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EHC - Kölner Haie 4:3

Das erste Heimspiel der Saison schickte die eishockeyhungrigen Fans der Grizzlies gleich durch ein Wechselbad der Gefühle, wie man es in der letzten Saison nur selten erleben durfte.
Grundvoraussetzung für dieses Erlebnis war natürlich die Tatsache, dass man in der DEL als Underdog mit spät zusammengestelltem Kader und kleinem Etat an den Start gegangen ist und Leidenschaft wohl vorerst die beste Waffe des EHC darstellen dürfte.
Wobei...zunächst stand nach der vermurksten Premiere in Krefeld erneut das Leiden im Vordergrund. Die couragierte Vorstellung nach dem 0:3 Rückstand entfesselte dann jedoch die volle Wucht der Euphorie auf den Rängen und bescherte dem Grizzlyteam nicht nur den ersten Sieg der noch jungen Saison, sondern auch einen nicht zu unterschätzenden Schub an Selbstbewusstsein für die kommenden Aufgaben.
Der Saisonauftakt ist, trotz großer Anlaufschwierigkeiten, also tatsächlich noch geglückt.

1.Drittel
Die Grizzlies gingen vor rund 3000 Zuschauern sichtbar bemüht und konzentriert in die erste Heimpartie dieser 2.DEL-Saison der Vereinsgeschichte.
Die erste Chance hatte dann auch zunächst der EHC - doch das Spiel nahm in der Folgezeit einen aus dem Gastspiel in Krefeld bekannten Verlauf.
Bereits in der 3.Spielminute nahm das Verderben scheinbar seinen Lauf: Bartosch wanderte wegen Behinderung auf die Strafbank und bereits die erste Unterzahl der Gastgeber offenbarte eklatante Schwächen im Abwehrverhalten. Köln machte mächtig Druck und Wolfsburg ließ einfach den nötigen Biss vermissen, agierte gehemmt und vor allem auf den Verteidigerpositionen erschreckend kopflos.
Dass das 0:1 durch Gogulla (5.Min) dann zudem irregulär nach einem nicht abgepfiffenen Maskentreffer fiel, machte das Unglück nur noch komplett.
Der Haie-Express nahm folglich mächtig Fahrt auf, setzte die überfordert wirkende EHC-Defensive sofort wieder unter Druck und profitierte wenig später von einer Unsicherheit des zunächst ebenfalls äußerst nervös wirkenden Rogles, der einen Schuss völlig unkontrolliert nach vorne abwehrte.
Da von einer sortierten Abwehr weit und breit nichts mehr zu sehen war, sagte Rudslätt nicht einmal eine Minute nach dem ersten Treffer artig "Danke" und versenkte den Puck zum 0:2. Diesmal bei numerischem Gleichstand auf dem Eis.
Der EHC bleib Zaungast des Kölner Spiels und so nutzten die Haie in der 10.Minute auch die nächste Strafzeit gegen die Gastgeber mit einem Treffer der Marke "überflüssig" - aus Wolfsburger Sicht natürlich. Tallaire netzte, von der EHC-Verteidigung reichlich unbehelligt, zum 0:3 ein.
Eine eigene überzahl konnten die Grizzlies in der Folgezeit zwar nicht nutzten, doch ließ der Druck der Gäste zur allgemeinen Erleichterung deutlich nach, so dass Henrich kurz vor der Pause fast dass erste Tor der Saison für Wiseman auflegen konnte. Der Puck landete aus kurzer Distanz leider statt im auf dem Gehäuse und der EHC blieb auch nach 80 Spielminuten der Saison weiterhin torlos.
Dann war endlich Pause...

