header
Log in
A+ A A-

EHC - Iserlohn Roosters 3:5

Es ist schon ein hartes Kontrastprogramm, das in den letzten Monaten in der Wolfsburger EisArena geboten wird. Zum wiederholten Male folgte einem begeisternden Heimspiel das absolute Folterprogramm in Form einer Begegnung in der so gar nichts zueinander passen wollte.
So geschlossen und überzeugend wie die Gastgeber am Sonntag aufgetreten waren, so einheitlich zerstreut und halbherzig geisterte da ein nicht wiederzuerkennendes Heimteam über das Wolfsburger Eis. Man konnte fast von Glück sagen, dass dieses "Spektakel" lediglich eine Minuskulisse von rund 1450 Zuschauern erleben musste - vermutlich erwischte es natürlich wieder die treuesten Fans, die sich auch an einem der ungeliebten Dienstage in der EisArena eingefunden hatten.

1.Drittel
Obwohl den Grizzlies die ersten zehn Minuten des Drittels gehörten, wirkte das auf dem Eis Gebotene kaum überzeugend. Die Roosters fingen sich aufgrund der Anfangsoffensive der Gastgeber zwar eine Strafzeit nach der anderen ein, doch das Powerplay der Wolfsburger befand sich nach dem sonntäglichen Höhenflug leider wieder auf normalem Niveau - sprich: Streckenweise unterirdisch.
Doch auch den Gästen gelang im ersten Drittel nicht viel Sehenswertes und so war es dann im zweiten überzahlspiel der Gäste auch ein von einem Wolfsburger abgefälschter Schuss, der die 0:1 Pausenführung für die Roosters herstellte. Ryan Ready hatte seine Farben in der 16.Spielminute, zu diesem Zeitpunkt durchaus unverdient, in Führung gebracht.
Das Spiel stolperte anschließend Richtung erste Unterbrechung und wirkte auf beiden Seiten etwas steif.

2.Drittel
Was dann aber im zweiten Abschnitt zu sehen war, grenzte schon an Körperverletzung am zahlenden Zuschauer. Der EHC fand eigentlich fast nicht mehr statt und die Gäste aus dem Sauerland konnten sich ihren Spielrhythmus praktisch aussuchen. Mit relativ wenig Aufwand gelang es den Roosters eine komfortable Führung mit drei Toren herzustellen und die Wolfsburger Abwehr ein ums andere Mal nur im Augenwinkel wahrzunehmen:
0:2 durch Beechey in der 28.Minute und 0:3 durch Kavanagh in der 35.Min per Powerplaytreffer.
Angesichts der entspannten Vorstellung der Gastgeber wirkte diese Führung äußerst natürlich - von Wille oder gar Wut war nur bei 2 oder 3 Grizzlies etwas zu spüren bzw. zu sehen.
Der Treffer durch Wiseman zum zwischenzeitlichen 1:3 (37.Min), erstaunlicherweise ein überzahltor, wirkte angesichts dieses Auftretens schon fast deplaziert und machte nur bedingt Mut.
Zur Drittelpause folgte noch ein echtes Kuriosum: Die Hallensprecher verkündeten, nachdem die Teams bereits in den Kabinen waren, einen weiteren Treffer der Grizzlies, der in der Schlussszene des Drittels gefallen sein sollte. Das Tor ging zunächst, unter leicht irritiertem Jubel der Wolfsburger Fans, auf die Anzeigentafel, nur um nach der Drittelpause wieder verschwunden zu sein. Des Rätsels Lösung: Ein Linienrichter hatte 27 und 44 gemeldet, was als Tor gewertet wurde. Angeblich waren aber die Assists zum dritten Treffer der Iserlohner (der bereits FüNF Minuten zurücklag) gemeint. Schade, dass die Iserlohner ihre 27, Marcel Juhasz, gar nicht dabei hatten...
Ein "Missverständnis", das sich durchaus dem Niveau des gesamten Spiels und auch der Leistung des Hauptschiedsrichters angepasst zeigte.

