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EHC - Sinupret Ice Tigers 1:2

Das Duell mit den IceTigers war, wie auch das erste Aufeinandertreffen in der Eisarena, von recht hohem Unterhaltungswert geprägt. Neben einigen, teilweise unerfreulichen, Kuriositäten, wurde den Zuschauern eine von beiden Seiten äußerst engagiert geführte Begegnung geboten. Während die Gäste aus Nürnberg gewohnt stark in der Offensive auftraten, überraschte das Wolfsburger Team mit einer ungewöhnlich guten Abwehrleistung - gestützt von einem mittlerweile auf konstant hohem Niveau agierenden Oliver Jonas im Tor.

1.Drittel
Der Auftakt gestaltete sich von beiden Teams recht angriffslustig, Wolfsburg konnte mit Morczinietz´ Alleingang sogar die erste Großchance der Partie für sich verzeichnen.
Das erste Kuriosum sorgte allerdings bereits in der 3.Spielminute für eine längere Unterbrechung: HSR Oswald war im falschen Moment am falschen Ort, geriet so in einen Pulk von Spielern, die um den Puck kämpften. Mit der Folge, dass er von Sascha Genze über die Bande gecheckt wurde und zunächst verletzt auf der Wolfsburger Spielerbank, dann in der Kabine Platz nehmen musste. Nach ca. zehnminütiger Unterbrechung ging´s dann für den Referee doch noch weiter und er kehrte unter anerkennendem Applaus auf die Spielfläche zurück.
Nach einer weiteren Chance für die Grizzlies (Henrich im Alleingang - wie gewohnt) war es dann allerdings vorbei mit den Wolfsburger Angriffsbemühungen. Ab der 6.Spielminute erspielten sich fast ausschließlich die Gäste eine gute Torchance nach der anderen und trugen dabei deutlich ihre individuelle Klasse im Sturm zur Schau. Doch Wolfsburg hielt das 0:0 mit einer soliden Abwehrleistung, einigem an Glück und einem Oliver Jonas in Galaform.
So konnten die Gastgeber ab der 16.Minute ihrerseits ein wenig die Schussbilanz des ersten Drittels korrigieren, als zwei Nürnberger und nur ein Grizzly auf der Strafbank Platz genommen hatten.
Doch während und nach dem gewohnt dürftigen überzahlspiel nutzten die Wolfsburger ihre sich nun bietenden Chancen nicht und bekamen es von den Gästen vielmehr beeindruckend vorgemacht, wie man eine überzahl zu nutzen hat.
Als Kapitän Regan wegen einer fragwürdigen Strafe eine Minute vor Drittelende in die Kühlbox musste, klingelte es prompt im ersten Powerplay der Gäste.
Verteidiger Laflamme hatte zum 0:1 für die IceTigers getroffen und somit den Zwischenstand zur ersten Drittelpause hergestellt. Zu diesem Zeitpunkt war Wolfsburgs Sportdirektor schon wesentlich länger in den Katakomben verschwunden - nicht, um eine Pausenansprache vorzubereiten, sondern weil ihn während des laufenden Drittels ein Befreiungsschlag der Wolfsburger Abwehr am Kopf getroffen hatte und er mit sechs Stichen genäht werden musste.
Aber auch er kehrte, allerdings erst im zweiten Drittel, an die Spielfläche zurück.

2.Drittel
Zwar bot der Mittelabschnitt dann weniger Außergewöhnliches, doch das Spiel selber blieb abwechslungsreich und spannend. Allein die beiden glänzend aufgelegten Torleute verhinderten ein Torfestival und gaben dem Ganzen, wie später auch Nürnbergs Coach Laporte bemerkte, einen Hauch von Play-offs.
Trotz eines Strafenübergewichts in Richtung Grizzlies hielten diese die Begegnung weiterhin mit viel Herzblut auch in Unterzahl offen, während der Nürnberger Angriff weiterhin sein Bestes gab - und das war nicht zu unterschätzen.
Gut unterhalten und doch noch recht optimistisch gingen Spieler und Fans schließlich in die zweite Pause, um im letzten Abschnitt vielleicht doch noch eine kleine überraschung zu erleben. Allein die etwas laxe Art von HSR Oswald mit offenkundigen Regelwidrigkeiten der Gäste umzugehen sorgte bis dahin bei den Heimfans für etwas Verdruss - es sollte leider nicht besser werden...