2.Drittel
Die Haie fanden, zum Glück für die Grizzlies, auch nach der Pause den Spielfluss und die Einstellung der Anfangsphase nicht wieder und so konnten die Hausherren das Spiel Stück für Stück über den Kampf zurückerobern.
Während die Gäste zunehmend in die Rolle der Reagierenden gedrängt wurden, konnten die Wolfsburger endlich Aufbauarbeit am eigenen Selbstbewusstsein vornehmen und nutzten nun endlich ihre Chancen besser!
Der erste Treffer der Grizzlies gelang schließlich dem vorbildlich kämpfenden Kapitän Tim Regan, der als einer der Ersten die Scheu vor dem Körpereinsatz abgelegt und die Wende eingeläutet hatte.
Das 1:3 in der 23.Minute wirkte dann auch wie eine Initialzündung für Mannschaft und Fans des EHC - der Wahnsinn konnte beginnen.
Die Grizzlies starteten einen Sturmlauf auf das Kölner Gehäuse, dass den Gästen kaum Luft zum Atmen blieb. Haiecoach Mason roch den Braten schon wenige Spielszenen später und nahm eine Auszeit in der Drangphase der Wolfsburger - doch er konnte seine verwirrt wirkenden Stars offenbar nicht mehr in die Spur zurückbringen.
Bis zur 28.Minute dauerte es schließlich, dass die Grizzlies zum zweiten Mal zuschlagen konnten. In überzahl war es erneut Tim Regan, der seine Kelle in einen Schlagschuss von Wiseman hielt und dem glänzend parierenden Travis Scott somit keine Chance ließ.
Das 2:3 läutete endgültig eine bis zum Ende der Partie bestehende Symbiose zwischen Team und Fans ein, die nun beide die Chance auf die Sensation witterten.
Erst zwei hintereinander folgende Strafen gegen die entfesselt kämpfenden Gastgeber konnten zum Ende des Drittels für etwas Entlastung auf Seiten der Kölner sorgen. Doch auch das überzahlspiel der Gäste wirkte wie weggeblasen - die Hausherren behielten in den letzten drei Minuten des Drittels trotzdem die übersicht und wuchsen mit jeder vergehenden Minute weiter über sich hinaus.

3.Drittel
Die erste Minute in Unterzahl war kaum überstanden, da hieß es ab der 43.Minute erneut Penaltykilling für die Grizzlies.
Doch die Haie blieben genau so von der Rolle wie der EHC unbeirrt weitermarschierte.
Da auch Rogles während des zweiten Spielabschnitts seine gewohnte Ruhe wiedergefunden hatte, konnten die Gäste keine ihrer Chancen mehr im Kasten der Wolfsburger unterbringen.
Die Grizzlies jedoch machten ab der 53.Minute die Glückseligkeit ihrer Anhänger perfekt. Dabei war es zweimal das überzahlspiel, das den Gastgebern die entgültige Entscheidung zu ihren Gunsten brachte:
53.Minute - Strafzeit Warriner - Powerplaytor durch Henrich zum 3:3 - unbeschreiblicher Jubel auf den Rängen. Den Kölner Anhängern waren die "Nur noch sieben"- Sprechchöre längst im Hals stecken geblieben...
54.Minute - Strafzeit Adams - Powerplaytor Wiseman zum 4:3 - Ekstase pur in der Eisarena.
Die Haie wirkten längst perplex, versuchten 90 Sekunden vor Schluss noch mit sechs Feldspielern und ohne Goalie zum Ausgleich zu kommen, doch der Zug war längst abgefahren.
Der Saisonauftakt-Party der Grizzlies stand nun nichts mehr im Wege und so feierten Team und Fans dieses wichtige erste Erfolgserlebnis. Der EHC ist wieder da!

