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EHC - Straubing Tigers 4:2

Die unverdiente Niederlage in Hannover hat offenbar keinen Schaden beim Team der Grizzlies angerichtet! Die Männer von Toni Krinner zeigten sich vielmehr darum bemüht die gute Tendenz der letzten Spiele fortzusetzen und gingen mit größtem Ehrgeiz gegen den Tabellennachbarn aus Straubing zu Werke.
Trotz der gewohnten Probleme im Abschluss, vor allem in überzahl, gelang es den Wolfsburgern alle drei Punkte in der Eisarena zu behalten und den Anschluss an Platz 10 nicht abreißen zu lassen.

1.Drittel
Die noch am Freitag von brutalen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters arg gebeutelten Grizzlies wollten es gleich zu Beginn wissen. Zum Auftakt stellte die Reihe um Tim Regan den Gästekeeper gleich zweimal sehenswert auf die Probe, machte deutlich: Wir wollen mit aller Macht eine Pannenserie verhindern - und natürlich die Punkte!
Wolfsburg machte zunächst viel Druck, ließ sich auch durch eine Strafe gegen Macholda und das folgende Unterzahlspiel in der 6.Minute nicht aus dem Konzept bringen und rannte auf das Straubinger Tor an. Einzig der gewohnt glänzend aufgelegte Mike Bales im Gästetor und die altbekannte Abschlussschwäche des EHC verhinderten eine frühe Entscheidung in dieser Begegnung und so blieb es zunächst ein torloses Spiel. Gegen Ende des Drittels, als der erste Zorn der Gastgeber verflogen schien, kamen die Tigers sogar besser ins Spiel und verpassten in Person von Dunham ihre beste Gelegenheit in Führung zu gehen. Glück für Wolfsburg - wer weiß, wie eine unverdiente Gästeführung auf dieses doch leicht frustrierte Team gewirkt hätte...

2.Drittel
Doch die Grizzlies mussten sich offenbar nur neu sammeln, kamen erneut furios aus der Kabine und hatten in Michael Henrich schon nach 38 Sekunden einen äußerst lässigen Torschützen. Henrich hatte sich nach Anspiel von Neuzugang Voce beeindruckend vor das Gästetor durchgesetzt und umspielte Bales im Vorbeifahren mit geradezu aufreizender Leichtigkeit zum längst überfälligen 1:0.
Doch die Freude währte nur kurz. Nicht einmal anderthalb Minuten später konnten die Gäste aus Straubing ebenfalls jubeln, da Trevor Gallant für ihre Farben erfolgreich ausgeglichen hatte. Vorangegangen war ein Abwehrfehler von Danner, in dessen Anschluss die Tigers die Verwirrung des EHC nutzten um den Treffer herauszuspielen.
Wenig beeindruckt nahmen die Wolfsburger sofort die Arbeit wieder auf, gingen sofort wieder dahin, wo es weh tut und...übertrieben es ein wenig. Die äußerst engagiert auftretenden Wolfsburger Verteidiger Fortin und Fibiger mussten in der Folgezeit auf die Strafbank, da HSR Mandioni (CH) die beherzten Aktionen der beiden Grizzlies etwas zu intensiv ausfielen. Mit den Strafen wegen "hohem Stock" und "Halten des Gegners" lag er zwar eher daneben, tendenziell konnte man die Entscheidungen allerdings nachvollziehen - was dem geneigten Wolfsburger Eishockeyfan momentan wohl schon fast reicht.
Nach sehr überzeugendem Unterzahlspiel kamen die Fans der Grizzlies ab der 29.Minute endlich wieder in den "Genuss" des eigenen Powerplays. Die erneute Führung für die Gastgeber fiel dann auch folgerichtig erst 2 Sekunden nach Ablauf der Strafe: Ulmer verwertete einen Nachschuss zum 2:1 in der 31.Spielminute.
Das Glück blieb den Grizzlies trotzdem nicht treu. Als in der 36.Minute ein Straubinger Spieler seinen Stock verlor, nahm er beim Verlassen des Eises Sascha Genze aus taktischen Gründen "in den Arm", um den Wolfsburger Vorteil nicht zu groß werden zu lassen. Genze befreite sich aus dieser Umarmung, zumindest aus Sicht des HSR, etwas zu energisch und wanderte zum Leidwesen der Fans alleine auf die Strafbank. Eric Chouinard sagte im folgenden Powerplay der Gäste artig "Danke" und glich in der 37.Minute zum 2:2 aus.
Nachdem die Gastgeber zwei folgende überzahlspiele in gewohnter Manier...sagen wir mal "offen gestaltet" hatten, ging es für die Grizzlies mit diesem Unentschieden doch leicht frustrierend in die zweite Unterbrechung.

