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EHC - REV Bremerhaven 3:4nV

Der Sturzflug Richtung Tabellenende hält an. Kurzfristig schien das Team der Grizzlies zu neuen Ufern aufbrechen zu wollen, hielt die Gäste aus Bremerhaven zwei Drittel unter Kontrolle und führte mit drei Toren Vorsprung. Doch was die verbliebenen Wolfsburger Fans im letzten Drittel geboten bekamen verdarb sogar dem hartgesottensten Fan die anschließende Party in der Pistenbar. Ganze drei Gegentreffer innerhalb von 10 Minuten gepaart mit einer nur als willenlos zu beschreibenden Vorstellung des EHCs versetzten den 100 Litern Freibier im Anschluss einen bitteren Beigeschmack.
Nach dem 3:4 in der Verlängerung verließen zudem viele Fans geschockt und teilweise rasend vor Wut die Halle.

1.Drittel
Frisch und guten Mutes wirkte das Team der Grizzlies, das trotz des kurzfristigen Ausfalls von Todd Simon keinen merklichen Unterschied in Sachen Eingespieltheit zu verzeichnen hatte.
Die erste Reihe mit Delisle, Kosick und Zurek machte ihre Sache recht gut und wusste den durchaus gefährlichen Angriffen der Pinguins ihrerseits einige sehenswerte Möglichkeiten entgegen zu setzen.
Letztendlich war es dann aber ein überzahltreffer durch Mark Kosick, der die Grizzlies zunächst in Front brachte.
In der 15.Minute hatte Genze knallhart aufs Gästetor abgezogen und Kosick hatte den Puck unhaltbar zum 1:0 abgefälscht.
Riesenjubel im Eispalast und Riesenerleichterung obendrein: Hatten die Gastgeber doch zu diesem Zeitpunkt schon wieder einige gute Chancen kläglich vergeben.
Mit diesem knappen Vorsprung und recht guter Laune ging es für die Grizzlies in die Kabinen bzw. in die Pistenbar.

2.Drittel
Der EHC wirkte sichtlich befreit, setzte die Gäste von der Küste nun deutlich unter Druck und zwang diese mit engagiertem Spiel zu Aktionen an der Grenze des Erlaubten.
Zum Glück der Hausherren entschied HSR Klau bei fast jeder grenzwertigen Situation seitens Bremerhaven auf Strafe gegen die Gäste, was gegen Mitte des Drittels fast zur Eskalation auf dem Eis und an der Bande führte: Unter den lautstark gegen eine 2+10 Min. Strafe protestierenden Bremerhavener Spielern und Offiziellen leistete sich Alexander Janzen einen kapitalen Aussetzer und checkte einen der beiden Linesmen zweimal vor sich her. Diese Aktion brachte ihm eine 10-minütige Disziplinarstrafe ein, womit er noch gut bedient war. Im Regelwerk sind für derartige Vergehen kategorisch Spieldauer-Disziplinarstrafe und Schwere Disziplinarstrafe (automatischer Ausschluss) vorgesehen.
Zuvor hatten die Wolfsburger bereits ihr zweites Powerplay-Tor des Abends erzielt, was den Unmut der Gäste natürlich nicht unerheblich erhöht hatte:
Tim Regan hatte nach Anspiel durch Wietfeldt den Eispalast erneut zum überschäumen gebracht, als er eine 4 gegen 3 überzahl in der 28.Minute zum 2:0 genutzt hatte.
Und die Bremerhavener Disziplinlosigkeit sollte noch weitere Folgen haben...
Als in der 37.Minute Mark Kosick seinen zweiten Treffer markierte und die Grizzlies bei 5 gegen 4 überzahl mit 3:0 in Führung brachte, schien die Partie für die Pinguins gelaufen zu sein.
Schön wär´s gewesen...

3.Drittel
Wie verwandelt kamen die Grizzlies aus der Kabine. Pomadig und lasch versuchten sie von der ersten Minute des Drittels an die Begegnung über die Runden zu bringen. Das Wolfsburger Publikum, das nach der langen Durststrecke der vergangenen Wochen förmlich nach einen Sieg und einem Grund zu Feiern lechzte, konnte sich kaum zur Anfeuerung durchringen.
Ein ganz schlechtes Zeichen, das sich nach einer schadlos überstandenen Unterzahl-Situation des EHCs (43.+44.Minute) kein bisschen änderte.
Als Kurtz gegen Ende der 45.Spielminute wegen eines angeblichen Stockschlags auf die Strafbank ging, dauerte es ganze 10 Sekunden und er durfte wieder mitspielen.
1:3 Anschlusstreffer durch Gyori.
Das Signal für die Gäste zur Aufholjagd! Wolfsburg hingegen wirkte weiterhin tranig und versuchte nur noch das Nötigste, wobei man sich immer mehr in Bedrängnis brachte.
Es dauerte einige Minuten, dann spielte nur noch das Team aus Bremerhaven.
Spätestens der Anschlusstreffer zum 2:3 durch Röthke (54.Minute) verwandelte die Grizzlies in einen Haufen kopflos über das Eis stolpernder Trauergestalten.
Das 3:3 fiel gerade mal eine Minute später, als Krestan einen von Wycisk weitergeleiteten Fehlpass von der blauen Linie in die Maschen hämmerte.
Der an diesem Abend tadellos haltende Jan Münster im Tor der Gastgeber konnte einem wirklich leid tun.
Unter lautesten Unmutsbekundungen ging es nach 60 Spielminuten und endlich auch mal wieder der ein oder anderen Chance für Wolfsburg in die Verlängerung.

