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EHC - Adler Mannheim 2:3nP

Erst im vierten und letzten Aufeinandertreffen zwischen Meister und Aufsteiger konnte der Favorit aus Mannheim sich, mehr schlecht als recht, den ersten Erfolg sichern.
Vor der doch sehr mageren Kulisse von 2000 Zuschauern wusste allerdings eher der Aufsteiger aus Wolfsburg zu begeistern, der am Ende an der eigenen Chancenverwertung und einem katastrophal aufgelegten Hauptschiedsrichter scheiterte. Auf Seiten der Adler zeigte mit Ausnahme von Torhüter Adam Hauser keiner der Akteure eine eines Meisters würdige Leistung.
Außer der Punkteverteilung (diesmal 1 zu 2) gab es somit nicht viel Neues im Duell der doch so unterschiedlichen Clubs zu bewundern.

1.Drittel
Der Beginn der Partie gestaltete sich für die anwesenden Fans beider Teams durchaus unterhaltsam. Sowohl Gäste als auch Gastgeber zeigten sich kämpferisch und im Spielaufbau bemüht und erspielten sich ihre Chancen.
Ausgerechnet ein Tor für die Adler ließ dann aber ab der 8.Spielminute die Partie in Richtung Wolfsburg kippen - leider nur die Spielanteile betreffend.
Martinec hatte nach einem unsauber wirkenden Zweikampf hinter dem Wolfsburger Tor seinen Gegenspieler abschütteln können und so völlig unbewacht zur 0:1 Führung der Gäste einnetzen können. Wirkte diese Führung schon ein wenig glücklich, so forderten die Mannheimer mit geradezu aufreizend lockerer Einstellung das Glück ab diesem Zeitpunkt in einer Tour heraus.
In der Folgezeit entwickelte sich ein Spiel, das in erster Linie Richtung Mannheimer Tor ging und nur von teilweise alibihaft wirkenden Angriffen der Mannheimer unterbrochen wurde. Doch es sollte kein glücklicher Abend für den EHC werden. Allein im ersten Drittel vergaben die Wolfsburger ein halbes Dutzend hochkarätiger Einschussmöglichkeiten - allen voran Henrich und Morczinietz, die den überheblich auftretenden Gästen bis zum Ende der Partie ein ums andere Mal davoneilten und allein auf Hauser zufuhren. Leider war die Endstation dieser Ausflüge stets eben jener Hauser, der die Nachlässigkeiten seiner Vorderleute im ersten Drittel allesamt ausbügeln konnte.
Mit einem für den Meister extrem schmeichelhaften 0:1 ging es zum ersten Mal in die Pause.

2.Drittel
Ein seltsamer Mittelabschnitt erwartete die zu diesem Zeitpunkt wohl schon leicht genervten Anhänger der Grizzlies. Während die Gastgeber weiterhin aufopferungsvoll auf den Ausgleich drängten, schien das die Adler wenig zu stören. Sie spielten weiterhin träge und überheblich ihren Stiefel herunter und boten den Zuschauern nur wenig sehenswerte Aktionen. Im Gegenteil: Unter Vermeidung von allzu viel Arbeit nahmen die Mannheimer "Raketen" vermehrt unerlaubte, aber bequeme Fouls zur Hilfe und sollten damit zu allem überfluss die richtige Strategie für diesen Abend gefunden haben!
Denn nicht das gewohnt schwache überzahlspiel der Grizzlies verhinderte ein Kippen des Spiels, sondern das konsequente Nichtaussprechen jeglicher Strafe gegen die Adler. Das ging soweit, dass die Mannheimer Spieler schon fast offenkundig den Verwirrungszustand des Offiziellen nutzten, um diesen in seiner Entscheidungsschwäche geradezu vorzuführen.
über Ellenbogencheck mitten ins Gesicht über Beinstellen abseits des Geschehens bis hin zum Torverschieben in brenzliger Situation war alles vorhanden, was das Leben eines bewegungsunwilligen Spielers so erleichtern kann - HSR Jablukov fand´s offenbar dufte, dass junge Männer so ökonomisch mit ihren Kräften umgehen und unterstützte diese Bestrebungen so gut er konnte.
Trotzdem hatten in diesem doch etwas zerfahrenen Drittel wiederum die Grizzlies die besseren Chancen, konnten diese allerdings erneut nicht in Zählbares verwandeln. Allein Michael Henrich hätte die Gastgeber in Führung schießen können, doch beide Alleingänge endeten an den Schonern von Adam Hauser.
Langsam machte sich Verzweiflung in den Reihen der Wolfsburger breit - wie vernagelt wirkte der Kasten des Gästekeepers.
Mit einem immer unerträglicher werdenden 0:1 ging es auch in die zweite Unterbrechung.