3.Drittel
Das Geschehen auf dem Eis ließ nun langsam so etwas wie Kampf auf beiden Seiten erahnen, den nächsten Torerfolg verbuchten dann auch erneut die Gäste:
Pat Kavanagh stellte mit seinem zweiten Treffer zum 1:4 den alten Abstand wieder her (48.Min.).
Doch die Grizzlies machten nun den Eindruck, als wolle man es tatsächlich noch einmal wissen! Leider traf dies nicht auf alle Mannschaftsteile zu. Während einige Stürmer, allen voran der erneut herausragende Tony Voce, ihr Glück tatsächlich erzwingen wollten, konnte man gerade beim größten Teil der Abwehrabteilung diese Gemütsregung nicht beobachten.
Apropos Beobachten: Nachdem es Voce in der 51.Minute tatsächlich gelungen war das 2:4 per überzahltreffer zu verbuchen, BEOBACHTETE man auf Seiten der Wolfsburger das 2:5 der Iserlohner ganze 28 Sekunden später äußerst wohlwollend und interessiert. Ein Wunder, dass nicht gleich der gesamte Rest des Teams den Kopf in den Sand steckte und den Kampf komplett einstellte...
So konnte rund vier Minuten vor dem Ende Lubomir Hurtaj mit einer schönen Einzelaktion seinen dritten Saisontreffer zum 3:5 erzielen und somit die Zuschauer ein letztes Mal aus ihrer berechtigten Lethargie wecken.
Trotz weiterer Bemühungen seitens der Gastgeber, blieb es bei dieser verdienten Niederlage, auch wenn gegen Ende noch einmal Rogles zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis ging - Gefahr brachte das eher für den Kasten der Grizzlies.

Mein subjektiver Eindruck:
Wie kann man nach einem einzigen wirklich genialen Spiel schon so satt sein? Da stimmt doch irgendetwas nicht. Zwischenzeitlich hatte ich fast den Eindruck, dass die Punkte gegen Iserlohn gar nichts wert sind - im Gegensatz zu denen gegen Mannheim. Zumindest trat unser Team entsprechend auf. Natürlich war die Kulisse alles andere als motivierend für unser Team, aber hey: Das ist Wolfsburg! Bis wir hier auch mal bei einem Wochentagsspiel richtig viel Publikum und Stimmung in die Halle bekommen, werden sicherlich noch 2-3 Jahre vergehen - da muss man trotzdem die Punkte mitnehmen! Insgesamt sehr enttäuschend und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe mich während des Spiels sehr oft dabei erwischt, wie ich über ganz andere Dinge nachgedacht habe und mich teilweise nur weit weg gewünscht habe.
Besonders ärgerlich fand ich das Ganze aber auch, weil Iserlohn zu keinem Zeitpunkt spielerisch oder kämpferisch überzeugend daher kam und so unglaublich schlagbar wirkte.

Tor:
Rogles mit einer eher durchschnittlichen Leistung, wirkte hin und wieder etwas unkonzentriert - da war er ja nicht allein...

Verteidigung:
Wenn Macholda nicht negativ auffällt, dann sagt das eigentlich schon alles. Wie da teilweise staunend zugeschaut wurde, war schon fast unverschämt. Gegen einen Iserlohner Sturm, der wahrlich keine Bäume ausgerissen hat war das insgesamt eine absolut beschämende Vorstellung.

Sturm:
Voce und Höhenleitner mit einer gewohnt guten Leistung und passender Einstellung.
Hurtaj weiterhin mit steigender Leistungskurve, sein Selbstbewusstsein wächst zusehends.
Regan, Ulmer und Henrich bemüht, der Rest ausgesprochen blass und viel zu lasch dabei.
Das negative Highlight bildete natürlich mal wieder unser Kurzzeitarbeiter aus Tschechien, der beschämenderweise auch noch mit einem "A" auf der Brust herumfahren durfte - tolles Vorbild. Die Ansätze der letzten Spiele vor der Pause scheinen schon wieder zu verschwinden...wenn er den Puck bekommt, scheint er häufig verzweifelt nach dem Hallenausgang zu suchen. Entweder der Mann hat jegliches Selbstvertrauen oder jegliche Arbeitsmoral verloren - oder beides.

Fans:
Im ersten Drittel noch bemüht, konnte man den Rest des Spiels eigentlich kaum noch ertragen. Da die Mannschaft im zweiten Drittel auf die Anfeuerungsbemühungen mit Spielbeobachtung reagierte, wollte man sie auch nicht weiter mit so viel Krach ablenken... mb