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EHC - Dresdener Eislöwen 0:1

Ausgelassene Torchancen pflasterten ihren Weg - nur wohin führt dieser Weg?
So könnte man das 0:1 des EHCs gegen Dresden betiteln, wenn einem nach Fragen zumute wäre.
Aber das Spiel gegen die Eislöwen gab eigentlich mehr Antworten, als den Offiziellen, die sich anschließend in Person von Karl-Heinz Lorenz zum Trainer bekannten, lieb sein konnte.
Die Grizzlies hatten in einer von beiden Seiten stets bemüht geführten Partie ein Quantum an Chancen ausgelassen, dass es den anwesenden Fans fast komplett die Sprache verschlagen hatte.
Erst während der übertragung der Pressekonferenz fanden die Wolfsburger Anhänger in der Pistenbar nach und nach ihre Sprache wieder. Teilweise verärgert, teilweise fast paralysiert hatten sie zuvor die Tribüne verlassen, um Ausgang oder Pistenbar anzusteuern.
Was die Verbliebenen dann zu sagen hatten war recht eindeutig - die meisten forderten die Trennung von Trainer Bob Leslie. Wer konnte es ihnen verdenken, hatten die meisten von ihnen doch die letzten Heimspiele allesamt mitansehen müssen und einen Fortschritt in Sachen Spielsystem nicht erkennen können.

1.Drittel
Es entwickelte sich ein recht munteres Spiel in dem Dresden sofort deutlich zeigte, was ihren derzeitigen Erfolg begründet: Mannschaftliche Geschlossenheit und blindes Verständnis untereinander.
Wolfsburg hielt mit viel Kampf und Tempo dagegen, betrieb den bereits gewohnten Aufwand mit dem gewohnten Ergebnis: 0
Wirklich bemerkenswert war neben den guten Reflexen der beiden Torhüter allerdings nur die Leistung der Schiedsrichter, die auf beiden Seiten mit haarsträubenden Entscheidungen "glänzten".
Höhepunkte waren auf Wolfsburger Seite das Abpfeifen einer Torchance bei freiliegendem Puck, auf Dresdener Seite das Verwehren eines durch Brüggemann verschuldeten Penaltys, wobei in diesem Fall der Kapitän der Grizzlies zumindest für zwei Minuten zuschauen musste.
Mit einem leistungsgerechten Unentschieden ging es in die Kabinen.

2.Drittel
Die Grizzlies gerieten gleich in den Anfangsminuten in doppelte Unterzahl, als Lingemann und Delisle wegen umstrittener Strafen für jeweils zwei Minuten pausieren mussten.
Nachdem ca. eine Minute überstanden war, dezimierten die Gäste sich durch eine dumme Aktion des Ex-Wolfsburgers Musial allerdings selbst und so konnte der EHC sich unbeschadet ins Spielgeschehen zurückarbeiten.
Die Chancenverteilung kippte nun spürbar zugunsten Wolfsburgs und die Eislöwen konnten sich bei Ex-Grizzly Mastic und der Abschlussschwäche der aktuellen Wolfsburger bedanken, dass sie gegen Ende des Drittels nicht bereits mit 2-3 Toren ins Hintertreffen geraten waren.
Wie so oft im Sport kam es auch an diesem Abend: Wer seine Chancen nicht nutzt...
In der 38.Minute verloren die Grizzlies endgültig und deutlich sichtbar die Geduld mit sich selbst und starteten eine wahre fore-check Orgie, die in einem Break und einem Gegentreffer der Gäste endete.
Nach Wolfsburger Puckverlust vorm Dresdner Tor schickte Stas den durchgestarteten Schmidt auf die Reise. Dieser ließ nicht nur EHC-Verteidiger Brüggemann an der Blauen stehen, sondern auch dem ansonsten tadellos haltenden Jan Münster im Tor der Grizzlies keine Chance und umspielte den Keeper der Grizzlies zum 0:1.
Der EHC reagierte genervt, konnte in der 5-3 überzahl nur eine Minute nach dem Tor nichts Zwingendes bewirken und hinterließ erneut einen mehr als ratlosen Eindruck im Powerplay.