3.Drittel
Die Gäste aus Mannheim setzten dem Referee nun endgültig die Narrenkappe auf und leisteten sich ein schon fast komödiantisches Schmankerl mit dem Spielleiter aus der Bundeshauptstadt:
Nicht nur, dass sie in der Anfangsphase des dritten Drittels kurzfristig und natürlich ungestraft zu sechst auf dem Eis agieren durften! Wie um den HSR herauszufordern fuhr der überzählige Spieler auf die Bank und stoppte auf der Spielerbank sitzend mit seinem Schläger den Puck durch die geöffnete Tür für seine Mitspieler - direkt neben dem völlig überfordert wirkenden Jablukov, der das Spiel prompt unterbrach...um anschließend ohne Strafe weiterspielen zu lassen. Der Zorn des Wolfsburger Publikums und die Lacher auf Seiten des Mannheimer Teams waren ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu nehmen.
Doch die exotische Vorstellung des Spielleiters war nicht das einzig Bemerkenswerte. Der Wille der Grizzlies blieb auch angesichts der niederschmetternden Kombination aus Abschlusspech und Schiriunvermögen ungebrochen - bewundernswert, wenn es in der Tabelle doch eigentlich nur noch um die goldene Ananas geht.
Nach rund 46 gespielten Minuten war es dann doch soweit: Andreas Morczinietz markierte mit seinem zweiten Treffer im dritten Spiel den längst überfälligen Ausgleich zum 1:1.
Doch das Spiel nahm, trotz Aufbruchstimmung auf den Rängen und auf dem Eis, keine abrupte Wendung. Hauser blieb seinem konzentrierten Spiel treu, die Mannheimer Feldspieler unternahmen ebenfalls nichts überraschendes...es reichte noch für elf weitere Spielminuten. Erst dann schaffte es Michael Henrich im wer-weiß-wievielten Versuch Adam Hauser zum ersten Mal zu überwinden. Mit dem 2:1 schien die Partie zweieinhalb Minuten vor Schluss doch noch ein leistungsgerechtes Endergebnis zu finden, doch es blieb leider nicht dabei.
Nur eine Minute später standen die Adler mit sechs Feldspielern zum Bully im Grizzlydrittel bereit und versenkten den Puck mit viel Glück im Gewühl irgendwie zum 2:2 hinter Jonas.
Die Ungerechtigkeit nahm weiter ihren Lauf.

Verlängerung
Das Spiel und sein Leiter wollten einfach keine normalen Formen annehmen. Sowohl das fast unverschämte Gedaddel der Gäste, als auch die Nichtahndung von wiederholten Foulspielen der Adler setzten sich unverändert in der Overtime fort...man wollte eigentlich nur noch heim.

Penaltyschießen
Nur Ullmann trifft für die Gäste und fügt dem einen unverdienten Punkt noch einen weiteren hinzu. Während der Vorbereitung zum Shootout machte im Fanblock die Vermutung die Runde, dass für die Adler Jablukov und seine beiden Linesmen antreten werden, die den Puck dann meterweit am Tor vorbeischießen und trotzdem auf Tor entscheiden...einen Unterschied zur "regulären" Vorstellung hätte es jedenfalls kaum noch gemacht.

