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PlayOff-Spiel 4: EHC - REV Bremerhaven 3:5

Mit der alles in allem unverdienten Niederlage im vierten Play-off Spiel gegen den REV Bremerhaven stehen die Grizzlies nun mit dem Rücken zur Wand.
Gleich auf der anschließenden Pressekonferenz richtete Grizzly-Trainer Krinner den geknickten Anhängern des EHC eine Kampfansage ihres Teams für die fünfte Partie, die wieder in Bremerhaven stattfindet, aus.
Trotzdem blickten nach dem Spiel viele Anhänger etwas wehmütig durch die Fenster der Pistenbar auf das Eis des Eispalastes. Vielleicht war es das letzte Mal, dass sie diesen Ausblick genießen durften, da der Ausbau in vollem Gange ist und die Pistenbar aller Voraussicht nach den Umbaumaßnahmen zum Opfer fallen wird.

1.Drittel
Die Grizzlies, die auf den kurzfristig erkrankten Kurtz verzichten mussten, starteten gewohnt schwungvoll in die Begegnung.
Fast mit dem Anpfiff rissen die Gastgeber das Kommando an sich und dominierten die Pinguins äußerst druckvoll.
Diese gerieten heftig ins Schwimmen und konnten sich nach zwei überstandenen Unterzahlsituationen gleich zu Beginn glücklich schätzen, dass der EHC seine großen Chancen im Minutentakt ausließ. Vor allem Regan und Callander vergaben dabei fast unmöglich zu vergeigende Einschussmöglichkeiten - die Nervosität auf Seiten der Grizzlies war offenbar zu groß.
Als Bremerhaven in der 7.Minute völlig überraschend mit der ersten (halben) Gelegenheit per Stochertor (Wycisk) in Führung ging, wussten die Wolfsburger allerdings bereits 19 Sekunden später eine Antwort.
Das 1:1 durch Herbert Geisberger öffnete die Partie sofort wieder und verhinderte allzu große Verzweiflung bei den Grizzlies.
Doch das Powerplay des EHC sollte einmal mehr das Zünglein an der Waage werden. Nachdem auch die dritte Gelegenheit ungenutzt blieb, schlugen die Bremerhavener Spezialisten gleich im ersten Anlauf zu.
Der glänzend freigespielte Pinizzotto machte in der 14.Minute das, was er am besten kann:
Vollstrecken - und zwar zum 1:2.
Mit diesem, insgesamt nicht die Spielanteile widerspiegelnden, Ergebnis ging es zum ersten Mal in die Kabinen.

2.Drittel
Gerade einmal 30 Sekunden waren gespielt, da markierte der erneut stark aufspielende Mark Kosick per Alleingang das 2:2 durch die Schoner von Gästekeeper Gardner.
Ein munteres Drittel entwickelte sich - mit dem besseren Ende für die Gäste vom REV.
Während die Grizzlies in Person von Regan und Simon ihre Tempogegenstöße sogar aufs leere Tor nicht erfolgreich abschließen konnten, zockten die Pinguine in der 34. und 35.Minute die Wolfsburger Hintermannschaft zweimal vorbildlich aus.
2:3 durch Gyori, der einen schnellen Konter durch Rogles Schoner abschließen kann.
2:4 durch Cullen, der nach einer Lehrstunde für die EHC-Defensive eiskalt vollstreckt.
Hätte der fitgespritzte Zurek nicht zwei Minuten später den wichtigen Anschlusstreffer zum 3:4 erzielt - die Partie wäre wohl gelaufen gewesen.

3.Drittel
Wolfsburg demonstrierte fortan sein großes Kämpferherz...doch auch seine katastrophale Chancenverwertung. Sei es in Unterzahl, sei es in überzahl - nichts wollte gelingen, obwohl die Möglichkeiten mit viel Kampf, aber auch endlich wieder mehr Spielwitz kreiert wurden.
Die Grizzlies blieben zu hektisch und zu ungenau vor dem Tor des immer wieder ungewohnt unsicher wirkenden Gardner.
Zu allem überfluss erhielt in der 52.Minute Jesse Fibiger eine 5 + Matchstrafe für einen Check, der angeblich auf Kopfhöhe angesetzt war, mit Verletzungsfolge bei dem sich Rene Röthke die Nase brach. über die tatsächliche Regelwidrigkeit des Checks gingen die Meinungen bei den Anwesenden allerdings durchaus auseinander...
Nachdem die Gastgeber die anschließenden fünf Minuten in Unterzahl dank beherztem Einsatz unbeschadet überstanden hatten und sogar noch Gelegenheit zum Ausgleich hatten, griffen sie in den Schlussminuten noch einmal voll an und versuchten es am Ende ohne Torwart Rogles und mit einem sechsten Feldspieler zu zwingen. Ohne Erfolg - Röthke setzte mit dem empty-net goal zum 3:5 den aus Wolfsburger Sicht deprimierenden Schlusspunkt hinter eine unnötige Niederlage.


