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EHC - Hamburg Freezers 5:3

Obwohl die Grizzlies in ihren neuen Weihnachtstrikots eher aussahen, als ob sie zu Bett gehen wollten, präsentierten sie sich als das deutlich wachere Team dieser Begegnung.
Nach der Demission des als Topstar engagierten Tschechen Moravec, wirkten Teile des Teams wie befreit und wussten das Publikum mit viel Kampf auf ihre Seite zu ziehen. Dass man mit den Freezers nebenbei eines der besten Auswärtsteams der Liga mit einer Niederlage nach Hause schicken konnte, versüßte den Fans den Nachmittag und die folgende After-game Party natürlich um ein vielfaches - war man doch zuletzt eher bittere Medizin gewohnt.

1.Drittel
Der Anfangsschwung der Gastgeber wurde gleich in der ersten Minute durch eine Strafzeit gegen Christoph Höhenleitner gebremst. Doch schon das erste überzahlspiel der Gäste aus Hamburg zeigte, dass das Powerplay an diesem Abend wohl keine spielentscheidende Rolle einnehmen würde. Kaum war die Strafzeit abgelaufen, begannen die Männer von Toni Krinner sich ins Spiel hinein zu beißen.
Trotzdem schien das Geschehen auf dem Eis eine nur zu bekannte Entwicklung zu nehmen: Die Grizzlies kämpften um jeden Puck, zwangen Hamburg zu drei Strafzeiten in Folge und konnten dank einfallslosem Powerplayverhalten und zu wenig Durchschlagskraft kein einziges Tor erzielen. Im Gegenteil: Drei Minuten vor dem ersten Pausenpfiff war es der zahlreich erschienene Anhang der Freezers, der das 0:1 durch John Tripp bejubeln durfte. Der Nationalspieler warf seine ganze körperliche Physis in die Waagschale und tankte sich über den linken Flügel durch die halbe Mannschaft der Grizzlies bis vor den brillant agierenden Jonas durch...und vollstreckte unhaltbar zur Führung für die Gäste.
Leicht deprimiert ging es für die Grizzlyfans zum ersten Mal in Richtung Getränkever- und entsorgung.

2.Drittel
Wenn man den Grizzlies in dieser Saison vielleicht einiges vorwerfen kann, aber mangelnden Willen kann man in dieser Mannschaft nur selten ausmachen. So kamen die Wolfsburger folgerichtig mit einer "Jetzt erst recht" Haltung aus den Kabinen und schlugen nun endlich Kapital aus dem teils katastrophalen Aufbauspiel der Hamburger Mannschaft. Im Gegensatz zum Team aus der Volkswagenstadt machten die Freezers allerdings nicht den Eindruck, als ob sie es gewohnt wären Spiele über den Kampf zu entscheiden - und so überrannten die Grizzlies die nach spielerischen Geistesblitzen suchenden Gäste zwischenzeitlich geradezu.
Besonders hilfreich erwies sich auch, dass Gästekeeper Pelletier sich vom wirren Spiel seiner Vorderleute offenbar anstecken lies und in der 23.Minute schon mal das erste vorweihnachtliche Geschenk für die Gastgeber auspackte: Einen harten, aber reichlich unplatzierten Schuss von Fortin wehrte er zur Bogenlampe ab, um den Puck dann in der Suchdrehung selber im Netz zu versenken. Den Jubel der Wolfsburger schmälerte dies natürlich kaum - zu oft hatte man in dieser Saison selber derartige Geschenke verteilt...
Das 1:1 setzte erwartungsgemäß einiges an Kräften auf dem Eis und auf den Rängen frei, so dass der EHC einen Sturmlauf startete, der in der 28.Minute schließlich seine Belohnung fand. Einen der wenigen sehenswerten Spielzüge, die es bis dahin auf beiden Seiten zu bewundern gab, schloss Höhenleitner nach präzisem Zuspiel von Tim Regan zum hochverdienten 2:1 für die Gastgeber ab.
Doch statt weiter Druck auszuüben, nutzten die Wolfsburger die Führung augenscheinlich eher um ein wenig Kraft zu tanken, denn in der Folgezeit fingen die Hansestädter wieder verstärkt an ihre etwas unsortiert wirkenden Angriffe vorzutragen. Zum Leidwesen der Grizzlies wurden diese Bemühungen in der 34.Minute auch von Erfolg gekrönt, als erneut Tripp im dritten Nachschuss den 2:2 Ausgleich herstellen konnte. Im Duell individuelle Klasse gegen kollektive Kampfkraft stand es also nach vierzig Minuten leistungsgerecht 2:2. Doch noch drohte den Anhängern des EHC das zuletzt schwache letzte Drittel ihres Teams...