Mein subjektiver Eindruck:
Achtzig Minuten Zuschauer war offenbar genug. Ein großes "Danke schön" geht von meiner Seite jedenfalls an das Team der Haie, die uns mit ihrer laxen Spielgestaltung ab Ende des ersten Drittels ein riesengroßes Geschenk machten. Das gewonnene Selbstbewusstsein ist von unschätzbarem Wert für ein Team, das offenbar bis dahin die eigenen Möglichkeiten überhaupt nicht einschätzen konnte. Natürlich boten die Grizzlies keine Offenbarung in Sachen Spielkultur und konnten ebenso wenig ihre Schwächen im Abwehrbereich vertuschen. Doch die Erfahrung, dass Kampf und Leidenschaft belohnt werden und die Mittel zumindest reichen, um hin und wieder einen Gegner einfach einmal nieder zu laufen, ist einfach unbezahlbar.
Insgesamt ein geniales Erlebnis für alle Beteiligten, das das Eishockeyfieber schneller zurückgebracht hat, als mancher in einer Liga ohne Abstieg wohl vermutet hätte.

Tor:
Rogles ließ sich leider im ersten Drittel von seiner zweitklassigen Abwehr anstecken und wirkte nach dem ungeahndeten Maskentreffer ungewohnt wütend und nervös. Ab dem zweiten Spielabschnitt fand er allerdings zur gewohnten Ruhe zurück und trug seinen Teil zur kleinen Sensation bei.

Verteidigung:
Im ersten Drittel völlig überfordert, wird auch in Zukunft massiv auf die Abwehrarbeit der Stürmer angewiesen sein, da es einfach an personeller Klasse fehlt. Das klingt hart, ist aber bisher nicht von der Hand zu weisen. Fortin könnte an der Seite eines guten Svensson vielleicht einem 1.Reihe-Verteidiger gerecht werden...ansonsten konnte mich lediglich Robby Sandrock aufgrund seiner Leistungssteigerung zum Ende der Begegnung hin ein wenig überzeugen. Macholda und Danner wirken in ihren Aktionen einfach zu blauäugig und zeigen im entscheidenden Moment nicht genug Härte.
Genze mit erstaunlicher übersicht, kann seine Geschwindigkeitsprobleme aber nicht komplett mit Stellungsspiel kompensieren.
Fibiger...ist halt Fibiger. Vielleicht kann er irgendwann mal an die Leistungen zu Beginn der letzten Spielzeit anknüpfen - dann wäre er als Kontingentspieler vielleicht akzeptabel.
Momentan fehlt ihm immer noch deutlich sichtbar das Zutrauen in seine Entscheidungen: Man hört ihn fast bis auf die Tribüne denken, wenn er irgendwie in Pucknähe oder -besitz kommt.
Insgesamt fehlt es mir an kompromisslosem Durchgreifen im Defensivbereich, von Aufbauspiel brauchen wir wohl erst gar nicht anfangen - da hat sich neben Fortin kaum jemand in seiner Vita wirklich verdächtig gemacht, was unseren eigentlich erstklassigen Sturm leider etwas entschärfen könnte.

Sturm:
Gute spielerische Ansätze bei Zurek - Hurtaj - Moravec, die Lust auf mehr machen!
Wiseman und Henrich individuell bärenstark, aber ohne Bindung über den blassen Ulmer. Da ginge noch viel mehr - Potenzial ist auf jeden Fall da.
Höhenleitner, Wietfeldt und Regan setzten die kämpferischen Akzente, die die nötige Aufbruchstimmung verbreiteten. Regan mit Doppelpack natürlich der Matchwinner, obwohl der Trainer eigentlich diese Reihe zum Halten des Spielstands vorgesehen hat.
Bartosch und Heinrich wirkten sehr bemüht, wurden von Wikström gut geführt. Die DEL scheint aber noch eine Hausnummer zu groß für die Beiden zu sein.
Wenn dieser Sturm ein wenig Unterstützung im Spielaufbau bekäme...

Fans:
Da simmer dabei. Das wird natürlich nicht immer so sein, aber schön, dass wir gleich mal den Einstieg geschafft haben. Die Mannschaft hat jedenfalls einen guten Eindruck davon bekommen, was sie erwartet, wenn sie nicht aufgibt!
Ich bin jedenfalls mit einem dicken Grinsen eingeschlafen und sitze nun einen Tag später immer noch selig lächelnd vor meiner Tastatur. mb
 

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