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EHC - REV Bremerhaven 3:1

Im neuen Jahr scheinen die Grizzlies mit der ein oder anderen Gewohnheit brechen zu wollen.
Zum Beispiel mit der alten, wenn auch nicht besonders liebgewonnenen, gegen den REV regelmäßig schlecht auszusehen und meist chancenlos zu verlieren.
Auch von der bisher wenig beliebten Heimschwäche war bisher nicht viel zu sehen, so dass der Neuanfang trotz Minikader als geglückt bezeichnet werden kann. Auch wenn die Gäste von der Nordseeküste nicht an die Leistungen der vergangenen Begegnungen anknüpfen konnten, lieferte der EHC eine begeisternde Vorstellung mit extrem viel Einsatz und Willen ab, was die rund 2700 Zuschauer lautstark zu würdigen wussten.

1.Drittel
Druckvoll und doch mit erstaunlich viel Kontrolle in der Rückwärtsbewegung starteten die Grizzlies in die Begegnung. Man konnte sich eigentlich nur erstaunt die Augen reiben angesichts des überraschenden Rollentauschs der beiden Kontrahenten. Zum ersten Mal seit vielen Duellen waren es die Pinguins, die kopflos zu stürmen schienen während Wolfsburg den Part der konzentriert und kontrolliert aufspielenden Mannschaft übernahm.
So hatten die Gäste im ersten Spielabschnitt folglich ebenfalls ihre Möglichkeiten - die Tore hingegen schoss der EHC.
Bereits in der 4.Minute war es der wie aufgedreht spielende Eric Dylla, der eine herrliche Kombination seiner Reihe zur frühen 1:0 Führung einschieben konnte.
Schon wenige Sekunden später durften die Gastgeber sich auch gleich im ersten Powerplay der Partie versuchen...doch es sollte einer von vielen Fehlversuchen auf beiden Seiten bleiben.
Wenn überhaupt etwas auf beiden Seiten zu funktionieren schien, dann das Unterzahlspiel - ansonsten tat man sich schwer etwas Herausragendes auf Bremerhavener Seite ausfindig zu machen.
Selbst der ansonsten fehlerfreie Gästegoalie Michaud nahm sich diesmal eine gedankliche Auszeit, die dem EHC das zweite Tor bescherte:
Mike Pudlick zog in der 12.Minute von der Blauen knallhart ab, Michaud hielt die Kelle in den Schuss und produzierte so eine Bogenlampe...an deren Ende der Puck in seinem Torraum landete und fröhlich zum 2:0 ins Pinguingehäuse kullerte!
Unter tosendem Applaus ließen es sich die Heimfans natürlich nicht nehmen den Torhüter der Gäste dezent darauf hinzuweisen, dass sich soeben ein "Torwartfehler" ereignet hatte...
Mit viel Tempo und Chancen auf beiden Seiten - den deutlich besseren für die Wolfsburger - ging ein bis dahin sehr unterhaltsames Spiel in seine erste Pause.

2.Drittel
Zum Glück hatten die Fans der Grizzlies im ersten Drittel jede Menge gute Laune tanken dürfen, so dass man das folgende Drittel offenbar sehr milde betrachten konnte.
Nachdem sie zu Drittelbeginn eine Unterzahlsituation gut überstanden hatten, durften die Gastgeber bis zum Ende des Spielabschnitts viermal in überzahl auf dem Eis agieren - ohne wirklich überzeugen zu können. Streckenweise gewann man den Eindruck, dass das Powerplay zugunsten der Kräfte für den Schlussabschnitt ein wenig zurückstecken musste.
Das sah teilweise nicht sehr berauschend aus, erfüllte aber seinen Zweck - die Gäste ließen wichtige Kraftreserven in Unterzahl und die Hoffnung auf den ersten Saisonsieg gegen den REV blieb lebendig.
Den Fans der Grizzlies war´s scheinbar egal. Trotz unspektakulärem Geschehen auf dem Eis, zeigten sie ihrem Team deutlich ihre Wertschätzung für die mit hohem Einsatz geführte Begegnung. Wirklich JEDER einzelne Spieler der Wolfsburger ging deutlich sichtbar ans Limit, ließ es im Zweikampf ordentlich krachen und rannte nach jedem verlorenen Puck!

3.Drittel
Die Frage, die viele im gut gefüllten Rund wohl beschäftigte war: "Kann der EHC dieses Tempo mit nur drei Reihen durchhalten? Gegen einen Gegner, der hier ohne jeden Ausfall mit voller Kapelle angereist ist?" Ja. Er konnte.
Aber es sollte noch einmal richtig spannend werden. Kaum hatte der EHC eines seiner wenig effektiven überzahlspiele abgespult, da klingelte es in der 45.Minute auch schon hinter Chris Rogles, der nach einer der wenigen Unachtsamkeiten seiner Vorderleuten beim 2:1 gegen Reid das Nachsehen hatte.
Wer jetzt aber glaubte, dass die Gäste noch einmal groß auftrumpfen könnten, der sah sich getäuscht. Die Grizzlies zeigten bis zum Schlusspfiff konsequent die Zähne, nahmen jeden Zweikampf leidenschaftlich an und fuhren die Checks ein ums andere Mal zu Ende - Szenenapplaus inbegriffen.
Viel Spaß machte auch Hauptschiedsrichter Kadow, der die neue Regelauslegung offenbar für eine Art Modeerscheinung hält. Während er im ersten Drittel besonders den teilweise überforderten Gegenspielern von Max Seyller das ein oder andere Haken gegen den pfeilschnell aufspielenden Youngster durchgehen ließ, machte er in der 49.Minute klar, was er davon hält, wenn sich jemand nach einem Haken fallen lässt: Zwei Minuten für Diving ("Tauchen" - also Schwalbe) gab es sehr zum Missmut der Gästefans gegen Peter Boon. Ein wenig...exotisch.
Die Pinguins blieben bemüht, wirkten aber einfach nicht frisch und geistesgegenwärtig.
Selbst als zwei Minuten vor Schluss Beslagic für Wolfsburg auf die Strafbank musste, war es ausgerechnet Routinier Streu, der sich nur wenige Sekunden später wie ein Greenhorn von Christoph Wietfeldt eine Strafzeit anhängen ließ, die die letzte Chance für Bremerhaven zunichte machte. Im Gegenteil: Bei vier gegen vier auf dem Eis schnappte sich der "Shooter" die Scheibe, marschierte über die gesamte Eisfläche, ließ Michaud eiskalt aussteigen und das spielentscheidende 3:1 ließ die Party in der Eisarena endgültig steigen.

