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EHC - ESC Dresden 10:4

Nachdem die Grizzlies zuletzt Wiedergutmachung gegen Kassel und Essen betrieben und die hohen Niederlagen aus den Dezemberspielen fast in gleicher Höhe heimgezahlt hatten, gelang gegen Dresden nun die dritte Revanche in Folge. Zwar waren gegen die Eislöwen bisher keine spektakulären Niederlagen zu verzeichnen, doch das erste Aufeinandertreffen in der Eisarena durfte zurecht als Skandalspiel bezeichnet werden. Nicht nur, dass Ex-Grizzly Mastic mit einer Showeinlage seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Wietfeldt eine (später durch Videobeweis revidierte) Matchstrafe einbrockte - nein: Die Eislöwen durften die letzten 30 Sekunden der Begegnung sogar mit sieben Spielern auf den Ausgleich drängen und diesen auch erzielen, da die anwesenden Schiedsrichter urplötzlich das kleine Einmal-eins verlernt hatten. Besonders Mastic bekam seine unschöne Aktion von den Fans der Grizzlies lautstark zurückgezahlt und dürfte diesen Abend wohl nicht so schnell vergessen. Zumal die erbärmliche Leistung seiner Vorderleute den Wolfsburger Fans immer wieder Munition verschaffte...

1.Drittel
Der bedächtige Auftakt der Grizzlies täuschte zunächst über das tatsächliche Leistungsgefälle zwischen den beiden Teams hinweg. Doch die Gäste aus Dresden sollten aus dieser Phase des Abtasten nie herauskommen...
Es dauerte immerhin bis zur 10.Minute bis der erste Treffer von Preston Callander das folgende Unheil über die Gäste hereinbrechen ließ.
War das 1:0 noch ein Produkt energischen Nachstocherns vor dem Gästetor, so fiel das 2:0 gut zwei Minuten später weitaus sinnbildlicher für den weiteren Spielverlauf:
Andrej Kaufmann darf bis auf Halbdistanz vors Eislöwentor marschieren und genüsslich den Puck im Netz platzieren, während Dresdens Spieler staunend Spalier stehen.
Martin Sekera startete in dieser Situation zeitgleich seine längere Versuchskette, während der er sich bemühte in Mastics Fußstapfen zu treten - 5,8 in der B-Note. Allerdings blieb der recht nachsichtig leitende HSR van Gameren durchweg unbeeindruckt von den Hollywoodambitionen des Gästestürmers und ließ diesen ein ums andere Mal fluchend zur Bank zurück fahren.
Grund zum Jubeln hatte indes nur der EHC. Erneut Kaufmann traf in der 16.Minute zum 3:0 und verwandelte dabei im Powerplay ein schönes Anspiel seines Sturmkollegen Simon.

2.Drittel
Die Eislöwen gerieten nun zusehends in die Rolle eines überforderten Sparringspartners. Reihenweise wanderten die Spieler der Gäste nun auf die Strafbank, da sie die zahlreichen Chancen der Wolfsburger kaum mehr mit fairen Mitteln verhindern konnten.
Trotzdem fiel der nächste Treffer des EHC bei numerischer Gleichzahl - Henrich hatte, fast von der Grundlinie, aus spitzem Winkel genial verwandelt und in der 25.Minute auf 4:0 erhöht.
Es dauerte im Anschluss ganze acht Minuten, bis die Grizzlies ihre zahlreichen überzahlsituationen endlich nutzten. Per Doppelschlag erhöhten sie in der 33. und 34.Minute zur vorzeitigen Entscheidung.
5:0 durch Rainer Suchan, der einen Kaufmann-Pass schön verwandelte.
6:0 durch Callander, der bei angezeigter Strafe Dresdens Goalie Mastic eiskalt verlud.
Dieser hatte das Scheibenschießen auf seinen Kasten und wohl auch die variierenden Schmähgesänge der Wolfsburger Fans endgültig satt und ließ sich gegen Lakosil auswechseln.
Dreißig Sekunden vor Drittelende musste dann leider auch Chris Rogles einmal hinter sich greifen - Wietfeldts Pass in den eigenen Slot war beim Gegner gelandet und nach einer schnellen Kombination ließ Balazs dem Wolfsburger Keeper keine Chance - 6:1.

