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EHC - Frankfurt Lions 4:5

Es war leider kaum zu übersehen, dass die äußerst durchwachsenen Ergebnisse der letzten Spieltage nicht spurlos an der Wolfsburger Kulisse vorbeigegangen sind.
Gerade einmal etwas mehr als 1600 Zuschauer wollten das zweite Heimspiel gegen die Frankfurt Lions an einem SONNTAG sehen - so langsam bewegt man sich hier also in alarmierende Bereiche.
Ebenso bewegt man sich in der Tabelle in Richtung inakzeptable Regionen - droht nach dem erneut unglücklichen Scheitern auf der Jagd nach Punkten der Sturz auf den letzten Platz.

1.Drittel
Der Auftakt ging gründlich in die Hose. Schon nach 41 Sekunden netzte Layne Ulmer relativ sorglos aus Nahdistanz ein - die Grizzlies wirkten noch völlig verschlafen. Auch das Publikum nahm das 0:1 fast schon erschreckend selbstverständlich auf und setzte die anfängliche Unterstützung erst einmal unberührt fort. Hätte sich Frankfurt in dieser Anfangsphase nicht durch überflüssige Fouls konsequent in Unterzahl gebracht - vielleicht wäre das Ganze schon nach zehn bis fünfzehn Spielminuten gegessen gewesen. So wurde es ein spannendes Drittel und ein ebenso spannendes Spiel.
Der EHC wirkte zunächst in einfacher und doppelter überzahl gewohnt harmlos, brachte kaum den Puck ins gegnerische Drittel und lies somit die guten Gelegenheiten durch Taylors und Marshalls Strafen (2.+4.Min) komplett ungenutzt. Als dann in der 6.Minute mit dem Ex-Grizzly Osterloh der nächste Lion auf der Strafbank Platz nahm, konnte der Wolfsburger Anhang doch noch ein Powerplaytor bejubeln: Jan Zurek schoss einfach einmal aus dem Rückraum, leicht verdeckt, hart und flach ins linke Eck und traf zum 1:1 für seine Farben.
HSR Piechaczek verteilte in der Folgezeit weiterhin Strafen nach mehr oder weniger bekannten Regeln, wobei nun nur noch einmal die Gäste und viermal der EHC der "glückliche" Empfänger war. Eine dieser Strafzeiten (ein völlig überflüssiges Nachschlagen von Voce nach abgepfiffener Szene) nutzten die Gäste zur 1:2 Führung in der 15.Minute durch Jeff Heerema, der ein feine überzahlkombination erfolgreich abschließen konnte. Nach Videobeweis wegen Verdacht auf Schlittschuhtor bekam der Treffer schließlich seine Anerkennung.
Doch auch die Grizzlies konnten das Zeitfenster zwischen dieser und der nächsten Strafzeit zu einem weiteren Treffer nutzen: Christoph Höhenleitner konnte einen Abpraller von Wietfeldt zum 2:2 Ausgleich verwerten und die Partie, zumindest auf dem Scoreboard, ausgeglichen gestalten (17.Min).

2.Drittel
Das zweite Drittel blieb bis zur 10.Minute von Interventionen des Referees verschont, nur um ab diesem Zeitpunkt wieder von Strafzeiten dominiert zu werden, die größtenteils fragwürdig erschienen. Zur Freude der Wolfsburger traf es diese lediglich einmal, während die Gäste im Anschluss an die einzige EHC-Strafzeit fast den Rest des Drittels in Unterzahl agieren mussten. Während die Lions mit dem Treffer von Derek Hahn (12.Min) ihre überzahlsituationen allerdings 1 zu 1 umsetzen konnten, gelang den Grizzlies gewohnheitsmäßig ein Verhältnis von 1 zu 4 - sprich: der erneute Ausgleich durch Michael Henrich in der 18.Minute.
Kaum auszudenken wie das Spiel bis hierher gelaufen wäre, wenn HSR Piechaczek etwas weniger kleinlich zu Werke gegangen wäre...

