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EHC - Landshut Cannibals 4:3

Was für ein Saisonauftakt!
Nach der gelungenen Auswärtspremiere in Weißwasser, konnten die Grizzlies auch die erste Partie in der EisArena vor sage und schreibe 3300 Zuschauern siegreich gestalten.
Altbekannte Gesichter, ob stets da oder lange nicht gesehen, gesellten sich zu vielen neuen und gemeinsam zelebrierte man diesen besonderen Tag in der Wolfsburger Eishockeygeschichte.
Endlich hat die schnellste Mannschaftssportart der Welt eine glänzende Zukunft in unserer Stadt...endlich kann man sich aufs Sportliche konzentrieren und muss nicht stets an Hallenpunkte und Bautermine denken, wenn man das Thema Eishockey im Kopf hat.
Auch wenn nicht jeder Neugierige in den kommenden Wochen wiederkommen wird: Die Stimmung und die Atmosphäre in der neuen EisArena haben die Vorfreude auf diese Saison, falls das möglich ist, noch einmal um einiges gesteigert.

1.Drittel
Stimmgewaltig auf den Ränge und sichtlich hochmotiviert auf dem Eis begannen die Grizzlies ihr erstes Heimspiel in der neuen Spielstätte, die dank der erhaltenen Stehtribüne von Anfang an etwas "Stallgeruch" mitbringt.
Leider wirkte das Heimteam zu Beginn auch sehr, sehr nervös - verständlich angesichts der beeindruckenden Kulisse und den hohen Erwartungen aller Beteiligten!
So mussten die Gastgeber bereits in der 2.Spielminute die erste bittere Pille schlucken:
Nachdem ein Wechsel komplett vergeigt wurde konnte Gästekeeper Cinibulk die Scheibe über Toupal direkt zum völlig frei stehenden Hagelberg schicken, der Kotyk prompt zum 0:1 überwinden konnte.
Doch der Schock währte nur kurz und wich schnell emsiger Betriebsamkeit auf Seiten des EHC.
Kurios, dass es einer Unterzahl-Situation bedurfte, damit die Grizzlies endlich eine ihrer anfänglich zahlreichen Torchancen nutzten.
Bereits in der 5.Minute gelang dem erneut furios aufspielenden Tim Regan der 1:1 Ausgleich in 4:5 Unterzahl auf dem Eis. Geisberger saß wegen Hakens draußen und feierte von der Strafbank aus mit den entfesselt jubelnden Fans den ersten Treffer in der neuen Halle.
Danach wurde es ein Drittel der vergebenen Chancen und gelungenen Torhüterparaden, das keinen weiteren Treffer sehen sollte.
Auffällig waren zudem die großen Probleme einiger Grizzlies, die auf dem scheinbar zu weichen Eis einfach zu viel wollten bzw. sich noch nicht darauf eingestellt hatten.
Derart viele Stolperer und versprungene Pucks gab es zumindest schon lange nicht mehr zu bewundern.

2.Drittel
Auch im folgenden Spielabschnitt konnten die Wolfsburger leichte Vorteile für sich verbuchen, wirkten aber oft nicht organisiert genug, um die Landshuter Hintermannschaft komplett aus zu spielen.
So war es auch erneut der aus der Vorsaison bereits eingespielten Reihe mit Callander, Kosick und Regan vorbehalten den nächsten Torschrei der Grizzlies zu entfesseln:
In der 26.Minute war es also erneut Kosick, der mit feinem Auge Torjäger Tim Regan in Szene setzte, der den Abpraller auch dankbar zum 2:1 über die Linie schob. Torhüter Cinibulk durfte lediglich als Bande agieren...
Zum Leidwesen der EHC-Fans gelang nur 100 Sekunden später auch den Cannibals eine schöne Kombination die Eric Houde zum 2:2 nutzen konnte.
Doch nicht einmal eine Minute verging, da war der Kummer schon wieder vergessen:
Die Reihe um Center Mattias Wikström erkämpfte sich kollektiv den Treffer zur erneuten 3:2 Führung der Gastgeber. Geisberger hatte nach Pass von Kaufmann platziert abgezogen, Cinibulk rettete, Wikström sprang Kopf voran im Tiefflug Richtung Tor und spitzelte den Puck im Fallen über die Linie - so viel Einsatz brachte die Halle zum Kochen!
Landshut wehrte sich nach Kräften, geriet aber ein ums andere Mal schwer in Bedrängnis und konnte sich am Ende des Drittels beim bestens aufgelegten Cinibulk bedanken, für den wenige Sekunden vor der Pausensirene obendrein das Metall rettete.
EHC-Neuzugang Mike Pudlick hatte im Powerplay mit einem satten Kracher von der Blauen fast sein erstes Saisontor erzielt - so blieb es beim leistungsgerechten Vorsprung für Wolfsburg.

