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EHC - Adler Mannheim 5:2

Die Feier zur Namensgebung der EisArena stand unter einem ausgesprochen guten Stern. In einer über die volle Distanz mitreißenden Begegnung gelang es den Grizzlies tatsächlich den Höhenflug des angeschlagenen Meisters aus Mannheim nach fünf Siegen in Folge zu stoppen.
Mit reichlich Herzblut und dem nötigen Glück konnten die individuell hochklassig besetzten Adlern, besonders in einem phantastischen Mitteldrittel, niedergekämpft werden und rund 3500 Zuschauer feierten ihr Team fast zwei Drittel lang herrlich ausgelassen.

1.Drittel
Im Anfangsdrittel sah es jedoch erst einmal überhaupt nicht nach einer überraschung in dieser auf dem Papier klaren Partie aus. Die Adler starteten mit viel Tempo und Angriffslust in die Begegnung und erspielten sich die weitaus besseren Chancen. Gleich im ersten Powerplay zeigten die Gäste sich dann auch von ihrer effektiven Seite und kamen so in der 6.Minute zum 0:1 durch Michael Hackert. Auch in der Folgezeit überzeugten die Gäste mit konzentrierter Spielführung und gut herausgespielten Torchancen - doch alle weiteren potentiellen Torschützen fanden, zum Glück für den EHC, in Chris Rogles ihren Meister. Wolfsburg hielt zwar tapfer dagegen, wirkte dabei aber leicht verkrampft und vergab entsprechend in Person von Hurtaj und Fibiger die beiden besten Einschussmöglichkeiten durch zwei individuelle Ungeschicklichkeiten. Zur Pausensirene deutete also kaum etwas auf das Kommende hin...

2.Drittel
Wenn man den weiteren Verlauf der Begegnung an irgendeinem Ereignis festmachen wollte, so müsste dieses Ereignis Tony Voce heißen. Die Wolfsburger Nachverpflichtung brachte nicht zum ersten Mal das nötige Feuer in die durchaus geschlossene, aber zu gehemmte Vorstellung der Grizzlies. Mit einer unglaublichen Energie rannte der US-Amerikaner gegen die scheinbare Mannheimer übermacht an und infizierte dabei offenbar seine Mitspieler.
Als er in der 25.Minute schließlich sogar den 1:1 Ausgleich für die Grizzlies markieren konnte, konnte man den Ruck, der durch die Mannschaft ging, förmlich spüren.
Die Adler wurden in der Folgezeit in nicht für möglich gehaltener Intensität geradezu an die Wand gespielt und mussten verstärkt zu unfairen Mitteln greifen, um die Aktivitäten der Gastgeber zu unterbinden. Zumindest um dies zu versuchen - denn der EHC war nicht mehr zu stoppen, erspielte sich Chance um Chance. Selbst nachdem der im letzten Moment am Torschuss gehinderte Voce den in der 28.Minute fälligen Penalty nicht verwandeln konnte, tat das dem Biss der Grizzlies keinen Abbruch. Voce hatte den Strafschuss mit einem riskanten Trick vergeben, was dem Team einen zusätzlich Schub zu geben schien, zeugte es doch vom unbändigen Selbstbewusstsein des kleinen Italo-Amerikaners in Diensten des EHC.
Der Druck auf das Mannheimer Tor stieg also weiter und nach einigen sehenswerten Angriffen der Gastgeber war es schließlich Lubomir Hurtaj, der mit seinem zweiten Saisontreffer das 2:1 für die Hausherren verbuchen konnte. Nach einem angetäuschten Bauerntrick zockte er dem Adlergoalie Hauser den Puck listig durch die Schoner und konnte damit endlich einen wichtigen Akzent im Wolfsburger Spiel verbuchen.
Doch es kam noch besser: Nachdem Martinec in der 38.Minute auf die Strafbank musste, weil er bei einem Torversuch in Rogles hineingesprungen war, gesellten sich nur eine Minute später seine Teamkollegen Corbet und Fata zu ihm und die Grizzlies konnten sich ausgiebig im 5-3 Powerplay erproben. Und was soll man sagen? Das schwächste überzahlspiel der Liga sah auf einmal gar nicht so schwach aus:
3:1 durch Ulmer per Direktabnahme (39.Min).
4:1 durch Voce, der im richtigen Moment aufgerückt war und zwei Sekunden vor der zweiten Drittelpause einen Rebound verwerten konnte.
Die EisArena kochte wie nur selten in ihrer noch jungen Geschichte!

