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EHC - Kassel Huskies 1:8

So gut gefüllt wie die Ränge der Eisarena waren offenbar auch die Hosen der Spieler des EHC.
Ohne Stammgoalie Rogles und ohne Konzept stolperten die Grizzlies in den Abgrund und fielen und fielen und fielen...es schien kein Ende zu nehmen. Lediglich im letzten Drittel schienen die Gäste aus Hessen ein Einsehen zu haben und setzten längst nicht mehr so energisch und effektiv wie in den ersten beiden Dritteln nach.
So blieb den Gastgebern, die sich in den ersten beiden Dritteln aus verständlichen Gründen (rund 1000 begeisterte Kassler Fans) in einem Auswärtsspiel wähnten, die Schmach einer zweistelligen Niederlage erspart.
Während die Heimfans das letzte Drittel nutzten, um sich selbst zu feiern und dem Team zu zeigen, dass man die guten Leistungen der letzten Wochen nun nicht sofort vergessen hatte, startete dann auch eine gemeinsame Polonaise von Gäste- und Heimfans durch die Halle, die so manchen wohl an die Zeit vor den Play-Downs 2005 erinnerte als beide Fanlager sich eigentlich durchweg wohlgesonnen gegenüberstanden.

1.Drittel
Die Geschichte ist leider schnell erzählt. Die Wolfsburger rannten vor lauter Aufregung unsortiert ins Kassler Drittel, erster Konter, Agricola machtlos, Tor durch Klinge zum 0:1 nach 42 Sekunden.
Wolfsburg planlos, kassierte in der 7.Minute eine lächerliche Strafe gegen Regan wegen ins Drittel schubsen (Behinderung) - berechtigt, aber trotzdem tuntig. 10 Sekunden Powerplay reichen den Huskies: 0:2 durch Bosivert - wunderschön herausgespielt.
Eine Minute später 0:3 durch Valenti, Agricola sieht gar nicht gut aus.
In der 12.Minute dann das 0:4 wiederum durch Valenti, Agricola sieht gar nicht gut aus.
Toni Krinner zeigte mit dem verzweifelt zur Bank schauenden 19jährigen Förderlizenzgoalie allerdings kein Erbarmen - er durfte sich bis Spielende noch einmal so viele Gegentreffer abholen und den Spott der Kassler Fans über sich ergehen lassen.
Frei nach dem Motto: Was dich nicht umbringt...
Die Grizzlies kämpften weiterhin verzweifelt um Ordnung und Kontrolle, blieben allerdings lediglich ohne weiteres Gegentor - mehr nicht.

2.Drittel
Die Grizzlies versuchten es zu Beginn des Drittels nun sortierter und begaben sich für ca. 10 Minuten auf Augenhöhe. Doch Kassel blieb eiskalt und effektiv wie in dieser Saison noch nie gesehen:
Der EHC hatte zunächst erstaunlich viel vom Spiel, das Tor machte in der 24.Minute aber Kassel. 0:5 durch McNeil, Agricola...genau: sah nicht gut aus.
Es bedurfte einer doppelten überzahl, um den Gastgebern zumindest den Ehrentreffer durch Wikström zum 1:5 zu ermöglichen - 25:33 war zu diesem Zeitpunkt erst gespielt. Das Spiel war jedoch längst entschieden.
Als Kraft in der 31.Minute dem Wolfsburger Goalie den Puck aus nächster Nähe deutlich hörbar an die Maske schoss und der Puck dem hoch erfreuten Beauregard zum ersten Saisontreffer vor die Füße fiel, war dann auch dem letzten Optimisten in Reihen der Grizzlies klar, dass hier kein sensationelles Comeback mehr stattfinden würde. Da war die Aufregung über den klar irregulären Treffer auch schnell verflogen - was soll man sich auch bei 1:6 noch lange ärgern.
Wolfsburg nach dieser seltsamen Entscheidung endgültig bedient, fing sich eine Minute später ohne große Gegenwehr sogar noch das 1:7 durch Klinge und spielte das Drittel mehr schlecht als recht zu Ende.
Sicherlich hatten auch die Grizzlies ihre Chancen, doch die Abstimmung stimmte in allen Mannschaftsteilen nicht einmal annähernd und so hatte die überzeugende Husky-Defensivabteilung keine größeren Probleme und der gut aufgelegte Hätinen besorgte den Rest.

3.Drittel
Das Spiel rückte nun endgültig in den Hintergrund. Die Grizzlies spielten die Partie, selbst in einfacher und doppelter überzahl, unmotiviert zuende. Die Huskies genossen die Atmosphäre, nahmen aus reiner Gemütlichkeit die eine oder andere überflüssige Strafe und schossen anderthalb Minuten vor Schluss in doppelter überzahl das 1:8 durch Pellegrims.
Das interessierte die anwesenden Fans beider Lager nur noch peripher - sie feierten ein Eishockeyfest (die einen mehr, die anderen weniger), das in einer gemeinsamen Polonaise gipfelte, die von Fans und Trommlern angefeuert einmal rundum wanderte.
Als positiver Aspekt ließ sich auf Wolfsburger Seite wohl lediglich die friedliche Atmosphäre zwischen den Fanlagern und die Unterstützung für das eigene Team trotz Debakel festhalten.