Mein subjektiver Eindruck:
Hm. Wie gut spielen wir wohl mit zwei Reihen?
Spaß beiseite - das war eine hammermäßige Energieleistung, die wir hoffentlich nicht gleich am Sonntag mit einer Auswärtsniederlage bezahlen müssen.
Erstaunlich, was alles geht, wenn sich wirklich jeder verantwortlich fühlt.
Sicherlich waren die Gäste nicht einmal in der Nähe ihrer Bestform, doch selbst dann hätten sie wohl alles aufbieten müssen, um den Grizzlies an diesem Abend die Punkte zu entreißen.
Das hat verdammt noch mal richtig viel Spaß gemacht und macht richtig Appetit auf das nächste Heimspiel.

Tor:
Chris Rogles weiterhin in bestechender Form. Beim einzigen Gegentreffer leider vom tapsigen Verhalten seiner Vorderleute sichtbar irritiert.

Verteidigung:
Pudlick und Schutte erneut sehr stark. Da haben wir uns mit dem "Shooter" wohl einen doppelten Gefallen getan, denn Pudlick blüht an seiner Seite zusehends auf.
Beslagic solide, aber nicht so auffällig wie schon gesehen. Genze wieder fast der Alte.
Danner und Wilhelm mit viel Herz dabei und wesentlich konzentrierter, als noch gegen Schwenningen. Am Ende bekam Thomas Gödtel auch noch etwas Eiszeit, was in Zeiten eines kleinen Kaders ruhig öfter der Fall sein dürfte.
Insgesamt eine hervorragende Vorstellung der Defensivabteilung, die sich allerdings auch nicht über mangelndes Backchecking ihrer Stürmerkollegen beschweren konnten.

Sturm:
Viel Arbeit und ein wenig Glanz...und doch hat das Ganze sehr, sehr viel Freude gemacht.
Wenn man bedenkt, dass ein Schutte sich für den EHC und natürlich für eine Vertragsverlängerung fit spritzen lässt und ein Todd Simon gemütlich eine RIPPENPRELLUNG auskuriert, während der Rest sich den Allerwertesten aufreißt - da frage ich mich:
Kann und darf man Simon wieder zwischen Dylla und Henrich stellen, wenn es mit Wietfeldt so gut klappt wie zuletzt? Ich sage: NEIN!
Der soll sich zwischen unseren beiden "Torkanonen" Kaufmann und Guggemos erst mal wieder Kredit erarbeiten...Stichwort: Vorbildfunktion.
Wobei Guggemos wohl als überzähliger Spieler auf der Bank bleiben müsste, denn...
Max Seyller war für mich, neben Eric Dylla, der Spieler des Abends. Klammheimlich steigert der Junge sich von Spiel zu Spiel an der Seite von Spielern, die es ihm wirklich nicht einfach machen zu glänzen - allein diesen Willen muss man bewundern. Was dieser bayrische Derwisch da an Geschwindigkeit, Kampfkraft und Bodychecks aufs Eis zauberte, machte schon für sich allein genommen derart gute Laune, dass man schon jetzt über eine Vertragsverlängerung nachdenken sollte - der Gute ist auch nächste Saison noch U23!
Callander, Wikström und Regan machten einen guten Job und stürmten weitaus weniger bedingungslos wie sonst, was gegen Bremerhaven genau richtig war.
Wie man auch insgesamt festhalten musste, dass wirklich ausnahmslos jeder Stürmer seinen defensiven Pflichten hundertprozentig nachkam. Strategie und Einstellung bitte merken!

Fans:
Das war Spaß von Anfang bis Ende. Stück für Stück geht das Stimmungsbarometer wieder in die Höhe. Gerade im ersten und letzten Drittel hat das richtig gerockt - Lautstärke und vor allem Abwechslung der Gesänge war echt klasse!
Im Gegenzug kommt das Verhalten der Mannschaft nach so einem Spiel mit Sieg und gutem Support schon einer Frechheit nahe, wenn nach der Ehrenrunde - wie so oft - sich die Hälfte gleich mal wieder in die Kabine verpieselt und 8-10 Spieler die Raupe machen. Auch Rogles sollte sich mal langsam überlegen, ob ein wenig Interaktion mit den Fans nach einem Sieg unbedingt vertraglich festgelegt werden muss oder ob so was auch so drin ist...
Was soll´s - freuen wir uns einfach erst mal über den guten Start ins neue Jahr und hoffen darauf, dass die Spieler sich zumindest die richtigen Sachen vorgenommen haben. Ob´s dann auch klappt, werden wir ja erleben. mb

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