Verlängerung
Eine aus dem letzten Drittel noch 50 Sekunden laufende überzahl konnten die Grizzlies nicht mehr nutzen. Die Gäste gewannen mit dem dritten Tor in Folge, das aus der Distanz erzielt wurde, die gesamte Begegnung mit 3:4. Torschütze war diesmal Michail Kozhevnikov. (62.Min.)

 

Mein subjektiver Eindruck:
Das tat sehr, sehr weh. Zum ersten Mal seit längerem hatte sich so etwas wie Optimismus im Eispalast breit gemacht...bis zum letzten Spielabschnitt. Es ist schon ein dicker Hund, wenn die Fans bei 3:0 und nach so vielen Niederlagen im letzten Drittel nicht auf den Rängen feiern, weil die Mannschaft von der 41.Minute an nur noch Weichspülhockey bietet und offenbar Kräfte schonen will.
Sicherlich waren die ersten beiden Drittel keine spielerische Offenbarung, aber das ist ja nun auch der Grund für unsere derzeitige Misere. Während sogar potentielle Abstiegskandidaten eingespielt wirken und uns das Fell über die Ohren ziehen dürfen, wirkt unser Team so, als ob man sich zum ersten Mal gemeinsam auf dem Eis trifft, um mal zu schauen was so geht.
Wenn man sich in so einer Situation aber auch noch eine mögliche Trendwende derart leichtfertig versaut, dann zerbricht man nicht nur die Moral der Fans, sondern auch die eigene.
Wie soll sich ein Team von soviel eigener Dummheit und ihren Folgen wieder erholen?

Tor:
Eine Schweinerei, was das Team mit Jan Münster da macht.
Münster hielt in den ersten beiden Drittel einfach klasse, entschärfte Tormöglichkeiten bei denen ihm im Falle eines Gegentreffers niemand einen Vorwurf hätte machen können.
Wie soll der Junge denn Selbstbewusstsein tanken, wenn man ihn dann ein komplettes Drittel im Regen stehen lässt?

Verteidigung:
Angesichts der recht soliden Leistung stellt das letzte Drittel eine Frechheit aller erster Kajüte dar.
Einzig Sascha Genze wusste komplett zu überzeugen, Andreas Geisberger mit Abstrichen ebenfalls.
Kurtz solide, wie fast immer in Heimspielen - aber eben weit entfernt von der Leistung eines Top-Verteidigers.

Sturm:
Gewohnt unkoordiniertes Anrennen, das zwei Drittel lang erschreckend gut funktionierte.
Mark Kosick, unser leicht autistisch wirkender Dribbelkünstler, spielte diesmal nicht nur alle Gegenspieler und sich selbst schwindlig, sondern traf zweimal ins gegnerische Tor.
Seine Mitspieler würden sich trotzdem über das ein oder andere Abspiel freuen - glaube ich jedenfalls.
Jan Zurek bewacht den freien Raum und beschützt diesen vorm Puck, da er nie angespielt wird.
Wir brauchen dringend einen spielstarken tschechischen Center für Jan, ansonsten kann man Zurek auch in den Urlaub schicken, da seine Mitspieler ihn bisher im Pausenmodus übers Eis fahren lassen.
Der Rest zwei Drittel lang bemüht und mit ein bisschen mehr Glück vor dem Tor ausgestattet.
Bleibt die Frage nach dem letzten Drittel: Wie kann man sich selbst und den Fans so etwas antun?

Fans:
Durch den Himmel in die Hölle...
Das letzte Drittel war der härteste Schlag in die Magengrube, den wir Fans nach dem Entzug der Lizenz in den letzten Jahren erleben mussten. Jedenfalls fühlte es sich für mich so an.
Was mich ein wenig enttäuschte war, dass so viele lieber in der warmen Pistenbar saßen, anstatt vor dem VIP-Zelt lautstark zu fordern, was immer es momentan zu fordern gibt...
Ich persönlich hatte mich für einen neuen Trainer entschieden.mb