3.Drittel
Den besseren Start in den Schlussabschnitt erwischten eindeutig die Gäste. Nicht zuletzt durch den massiv aufgebauten Druck der Cannibals gerieten die Grizzlies gleich zweimal im Laufe der ersten 10 Minuten in Unterzahl.
Doch das überzahlspiel der Gäste wirkte zum Glück eher bescheiden...
Viel besser machten es die heimischen Bären, als Christoph Wietfeldt in der 53.Minute das dritte überzahlspiel der Grizzlies in dieser Begegnung zum 4:2 nutzen konnte.
Doch die Gäste wollten den Gastgebern keinen frühen Feierabend gönnen:
Nur eine Minute später tankt sich Verteidiger Rich Bronilla bis vors Grizzlygehäuse durch, Kotyk spekuliert auf den Querpass...und bekommt die Bude eiskalt in den Winkel seiner Ecke.
Das Spiel blieb bis zum Schluss spannend, Landshut nahm schließlich den Goalie für einen sechsten Feldspieler vom Eis - doch Seamus Kotyk ließ nichts mehr anbrennen, hielt nur 2 Sekunden vor Schluss per Monstersave die 3 Punkte fest und feierte im Anschluss mit seinem Team und den frenetisch jubelnden Fans den ersten Heimsieg der Saison.
Mit Ehrenrunden und Raupe entließen die Grizzlies schließlich ihre Fans in eine Woche voller Vorfreude auf den nächsten Freitag...

Mein subjektiver Eindruck:
Es fällt mir schwer die spielerischen Akzente dieses Abends in den Vordergrund zu stellen. Zu überwältigend war dieser erste Eindruck von unserer neuen Heimat und zu groß ist der Wunsch, dass die vielen Neugierigen, die sich zum ersten Spiel eingefunden hatten, doch wiederkommen mögen.
Auch wenn einige Teile der Mannschaft noch recht abstimmungsbedürftig wirkten: Ich habe ein gutes Gefühl bei diesem Team. Egal was am Ende der Saison rauskommen mag - ich glaube wir werden diese Saison viel Spaß mit unseren Grizzlies haben. Da kommt irgendwie was rüber. Spaß, Teamgeist, Wille...ich weiß noch nicht genau was es ist.

Tor:
Kotyk strahlte leider nicht annähernd die Ruhe wie noch im Weißwasser-Spiel aus.
Besonders beim dritten Treffer sah er mehr als unglücklich aus, griff im Anschluss auch mal daneben und erinnerte mich teilweise einfach zu sehr an Ty Conklin, der mir seinerzeit mit seinen Ausflügen und Passspielen den ein oder anderen Nervenkasper bescherte.
Manchmal ist weniger mehr - aber nach dem bisher gesehenen darf man auch ihm ein wenig Nervosität an neuer Wirkungsstätte zugestehen.

Verteidigung:
Insgesamt akzeptable Vorstellung. Leichte Abstimmungsprobleme in den Pärchen durch den Fibiger-Ausfall waren allerdings zu beobachten.
Wenn ich jemanden herausheben würde, dann Lars Brüggemann, der klammheimlich in den ersten beiden Spielen an seine besten Zeiten im Dress der Grizzlies anzuknüpfen scheint.
Möge das Knie halten!

Sturm:
Licht und Schatten.
Besonders die Regan-Reihe mit Callander und Kosick nutzt ihre Eingespieltheit und fungiert praktisch als erste Reihe. Kapitän Regan scheint darüber hinaus seinen Torriecher wiederentdeckt zu haben. Sehr gut!
Wikström und Kaufmann kämpfen teilweise noch mit der Integration von Geisberger nach dem Ausfall von Zurek: Das darf wohl ruhig auch noch ein paar Wochen dauern. Anders wäre es keine faire Chance für Herbert zu beweisen, dass er schon in einer Top-Reihe spielen kann. Gute Ansätze sind vorhanden.
Größtes Sorgenkind, wie schon in der Vorbereitung, bleibt die erste Reihe.
Simon und Wietfeldt kämpfen zunächst mit dem Eis, stolpern und schlagen über den Puck wie nichts Gutes, Henrich wirkt immer noch viel zu oft wie ein Fremdkörper:
Generell strahlt diese Reihe bei weitem nicht die Gefahr fürs gegnerische Tor aus, wie man es erwarten dürfte. Da ist noch viel Luft nach oben...

Fans:
Die Fans geben Gummi und alle fahrn drauf ab ;)
Das hat wirklich unglaublich Spaß gemacht, zumal die Sitzplätze erstaunlich viel Bereitschaft zum Mitmachen zeigten. Sei es La Ola, Klatschen oder teilweise sogar Mitsingen / -rufen. Ich hoffe es sind nicht zu viele sehr arg enttäuscht, wenn die erste Welle der Neugierde abgeebbt ist und wir unseren anvisierten Schnitt von ca. 2000 Zuschauern begrüßen dürfen. Wenn´s mehr werden sollten, wissen wir ja was uns erwartet. Ich werde den heutigen Abend jedenfalls niemals vergessen und hätte nichts dagegen, wenn solche "Zustände" irgendwann mal zur Normalität würden. mb