3.Drittel
Die Gastgeber erwischten endlich einmal wieder einen guten Start in ein Drittel, legten fünf Sekunden vor Ablauf einer Strafzeit gegen Bresagk (42.Min) durch Tim Regan zum ersten Mal in dieser Begegnung vor. Das 4:3 fand gegen schärfsten Protest des Lions Trainers Chernomaz ohne Videobeweis seine Anerkennung, was den Frankfurter übungsleiter zu weiteren lautstarken Beschwerden und mehrmaligem Wechseln der Gesichtsfarbe veranlasste...
Das schien der endgültige Startschuss für die Gäste aus Hessen zu sein, die in der Folgezeit den Druck auf das Wolfsburger Tor enorm erhöhten und die allseits bekannten Schwächen in der Defensive der Grizzlies gnadenlos aufdeckten.
In der 50.Spielminute war es dann auch ein haarsträubender Fehler eines Verteidigers, der den längst überfälligen Ausgleich für die Gäste brachte: David Danner kam direkt vor dem eigenen Tor mit dem Rücken zum Spielfeld in Puckbesitz und zögerte einfach zu lange...schwupps war das Spielgerät futsch und verschwand prompt zum 4:4 in den Maschen hinter Oliver Jonas. Jason Young hatte sich bedankt.
Doch schon zwei Minuten später konnte sich erneut Young bei einem Grizzly für einen weiteren Treffer auf seinem Konto bedanken. Diesmal war es Oliver Jonas, der bei einem mit hohem Tempo, aber absolut durchsichtig vorgetragenen Bauerntrick das Nachsehen hatte und letztlich auch sein Scherflein zur 4:5 Niederlage beigetragen hatte.
Was folgte war ein Anrennen der Gastgeber, denen man alles nur keinen mangelnden Willen vorwerfen konnte, was letztlich unbelohnt blieb. Höhenleitner vergab die beste Chance, als er einen guten Querpass von Regan nicht im leeren Tor unterbringen konnte - der Puck sprang dem überragenden Nachwuchsspieler in Reihen der Grizzlies leider über den Schläger.
Nach einem letzten verwirrenden Moment 41 Sekunden vor dem Ende, als Teile des Publikums die Scheibe schon im Tor wähnten, der Schiedsrichter aber lediglich eine Strafe gegen den direkt vor dem Tor stehenden Voce anzeigen wollte, war es dann auch vorbei mit der Hoffnung auf weitere Punkte.

Mein subjektiver Eindruck:
Frankfurt trat über weite Strecken der Begegnung äußerst entspannt auf. Anstatt ihre spielerische Klasse mit ein wenig harter Arbeit in überlegenheit zu verwandeln, griff man da mehr als oft zur bequemeren Lösung des rustikalen Einsatzes. Angesichts der übertrieben kleinlichen Regelauslegung des leitenden HSR zeigten sich die Cracks von Gästetrainer Chernomaz bis zum Schlusspfiff als äußerst lernresistent...was den Grizzlies aber auch nichts half. In entscheidenden Momenten fehlte der Defensivabteilung sowohl überblick als auch Konstanz in der Qualität der getroffenen Entscheidungen - was wiederum den Lions ermöglichte jegliche Nachlässigkeit umgehend zu reparieren.
Fazit: So ein Geschenk von Schiedsrichter und Gegner muss man einfach annehmen! Solche Niederlagen frustrieren Spieler wie Fans auf lange Sicht einfach zu nachhaltig - man weiß bald nicht mehr, ob man sich über ein Tor der Grizzlies freuen soll, wenn es mit solcher Selbstverständlichkeit gleich wieder entwertet wird.

Tor:
Jonas mit einer insgesamt guten Leistung. Leider beim letzten Gegentreffer zu langsam, ansonsten mit vielen sehenswerten Reaktionen ein sicherer Rückhalt.

Verteidigung:
Fortin und Fibiger solide. Svensson leicht verbessert. Sandrock wieder etwas wackeliger als zuletzt, nach anfänglichen Totalaussetzern im Powerplay in der Offensive wieder etwas stärker. Genze wie immer TOP - leider schon wieder verletzt!!!
Gödtel wirkte etwas hüftsteif, machte aber keine entscheidenden Fehler und wurde schließlich von Danner ersetzt - der dann prompt entscheidende Fehler machte. Ohne Ruhe und übersicht brachte er die ohnehin angeschlagene Defensive weiter durcheinander.
Insgesamt wurde bis auf Genze keiner der Akteure seiner Position (1., 2., 3. Reihe) gerecht, was, wie so oft, die Partie letztlich entschied.

Sturm:
1.Reihe akzeptabel - das gewohnte Bild ohne wirkliche spielerische Klasse mit viel Kampf.
2.Reihe als einziger Mannschaftsteil neben Jonas absolut im Soll. Höhenleitner, Wietfeldt und Regan lassen fast alle Ausländer im Team ganz, ganz blass aussehen, spielerisch überzeugend, kämpferisch überragend und trotz einiger Fehlschüsse auch im Abschluss deutlich im Soll.
3.Reihe mit Zurek, Kosick und Hurtaj kann durch einen weiterhin angeschlagenen Hurtaj noch nicht ihr ganzes Potential abrufen. Wenn Hurtaj richtig fit werden sollte, könnten wir da noch eine der wenigen positiven überraschungen erleben...

Fans:
Sehr schwach. Gesangsmäßig kommt nahezu nichts mehr von den Rängen. Die Trommler steigen mittlerweile schon auf jedes trockene Räuspern eines einzelnen Zuschauers ein - in der Hoffnung, dass da noch ein paar mehr mitmachen. Das muss sich bald ändern, sonst verlieren die letzten Unverbesserlichen auch noch die Lust...und das wäre echt schade. Man kann auch mit einer Handvoll Singfreudiger viel Spaß haben, wenn man sich auf ein paar lustige (und ich meine WIRKLICH lustige) Einfälle einlässt. mb