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EHC - Eisbären Berlin 0:5

Der Tabellenerste aus Berlin war am Ende doch eine ganze Nummer zu groß für die gastgebenden Wolfsburger, denen in den letzten Wochen verstärkt die eigenen Grenzen in der DEL aufgezeigt werden.
Diesen Erkenntnissen mussten sich die zahlreich erschienenen Fans der Grizzlies am Sonntagnachmittag stellen. Mit großem Aufwand, viel Kampf und Laufarbeit wehrten die Männer von Toni Krinner sich gegen die übermächtigen Gäste - vergebens: Individuelle Fehler entschieden die Partie letztendlich für den Titelaspiranten.

1.Drittel
Keine Frage: Der Auftakt gehörte den Eisbären, die vom ersten Bully an mächtig aufs Gaspedal traten und sich eine gute Chance nach der anderen erspielten. Allein Ex-Eisbär Jonas im Tor der Grizzlies war es zu verdanken, dass die Partie nicht schon in den Anfangsminuten eine Vorentscheidung zu verzeichnen hatte. Zum Glück fanden die Wolfsburger nach einigen Minuten des reinen Abwehrkampfs ebenfalls in die Begegnung und so entwickelte sich ein abwechslungsreiches Spiel, das von vergebenen Torchancen und guten Torhütern auf beiden Seiten geprägt war. Während auf Seiten des EHC in erster Linie Unvermögen im Abschluss zu Tage trat und einige Schüsse auf den Eisbärenkasten wie Rückgaben wirkten, so konnte man den Berlinern durchaus eine gehörige Portion Pech attestieren. Zwei Lattentreffer und einige knapp vergebene Einschussmöglichkeiten ließen die Sorgenfalten auf Seiten des Wolfsburger Publikums deutlich wachsen...
Torlos ging es in die erste Unterbrechung.

2.Drittel
Der zweite Abschnitt gestaltete sich ähnlich dem ersten, jedoch mit zwei Unterschieden:
1. Die überlegene Anfangsphase der Gäste fiel aus
2. Die Torlosigkeit fand durch den ersten Treffer des Spiels ihr Ende
Ansonsten zeigte sich ein unverändertes Bild, das auf Wolfsburger Seite keinen Grund zu Klagen gegeben hätte, wenn - ja, wenn Robby Sandrock in der 28.Minute nicht mit einem kapitalen Bock in eigener überzahl das 0:1 der Gäste eingeläutet hätte. An der eigenen blauen Linie verlor der Verteidiger der Grizzlies beim Aufbaupass die Scheibe an Steve Walker, der mustergültig für den heraneilenden Alexander Weiß auflegte.
Der Bruch im Spiel war spürbar vorhanden, die Wolfsburger bäumten sich zwar bis Drittelende noch einmal auf, doch die Zuversicht auf dem Eis und auf den Rängen schien wie weggeblasen.
Gegen Drittelende kam es Anfang der 19.Minute dann noch einmal knüppeldick für den EHC: Nacheinander wanderten Wiseman und Wietfeldt auf die Strafbank, so dass die letzten beiden Minuten erneut Abwehrkampf pur für die Gastgeber brachten - glücklicherweise äußerst erfolgreich.

3.Drittel
Nachdem auch die letzten 18 Sekunden der zweiten Strafe abgelaufen waren, dauerte es leider nur weitere 39 bis es zum 0:2 hinter Jonas einschlug. Moravec und Wietfeldt standen sich bei der Puckübergabe hinter der gegnerischen blauen Linie gegenseitig auf den Füßen - der folgende Puckverlust fand über die Stationen Draxinger und Ustorf zum Torschützen Beaufait.
Als Roach drei Minuten später in überzahl, Moravec saß wegen hohem Stock auf der Strafbank, das 0:3 markieren konnte, waren die Würfel gefallen und die Niederlage der Grizzlies endgültig besiegelt. Gegen diese starken Gäste schien eine drei-Tore-Führung uneinholbar.
Und so war es dann auch: Die Eisbären setzten weiterhin auf Angriff und kamen in der 58.Minute noch zu zwei weiteren Toren:
0:4 durch Felski per Penalty
0:5 durch Busch - deprimierend, aber letztlich ohne Bedeutung.

Mein subjektiver Eindruck:
Mit Kampf allein kann man eben nicht alles erreichen. Schon gar nicht, wenn die Truppe nicht vollständig durchhält. Mit Höhenleitner fehlte von vornherein die Kampfsau schlechthin, mit Hurtaj und Genze fielen zwei solide spielende Akteure im Laufe der Begegnung aus; Wietfeldt und Macholda mussten aus disziplinarischen Gründen zusehen - wen wundert es da, dass das Team nicht durchhält? Von jeglicher Hoffnung auf Spielkultur habe ich mich, wie schon öfter geschrieben, bereits verabschiedet - da frage ich mich allerdings auch ernsthaft, wie man im letzten Abschnitt auch noch auf zwei Akteure verzichten kann, wenn man dem Gegner spielerisch so offensichtlich nicht das Wasser reichen kann...

Tor:
Jonas mit zwei hervorragenden Dritteln, am Ende auch sichtlich deprimiert...

Verteidigung:
Genze und Gödtel mit guten Leistungen.
Der Rest war indiskutabel, wobei Fortin und Svensson wohl erst nächstes Wochenende wieder in der Nähe von hundert Prozent sein dürften - bei Svensson wäre es das erste Mal...
Insgesamt nicht DEL-tauglich und bis auf die beiden erstgenannten drängt sich bisher kein anderer Spieler für eine Weiterverpflichtung auf. Einfach traurig.

Sturm:
Der erste Sturm kämpft. Zusammenspiel fehlt leider häufig. Wiseman kommt langsam wieder in Schwung, Ulmer mit zuletzt guten Vorstellungen, Henrich wie wir ihn kennen - viel Kampf und wenig Spielverständnis.
Die zweite Reihe überzeugte sowohl kämpferisch als auch spielerisch über weite Strecken der Begegnung. Voce und Regan zum wiederholten Male die besten Akteure der Grizzlies. Kosicks Abschluss aus der Halbdistanz ist allerdings ein einziger Witz.
Dritte Reihe, vierte Reihe...eigentlich ganz egal. Ohne Höhenleitner nur Ausfälle in beiden Reihen. Hurtaj und Zurek vielleicht noch mit akzeptabler Tendenz. Bartosch, Wietfeldt und vor allem Moravec völlig planlos.
"Weltmeister" Moravec bekommt weiterhin Eiszeit ohne Ende und bedankt sich artig mit Stehversuchen und weiterhin 0,0 Prozent Erfolg in den Zweikämpfen, die er durch vorherige Pässe bzw. Puckverluste nicht umgehen kann. Da möchte man ihm zurufen: "Hallo David! Eishockey ist mit Anfassen. Ganz ehrlich. Ohne Scheiß - macht man so. Es gibt sogar einige, die dabei schwitzen. Eklig, wa?!"

Fans:
Tja. Auswärtsspiel in eigener Halle. Wenn wir bei 600 Gästefans nur noch Trommelsoli zu bieten haben, dann gute Nacht. Im letzten Drittel war die Stille sicherlich ab einem bestimmten Zeitpunkt verständlich, aber bis dahin hätte vor allem stimmlich etwas mehr kommen dürfen. mb