header
Log in
A+ A A-

EHC - Düsseldorf Metro Stars 1:5

Spätestens die Anzahl der Nachfragen bei der abschließenden Pressekonferenz zeigten EHC-Trainer Toni Krinner mehr als deutlich, dass die wirklich erschreckend mut- und harmlose Vorstellung seines Teams bei wirklich jedem Zuschauer größte Ratlosigkeit hinterlassen hatte.
Ein Aufbäumen gegen die drohende Niederlage, wie noch in den ersten beiden Heimspielen deutlich zu beobachten, war in dieser einseitigen Begegnung jedenfalls nur mit viel gutem Willen zu erkennen - und eben jener gute Wille scheint Teilen des Publikums schon in dieser frühen Phase der Saison bereits abhanden zu kommen...

1.Drittel
Mit frisch gemischten Reihen und frohem Mut starteten die Grizzlies in die dritte Begegnung vor heimischer Kulisse. Gerade die ersten Minuten des Spiels zeigten eine durchaus willige und geistesgegenwärtig agierende Wolfsburger Mannschaft, die sich tatsächlich erste Vorteile erarbeiten konnte.
Doch bereits nach knapp dreieinhalb gespielten Minuten war auch schon Schluss mit der ganzen Herrlichkeit:
Lubomir Hurtaj stürmte auf der rechten Angriffsseite ins Drittel der DEG und machte dann so ziemlich alles falsch, was ging. Statt einen Pass vor das gegnerische Tor (wäre nicht wirklich sinnvoll gewesen, da niemand koordiniert mitgelaufen war) oder einen Schuss hinter das von Jamie Storr gehütete Tor zu wählen, stoppte der Angreifer hinter der blauen Linie abrupt und legte den Puck behutsam quer...in den Rücken seiner aufgerückten Mitspieler.
Peter Ratchuk schnappte sich das herrenlose Spielgerät, stürmte uneinholbar Richtung Rogles und versenkte den Puck zur frühen 0:1 Führung für die Metro Stars (4.Min).
Der EHC wirkte im Anschluss deutlich verunsichert und bekam sich und die Partie eigentlich nie wieder in den Griff.
Das 0:2 in der 16.Minute war dann zwar ein Gegentreffer in Unterzahl, doch die Art und Weise, wie die Wolfsburger Hintermannschaft den Düsseldorfer Kathan mutterseelenallein vor Rogles auf den Puck warten lies, rang den Fans durchgängig ein ungläubiges Kopfschütteln ab.
Gegen Ende des Drittels keimte jedoch wieder zarte Hoffnung auf den Rängen auf, da die Gäste vom Rhein sich durch zwei völlig sinnfreie Fouls in doppelte Unterzahl gebracht hatten (eine Strafzeit wegen Hakens pünktlich zum Pausenpfiff!).

2.Drittel
Diese zarte Hoffnung sollte durch das kopflose Powerplay der Grizzlies und vor allem die Unfähigkeit einen Mitspieler, vorzugsweise Sandrock, in eine günstige Schussposition zu bringen zunichte gemacht werden.
Die Metro Stars zeigte in einem anschließenden überzahlspiel ihrerseits dann eindrucksvoll, wie einfach es sein kann eine Abwehr völlig alt aussehen zu lassen. So schafften sie es diesmal sogar zwei Spieler unbehelligt vor Rogles zu positionieren, während die Unterzahlformation der Gastgeber mit den restlichen Düsseldorfern oder sich selbst beschäftigt war. So war nach gut 23 Spielminuten erneut Klaus Kathan erfolgreich und konnte somit das vorentscheidende 0:3 für seine Farben verbuchen.
Der Drops war gelutscht, die Grizzlies endgültig Statisten. Was folgte war das 0:4 durch Wright (35.min) per 3 auf 1 Konter in Unterzahl (!) und das 0:5 durch Bazany, der anderthalb Minuten vor der zweiten Pause Jesse Fibiger an den Schlittschuh schoss und dadurch ein unhaltbares Glückstor obendrauf legte.
Der ein oder andere Zuschauer dürfte hier bereits entnervt die Heimreise angetreten haben...

3.Drittel
Düsseldorf spielte die Begegnung quasi mit einer Hand in der Hose zu Ende, nahm das 1:5 durch Fibiger in der 7.Minute eher schulterzuckend zur Kenntnis und begab sich geistig wohl bereits auf die Heimreise. An einer signifikanten Leistungssteigerung des EHCs lag es jedenfalls offenkundig nicht, dass die Partie nun ausgeglichener wirkte. Eine Ordnung, geschweige denn Spielkultur, war nach wie vor auf Seiten der Gastgeber kaum zu erkennen.
So gab es denn zum Ende, bereits recht früh in der Saison, die ersten deutlich hörbaren negativen Reaktionen der Fans in Richtung der sportlichen Leitung...