3.Drittel
Die Wolfsburger Fans feierten, die Dresdener Fans schmollten in oder bereits vor der Halle und der EHC gönnte sich den Bob-Leslie-Gedächtnis-5-Mann-Sturm. So kamen die Gäste letztlich doch noch in den Genuss von drei weiteren Treffern...die die Grizzlies mit vieren ihrerseits beantworteten. Schade bloß, das mit Jan Münster ein viel umjubelter Rückkehrer diese drei Gegentreffer kassieren musste, die allesamt aus Wolfsburger Leichtsinnigkeiten entstanden waren.
7:1 durch Wietfeldt (43.Min).
8:1 durch Suchan, der erneut von Kaufmann in Szene gesetzt wurde (45.Min).
8:2 "Anschlusstreffer" in Unterzahl durch Sekera, der nach einem Beslagic-Patzer von Hruby schön bedient wurde (48.Min).
9:2 durch Regan, der in der 52.Minute in vollem Lauf an Lakosil vorbeiflitzte und aus spitzem Winkel hinter diesem einnetzte.
10:2 durch Pudlick, der eine erneut starke Leistung in der 55.Minute mit einem überzahltreffer krönte.
10:3 durch Menge - erneut in Unterzahl und nach einem Abspielfehler der Grizzlies (57.Min).
10:4 durch Pavel Vit nach einer sehenswerten Kombination (60.Min).
Man hatte zwischenzeitlich den Eindruck, dass die Gastgeber im Rausch der hohen Führung und des zehnten Tors jegliche Vorsicht im Abwehrbereich drangegeben hätten - ansonsten wäre es wohl bei dem einen unglücklichen Gegentreffer geblieben.

Mein subjektiver Eindruck:
Die Verletzten kehren zurück und die Leistungen der Grizzlies explodieren. Wenn man diese Form auch nur annähernd konservieren kann, dann ist mit uns dieses Jahr noch mächtig zu rechnen!
Geschlossen, kämpferisch und in allen Mannschaftsteilen torgefährlich - die Mannschaft zeigt momentan das reale Gegenbild der Idealvorstellung, die man sich anhand der Namen im Kader ausmalen konnte.
Dresden kam in keiner Phase der Begegnung auch nur annähernd über den Status eines Opfers hinaus und muss sich nun ernsthafte Sorgen um den Klassenerhalt machen. Ich kann und will immer noch nicht glauben, dass unser Team den Konkurrenten derart überlegen ist...vielleicht stecken die alle in den Play-off Vorbereitungen, oder in den Play-Down Vorbereitungen, sind grippekrank oder was weiß ich...

Tor:
Rogles granatenstark - die unumstrittene Nummer eins.
Münster nach einjähriger Pause endlich wieder dabei, erwischte die Hurra-Phase der Grizzlies und hatte somit ein wenig Pech, dass er nicht viel Haltbares auf den Kasten bekam.
Die Fans drückten ihm hörbar die Daumen und an dieser Stelle noch ein (nicht ganz ernstgemeinter) Tipp von mir: Penalties trainieren! - Das lernt der Rogles auch mit viel gutem Willen nicht mehr und ist eine echte Kompetenzlücke im Team.
Willkommen zurück, Jan!

Verteidigung:
Fast ausnahmslos gute Vorstellung aller Beteiligten. Fibiger feierte ein gelungenes Comeback und wusste trotz mangelnder Spielpraxis zu überzeugen. Gödtel und Pudlick besonders überzeugend.
Einzig Beslagic schockte mit Harakiri-Aktionen und vereinzelten Ausrutschern. Bei derart hoher Führung sei es unserem Top-Scorer unter den Verteidigern allerdings verziehen, dass er seinen unbändigen Tordrang nicht ganz unter Kontrolle hatte...

Sturm:
Alle Reihen funktionierten - was will man mehr? Die streckenweise bemitleidenswerten Dresdner wussten gar nicht welchen Brand sie zuerst löschen sollten. Die Dauerbedrohung durch drei torgefährliche und eine kämpfende Reihe machte sich entsprechend an der Anzeigentafel bemerkbar.
Besonders erfreulich ist dabei, dass sich mit Andrej Kaufmann ein weiterer Torjäger in die Reihe der Wolfsburger Scharfschützen eingereiht hat, der in den Play-offs durchaus das ein oder andere Mal den Unterschied machen könnte.

Fans:
Dank des erfreulichen Spielverlaufs war durchweg fröhliche Stimmung mit abschließender Party auf dem Eis und den Rängen angesagt. Schön, dass man so langsam etwas aus den letzten Auswärtsspielen in die Eisarena herübertragen konnte. Eine Sache empfand ich allerdings als zu einseitig: Während auf der einen Seite keine Gelegenheit ungenutzt blieb, um gegen Marek zu singen, so verpasste man es besonders im ersten Drittel unserem aufblühenden Torjäger Andrej Kaufmann entsprechend zu huldigen. Wer weiß, was mit ein wenig positiver Aufmerksamkeit bei unserem Andrej noch geht! Ansonsten steigt bei mir langsam aber sicher das Play-off Fieber und es wird wohl Zeit den entsprechenden Urlaub einzureichen... mb