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EHC - Frankfurt Lions 2:4

Das gleiche Spiel - ein anderer Gegner. So hätte man den größten Teil des zweiten Heimauftritts der Grizzlies betiteln können - aber eben nur einen Teil und nicht das ganze Spiel. Denn die Lions traten den Wolfsburgern fast über die gesamte Spieldauer äußerst aggressiv und körperbetont entgegen, was sie trotz Strafzeitenflut wohl vor einem Schicksal wie dem der Haie letztendlich bewahrte.
Konnten die Kölner am letzten Sonntag dem Sturmlauf des EHC kaum etwas Entlastendes entgegenbringen, so vermochten die Frankfurter ihren Vorsprung aus dem ersten Drittel mit viel Kampf und Krampf über die Runden bringen. Da resümierte Gästecoach Chernomaz dann auch treffend, dass man gegen einen hochklassigen Gegner die Disziplinlosigkeiten des zweiten Drittels wesentlich teurer bezahlt hätte...

1.Drittel
Das erste Drittel ist schnell erzählt. Wolfsburg zeigte deutlich, dass man aus den letzten Begegnungen nichts gelernt hatte und versuchte erneut die Partie spielerisch und ohne großen Körpereinsatz in den Griff zu bekommen - was natürlich fehl schlug.
Während der EHC drei Powerplay-Gelegenheiten ungenutzt ließ, verwandelten die Gäste ihre zwei Möglichkeiten gleich in zwei Tore.
Zunächst hatte beim tip-in zum 0:1 durch Chris Taylor (9.Min) die Wolfsburger Unterzahlformation den Slot nicht in den Griff bekommen, dann schob eben jener Chris Taylor beim 0:2 (18.Min) einen Abpraller von Rogles seelenruhig über die Linie während die Grizzlies verwirrt aus der Wäsche guckten. Als einige Spieler des EHC sich offenbar schon leicht resigniert Richtung Pause sehnten, schlugen die Gäste sogar noch ein drittes Mal zu und gingen 28 Sekunden vor der Pause durch Simon Danner mit 0:3 in Führung. Dass bei dessen Bauerntrick mit 3 Sekunden Ansage sowohl Rogles als auch die gesamte Grizzlyreihe uralt aussahen, machte den rund 1750 Fans nicht gerade viel Mut für die kommenden Drittel.

2.Drittel
Wie zuletzt gegen Köln kamen die Grizzlies völlig verwandelt aus der Kabine und legten gleich energisch los. Die Konsequenz aus diesem Druck war, im Gegensatz zum Spiel gegen die Haie, eine Flut an Regelwidrigkeiten und überharten Aktionen der Gäste, die offenbar großes Vertrauen in ihre Unterzahlfähigkeiten hatten.
So verbrachten die Lions die ersten sieben Minuten des Drittels fast komplett in Unterzahl, zumal sich zu einfachen Strafen in der 23.Minute eine 5+Spieldauer gegen Chris Armstrong gesellte, der Jason Ulmer bei einem vorsätzlich zu hohen Stock im Gesicht verletzte und somit vorzeitig unter die Dusche durfte.
Die Grizzlies nutzten diese teilweise unerklärlichen Disziplinlosigkeiten, um zumindest den Anschluss wieder herzustellen.
Bereits in der 3.Spielminute war Sandrock per Schlagschuss von der blauen Linie zum 1:3 erfolgreich gewesen (5-3 überzahl) und hatte einer guten persönlichen Vorstellung mit einem gigantischen Hammer die Krone aufgesetzt.
Eher listig zeigte sich in der 26.Minute Christoph Wietfeldt, der Gästekeeper Ian Gordon den Puck von hinten gegen den Schlittschuh schob und somit das 2:3 verbuchen konnte.
Die Halle stand natürlich prompt Kopf, witterte man offenbar die nächste Sensation binnen Wochenfrist.
Doch obwohl die Gäste nach kurzer Gleich- und sogar überzahl gegen Ende des Drittels erneut ganze vier Minuten in Unterzahl agieren mussten, konnten die Wolfsburger kein weiteres Kapital aus der Frankfurter Unbeherrschtheit schlagen. Chancen hingegen gab es reichlich...