3.Drittel
Auch die verbleibende Minute einfacher überzahl konnten die Gastgeber leider nicht in Zählbares verwandeln. Mit fortschreitender Dauer des Drittels nahm die Konzentration der Grizzlies leider deutlichst ab, was doppelt bedauerlich war.
Erstens, weil man trotz eher stotterndem Spielaufbau dank Dresdner Defensivtaktik zu reichlich Torchancen kam und zweitens, weil mit etwas klarerem Kopf ungleich mehr Chancen für den EHC möglich gewesen wären.
So aber stolperten die Grizzlies durch den Rest des Spiels, vergaben klarste Torchancen jämmerlich durch lächerliche Schussversuche oder hasenfüßiges Abspiel im letzten Moment.
Der Anhang betrachtete das Bild des Schreckens derweil mal kopfschüttelnd, mal mit Trommlern und wenigen Unbeirrbaren verzweifelt anfeuernd.
Es half alles nichts.


Mein subjektiver Eindruck:
Gut gekämpft, kopf- und ideenlos gespielt und verloren. Unser Team wirkte bemüht wie fast immer, doch die Verunsicherung wächst merklich.
Einfachste Spielzüge und Einschussmöglichkeiten werden zittrig vergeigt, im letzten Drittel hätte man schon fast wieder auf dumme Gedanken in Sachen "gegen den Trainer spielen" kommen können.
Aber mal ernsthaft: Welcher Spieler würde schon gegen einen Trainer spielen, dessen Spielsystem ihn wie einen drittklassigen Eiskunstläufer mit Stock in der Hand aussehen lässt?
Ich persönlich denke, dass man Leslie und Clark beurlauben und das Team sich selbst trainieren lassen sollte, falls der Etat für eine andere Lösung nicht zur Verfügung steht.
Pro Block ein verantwortlicher Spieler, der Laufwege und Taktik festlegt, der Rest findet sich. Irgendwen, der die entsprechende Trainerlizenz besitzt und seinen Namen für den Spielberichtsbogen hergibt werden wir ja wohl im Verein haben.
Ich spiele zum ersten Mal in all der Zeit mit dem Gedanken nicht mehr hinzugehen, da mir der Spaß an den Heimspielen gründlich vergangen ist. (Natürlich gehe ich trotzdem weiter hin - sind wir nicht alle ein bisschen Maso?)
Bei Auswärtsfahrten mit dem Bus hingegen kann man sich die Sache ja wenigstens noch schön saufen...oder auch nicht.

Tor:
Münster fehlerlos. Das wir das noch erleben dürfen. Jetzt geht´s los.

Verteidigung:
Brüggemann ist langsam. Kein Problem, wenn die Stürmer nicht Pressing auf Teufel komm raus spielen und einem verlorenen Puck nicht konsequent hinterher gehen.
Fibiger mal mehr mal weniger konzentriert - Tendenz: eher schwach.
Genze ist und bleibt der einzige Verteidiger in unseren Reihen, der fast alle Eigenschaften eines Top-Defenders regelmäßig aufweist: Zuverlässig, flink, wohl dosiertes Körperspiel, ruhige Pässe - nur Toreschießen ist nicht sein Ding.

Sturm:
Chaostage in Wolfsburg. Kosick in der ersten Reihe - muss ich mehr sagen?!
Regan aus familiären Gründen nicht dabei, Callander verletzt.
Mir ist mittlerweile ehrlich gesagt egal wer mit wem spielt. Funktioniert sowieso nix und wenn doch, dann nur für kurze Zeit.
Zurek rennt in die Ecken und holt den Puck für unsere "Götter des Torschusses", welch Verschwendung...

Fans:
Ich bin wirklich erstaunt wie leidensfähig unser Publikum ist.
Das angesichts der letzten Heimspiele immer noch fast konstante Zuschauerzahlen zu verzeichnen sind ist mir nahezu unerklärlich.
Sollte Leslie beim nächsten "Heimspiel" noch Trainer sein, bin ich auf die Reaktionen im Publikum jedenfalls sehr gespannt.mb