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PlayOff-Spiel 2: EHC - REV Bremerhaven 3:2nP

Die Grizzlies scheinen nun endgültig in den Play-offs angekommen zu sein. Zumindest war für die anwesenden Fans des EHC deutlich zu erkennen, dass ihr Team den Kampf um das Halbfinale endlich angenommen hat.
War man den Gästen aus Bremerhaven auch spielerisch unterlegen, so errangen die Wolfsburger nach einem furiosen Start in die Begegnung mit eisernem Willen und einem glänzend aufgelegten Chris Rogles im Tor letztendlich im Penaltyschießen den Sieg zum Ausgleich der Serie.

1.Drittel
Der EHC nutzte seine Chance die Gäste zu überrumpeln und machte, zum Erstaunen aller Auswärtsfahrer, mächtig Druck.
Schon nach zweieinhalb Minuten klingelte es hinter Gardner im Gästetor und der Eispalast stand zum ersten Mal Kopf!
Boris Lingemann hatte einen Abpraller von Wietfeldt zum 1:0 über die Linie gestochert, während die Bremerhavener Defensive die Aussicht genoss.
Die Gäste waren sichtlich angeschlagen, kamen nun stets einen Schritt zu spät und konnten sich wenig später nur auf Kosten einer Strafzeit aus der Umklammerung in ihrem Drittel lösen.
Schopper hatte den Puck über die Bande befördert (4.Min) und saß fortan auf der Strafbank.
Der EHC ließ sich auch hier nicht zweimal bitten und netzte nach druckvollem Powerplay in der 6.Minute zum zweiten Mal ein:
Kosick vollendete die schöne Kombination über Regan und Callander zum 2:0 und das Spiel schien seinen Lauf zu nehmen.
Fast wäre den Grizzlies sogar die Vorentscheidung gegen verunsicherte Gäste gelungen, doch in der Folgezeit fehlte ein wenig das Schussglück und gegen Ende des Drittels hatten die Pinguine sich dann, zumindest halbwegs, gefangen.
So musste nun auch Rogles zwei oder dreimal ins Geschehen eingreifen, blieb dabei aber vorerst unbezwungen.

2.Drittel
Die Partie legte jetzt noch einmal an Intensität zu. Hatten die Gäste gegen Ende des ersten Drittels bereits zusätzliche Härte ins Spiel gebracht, so schalteten sie nun nochmals einen Gang hoch. Aber auch spielerisch fanden die Bremerhavener jetzt zu ihrer Linie zurück und übernahmen nun Schritt für Schritt das Kommando auf dem Eis.
Begünstigt durch einige sehr wohlwollende Entscheidungen des insgesamt überfordert wirkenden HSR Dimmers setzte Ex-Wolfsburger Beslagic den ersten unrühmlichen Höhepunkt seitens der Pinguine und beförderte Jan Zurek per Bandencheck ins Krankenhaus (23.Min) - die alte Schulterverletzung war wieder aufgebrochen und die Play-offs dürften für den Wolfsburger Torjäger damit beendet sein.
Nachdem der übeltäter die (lachhafte) 2-Minuten Strafe abgesessen hatte, machten die Gäste erst recht Dampf und das aus dem ersten Spiel bekannte Bild entstand und wollte bis zum Ende der Partie nicht mehr weichen:
Bremerhaven setzte sich fortan im Wolfsburger Drittel fest, betrieb entschlossenes Forechecking und konnte die eigenen Verteidiger bei 5 gegen 5 an die blaue Linie der Gastgeber stellen, da diese sich offenbar nicht trauten einen Mitspieler zum Kontern tief zu stellen.
Folge des Dauerdrucks waren dann die beiden absolut verdienten Treffer der Gäste im Laufe dieses Drittels, wobei beide Seiten nun etwas nervös wirkten.
2:1 durch Robinson, der schön freigespielt nur einschieben brauchte (28.Min)
2:2 wiederum durch Robinson, der im Powerplay erneut durch hervorragendes Stellungsspiel glänzte (34.Min)