3.Drittel
...und zunächst wirkte wieder alles sehr vertraut. Das Spiel nahm nur langsam Fahrt auf, der Führungstreffer für die Gäste fiel trotzdem schon nach drei Minuten - Fortier mit dem 3:2 für die Freezers. Den Fans der Grizzlies schwante übles.
Doch wider Erwarten berappelten die Grizzlies sich erstaunlich schnell, spielten weiter beherzt mit und konnten schließlich sogar den Ausgleich erkämpfen. Erneut war es die spielerisch einzig überzeugende Reihe auf beiden Seiten, die für diesen feinen Treffer verantwortlich zeichnete. Nach Vorarbeit von Höhenleitner und wohl überlegter Rückgabe von Wietfeldt konnte so der Kapitän Tim Regan mit seinem neunten Saisontreffer den 3:3 Ausgleich markieren (47.Min) - die Begeisterung auf den Rängen war entsprechen groß!
Doch damit nicht genug: Nun sorgte HSR van Gameren mit lustigen Fehlentscheidungen auf beiden Seiten für erhitzte Gemüter und Spannung pur.
Zuerst traf es die Grizzlies, die neben einer berechtigten Strafe gegen Fortin (49.Min) eine völlig lächerliche zweite Strafe gegen Gödtel hinnehmen mussten (50.Min) - mitten in die wieder aufkeimenden Angriffsbemühungen der Gäste hinein. Wie die Freezers es schließlich schafften kein Tor zu erzielen bzw. so wenig Zwingendes zu bewirken, bleibt das Geheimnis des Gästeteams...
Von der eigenen Abschlussschwäche offenbar völlig verwirrt zeigte sich im Anschluss Gästeverteidiger Delmore, der nur anderthalb Minuten nach Ende der Hamburger überzahl die Wolfsburger Führung auflegte. Vor dem eigenen Tor verlor er relativ unbedrängt den Puck an Henrich, der reichte das Spielgerät an Voce weiter und schon stand es 4:3 für die Gastgeber. Die Halle stand nun endgültig Kopf und drei Minuten später war Partystimmung perfekt: HSR van Gameren, der zwischenzeitlich einige unglaublich offensichtlichen Abseitsstellungen zugunsten der Grizzlies laufen lies und seine unaufmerksamen Linesmen nicht korrigierte, packte das große Geschenk zum 1.Advent aus: Ein Penalty für ein unsichtbares Foul an Sandrock, der sich im Alleingang bis zu Pelletier durchgekämpft hatte und diesen dann über den Haufen fuhr. Tja, und wenn einem soviel Schlechtes wiederfährt (Hannover!!!) dann ist so ein Angebot auch mal einen unverdienten Treffer wert...dachte sich wohl Sandrock und versenkte den Puck eiskalt über der Fanghand des Gästegoalies.
Bei diesem 5:3 blieb es dann auch, obwohl die Freezers die letzten anderthalb Minuten ohne Torhüter und mit sechs Feldspielern bestritten. Zu konfus waren die Angriffe der Gäste, zu überragend präsentierte sich Oliver Jonas im Kasten des EHC.