3.Drittel
Wer dachte, dass der Meister die Partie abhaken und gemütlich zu Ende spielen würde, sah sich getäuscht. Nachdem die Grizzlies zunächst versucht hatten weiter mitzuspielen, beorderte EHC-Coach Krinner seine Männer per Auszeit zum Gespräch. Um zu erraten welche Parole ausgegeben wurde, bedurfte es in den folgenden Minuten allerdings keines Lippenlesers. Die Gastgeber stellten knallhart auf Ergebnishalten um, trafen damit gegen die individuell besseren Gäste genau die richtige Entscheidung, denn der größte Mangel im Adler-Team kam prompt zum Vorschein: Das blinde Zusammenspiel, verbunden mit selbstsicher vorgetragenen Ideen, stellte sich nicht mehr auf Seiten der Gäste ein und der nervöse Spielaufbau der Adler lud die Grizzlies ein ums andere Mal zu Kontern ein, denen einige Spieler sichtbar schweren Herzens widerstehen mussten.
Als Wiseman in der 57.Minute einen dieser Konter trotzdem fuhr und zum 5:1 vollendete, war der Einweihungstriumph dann endgültig in Sack und Tüten. Das 5:2 durch Trepanier - nur eine Minute später - interessierte da weder auf dem Eis noch auf den Rängen irgendwen. Viele bekamen den Treffer in den allgemeinen Feierlichkeiten wohl nur auf der Anzeigentafel mit und auch im Anschluss blieb ein Großteil der Zuschauer noch im gut gefüllten Rund, um den Helden des Abends ihre vollverdiente Ehrenrunde zu versüßen.

Mein subjektiver Eindruck:
Mit voller Kapelle sieht der Sturm doch gar nicht so schlecht aus! Das Team zeigte eigentlich mehr als man erwarten durfte und machte vor Saisonrekordkulisse mächtig Werbung in eigener Sache. Dieser Sonntagabend war ein echter Glücksmoment für das Eishockey in Wolfsburg, denn bei entsprechender Entwicklung in den nächsten Wochen könnte die EisArena eine sehr schöne Feiertagszeit mit vielen stimmungsvollen Partien erleben!
Wenn es dem Team gelingen sollte vor der Weihnachtszeit zweimal drei Partien in Folge zu gewinnen, dann wäre da echt was drin...hoffentlich fangen sie jetzt schon einmal mit der ersten Serie an. Diese Leistung macht berechtigte Hoffnung, wenn auch mit Iserlohn am Dienstag die zweiterfolgreichste Tormaschine der Liga zu Gast sein wird (zuletzt 8:3 gegen Krefeld!) und auch die weiteren Gegner eher aus den oberen Regionen der Liga kommen werden.

Tor:
Herzlichen Dank, Mr. Rogles. Ohne die grandiose Vorstellung unseres Goalies wäre aller Kampf vergeblich gewesen. Rogles war an diesem Abend seinem hochgelobten Gegenüber im Mannheimer Tor eine ganze Klasse voraus.

Verteidigung:
Sowohl Fibiger und Danner, als auch Gödtel und Genze lösten ihre Aufgaben vorbildlich. Sandrock überraschte mit einer DEFENSIV! überzeugenden Leistung neben dem eher unauffälligen Svensson.
Lediglich Macholda konnte sich im positiven Gesamtbild, leider wie gewohnt, nicht einreihen und stellte erneut eine permanente Gefahr für das eigene Tor dar und durfte im letzten Drittel folgerichtig als siebter Verteidiger zuschauen. Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Sturm:
Die erste und zweite Reihe wussten zu gefallen, aber auch die (3. od. 4.?) Reihe mit Zurek, Hurtaj und Bartosch machte, nicht zuletzt dank eines weiter im Aufwind befindlichen Hurtaj, einen guten Eindruck.
Lediglich die Reihe mit Höhenleitner, Wietfeldt und Moravec wusste nur in Person von Christoph Höhenleitner zu überzeugen. Das Zweikampfverhalten eines David Moravec, der im letzten Spielabschnitt verletzt ausfiel, ist eigentlich kaum zu unterbieten. In seiner momentanen Verfassung bedeutet jeglicher "Feindkontakt" sofortigen Puckverlust. In Unterzahl ist der tschechische Weltmeister allerdings weiterhin ein zuverlässiger Faktor - mehr leider nicht.
Positiv hervorheben kann man in erster Linie Tony Voce, der die Mannschaft sichtbar inspiriert hat. Der Junge spuckt regelmäßig Gift und Galle auf dem Eis und pusht seine Mitspieler offenbar kräftig nach vorne. Weiter so!

Fans:
Geile Stimmung. Glücksseligkeit auf den Rängen, wie wir sie seit dem Aufstieg nicht mehr erleben durften. Ich hoffe und bete, dass der EHC am Sonntag einige neue Fans gewinnen konnte und einigen alten, die vielleicht nur in der Zeitung davon lesen werden, wieder Lust auf weitere Besuche gemacht hat. In diesem Sinne: Am Dienstag geht´s weiter - auch wenn vielleicht nur 2000 Leute da sein werden! mb
 

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