Mein subjektiver Eindruck:
Der nahezu hundertprozentigen Chancenverwertung der Gäste konnten die Grizzlies weder spielerisch noch psychisch etwas entgegensetzen. Taktisch diszipliniert wie ein Rudel Gurken bekam man dann auch mit vor Erregung geröteten Ohren kräftig was hinter selbige. So ein Spiel kann in jeder Saison mal vorkommen, aber es ist schon bedenklich, dass unser Team ausgerechnet mit der größeren Kulisse nicht zurecht kam und unglaublich verwirrt und nervös wirkte.
Ein Spiel auf das sich beide Fanlager derart gefreut hatten, hätte jedenfalls einen spannenderen Verlauf verdient gehabt als ein 1:6 nach 31 Minuten...
Ab diesem Zeitpunkt war das Ganze dann nämlich ungefähr so unterhaltsam wie ´ne Partie Damentennis ohne Stöhnen.
Bleibt zusammenfassend nur das zu sagen, was wir den drei Tapferen (Agricola, Geisberger und Elvis) im Fantreff mit auf den Weg gaben: Abhaken und lernen. Nach einem 1:8 ist man jedenfalls wesentlich aufnahmewilliger als nach einem "unglücklichen" 1:2.

Tor:
Agricola zeigte sich mit der Situation leider überfordert. Nach dem frühen Gegentreffer und der ausbleibenden Unterstützung seiner Teamkollegen, die weiter blind nach vorne rannten, war er offenbar nervlich so sehr angezählt, dass ihm bis Spielende drei mehr oder weniger deftige Kappen eingeschenkt wurden. Gegen Topteams stellt er für mich noch keine Alternative dar und ich sage es nicht gerne, aber: Mit Kevin wären wir besser gefahren. Mit seiner Erfahrung hätte er die eine oder andere Situation sicher besser gelöst.
Sollte Münster nicht rechtzeitig fit werden, können wir unmöglich mit Rogles und Agricola in die Play-offs starten - das wäre fahrlässig. Sandro braucht sicherlich noch 2-3 Jahre, bis er auch in den Play-offs eine Alternative darstellen kann und der Situation nervlich gewachsen ist.

Verteidigung:
Was soll ich sagen? Bemüht haben sie sich alle - das war´s aber auch.
Neuzugang Schutte wirkte solide, kontrollierte den Puck recht gut, konnte in dem allgemeinen Abstimmungschaos allerdings keine überragenden Pässe anbringen. Wenn er sich schnell eingewöhnt, könnte er tatsächlich eine Verstärkung werden.
Insgesamt katastrophale Auftaktphase, rückten stets zu weit auf und konnten die Puckverluste der Stürmer nicht auffangen.
Mehr Checks und Biss hätten ebenfalls nicht geschadet.
Einzelkritik überflüssig.

Sturm:
Wirkte teilweise so, als hätte irgendwer ihnen vergessen zu sagen, dass es sich nicht um das dritte Drittel des Benefizspiels handelte...
Abstimmung in allen Reihen katastrophal, ungenaue Pässe und Schüsse in Hülle und Fülle.
Zum Teil Bilder, die mir noch schlimmer als zu Beginn der Saison vorkamen. Da klappte nix und mit Backchecking war wegen fehlender Schnelligkeit auch nicht viel.
Ich hoffe man ist jetzt wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen und fängt wieder an zu arbeiten, anstatt sich auf den ja nun angeblich funktionierenden drei Reihen auszuruhen.

Fans:
Wir haben unsere Höhle, trotz demoralisierenden Ereignissen auf dem Eis, eindrucksvoll gegen die Kassler Invasion verteidigt. Wenn es zu Beginn auch schwerfiel, da vielen Zuschauern natürlich nicht klar war, dass man auch ohne Erfolgserlebnis feiern kann. Doch nachdem die letzte Hoffnung auf einen Sieg endgültig gewichen war, zeigten wir den rund 1000 zurecht von ihrer Mannschaft begeisterten Fans aus Hessen, dass diese schöne Arena eben doch nicht die ihre ist. Mehr konnte man an so einem verkorksten Nachmittag wohl nicht verlangen. Mein besonderer Dank geht hier an Matze und Andy, die das Publikum herrlich angeheizt haben und angesichts des wenig erfreulichen Spielverlaufs einen genialen Job gemacht haben. Ich würde mich freuen, wenn ich Euch wieder öfter vorne begrüßen dürfte ;) .
Am schönsten fand ich aber, dass man zwischenzeitlich wieder an einem Punkt im Bezug auf die Huskiefans angelangt zu sein schien, der an die Zeit vor den Play-Downs erinnerte. Gesunde Rivalität ohne unfaires Verhalten abseits der Gesänge und teilweise geradezu freundschaftlicher Umgang miteinander. In der DEL hatten die Huskies ihre Lions und wir die Scorpions - vielleicht konnte sich der eine oder andere daran erinnern und sich wieder auf ein versöhnliches Miteinander einlassen. Der ganze "Neuer Erzfeind-Quatsch" kam mir jedenfalls schon immer sehr von einigen wenigen Kasslern konstruiert vor, die mit dem ganzen Play-Down Kram offenbar immer noch nicht ihren Frieden gefunden haben - warum auch immer. mb