3.Drittel
Das Spiel verlor auf beiden Seiten zusehends an Linie und es entstand eine mit einigem Krampf durchsetzte Schlacht um die Punkte.
Das Unterzahlspiel der Wolfsburger blieb dabei vorbildlich und das erste überzahlspiel des Drittels brachte dann sogar die Entscheidung für die Grizzlies: Fortin hämmerte den Puck in der 54.Minute unhaltbar abgefälscht in die Maschen hinter Bales und erzielte damit endlich einen Treffer, der sogar die Anerkennung des leitenden Schiedsrichters fand. Eine echte Erlösung für den erbittert fightenden J.F., der noch am Freitag zwei Treffer nach Videobeweis aberkannt bekommen hatte.
Die Gäste, angesichts der drohenden Niederlage natürlich nun hellwach, drängten sofort wieder auf den Ausgleich, bereuten wohl die zwischenzeitlich zu passive Spielgestaltung und zeigten noch einmal eine deutliche Leistungssteigerung.
Als dann aber knapp drei Minuten vor dem Ende Anton Bader für die Gäste auf die Strafbank musste, schien die Messe gelesen. Doch anstatt bei 5 gegen 5 Feldspielern den Puck im leeren Gästetor zu versenken, nahm Sandrock bei 58:51 noch eine Auszeit auf der Strafbank, nachdem er hinterm eigenen Tor einen Stock-Check zum Puckgewinn verwendet hatte.
Der Straubinger Torhüter blieb folglich auf der Bank und es ging mit 4-6 Feldspielern weiter.
Zur allgemeinen Erleichterung gelang dem individuell erneut stark aufspielenden Henrich 14 Sekunden vor Schluss das 4:2 per empty-net! Der Jubel fiel, trotz Minuskulisse von knapp 1600 Zuschauern, größer als zuletzt gegen Duisburg aus: Die Grizzlies hatten ihre Fans mit viel Herz überzeugt!

Mein subjektiver Eindruck:
Spielerisch war die Begegnung sicherlich keine Augenweide, doch der Einsatzwille des Teams konnte wirklich voll überzeugen. Mit nur wenigen Ausnahmen scheinen alle die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und arbeiten äußerst hart am Erfolg. Von wirklich eingespielten Reihen sind wir allerdings erschreckend weit entfernt...
Auf lange Sicht dürften wir den Ausfall einer kompletten Reihe allerdings nicht mehr lange kompensieren können - an Effektivität ist die tschechisch-slowakisch geprägte Fraktion jedenfalls kaum noch zu unterbieten.

Tor:
Rogles untermauert seine Stellung als Nr. 1 im Tor der Grizzlies. Fehlerlos und souverän.
Wenn es der Abwehr gelingt den Slot zu kontrollieren, ist Rogles kaum zu überwinden.

Verteidigung:
Fortin und Fibiger steigern sich von Spiel zu Spiel. Gerade Fortin kommt endlich aus sich heraus, scheint mittlerweile bei der Ehre gepackt zu sein und überzeugt mit vollem Einsatz. Seine, teilweise übertriebenen, Offensivambitionen können von einem fast fehlerlos agierenden Fibiger mittlerweile sogar überzeugend abgesichert werden! Bitte weiter so!
Svensson wirkt immer noch zu steif und zu langsam - leichte Verbesserung wird aber sichtbar.
Sandrock kann folglich nicht von Svensson abgesichert werden, entwickelt sich leider zum Unsicherheitsfaktor in der Abwehr und weist momentan eine haarsträubende +/- Bilanz vor. Kann man eigentlich nur noch im Powerplay bringen...
Im Gegensatz dazu legt Sascha Genze momentan von Woche zu Woche zu, wird immer schneller und aggressiver - einfach nur genial! Schafft es tatsächlich die permanente Gefahr, die von Macholda fürs eigene Tor ausgeht, weitestgehend zu entschärfen...
Danner (im 4.Sturm) und Gödtel mit wenig Eiszeit - angesichts der immer unterirdischer werdenden Vorstellungen eines Macholda kaum verständlich. Hoffen wir, dass Petr sein Selbstbewusstsein wiederfindet, sonst wird aus dem "Nationalspieler" schnell ein Fall für Crimmitschau.

Sturm:
Die erste Reihe überzeugte mich wirklich voll und ganz. Wenn Henrich beteiligt ist, darf man keine hohe Spielkultur erwarten - das dürfte mittlerweile klar sein. Dafür kann die aktuelle Reihe um Michael seine enormen individuellen Fähigkeiten offenbar immer besser in Szene setzen. Ulmer scheint sich langsam an ihn zu gewöhnen und Voce feiert einen Einstand nach Maß und legt gleich drei Treffer auf, ackert dabei stets giftig in allen Zonen.
Die Reihe um Regan, Wietfeldt und Höhenleitner wieder mit hohem Kampffaktor. Höhenleitner sollte man in den kommenden Wochen schon mal langfristig an den Verein binden, bevor andere Vereine tätig werden. Wenn der Junge noch intensiv an seinem Torschuss arbeitet, dann könnte da TATSäCHLICH ein Nationalspieler reifen...
Bartosch und Kosick bemüht, aber zum Teil etwas ungeschickt - Danner im Sturm nicht wirklich überzeugend.
Tja...und da wäre dann noch unsere 2.Reihe. Hurtaj bemüht, aber oft mit dem lustigen Kringel vom Tor weg. Zurek unauffällig, ohne richtige Bindung zum Spiel. Moravec stets auf der Flucht vor jeglichem Körperkontakt, schont sich für die Rente. Eine einzige Katastrophe und für mich der Hauptgrund, warum wir echte Schwierigkeiten mit dem Anschluss an den Kampf um Platz 10 bekommen könnten. Besonders Moravec scheint echte Berührungsängste zu haben und geht immer genau dahin, wo gerade keiner ist. Tribünenplatz - bitte, bitte, bitte!
Aber halt: In Unterzahl könnte man Hurtaj und Moravec jederzeit bringen - hier machen die beiden mit gutem Stellungsspiel und ohne jeglichen Körperkontakt (wozu gibt´s Verteidiger...) meist eine ordentliche Figur. Ansonsten wohl die teuersten Spielstandverwalter der gesamten Liga.

Fans:
Kein allzu rasantes Spiel, aber die Unterstützung passte. So könnten wir aus dem Tal der Liga klettern und vielleicht mal wieder richtige Eishockeypartys feiern. Die nächsten drei Spiele dürften auch in dieser Frage wegweisend sein. mb