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PlayOff-Spiel 3: EHC - ESC Essen 9:4

Der EHC marschiert weiter ungerührt Richtung Halbfinale. In einer Partie, die zu Beginn durch Wolfsburger Nachlässigkeiten unnötig spannenden verlief, setzten die Grizzlies sich in der mittlerweile gewohnten Souveränität auch dieses Mal gegen Essen durch. Am Ende stand ein deutlicher Sieg für die Gastgeber in einem über weite Strecken einseitigen Spiel. Mit einem weiteren Sieg am kommenden Freitag und dem damit verbundenen "sweep" (4:0) könnte das Team von Toni Krinner das Weiterkommen nun endgültig sichern.

1.Drittel
Für die Gäste aus dem Ruhrgebiet begann die Begegnung denkbar ungünstig. Kaum war das Spiel angepfiffen, da durfte Gästegoalie Gage schon zum wiederholten Male hinter sich greifen. Gleich zweimal hatten die Grizzlies in der 3.Spielminute zugeschlagen - die Essener Spieler weilten offenbar geistig noch im Mannschaftsbus.
Seyllers trockenem Halbdistanzschuss zum 1:0 ließ wenige Sekunden später Geisberger den zweiten Treffer für Wolfsburg folgen. Essen war in der Rückwärtsbewegung komplett aus den Positionen gelaufen und bot den Gastgebern unglaubliche Freiräume. Die Partie schien bereits gelaufen, doch die Grizzlies wurden prompt übermütig, spielten fortan ihrerseits fast ohne jegliche Abwehrarbeit und wollten allesamt nur noch scoren...gegen die Moskitos eigentlich ein Vorhaben mit vorhersehbaren Konsequenzen.
2:1 Anschlusstreffer durch Ex-Grizzly Boris Lingemann (8.Min), der von den Wolfsburger Fans wie beim Auswärtsspiel gefeiert wurde.
2:2 Ausgleich nur eine Minute später durch Tyson Mulock.
Erste Versuche das Spiel wieder in den Griff zu bekommen machte zunächst ein weiteres, äußerst kurioses, Tor der Gäste zunichte:
Grein hatte auf Höhe der Torlinie den Puck an die Hinterseite von Rogles Schoner geschossen und somit nach knapp 12 Minuten das 2:3 für die Moskitos erzielt.
Angesichts der unverschämten Schlampigkeit der Grizzlies im Abwehrverhalten konnte sich auch der ein oder andere Wolfsburger Fan ein Grinsen nicht verkneifen - das fiel einfach zu sehr in die Kategorie "übermut".
Doch was folgte zeigte nur einmal mehr, wie sehr der EHC dem Gast aus Essen während dieser Serie bisher überlegen war. Nach einer kurzen Phase der Ungläubigkeit nahmen die Gastgeber die Arbeit wieder auf und konnten bereits in der 16.Minute durch Michael Henrich den 3:3 Ausgleich verbuchen. Im zweiten Nachschuss beförderte der völlig aufgedreht spielende Flügelstürmer den Puck über die Linie, nachdem es keinem Essener gelungen war ihn oder den Puck aus der Gefahrenzone zu befördern.
Die Kabinenpredigt wartete schon...

2.Drittel
Was ein Trainer von derartigem Schlendrian hält, dürfte wohl nur unschwer zu erraten sein. So zeigte die Konzentrationskurve der Grizzlies nach der Pause wieder deutlich nach oben. Eine "Hallodri-Aktion" erlaubten sich die Schützlinge von Toni Krinner trotzdem noch: Beim vierten Treffer der Gäste war auf beiden Seiten je ein Spieler von der Strafbank zurückgekehrt, die Gastgeber mit 5-4 in überzahl verloren umgehend den Puck an den auf und davon stürmenden Beuker, der den Puck hinterm erneut unglücklich aussehenden Rogles versenkte (28.Min).
Glücklicherweise hatte der EHC zuvor schon zweimal seinerseits zugeschlagen und die Essener Abwehrschwächen gnadenlos aufgezeigt. Geisberger (24.) und Danner (26.) hatten schöne Kombinationen ihrer Mitspieler erschreckend unbehelligt abschließen können, so dass der wiederholt völlig überflüssige Gegentreffer zum 5:4 nicht sonderlich weh tat.
Als Kaufmann eine Minute nach Beukers Tor das 6:4 als Antwort der Grizzlies servierte war es dann auch endgültig vorbei mit der laschen Gangart der Wolfsburger.
Endlich kehrte die gewohnte Kontrolle in die Reihen der Grizzlies zurück, die wie bereits in den beiden vorangegangenen Partien den Moskitos in der Folgezeit die Luft aus den Lungen pressten.