Mein subjektiver Eindruck:
So ist er manchmal, der von uns heißgeliebte Sport - ungerecht.
Zum ersten Mal war man den Pinguinen wirklich überlegen und doch endete das Spiel mit einer Niederlage.
Trotz der angeschlagenen (Zurek und Simon) und fehlenden Leistungsträger (Kurtz) hätte man diese Begegnung gewinnen MüSSEN.
Zumindest im Auslassen von Großchancen ist dieses Team Titelanwärter...
Hinzu kommt ein überzahlspiel mit dem Organisationsgrad einer Partie Krabbelfußball - grauenhaft wie da die Raumaufteilung zum Teufel gejagt wurde.
Ich fürchte, der Eishockeygott muss am Sonntag schon seinen orangenen Tag haben, damit wir mit dem entsprechenden Glück einen Sieg aus Fishtown mitbringen können. Von einem zweiten Sieg an der Küste, der zum Weiterkommen notwendig wäre, ganz zu schweigen.

Tor:
Rogles solide - mehr nicht. Sah beim ersten und dritten Gegentreffer nicht wirklich glücklich aus, hatte aber wieder unter den vorübergehenden Auflösungserscheinungen der Abwehr zu leiden.
Passte sich der allgemeinen Nervosität, auch seines Gegenübers, an.

Verteidigung:
In Unterzahl, bis auf eine Ausnahme, hellwach. Besonders in Fibigers fünf Minuten sehr stark und mit der hin und wieder fehlenden übersicht.
Frenzel ist mit der vielen Eiszeit, die er momentan bekommt, sichtlich überfordert.
Ansonsten zeigte die Tendenz in der Verteidigung nach oben - die Zuordnung passte öfter als in den letzten Begegnungen und die Zweikämpfe konnten endlich wieder offener gestaltet werden, so dass nicht mehr so oft zwei Spieler von Nöten waren, um einen Bremerhavener zu stoppen. Ganz auszuräumen sind die Probleme offenbar nicht.
Was mich ein wenig nervt ist Fibigers Stellungsspiel in Unterzahl - er hält zwar den Torraum frei, aber das Bremerhavener Kombinationsspiel ist keineswegs auf abgefälschte Schüsse angewiesen.

Sturm:
Die zweite Reihe versteht sich glänzend und entwickelt viel Spielfreude - ab und zu nutzt sie sogar ihre Chancen.
Die erste Reihe (wer auch immer das momentane "Vergnügen" hat mit Simon und Delisle zu spielen) ist einfach zu ineffizient. Alles in allem zu langsam und zu ungenau, Simon teilweise mit Passspiel aus der Hölle...
Bei allen anderen stimmte der Kampf und Geisbergers erster Play-off Treffer konnte kaum wichtiger sind.
Mein besonderer Respekt geht an Jan Zurek, der sich kurz vor Spielbeginn noch fitspritzen ließ, um sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen - da erkennt man die jahrelange Verbundenheit mit dem Wolfsburger Eishockey! Das Tor stellte da nur das Ausrufezeichen hinter seiner tollen Einstellung dar.

Fans:
Tja. Den Spott der Bremerhavener Fans kann ich irgendwie nicht verstehen. Beim ersten Auswärtsspiel der Serie haben die Pinguine gewonnen - stimmungsmäßig war´s aber eher mau.
Wie kann man sich da über unsere mangelnde Anfeuerung mokieren - in Fishtown könnte man bei einem derartigen Verlauf der Serie vermutlich eine Stecknadel fallen hören (von den dämlichen Tröten mal abgesehen).
Natürlich kann von unserer Seite viel mehr kommen - doch der Verlauf der Saison mit einfach viel zu vielen kleinen und großen Enttäuschungen hat offenkundig seine Spuren hinterlassen.
Vielleicht dürfen wir´s am Dienstag noch einmal anpacken...die Chancen dafür stehen leider eher schlecht.mb