Mein subjektiver Eindruck:
Stellt SAP in Berlin eigentlich gerade verstärkt ein? ätzend.
Die Chancenverwertung war mal wieder grottig hoch zehn, aber den Willen des Teams muss man einfach anerkennen. Wenn man so viele Möglichkeiten auslässt bzw. gegen einen derart gut aufgelegten Torhüter spielt, dann wird eine konsequente Fehlleistung des Referees leider spielentscheidend. Ich wünsche mir sicherlich auch ein Team, dass selbst solch eine Begegnung locker gewinnen kann (Mannheim war schon aufreizend lahm unterwegs), doch mit unserem diesjährigen Team kann man solche Beeinflussungen seitens des "Unparteiischen" leider nicht oder nur schwer kompensieren. Der späte Ausgleich führte den Ausspruch "Glück des Tüchtigen" auf jeden Fall ad absurdum.

Tor:
Jonas fehlerfrei. Einmal durch Stellungsfehler bzw. Foul am Verteidiger chancenlos. Beim abgefälschten Treffer aus dem Gewühl ebenfalls. Ansonsten vom laschen Sturm der Adler nicht allzu oft ernsthaft geprüft.

Verteidigung:
Fortin und Svensson mit solider Leistung. Fortin war sichtlich um kreatives Aufbauspiel bemüht, mischte gute Pässe mit misslungenen Aktionen.
Fibiger und Genze ebenfalls recht solide, spielten unauffällig.
Sandrock etwas stabiler als zuletzt, trifft aber immer noch Entscheidungen, die jeder Abwehrgrundregel widersprechen. Bei Zwei auf eins stürmt er dem Puckführenden Gegner entgegen und wird überspielt - grandios haarsträubend.
Macholda meckert nach Martinecs vermeintlichem Foul anstatt vorm Tor noch das Schlimmste zu verhindern, spielt weiterhin einfach nur schlecht. Muss vermutlich auf Teufel komm raus Eiszeit bekommen, um nicht als Fehleinkauf zu gelten...wunderbar und mittlerweile wohl auch schon sch***egal. Wenn Gödtels Vertrag tatsächlich verlängert wird, dann erwarte ich Herrn Macholda bei anhaltender "Leistung" nächstes Jahr in Crimmitschau - wo eigentlich schon die gesamte abgelaufene Saison hingehörte.

Sturm:
Die Reihe Morczinietz-Ulmer-Henrich konnte vor allem mit Tempogegenstößen enorm viele Glanzlichter setzen. Allein ein Vollstrecker fehlte in dieser Reihe mehr als deutlich.
Kosick riss mit Nikiforuk und Voce keine Bäume aus. Dank eines weiterhin gehemmt wirkenden Voce fehlte der Reihe jegliche physische Durchsetzungskraft.
Wietfeldt machte mit Höhenleitner noch keine wirklich nennenswerten "Beziehungsfortschritte", Zurek war zwischen den beiden nicht wirklich zu beneiden. Besonders Höhenleitner spielt weiterhin viel zu eigensinnig und -nützig.
Bartosch ohne Eiszeit. Hurtaj ohne Eiszeit - wer es sich leisten kann...okay.

Fans:
Die Anzahl der Spieler, denen die Fans nicht am Arsch vorbeigehen, ist einfach zu gering. Egal wie willensstark sich dieses Team präsentiert, ohne gegenseitig offen zur Schau getragene Wertschätzung zwischen Mannschaft und Fans kann in Wolfsburg nichts Größeres wachsen - das ist AUCH ein Teil Professionalität, dass man dem Publikum nicht den Eindruck vermittelt unbedeutend zu sein. Einfach mal drüber nachdenken, liebe Entscheidungsträger! Das kennen wir hier in Wolfsburg auch anders! Bis dahin wird´s in der Eisarena wohl nur selten zu bedingungslosem Support trotz unterdurchschnittlicher Leistungen kommen, genauso wenig wie mit konstant strömenden Zuschauermassen zu rechnen ist. mb