Mein subjektiver Eindruck:
Schade, dass jetzt mal wieder Hannover zu Gast ist. Ansonsten könnte man sich wohl auch mal Hoffnung auf zwei hintereinander gewonnene Spiele machen. Der Weggang von Moravec machte sich auf jeden Fall in der Form bemerkbar, dass ein Spieler weniger auf dem Eis war, der den Gegnern ein Törchen in Ehren nicht verwehren kann...
Insgesamt wirkte die Mannschaft sehr kompakt und griffig, ließ allerdings bis auf die Höhenleitner-Wietfeldt-Regan Reihe die spielerische Linie vermissen. Angesichts der enormen Fehlerdichte der Hamburger hätte man die Kiste eigentlich schon im zweiten Drittel zu machen müssen. Wie lange sich so ein aufwendiges Kampfhockey durchhalten lässt, werden wohl die kommenden Wochen bis nach den Feiertagen zeigen müssen - Verstärkung muss auf jeden Fall noch her!

Tor:
Jonas mit einer Bombenvorstellung! Unglaubliche Torraumkontrolle und schnell in den Ecken. Hat einen Lauf und steht hoffentlich auch gegen Hannover im Tor.

Verteidigung:
Fortin - Fibiger akzeptabel. Im Powerplay bleibt Fibiger ein Totalausfall, bekommt gerade mal den Puck ins Drittel gedroschen, Fortin trägt als einer der wenigen die Scheibe mal im Alleingang in den gegnerischen Spielabschnitt.
Svensson und Sandrock wussten zu gefallen. Besonders Sandrock legte defensiv wieder deutlich zu und Svensson fällt längst nicht mehr so sehr wegen mangelnder Geschwindigkeit auf.
Danner und Gödtel mit einigen Wacklern, machten ihre Sache insgesamt aber recht gut.

Sturm:
Die erste Reihe machte es den Gästen nach und glänzte mehr mit viel Laufarbeit, denn durch geniale Spielzüge - nichts Neues allerdings.
Die Zurek-Kosick-Hurtaj Reihe hatte deutlich an ihrer mangelnden körperlichen Präsenz zu knabbern, brauchte viel Unterstützung durch die Verteidigung. Hurtaj noch deutlich sichtbar körperlich gehandicapt, muss weiter stark am Körperspiel arbeiten, aber sehr bemüht!
Glanzstück der Grizzlyoffensive bildete die neu formierte Reihe Höhenleitner-Wietfeldt-Regan, die das Publikum nicht nur mit bedingungslosem Einsatz, sondern mit teils wunderschönen Spielzügen zu begeistern wusste. Wietfeldt präsentierte sich in der Form, die man sich so lange bei ihm zurückgewünscht hat - die Last eines Zusammenspiels mit einem hier nicht weiter zu nennenden Arbeitsverweigerer fiel offenbar zentnerschwer von ihm ab. Dazu die gewohnt genialen Höhenleitner und Regan - fertig ist eine funktionierende Sturmreihe. Lobet den Herrn!

Fans:
Endlich gab es auf einer After-game Party mal wirklich was zu feiern. Die Verlegung kann man im nachhinein nur als absoluten Glücksfall bezeichnen. Schon lange habe ich einen Abend beim Hockey nicht mehr so genossen, wie diesen. Die Stimmung während des Spiels - auch von den Gästen - trug ihren Teil dazu bei. Mal schauen, ob wir, trotz überschaubarer Kulisse, auch gegen Hannover ein wenig Stimmung in die Bude bekommen. Verdient hätte dieses Team es auf jeden Fall, denn mit Moravec ist nun eigentlich der einzige Faktor aus dem Team gewichen, der es einfach nicht wert war angefeuert zu werden. Der Rest der Truppe gibt sein Bestes - das ist nun mal je nach Spieler unterschiedlich viel. Aber sind wir doch mal ehrlich: Eigentlich wussten wir das auch schon vor der Saison... mb