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EHC - EHC Freiburg 6:3

Der EHC marschiert weiter Richtung Play-offs.
Vor den zwei äußerst schweren Spielen am Wochenende sicherten sich die Grizzlies im Nachholspiel gegen Freiburg drei wichtige Punkte im Kampf um den achten Tabellenplatz.
Nach rasantem Auftakt ließ man die Gäste aus Freiburg zweimal bedenklich nah heran kommen, hatte jedoch stets die richtige Antwort auf die Anschlusstreffer der Wölfe parat.
Nun muss das Wolfsburger Team vermutlich mindestens eins der beiden kommenden Spiele gewinnen, um den hergestellten Kontakt zu den Play-off Rängen nicht wieder zu verlieren.

1.Drittel
Es ist einige Jahre her, dass der EHC derartig loslegen konnte wie an diesem Abend.
Wie zu besten Oberligazeiten schauten die Wölfe den Grizzlies bei ihrem Sturmlauf der ersten Minuten wie gelähmt zu.
16 Sekunden gespielt: 1:0 durch Todd Simon nach schöner Eröffnungskombination
151 Sekunden gespielt: 2:0 durch Justin Kurtz im ersten Powerplay der Begegnung
204 Sekunden gespielt: 3:0 durch Christoph Wietfeldt, der aus Halbdistanz einnetzt
Darauf verließ zunächst Bronsard das Tor der Gäste, um für Ersatzkeeper Smolka Platz zu machen - doch schon 34 Sekunden später wurde er von Obresa in sein Gehäuse zurückbeordert.
Eine seltsame Aktion, die allerdings gleich zwei Dinge zur Folge hatte:
Erstens ließ der Druck der Hausherren deutlich nach und Freiburg konnte mental dann mal allmählich den Bus verlassen und zweitens entstand durch die sehr lange Unterbrechung beim Publikum der Eindruck, dass es sich um eine Auszeit für Freiburg handele. Dazu später mehr.
Als Preston Callander in der sechsten Minute Opfer einer haarsträubenden Fehlentscheidung des insgesamt schwach leitenden HSR Franz wurde und auf als erster Wolfsburger auf die Strafbank musste, da ließen sich die Wölfe auch nicht zweimal bitten.
Eine Minute später klingelte es im Winkel von Rogles Gehäuse, nachdem Fox per Handgelenkschuss aus Halbdistanz zum 3:1 eingenetzt hatte.
Wolfsburg in dieser Situation viel zu passiv in Unterzahl: Lingemann und Gödtel schauten Aaron Fox interessiert dabei zu, wie er die Unterzahlformation der Grizzlies umrundete, um sich Schussposition und Winkel in aller Ruhe auszusuchen...Toni Krinner war sichtlich ungehalten über derartigen Schlendrian.
Freiburg war nun endgültig in der Partie angekommen, kam ebenso wie die Gastgeber noch zu einem ungenutzten überzahlspiel und einem Treffer ans Gestänge.
Ein turbulentes Drittel mit hohem Unterhaltungswert ging erst mal in die Pause.

2.Drittel
Die Grizzlies schalteten auch jetzt keinen Gang hoch und schienen bereits Kräfte für das anstrengende Wochenende sparen zu wollen.
Trotzdem gerieten sie von den Spielanteilen nicht ins Hintertreffen und nutzten die sich bietenden Einschussmöglichkeiten zunächst leider nicht.
Nachdem Wolfsburg gegen Mitte des Drittels sein zweites Powerplay dieses Spielabschnitts nicht genutzt hatte, passierte mal wieder ein in diesen Tagen im Eispalast nicht ganz unbekanntes Phänomen - der EHC ließ sich auskontern.
Diesmal allerdings auf besonders peinliche Art: Khaidarov stellt sich nach abgelaufener Strafe gegen Pommersberger an die blaue Linie des Wolfsburger Drittels und wartet...und wartet...und bekommt den Puck, läuft allein auf Rogles zu und kann diesen ganz knapp zum 3:2 Anschlusstreffer überwinden.
Knapp 34 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt und das Spiel schien wieder offen zu sein.
Doch die Grizzlies ließen ihre Anhänger ganze anderthalb Minuten zweifeln, da schlug es auch schon auf der anderen Seite ein!
Tim Regan stocherte den Abpraller zum 4:2 ins Tor bevor Bronsards Handschuh sich über dem Puck senken konnte - riesige Erleichterung auf den Rängen.
Dieser Weckruf ließ die Gastgeber wieder Fahrt aufnehmen und der Torhunger der Grizzlies schien erneut aufzuflammen. Doch auch die Gäste blieben gefährlich, konnten aber ebenso bis zur Pause nichts Zählbares verbuchen.

