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EHC - EV Regensburg 3:2

Das Glück scheint langsam aber sicher zu den Grizzlies zurück zu kehren. Nach den katastrophalen personellen Einschnitten und den teilweise haarsträubenden Spielverläufen zu Beginn der Saison, die im Heimspiel gegen Dresden ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten, können die Wolfsburger offenbar wieder ein wenig mehr auf Fortuna bauen.
Wie zuletzt gegen Schwenningen und Landshut war auch in der Partie gegen die Eisbären aus Regensburg eine gehörige Portion des besagten Glücks nötig, um die volle Punktzahl erfolgreich über die Ziellinie zu bringen. Gegen phasenweise enorm druckvoll auftretende Gäste trug aber auch erneut Chris Rogles im Tor des EHCs eine großen Teil zum siebten Heimsieg in Folge bei - ähnlich viele Nachschüsse konnte (und musste) der Keeper der Gastgeber wohl in noch keiner Partie der laufenden Saison klären.

1.Drittel
Den Auftakt der Begegnung nutzten in erster Linie die Grizzlies, die mit ansehnlichen Kombinationen mehrfach vor das Tor der Eisbären gelangten. Wirklich Zwingendes blieb, von einigen Chancen für die Reihe um Wietfeldt abgesehen, leider aus.
Gegen Mitte des Abschnitts drehte sich die Verteilung der Spielanteile zugunsten der Regensburger: Eine Strafe gegen Reiss schien die Gastgeber aus dem Tritt gebracht zu haben und die Eisbären gaben zum ersten Mal richtig Gas.
überstanden die Grizzlies die Unterzahl noch schadlos, so gelang den Gästen aus einer äußerst dominanten Phase heraus der verdiente 0:1 Führungstreffer.
Bogdan Selea war es, der zu Beginn der 16.Spielminute den Puck im Nachschuss über die Linie brachte, nachdem die Eisbären belagerungsartige Zustände vor dem Kasten von Chris Rogles hergestellt hatten. Wolfsburgs Verteidigung stand der massiven Präsenz der Gäste im Slot sichtbar ratlos gegenüber und man konnte auf Seiten des EHC durchaus froh sein, dass man mit nur einem Tor Rückstand in die Pause ging.

2.Drittel
Das einst schwächste Drittel der Grizzlies scheint seinen Schrecken komplett verloren zu haben. Im Gegenteil - immer öfter können die Wolfsburger eine Begegnung auch in diesem Abschnitt für sich entscheiden. So auch an diesem Abend:
Wesentlich wacher und geordneter präsentierte sich das Team von Trainer Krinner und machte schon nach zwei Minuten Dauerdruck den wichtigen Ausgleich durch Eric Dylla, der ein schönes Anspiel von Stefan Wilhelm zum 1:1 versenken konnte.
Die Gastgeber kamen jetzt richtig in Fahrt und auch die Reihe mit Neuzugang Suchan, die natürlich deutliche Abstimmungsprobleme zeigte, strahlte verstärkt Gefahr aus.
So waren es dann auch Suchan und Simon, die im ersten Powerplay des zweiten Drittels ihren Verteidigerkollegen Beslagic schön in Szene setzten. Die 28.Spielminute war fast vorbei, da hatte dieser mit einem krachenden Schlagschuss das 2:1 für die Grizzlies besorgt - Gästekeeper Lang blieb machtlos gegen den äußerst platzierten "Hammer" von der Blauen.
Kein Zweifel - das Drittel gehörte den Gastgebern. Doch die Eisbären blieben stets mit Kontern gefährlich, zeigten, dass weiterhin mit ihnen zu rechnen war.
Zum Leidwesen der Heimfans gelang es dem EHC in der Folge nicht den Vorsprung auszubauen, wobei besonders in zwei weiteren überzahlspielen deutlich wurde, dass gerade in der neuformierten Reihe viel Potential schlummert, das bei ein wenig Feintuning vermutlich bald erwachen dürfte.