3.Drittel
Bremerhaven hatte nun jegliche Verunsicherung abgelegt, setzte die Gastgeber massiv unter Druck und erspielte sich zahlreiche Chancen.
Fast im Minutentakt entschärfte Rogles gegen die Gäste aus Fishtown mehr oder weniger hochkarätige Chancen, denn auch die Verteidigung der Grizzlies arbeitete jetzt wieder konzentrierter als noch im zweiten Drittel.
Echtes Highlight hierbei war die Rettungsaktion des Wolfsburger Goalies in der 50.Minute, als er Pinizzottos Schuss aufs leere Tor per Hechtsprung abfangen konnte.
Atemloses Staunen auf den Rängen war angesagt...
Mit viel Glück, viel Einsatz und immer wieder Rogles in Höchstform gelang es den Wolfsburgern dieses eigentlich eindeutige Drittel unbeschadet zu überstehen.

Verlängerung
Die Gäste hatten sich offenbar geradezu "wund" geschossen, wirkten jetzt allmählich ratlos und so konnten die Grizzlies das Geschehen auf dem Eis endlich wieder ausgeglichen gestalten.
Doch beide Mannschaften suchten nicht die unbedingte Entscheidung, wobei die Gäste auch die einzige Unterzahl der Verlängerung unbeschadet überstehen konnten.
Auch eine Wolfsburger Auszeit zwei Minuten vor Ende der zehnminütigen Verlängerung brachte keine zwingenderen Chancen für die Gastgeber, so dass das Penaltyschießen über Sieg und Niederlage entscheiden musste.
Doch bevor es soweit war spielte sich im Eispalast bis dahin Einmaliges auf dem Eis ab:
Sommerfeld und Lingemann machten sich vor dem eigentlichen shoot-out auf den Weg zum Tor der Gäste und fegten den von Gardner auf dem Anlaufweg verteilten Eisabrieb mit den Schlägern zur Seite. Leicht irritiert wirkende Gäste wollten die beiden nach und nach davon abbringen, entschieden sich schließlich unter dem amüsierten Gejohle der Zuschauer dafür selber vor dem Tor von Rogles demonstrativ zu "fegen".
Rogles schaute sich das Ganze kurz an, legte mit den beiden Bremerhavener "Fegern" eine kleine Fechteinlage hin, um sich dann wieder zur Bank zurück zu ziehen.
Während dessen gab sich auf der Gegenseite Greg Gardner längst nicht mit ein wenig fechten zufrieden und verteilte, wie schon im letzten Punktspiel gegen Bremerhaven gesehen, Stockschläge und Stockendenstöße.
Was dann folgte war eine Massenschlägerei, wie wir sie schon seit langer, langer Zeit nicht mehr im Eispalast zu sehen bekommen haben.
Während Sommerfeld hinter dem Gästetor reichlich eingeschenkt bekam und Kosick zwar engagiert zu Werke ging, aber bestenfalls ein Unentschieden erreichen konnte, ergriff der Gegner von Lars Brüggemann bereits nach den ersten Runden "im Ring" die Flucht...
Besonders heftig erwischte es allerdings Gästespieler Kozhevnikov, der sich dem Griff von Thomas Gödtel nicht entziehen konnte und vermutlich die Tracht Prügel seiner Karriere verpasst bekam. Die Zuschauer ließen ihren durch die zahlreichen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen aufgestauten Emotionen freien Lauf und feierten die Boxeinlagen ihres Teams.
Besonders Thomas Gödtel hatte es den Fans angetan, weshalb sie ihn ausgiebig hochleben ließen und mit ihm auf dem Weg zur Strafbank die "Welle" zelebrierten.
Bezeichnend für die Strafzeiten-Politik des Referees waren dann auch die im Anschluss ausgesprochenen Strafen:
Jeweils 2+2+10 Strafminuten für Brüggemann, Gödtel, Wycisk und Kozhevnikov.
Keine Spieldauerstrafen trotz minutenlanger Schlägerei ohne Handschuhe, keine Strafen gegen etliche langwierig Beteiligte...