3.Drittel
Die Grizzlies übernahmen nun, sehr zur Freude der Zuschauer, das Zepter auf dem Eis und erarbeiteten sich tatsächlich ein übergewicht an Chancen in diesem Drittel.
Eine dieser Chancen nutzte in der 44.Minute dann auch Michael Henrich zum durchaus verdienten 1:1 Ausgleich, als er ein schönes Zuspiel von Morczinietz hinter Kotschnew versenken konnte.
Endlich kam so etwas wie Stimmung in der Arena auf und es schien sogar noch mehr für die Grizzlies drin zu liegen, als dieser eine Punkt und eine Verlängerung.
Während beide Teams in der Folgezeit noch einmal erfolglos überzahl spielen durften, spiegelte dies kaum eine korrekte Würdigung der Ereignisse auf dem Eis wieder. Wie schon zuletzt gesehen, musste sich der Gast aus den oberen Tabellenregionen kaum Sorgen über Konsequenzen für überharte oder allgemein regelwidrige Aktionen machen - das Team aus dem Tabellenniemandsland hatte hingegen alle engen Entscheidungen gegen sich. Wenn dies der Trend der kommenden Wochen sein sollte, so kann man sich den Gang in die Eisarena eigentlich sparen, da es wohl vermehrt zu knappen Spielen kommen wird...leider nur noch einmal gegen ein anderes Team (Straubing), das ebenfalls keine ernsthaften Konsequenzen aus einer Fehlentscheidung zu befürchten hätte.
Genau solch eine mutlose Fehlentscheidung kostete die Grizzlies an diesem Abend dann auch den einen, absolut verdienten Punkt. Dem 1:2 durch Spylo in der 55.Spielminute war eine eigentlich sehr deutliche Abseitssituation vorausgegangen, aber HSR und Linesmen wollten entweder zeitig heim (gab ja bereits eine Verzögerung) oder trauten sich einfach nicht diese, in ihren Augen wohl knappe, Entscheidung zu Ungunsten des Titelanwärters zu treffen. Während die Tribüne sich noch lauthals (was leider bis dahin sehr selten der Fall war) über die Fehlentscheidung beschwerte, fiel auch schon der alles entscheidende Treffer für die IceTigers.
Zwar bot sich dem Team des EHC ab Ende der 57.Minute noch eine überzahlgelegenheit, doch auch diese verstrich erfolglos - genau wie das Herausnehmen des Goalies kurz vor dem Ende.
Trotz Niederlage erntete das Team von Coach Krinner erstaunlich viel Applaus und besonders Oliver Jonas durfte sich über die lautstarke Anerkennung der Zuschauer freuen.

Mein subjektiver Eindruck:
Ich bin äußerst positiv überrascht von unserer geschrumpften Truppe. Zwar fehlten lediglich Stürmer, doch auch hier bedarf es einer zusätzlichen Energieleistung gegen eine derart engagiert und spielerisch überlegene Truppe wie die der IceTigers.
Die Moral dieses Teams stellt bisher kaum ein Problem dar - ganz wenige Spieler vielleicht mal ausgenommen. Das überzahlspiel hingegen erreicht mittlerweile Dimensionen, die man kaum für möglich halten würde. Die Spieler, besonders die Blueliner, sind derart hypernervös, dass man fast schon froh ist, wenn´s vorbei ist oder ein Grizzly ebenfalls auf die Strafbank darf.
Schade, dass die Schiedsrichter mehr und mehr sämtliche Entscheidungen gegen den Kandidaten für die "Goldene Ananas" fällen, um ja keinem potentiellen Titelanwärter in die Suppe zu spucken. Vermutlich möchten die Herren alle noch mal in den Play-offs ran und da darf man sich ja keine Beschwerden der Beteiligten einhandeln...
Falls es doch Unvermögen sein sollte, kann man eigentlich nur resümieren: Für VIP-Lounges, Videowürfel, Zuschauerkapazität, Torkameras und weiß der Geier was noch gibt es nicht nur Vorschriften, sondern auch finanzielle Mittel - nur für Schiedsrichter bzw. deren Schulung wohl nicht (Kontaktlinsen wären im Einzelfall vielleicht auch noch drin...).

Tor:
Oliver Jonas mit Saisonbestleistung auf äußerst hohem Niveau. Der Rückhalt seitens Trainer und Management zahlt sich aus. Selbst bei einer schwächeren Vorstellung sollte man ihn weiterspielen lassen, da wir sein Selbstbewusstsein für die kommende Saison als Nr.1 brauchen werden.

Verteidigung:
Kompaktes Auftreten ohne größere Ausreißer. Macholda mit Saisonbestleistung auf mittlerem Niveau - immerhin etwas.
Positiv herausheben kann man natürlich mal wieder Sascha Genze, der nicht nur zum wiederholtem Male mit einem spektakulären Hüftcheck die Fans zu begeistern wusste, sondern jedem der Wackelkandidaten neben ihm zu zusätzlicher Sicherheit verhilft. Gar nicht so einfach wenn es z.B. mit einem Sandrock aufs Eis geht, der Stellungsspiel wohl nur aus dem Schlafzimmer kennt.

Sturm:
über den Einsatz von Nikiforuk zwischen Morczinietz und Henrich kann man sicher streiten. Festzuhalten bleibt, dass diese Reihe eher durch Henrich-Alleingänge glänzte, denn durch geniales Zusammenspiel. Ob Hurtaj, der mit Kosick und Voce auflief, in der ersten Reihe besser funktionieren würde, bleibt fürs Erste unbekannt.
Insgesamt waren die drei Reihen mehr mit defensiven Aufgaben gegen den Ausnahmesturm der Gäste beschäftigt, als vor dem Kasten von Kotschnew zu glänzen. Wolfsburgs bisher gefährlichste Reihe mit dem trotz Nasenbeinbruch spielenden Höhenleitner zeigte leider keine Rückkehr zu alter Gefährlichkeit.

Fans:
Es bleibt eher still in der Arena. Wenig Zuschauer, wenig Tore, wenig Siege...und leider auch bedenklich wenig Protest gegen teilweise haarsträubende Benachteiligungen seitens der Schiedsrichter in den letzten beiden Heimpartien. So sehen die Spielleiter sich nach strittigen Entscheidungen natürlich nicht einmal zur Wiedergutmachung aus Selbstzweifel gezwungen - den Wolfsburgern ist´s ja nicht so ernst mit der ganzen Sache. Schade! mb