3.Drittel
Und wieder kam das Wolfsburger Team voll konzentriert aus der Kabine. Nicht einmal eine Minute war gespielt, da war es dann auch schon passiert! Neuzugang Suchan erzielte seinen ersten Saisontreffer im Trikot der Grizzlies zum 3:1 und, als wäre das nicht schon genug, zugleich den spielentscheidenden.
Die Partie gestaltete sich in der Folgezeit wieder offener, doch richtig gefährlich wurde es für die Gastgeber erst ab der 51.Minute, als wie im ersten Abschnitt nach einer Strafe gegen Wolfsburg ein Bruch im Spiel des EHCs festzustellen war.
Schutte hatte den Puck nach einem Save von Lang unter dessen Handschuh ins Tor gestochert und lieferte sich im Anschluss daran einen Faustkampf mit Eisbärenverteidiger MacNevin, der ihm seine Meinung zu dieser Aktion "verdeutlichen" wollte. Angesichts der Tatsache, dass der Shooter mit einem grippalen Infekt in den Knochen in die Partie gegangen war, konnte man seine Spieldauerstrafe getrost unter "Genesungspause" abhaken. Im Gegensatz zu MacNevin erhielt er allerdings zusätzlich zur Spieldauer eine kleine Strafe wegen Stockschlag, die eine entsprechende Unterzahlsituation nach sich zog.
Ganze 19 Sekunden dauerte es, da zog Starstürmer Dietrich unwiderstehlich zum Tor der Grizzlies, ließ sich nicht im Geringsten von seinem diagonalen Lauf durchs Drittel der Gastgeber abhalten und netzte zum 3:2 Anschlusstreffer ein.
Insgesamt ein Sinnbild für die beachtliche Stärke der Gäste im Bereich vor des Gegners Tor, die sie offenbar vor allem beim Ligenprimus aus Kassel so gefürchtet machen.
Vor allem Rogles war es, der ein ums andere Mal die vielen nun folgenden Situationen vor seinem Gehäuse für seine sichtbar schwimmende Abwehr rettete.
Erst eine Strafe in der 57.Minute gegen Miller brachte den Wolfsburgern die benötigte Entlastung, die sie auch fast zur erneuten Zwei-Tore-Führung nutzen konnten. Doch Genzes Schuss aufs leere Tor wurde von einem Regensburger Spieler, praktisch im Fliegen, im letzten Moment geblockt.
Die Eisbären versuchten nun alles, nahmen den Torhüter für einen weiteren Feldspieler vom Eis, doch der EHC verteidigte mit letztem Einsatz und einer gehörigen Portion Glück den knappen Vorsprung.

Mein subjektiver Eindruck:
Mir fehlte ehrlich gesagt ein wenig die bedingungslose Bissigkeit bei einigen Spielern - die Pause kommt vermutlich zur rechten Zeit.
Was ich wirklich bemerkenswert finde, ist die Einstellung mit der das Team in den letzten Partien aus den Pausen kommt! Besonders in den ersten Minuten eines Drittels tritt das Team sehr stark auf, was, meiner Meinung nach, auf eine produktive Atmosphäre in der Kabine schließen lässt. Auch unserem Trainer Toni Krinner möchte ich an dieser Stelle mal ein Kompliment aussprechen, da es ihm trotz der widrigen Umstände gelungen ist ein echtes TEAM aufs Eis zu bringen und ich eigentlich stets den Eindruck hatte, dass er nicht nur meist eine stimmige Einschätzung der aktuellen Lage fand, sondern auch immer eine mittelfristige Lösung für die auftretenden personellen oder taktischen Probleme umsetzen konnte.

Tor:
Rogles spielt weiterhin auf höchstem Niveau, kompensiert die auftretenden Wackler in unserer Abwehr und gibt dem Team den nötigen Rückhalt. TOP!

Verteidigung:
Die insgesamt solide auftretende Abwehr gelangte phasenweise deutlich an ihre Grenzen. Gegen die massive Präsenz der Regensburger Stürmer im Slot, teilweise mit 2-3 Spielern, fehlte hin und wieder einfach das taktische Konzept. Sicherlich eine Partie aus der mit Hilfe der Videoanalyse einiges an Erkenntnissen gewonnen werden kann.
Elvis bleibt offensiv unsere effektivste Waffe, defensiv sorgt er leider weiter für ähnlich viel Aufregung. Leider muss er zum All-Star-Game: Also, keine Erholung für den King...
Wilhelm wirkt weiterhin etwas unsicher, hat immer wieder kleinere Stellungsfehler, die in der Rückwärtsbewegung kritisch werden können.

Sturm:
Die erste Reihe blieb leider etwas zu unauffällig, konnte sich gegen die Eisbären kaum entfalten.
Die zweite Reihe mit Neuzugang Suchan offenbarte erwartungsgemäß einige gravierende Abstimmungsprobleme - doch auch erfreulich viel Potential! Wenn die Laufwege eingespielter sind, werden wir wohl einige schöne Konter über Kaufmann und den schnellen Suchan zu sehen bekommen.
Die dritte Reihe wieder mit viel Aufwand, aber immer noch zu wenig Zählbarem. Während Dylla und Wietfeldt sich den ein oder anderen Punkt erkämpfen kommt von Henrich mittlerweile außer Kampf so ganz und gar nichts mehr auf dem Scoreboard. Henrichs letzter Assist datiert vom 05.01.07 gegen Bremerhaven, sein letztes Tor erzielte er am 22.12.06 in München. Insgesamt eine katastrophale Bilanz für einen Kontingentspieler, der es allerdings wirklich nicht am Willen mangeln lässt.
Ansonsten bleibt natürlich die kompakte Leistung unserer Sturmreihen in den letzten Wochen zu erwähnen, die nun ungefähr dort anzusiedeln ist, wo man sie in der Saisonpause vor diversen Schicksalsschlägen erwartet hatte.

Fans:
Anfangs sehr, sehr dünne Stimmung. Ab Mitte des Spiels ging es leicht aufwärts, doch bis auf die letzten 5-10 Minuten hat mich das jetzt echt nicht vom Hocker gerissen. Da in Regensburg mittlerweile, wie in Bietigheim, ein Tölzer hinter der Bande steht, kann man den etwas weniger rasanten Spielverlauf wohl noch irgendwie erklären - das Stimmungsloch in einigen Phasen der Begegnung allerdings nicht. mb