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EHC - REV Bremerhaven 4:6

Nach dem rauschenden Eishockeyfest der letzten Woche gab´s nun die große Ernüchterung gegen die Pinguine aus Bremerhaven, die den Gastgebern deutlich aufzeigten, wo noch reichlich Bedarf an Nachbesserungen besteht.
Nachdem im ersten Heimspiel wohl alle Neugierigen sich die neue Halle einmal angeschaut hatten (und hoffentlich ab und zu einmal wieder vorbeischauen werden), konnten die Grizzlies vor 2335 Zuschauern im zweiten Heimspiel nicht wirklich überzeugen. Eiskalt nutzten die Gäste aus dem hohen Norden die sich bietenden Konterchancen und schossen sich im letzten Drittel einen am Ende ungefährdeten Sieg in der EisArena heraus.

1.Drittel
Anfangs schien es genau dort weiter zu gehen, wo der EHC im Spiel gegen Landshut aufgehört hatte.
Die Grizzlies wirkten zwar nach wie vor nicht sonderlich harmonisch auf einander eingespielt, doch mit Engagement und individueller Klasse hielten sie die Gäste 20 Minuten bestens in Schach.
In der 8.Minute war dann auch, wie bereits öfter gesehen, die 2.Reihe zur Stelle, um in Person von Kapitän Tim Regan den Torerfolg zur 1:0 Führung zu verbuchen.
Doch anstatt die Führung aus zu bauen deuteten die Gastgeber auch in den verbleibenden zwölf Minuten des Drittels an, was im Laufe der Begegnung noch wesentlich schlimmer werden sollte: Das entscheidende Zuspiel im gegnerischen Drittel und der Abschluss gestalteten sich nahezu katastrophal.
Den Ausgleich der Pinguine in der 14.Minute konnte man vor dem Hintergrund der überlegenheit der Grizzlies und der speziellen Situation, die zum Gegentreffer führte, durchaus noch als Ausrutscher werten.
Max Seyller war nach Meinung vieler Zuschauer und offenbar auch einiger Spieler des EHC unfair an der Bande im Drittel der Bremerhavener angegangen worden. Doch der Pfiff des Hauptschiedsrichters blieb aus und statt dessen schaute ein Teil der Grizzlies leicht irritiert dem Konter der Bremerhavener zu, den Craig Streu aus einer 2 zu 1 Situation erfolgreich zum 1:1 abschließen konnte.
Mit diesem, aus Bremerhavener Sicht, schmeichelhaften Unentschieden ging es zum ersten mal in die Pause.

2.Drittel
Der zweitschlechteste Spielabschnitt der Grizzlies in der noch jungen Saison.
Nach 28 Sekunden schlug der Puck schon hinter Seamus Kotyk ein: Deniset hatte einen schnell vorgetragenen Angriff der Gäste erfolgreich zum 1:2 abgeschlossen. Die Abwehr der Wolfsburger stand Spalier...
Bremerhaven zeigte sich plötzlich als das bestimmende Team und dominierte die Gastgeber fast über die komplette Dauer des zweiten Drittels.
Der Dauerdruck der Gäste wurde lediglich von zwei bis drei größeren Chancen der Grizzlies unterbrochen, ansonsten konnten sich die Wolfsburger bei ihrem Keeper Kotyk und den recht überzeugenden Unterzahlformationen bedanken, dass die Pinguins ihr unermüdliches Pressing und die daraus entstehenden Chancen nicht in weitere Tore verwandeln konnten.
Mit einem, diesmal für die Gastgeber schmeichelhaften, Ein-Tor-Vorsprung für Fischtown ging es dann zum zweiten Pausentee.

3.Drittel
Der schlechteste Spielabschnitt der Grizzlies in der noch jungen Saison.
Noch vor Ablauf der 2-Minutenstrafe, die sich die Gastgeber 4 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels eingefangen hatten, schlugen die Gäste dann doch noch im Powerplay zu.
Das 1:3 durch Pinizzotto in der 42.Minute konterte der EHC zwar noch einmal eine Minute später, als Wikström einen der wenigen brauchbaren Spielzüge der Grizzlies im letzten Drittel zum 2:3 Anschluss verwertete, aber dann...
Die Wolfsburger stürmten in der Folgezeit kopf- und planlos auf den Bremerhavener Kasten und fingen sich bis drei Minuten vor Schluss ganze 3 weitere Treffer.
2:4 durch Janzen in der 45.Minute bei angezeigter Strafe gegen Wolfsburg.
2:5 durch Deniset in der 51.Minute.
2:6 durch Pinizzotto in der 57.Minute.
Als die Gästefans schon lautstark feierten, waren wohl auch schon einige Spieler aus Fischtown schon gedanklich im Bus nach Hause.
Anders sind die beiden Treffer der Grizzlies in der letzten Minute der Begegnung wohl nicht zu erklären, als es plötzlich doch noch einmal "flutschte".
Das 3:6 durch Wikström und das 4:6 durch Regan konnten dann auch getrost unter Ergebniskosmetik abgehakt werden.
Die erste Heimniederlage war perfekt.