Penaltyschießen
Das Penaltyschießen geriet dann vollends zur einseitigen Veranstaltung.
Für die sichtlich entnervten Bremerhavener traf lediglich, dreimal darf man raten...natürlich Robinson. Alle anderen Schützen scheiterten am überragenden Rogles.
Auf Wolfsburger Seite trafen mit Delisle, Regan und Simon alle angetretenen Schützen und sicherten den euphorisch feiernden Wolfsburgern den Sieg in diesem dramatischen Match.


Mein subjektiver Eindruck:
Geiles Ding. Nach dem ersten Drittel hatte man die vage Hoffnung, dass unser Team dem Spiel der Bremerhavener endlich etwas entgegen zu setzen hätte. Das war dann im zweiten und dritten Drittel leider wieder nicht der Fall.
Und ich bleibe dabei: Es ist kein Problem der individuellen Klasse der Akteure auf unserer Seite. Viel mehr hakt es beim Spielsystem unseres Teams - da haben wir einfach keine passende Antwort gegen das Bremerhavener System vorzuweisen. Bleibt zu hoffen, dass Krinner die Chaostage unter Leslie doch noch vollständig aufarbeiten kann und dem Team ein System einimpfen kann, das die gegnerischen Verteidiger zwingt von unserem Drittel abzurücken, anstatt wie im Powerplay auch bei 5 gegen 5 an der blauen Linie zu warten.
Wenn man sich weiter so kontinuierlich im eigenen Drittel einschnüren lässt, dann ist die Serie nämlich bald vorbei.
Was positiv stimmte und den Spaß an der Partie ausmachte, war die mannschaftliche Geschlossenheit und der unbedingte Kampfeswille...auch und gerade angesichts der überlegenheit der Gäste.
Die Boxeinlage war natürlich das absolute Sahnehäubchen - man demonstrierte mannschaftlichen Zusammenhalt und lieferte nebenbei eine klasse Show-Einlage. Ernsthaft verletzt wurde dabei jedenfalls niemand und da der HSR seine unsägliche Linie zumindest in der Höhe der verteilten Strafen beibehielt muss auch keiner beim nächsten Spiel zuschauen.

Tor:
Rogles endlich wieder einmal mit einer Galavorstellung!
Er hat uns, besonders im letzten Drittel, definitiv den Sieg gerettet.

Verteidigung:
Insgesamt gute Vorstellung. Wenn man sich ständig im eigenen Drittel aufhält, dann hat man naturgemäß mehr Gelegenheit Fehler zu machen. Die Bremerhavener Verteidiger konnten sich ab dem zweiten Drittel fast vollständig auf ihre Offensivaufgaben und das Unterbinden des Wolfsburger Aufbauspiels konzentrieren...davon konnte unsere Defensivabteilung nur träumen.
Einzig Frenzel wirkte teilweise etwas ungeschickt und konnte erneut nicht wirklich überzeugen - eher im Gegenteil.

Sturm:
Ein Drittel lang äußerst gefährlich, spielte vorbildliches "crash the net" und überrannte die Verteidigung der Gäste förmlich.
Irgendwie ging den Wolfsburger Stürmer zur Mitte des Spiels hin der Mut verloren sich bei Puckbesitz der Bremerhavener im Grizzlydrittel an der roten Linie anzubieten.
Dadurch hatte der EHC, wie schon im Hinspiel, nicht eine einzige wirklich gefährliche Kontermöglichkeit und ließ die gegnerischen Verteidiger ungefährdet viel zu weit aufrücken.
Da muss der Trainer intervenieren und pro Sturmreihe einen Spieler abstellen, der in der neutralen Zone eine potentielle Gefahr darstellt. Ansonsten wird der Rest der Serie wie die bisherigen Spiele, mit Ausnahme des ersten Drittels der letzten Partie, aussehen.

Fans:
Unterstützung war zu jeder Phase von den Rängen zur Stelle. Die Intensität könnte allerdings wesentlich größer sein, wenn man der Mannschaft bei ihrer äußerst schweren Aufgabe eine Hilfe sein möchte. Zum Glück machten es die rund 250 Bremerhavener Fans es uns nicht allzu schwer, sonst wäre der allgemein niedrige Geräuschpegel wesentlich unangenehmer deutlich geworden. Das Team hat deutlich sichtbar alles gegeben - da dürfen wir auch nicht geizen!mb