Mein subjektiver Eindruck:
Ein ohnehin zerrissenes Team weiter durcheinander zu würfeln war jetzt sicherlich keine strategische Meisterleistung. Doch was soll man machen, wenn diese Mannschaft eine derart unglaubliche Harmlosigkeit im gegnerischen Drittel ausstrahlt? Noch schlimmer scheint mir der psychische Zustand unserer Spieler: Von einem einfachen individuellen Schnitzer lässt sich fast zwei Drittel der Mannschaft derart demotivieren und verunsichern, dass eine solche Geisterbahnfahrt dabei heraus kommt! Das hatte in einigen Mannschaftsteilen nicht einmal gehobenes Zweitliga-Niveau...

Tor:
Rogles allein zu Haus. Wie im Kino - nur dass die "Bösen" diesmal gewinnen.
Obendrein hatte Chris offenkundig nicht seinen besten Tag erwischt. In Kombination mit der Narrenfreiheit des gegnerischen Sturms eine wenig schmackhafte Mischung.

Verteidigung:
Nicht existent. Die einzig wirklich gute Nachricht: Unser Tor wurde während der Unterzahlspiele nicht geklaut. Vorzugsweise Fibiger und Fortin sorgten dafür, dass der einschussbereite Stürmer im Slot die Pfosten unseres Tores nicht entwenden konnte.
Außerdem wurde das Netz des Grizzlytors nicht durch diese kleinen schnellen Dinger zerstört, die dort regelmäßig reinflogen. Ich bin begeistert.
Gödtel und Sandrock waren eigentlich die einzig wirklich akzeptablen Akteure in diesem Mannschaftsteil.
Bei Fibiger - und leider mittlerweile auch Fortin - muss man sich langsam wirklich fragen: Was können die beiden eigentlich wirklich? Zu langsam, keine Spielübersicht, unterirdisches Stellungsspiel in Unterzahl - das sind die Attribute, die diese beiden momentan uneingeschränkt teilen.
Fibiger garniert dieses Paket mit erschreckender Unfähigkeit seinen Körper einzusetzen, Fortin wirft seine immer wieder aufblitzende Pomadigkeit im Spielaufbau in die Waagschale.
Wer denkt bei solchen Leistungen noch an eine Vertragsauflösung mit Callander? Doch mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Sturm:
Die konzentriert und bemüht aufspielenden Stürmer sind schnell aufgezählt: Wietfeldt, Regan, Höhenleitner und Wiseman zeigten in ungefähr das, was man von den Einzelnen erwarten durfte.
Bemüht, aber ineffektiv zeigten sich hingegen Zurek, Henrich, Wikström und mit Abstrichen Ulmer, der aber bisher generell hinter den Erwartungen zurückbleibt und keinesfalls als Spielmacher in den Vordergrund getreten ist.
Kosick noch mit Anpassungsschwierigkeiten, Bartosch unauffällig.
Die Leistungen der Herren Moravec und Hurtaj schlagen aber momentan dem Fass den Boden aus!
Man wird leider immer mehr an die unsägliche Saison 02/03 erinnert, in der ein mental überforderter Marak und ein sichtlich gelangweilter Pohorelec die Fans schier zur Verzweiflung trieben. Unsere beiden Neueinkäufe sind jedenfalls "fleißig" dabei den von Spielern wie Arpad Györi und Ivan Ciernik begründeten guten Ruf von tschechischen und slowakischen Spielern beim EHC zu ruinieren.
Während Hurtaj (immerhin Kapitän der slowakischen Meistermannschaft) psychisch wenig belastbar daherkommt und sich sichtbar kaum etwas zutraut, dreht Moravec in bester Klischeemanier einen osteuropäischen Kringel nach dem anderen und ist im Zweikampf ungefähr so durchsetzungsfähig wie Plüschhäschen im Raubtiergehege...
Insgesamt betrachtet hat die Reihenumstellung lediglich die individuellen Defizite des Teams nur noch heftiger aufgezeigt, als wir sie ohnehin schon zu Gesicht bekommen haben - Experiment gescheitert. Zeit, dass der eine oder andere sich das Geschehen mal von der Bank oder der Tribüne aus anschaut - da schließe ich die Abwehrversager ausdrücklich mit ein.

Fans:
Hut ab. War jetzt kein Stimmungsfestival, aber angesichts der dünnen Kulisse und des gruseligen Spielverlaufs kann sich keiner über unangemessen wenig Unterstützung beklagen. An die Stressmacher nach dem Spiel nur Folgendes: Geht zum VfL - wo ihr her kommt. Geht direkt dort hin. Geht nicht über die Eisarena, zieht kein Ticket für das nächste Heimspiel. Wir wollen Spaß haben - Gewalt oder persönliche Provokation gehören nicht dazu. mb