3.Drittel
Der Gästetrainer hatte seinen Spielern in der Pause offenbar ordentlich die Meinung bezüglich ihrer Strafbankaufenthalte gegeigt, und so zeigten die Lions sich im Schlussabschnitt wesentlich kontrollierter in ihren Aktionen.
Doch obwohl Frankfurt bis zur Schlussminute keine Strafe mehr kassierte, mühten die Grizzlies sich auch bei 5 gegen 5 redlich um den Ausgleich und hatten auch die ein oder andere gute Gelegenheit. Ein weiterer Treffer sollte für Wolfsburg jedoch nicht mehr fallen und so konnte Ex-Grizzly Peter Smrek am Ende per empty-net goal die letzten Bemühungen der Gastgeber endgültig zum Scheitern verurteilen.
Trotz dieser unglücklichen Niederlage und dem erneut völlig verkorksten Auftaktdrittel, hatten die Fans ihren Spielern zu diesem Zeitpunkt längst vergeben und honorierten die engagierte Vorstellung ihrer Mannschaft mit reichlich Applaus.

Mein subjektiver Eindruck:
Nach den ersten drei Spielen der Saison darf man langsam ruhig mal fragen, wie oft dieses Team noch auf die heiße Herdplatte fassen muss bis es sich vorher Handschuhe anzieht...
HALLO! Wir sind nicht die tschechische Nationalmannschaft! Wir müssen über Kampf, Körpereinsatz und persönliche Disziplin in eine Partie hineinkommen und den Sieg mit dem Messer zwischen den Zähnen vom Eis holen. Selbst die monetäre Elite dieser Liga muss diese schmerzliche Erfahrung des öfteren machen - für gewöhnlich gegen Mannschaften wie unsere.
Frankfurt hat nun wirklich alles getan, was man tun konnte, um uns die Punkte in der Eisarena zu lassen. Solche Geschenke müssen wir in Zukunft annehmen, sonst ist Platz 10 schneller außer Reichweite als uns lieb sein kann.

Tor:
Rogles zeigte äußerst deutlich, was seine Abwehr machen muss, um Gegentore zu verhindern.
Der Slot MUSS unter Kontrolle gebracht werden, da Chris auf Nahdistanz einfach zu anfällig wirkt - sei es per Nachschuss oder per allseits beliebtem Bauerntrick.
Nicht sein bestes Spiel.

Verteidigung:
Das erste Drittel darf man ruhig als kollektive Katastrophe bezeichnen. Die Hilfe durch eine komplett aggressiv und defensiv arbeitende Mannschaft blieb aus - der EHC ging unter.
Fortin leicht indisponiert, Fibiger zu schwach, Gödtel komplett unkonzentriert und in der Beweglichkeit nur leicht verbessert.
Macholda, Danner und Genze bestenfalls unauffällig und selbst der über weite Strecken bärenstark aufspielende Sandrock wirkte im ersten Spielabschnitt nicht immer sattelfest...
Svensson allein wird´s hier wohl kaum richten können - wir brauchen Verstärkung.

Sturm:
Die osteuropäische Reihe kann ihre Spielstärke dank mangelnder Durchsetzungskraft und vor allem dank erbärmlichem Aufbauspiel der Abwehr nicht in Zählbares verwandeln - Schade!
Individuell ließ vor allem Moravec nicht nur die letzte Durchschlagskraft, sondern auch streckenweise den letzten Biss vermissen. Bedenklich.
Die kanadische Reihe machte eine ordentliche Partie, hatte viel Pech im Abschluss und wird auch in Zukunft wohl sehr von der Entwicklung Ulmers abhängen.
Fast ausschließlich Freude machten hingegen die deutschen Reihen 3 und 4, die von Beginn an mit viel Einsatz und auch der ein oder anderen guten Idee ihren besser bezahlten Kameraden einen Fingerzeig gaben.
Hervorzuheben ist vor allem Christoph Höhenleitner, der sich als absoluter Glücksgriff entpuppt. Läuferisch beeindruckend, physisch präsent und durchaus trickreich machte der Junge unglaublich viel Spaß. Aber auch Heinrich zeigte sich verbessert und scheint seine Chance wirklich nutzen zu wollen. Mehr davon, bitte!

Fans:
Ob Dienstag oder Donnerstag - es dauert stets bis man warm wird. Das galt ja nun auch leider für unser Team. Doch spätestens ab dem zweiten Drittel konnte man der Veranstaltung stimmungstechnisch einiges abgewinnen. Gerade die leere Familientribüne, die Sonntag noch nahezu ausverkauft war, zeigte, wo die Zuschauer am Donnerstag fehlen. Ein paar Zuschauer mehr hätten es trotzdem sein dürfen. mb