3.Drittel
Essen blieb im letzten Drittel gewohnt chancenlos, die Begegnung verlor durch die entstehende Einseitigkeit leider deutlich an Reiz.
7:4 durch Michael Henrich, der einen schönen Pass von Wietfeldt nur einschieben musste (48.Min).
8:4 durch Wietfeldt (50.Min)
9:4 nach einem unwiderstehlichen Alleingang von Henrich (55.Min)
Das waren auch schon die Highlights einer längst entschiedenen Partie.
Zwei Unterzahlsituationen überstand der EHC weitestgehend ungefährdet - der Drops war gelutscht, das Halbfinale in greifbarer Nähe.

Mein subjektiver Eindruck:
Schon ein bisschen seltsam, wenn man sich über ausgemachte Dummheiten und grobe Nachlässigkeiten der eigenen Mannschaft nicht so richtig ärgern kann - und das auch noch in den Play-offs! Aber irgendwie macht mir dieses Essener Team so gar keine Angst. Selbst wenn unsere Jungs teilweise ohne Pflichtbewusstsein in der Defensive übers Eis flitzten, hatten sie jederzeit die Fähigkeiten und die mentale Stärke das Spiel wieder unter Kontrolle zu bringen. Das hat mir ein wenig den Reiz an der Begegnung genommen...

Tor:
Rogles beim dritten und vierten Gegentreffer mal mehr, mal weniger neben der Spur. Sein schlechtester Auftritt in den letzten Wochen. Offenbar übertrug sich der Spannungsverlust seiner Vorderleute unmittelbar auf unseren Goalie - fand, genau wie das Team, zu seiner Konzentration zurück.

Verteidigung:
In den ersten zehn Minuten der Begegnung hielt sich kaum jemand mit so nervigen Dingen wie "Abwehrarbeit" und "Positionstreue" auf und es wurde gestürmt, dass die Kufen knirschten.
Nach mehreren Nackenschlägen fand man dann doch wieder in die vorgegebene taktische Marschroute zurück und ließ ab Spielmitte nicht mehr viel zu.
Betrachtet man die bisherigen drei Begegnungen, so fallen mir eigentlich keine Gründe ein, warum Schutte nur zuguckt! Der shutout in Essen war jedenfalls nicht der Verdienst unserer Verteidigung. Wobei ich an dieser Stelle Thomas Gödtel erneut positiv hervorheben möchte - Lauftechnik, Schnelligkeit, Stickhandling, Spielübersicht...in jedem Aspekt zeigt der Abwehrhüne sich wiederholt enorm verbessert und empfiehlt sich damit auch für einen ü23 Platz im Kader der kommenden Saison!

Sturm:
Geisberger war in zwei Reihen aktiv und machte auch mit beiden Reihen ein Tor - GEIL!
Regan und Wikström etwas unauffälliger, spielten mit Herbert aber bereits recht ansehnlich zusammen.
Die zweite Reihe agierte weiterhin sehenswert und zeigte auf allen Positionen viel Biss.
Spielentscheidend war diesmal aber die dritte Reihe (bei 5 Treffern auf dem Eis) um einen immer wilder stürmenden und arbeitenden Henrich, der seine individuellen Fähigkeiten gegen die Essener "Abwehr" natürlich besonders zur Geltung bringen konnte und gleich drei Treffer erzielte.
Insgesamt eine Bombenleistung, wenn...ja, wenn da nicht die Schlendrianphasen des gesamten Teams gewesen wären, die gegen einen anderen Gegner wohl heftig ins Auge gegangen wären.
Der Gegner hieß jedoch Essen.

Fans:
Wenn Tore derart an Bedeutung verlieren, weil man sich zwischenzeitlich beim Handball wähnt...dann wundert es mich jetzt auch nicht so sehr, dass nicht gerade das Dach von der Halle fliegt. Befänden wir uns in der Serie im Rückstand oder wäre es sonst eher knapp zugegangen, dann hätte der hohe Sieg sicherlich ganz andere Emotionen freigesetzt.
Spiele mit stark erhöhtem Herzschlag werden wir vielleicht noch mehr als gewünscht bekommen - also was soll´s. mb