber auch gleich eine 5 + Spieldauerstrafe nach sich, so dass die Grizzlies in der 53.Minute durch Tim Regan in überzahl, nun endgültig uneinholbar, mit 6:2 davonziehen konnten.
Direkt nachdem der Puck über die Linie gerutscht war, checkte Oliver Bernhardt den sein erstes Saisontor bejubelnden Regan von hinten aufs Torgestänge - erneut Tumulte und anschließend doppelte überzahl für Wolfsburg waren die Folge.
40 Sekunden später netzte Todd Simon zum zweiten Mal im Powerplay zum 7:2 ein - das Debakel für die Gäste aus dem Schwabenland schien perfekt.
Doch die Grizzlies spielten jetzt locker zu Ende und, wie schon während der 5-minütigen überzahl zu erkennen war als Rogles gleich zwei Breaks von Schneider parieren musste, die Gäste sollten noch ihre Chancen bekommen.
Sowohl beim 7:3 durch Jacques (54.Minute) als auch beim 7:4 durch Campbell mit der Schlusssirene wurde von Seiten des EHC mehr oder weniger interessiert zugeschaut, als dass ernsthaft eingegriffen worden wäre.
So endete die Partie dann doch mit einem leistungsgerechten 3-Tore-Vorsprung für die Grizzlies.


Mein subjektiver Eindruck:
Ein wirklich geiles Eishockeyspiel, dass im Endeffekt durch den besseren Goalie entschieden wurde. Ich hätte ehrlich gesagt nie im Leben damit gerechnet, dass wir es schaffen einem Team mit einer derart hochklassigen Abwehr sieben Eier ins Netz zu legen.
Hätte HSR Kleiner die Regeln etwas genauer ausgelegt, wäre es vermutlich zu noch mehr Gegentreffern für die Gäste gekommen - kaum zu glauben angesichts der teilweise katastrophalen Chancenausbeute der vergangenen Wochen.
Bietigheim war der erwartet spielstarke Gegner, spielte mit vollem Einsatz, mit Haken und ösen und oft am Rande des Erlaubten, ergab sich nie in sein Schicksal und versuchte auch bis zum Schluss jede Möglichkeit zur Ergebniskosmetik zu nutzen.
Hätte HSR Kleiner gerade in den hitzigen Momenten etwas öfter nach dem Verursacher-Prinzip hinausgestellt, hätten die wenigen unschönen Szenen wohl nicht geschehen müssen.

Tor:
Chris Rogles in überragender Form. Unbeschreiblich, wie er die Bietigheimer Stürmer reihenweise austaktierte. In dieser Form der beste Torhüter der Liga - da lasse ich nicht mit mir diskutieren. Wollen wir oben mitspielen brauchen wir ihn angesichts unserer Verteidigung auch mehr als dringend - leider.
Eine Frechheit, wie die Gegentreffer 3 und 4 fast von allen Akteuren auf dem Eis billigend in Kauf genommen wurden.
Der Goalie hat euch den Arsch gerettet und ihr schenkt ihm noch zwei zum Feierabend - unkollegial!

Verteidigung:
Im ersten Drittel eine absolute Horrorvorstellung.
Fibiger und Kurtz völlig neben der Spur - unentschlossen und unsicher ohne Ende.
Brüggemann etwas schwerfällig, steigerte sich aber.
Genze und Geisberger drei Drittel lang solide, Frenzel unauffällig.
Gödtel wird nicht besser...nur so nebenbei bemerkt.
Zum Glück fing sich die Defensivabteilung im zweiten Drittel, nur um im letzten Drittel bei eigener überzahl hurramäßig aufzurücken und mehrfach Gelegenheit zu Shorthandern zu geben.
In Unterzahl dann wiederum erstaunlich diszipliniert...

Sturm:
Die Reihenzusammenstellung scheint endlich zu passen.
Das Offensiv-Feuerwerk wurde endlich mit reichlich Toren belohnt und drei der vier Reihen scheinen gut und effektiv zu funktionieren. Mal schauen, wie´s die nächsten Wochen weitergeht.
Lediglich die Reihe um Jan Zurek leidet unter seinen momentanen Problemen beim Abschluss. Da rutschen die besten Gelegenheiten vom Schläger, so dass alle spielerischen Bemühungen ohne zählbaren Erfolg blieben.
Herauszuheben ist erneut Todd Simon, der in überzahl einen absoluten Lauf entwickelt und nach wie vor Leaderqualitäten vom Allerfeinsten zeigt. Während drei etatmäßige Verteidiger auf der Strafbank saßen, wusste er wiederum als Verteidiger zu überzeugen - 2 Tore + 2 Assists sprechen darüber hinaus eine eigene Sprache.

Fans:
Zu Beginn des Spiels war das sehr verhalten, was da auf den Rängen ging.
Die handvoll Bietigheimer Fans nutzten die Gunst der Stunde und hatten zumindest im ersten Drittel lautstark ihren Spaß. Im Laufe der Partie taute dann auch endlich das Wolfsburger Publikum auf und es entstand eine der spannenden Partie angemessene Atmosphäre.
Wer sich bei so einem Spiel nicht mitreißen lässt, der guckt sich die Grasnarbe bereits von unten an - meiner Meinung nach jedenfalls ;o) mb