3.Drittel
Nach nicht einmal zwei gespielten Minuten musste Tim Regan die erste von insgesamt drei Strafzeiten gegen die Grizzlies in diesem Drittel absitzen. Freiburg sollte in dieser Kategorie nun leer ausgehen.
In der Kategorie "überzahltreffer" hingegen sah das auf Freiburger Seite jedoch ganz anders aus: Nach exakt einer Minute überzahl erzielten die Gäste ihren zweiten Treffer in numerischer überlegenheit zum 4:3 Anschluss. Torschütze war diesmal Vadim Rifel, der bereits den ersten Treffer der Wölfe aufgelegt hatte.
Nun hieß es doch noch einmal zittern im Eispalast und es wurde sogar richtig aufregend:
In der 46.Minute glänzte HSR Franz erneut durch schwache Regelauslegung, als Gödtel ungestraft einen Bandencheck einstecken musste, angeschlagen liegen blieb und im Anschluss Frenzel in Puckbesitz gelangte und diesen über die Bande beförderte.
Anstatt den Bandencheck gegen Gödtel zu ahnden, oder das Spiel bei Puckbesitz für Wolfsburg durch Frenzel wegen Verletzung zu unterbrechen, schickte der Hauptschiedsrichter Matthias Frenzel wegen Spielverzögerung für zwei Minuten vom Eis - der Eispalast kochte vor Wut!
Das schien aber auch bei den Grizzlies auf dem Eis neue Kräfte frei zu setzen:
Nach souverän überstandener Unterzahl griffen die Gastgeber noch einmal richtig an und landeten prompt die entscheidenden Treffer.
5:3 durch Xavier Delisle, der seine Torjägerqualitäten immer deutlicher hervorheben kann (47.Min)
6:3 durch Jan Zurek, der nach einigen vergebenen Chancen aus dem Gewühl doch noch seinen Treffer markieren kann (52.Min)
Freiburg wirkte im Anschluss, verständlicher Weise, schwer demoralisiert und konnte auch ein weiteres überzahlgeschenk durch HSR Franz nicht verwandeln, so dass es am Ende beim verdienten 6:3 Sieg der Grizzlies blieb.
Die aufgrund des Wochentags eher kleinere Kulisse feierte das Heimteam im Anschluss ausgelassen und viele stimmten sich wohl schon auf die bevorstehende Grizzlyinvasion in Bremerhaven ein.


Mein subjektiver Eindruck:
Nach dem tollen Auftakt gingen die Versuche Kraft zu sparen leider in die Hose und man musste doch noch einiges an Aufwand investieren, um das Spiel sicher nach Hause zu bringen.
Trotzdem ein sehr, sehr unterhaltsames Spiel, das aufgrund des Spieltags (Mi.) leider weniger Zuschauer zu sehen bekamen, als es eigentlich verdient gehabt hätte.
In Unterzahl muss man sich wohl dran gewöhnen, dass die alten Zeiten einfach vorbei sind, als man unter Mikes eine gegnerische überzahl still lächelnd beobachten konnte.
Da stimmt die Mischung zwischen taktischer Disziplin und Aggressivität leider immer noch zu häufig nicht.
Mental präsentiert sich die Mannschaft allerdings wirklich gut - Gegentore werden in den letzten Begegnungen fast immer beantwortet. Sogar in Dresden klappte das zunächst, obwohl man dann am Ende am mangelhaften Powerplay scheiterte.

Tor:
Rogles endlich wieder ohne größeren Fehler, aber auch ohne wirkliche Monstersaves.
Wird immer wieder Opfer von defensiven Patzern seiner Vorderleute.

Verteidigung:
Beim zweiten Treffer war mal so was von keiner da...
Ansonsten recht ordentliche Vorstellung. Bei den beiden weiteren Gegentreffern und wenn der EHC massiv unter Druck geriet waren auch die Stürmer nicht ganz schuldlos, da die Mannschaft streckenweise, wie erwähnt, viel zu früh auf Ergebnishalten spielte - dabei leider hin und wieder sich selbst einlullte.
Lars Brüggemann sucht leider nach wie vor seine Bestform - erschreckend, wie steif und kopflos der Kapitän der Grizzlies größtenteils agierte.

Sturm:
Alle Reihen wussten zu gefallen und zu punkten. Lediglich die vierte Reihe blieb ohne Punkte, glänzte aber durch viel Einsatz und sorgte für Entlastung.
Alle Akteure zeigten sich sehr laufbereit und motiviert, waren sich offenbar der Wichtigkeit des Spiels bewusst und ließen am Ende nichts anbrennen.
Wenn man irgendetwas kritisieren möchte, so dann höchstens die etwas nachlässige Haltung bei zwei oder drei Toren Führung.

Fans:
Für die etwas weniger prall gefüllten Ränge hat man sich durchaus ordentlich bemerkbar gemacht, wobei mir gerade zum Ende der Partie ein wenig die Euphorie auf den Rängen fehlte.
Angesichts des deutlichen Spielstands allerdings absolut nachvollziehbar. Da war dank der indiskutablen Schiedsrichterleistung, besonders im letzten Drittel, deutlich mehr los als beim Abpfiff. Gegen Bietigheim dürfte der Palast dann wohl wieder etwas heller brennen.mb