Mein subjektiver Eindruck:
Die Pinguins haben, vermutlich zur rechten Zeit, unserem Team den momentanen Entwicklungsstand schmerzhaft vor Augen geführt.
Der Trainerfuchs Pavlov hat mit seinem stark auf Forechecking basierenden System deutlich das zu Tage gebracht, was Weißwasser und Landshut noch nicht enthüllen konnten.
Unser Team besitzt einfach noch nicht die Geschlossenheit und den Organisationsgrad die man braucht, um gegen eine diszipliniert auftretende Kontermannschaft die Kontrolle zu behalten, wenn man gleichzeitig auf dem vermutlich schlechtesten Eis der Liga das Spiel machen muss.
Die zahlreichen Schwächen, die sich heute offenbarten, gleich als Regelzustand einzuordnen halte ich aber für verfrüht. Die nächsten 2-3 Wochen werden da vielleicht für Aufklärung sorgen.
Wirklich gut fand ich die üppige Eiszeit unserer jüngeren Spieler in der ersten Hälfte der Begegnung: Sogar in Unterzahl durften sie ran und enttäuschten nicht - Daumen hoch für unseren Trainer!

Tor:
Kotyk sah beim ersten Gegentor durch die Beine nicht wirklich gut aus, machte das aber im zweiten Drittel mehr als wett. Da hielt er die Grizzlies im Spiel, obwohl seine Vorderleute kaum für Entlastung sorgten. Insgesamt eine gute Leistung...vor allem, weil er im dritten Drittel weitestgehend ohne nennenswerte Abwehr agieren musste.

Verteidigung:
Erstes Drittel noch in Ordnung.
Zweites Drittel akzeptabel mit guter Unterzahl.
Dann war das große Hinterherlaufen angesagt. So oft, wie die kopflos anrennenden Stürmer den Puck verloren, konnten die Verteidiger gar nicht wieder zurücklaufen ohne den ein oder anderen Fehler zu machen. Leider hatte man im letzten Drittel das letzte bisschen Ordnung zum Teufel gejagt und so entstanden aus dem allgemeinen Chaos und der Tatsache, das fast alle Verteidiger nicht wirklich ihren Sahnetag hatten ein Schützenfest der negativen Sorte.

Sturm:
Callander, Kosick und Regan stellen momentan unsere erste Reihe dar. Warum? Weil sie die einzig funktionierende Reihe des EHCs sind und Tim Regan seinen Torriecher wiedergefunden hat.
Kaufmann und Wikström werden durch Geisberger weiterhin eher gebremst - wie ich bereits schrieb dauert die Neufindung dieser Reihe vermutlich noch einige Wochen. Wikström macht trotzdem seine Buden.
Tja...und unsere "erste" Reihe war, nicht zum ersten Mal, ein Ausfall. Wietfeldt rackert wie blöde, Simon stolpert wie beschiggert und Henrich wirkt teilweise so deplaziert wie ein Einbeiniger auf ´ner Arschtretparty. So viel brachliegendes Potential habe ich schon lange nicht mehr in Wolfsburg bestaunen dürfen. Da müssen die drei sich mit Toni hinhocken und intensiv nach Lösungen suchen - wir brauchen diese Reihe!

Fans:
Schon vor Spielbeginn war die Atmosphäre irgendwie ein wenig gedämpft. Vorahnung?
Im ersten Drittel ging´s zumindest noch einigermaßen, aber schon im zweiten Abschnitt zeichnete sich ein eher ruhiger Abend ab. Der Spielverlauf trug ein übriges dazu bei.
Ich kann wirklich nur an alle appellieren: Schraubt Eure Erwartungen an die Größe der Kulisse runter! Wir konnten früher auch mit 1000 Zuschauern gut abfeiern - das kriegen wir auch dieses Jahr wieder hin - bloß halt mit 2000. Wenn´s mal deutlich mehr werden, können wir so was wie im ersten Spiel sicher noch einmal erleben, aber zur Regel wird das wohl erst in der DEL werden können. mb