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EHC - Straubing Tigers 7:4

Im ersten Spiel nach Bekanntgabe der Vertragsverlängerung von Toni Krinner als Trainer der Grizzly Adams trafen die Wolfsburger auf Tabellennachbar Straubing.
Nachdem nun die Zukunft der Leitungsebene, bis auf den Posten des Co-Trainers, geklärt war, konnten die Profis des EHC sich also bei ihrem neuen und alten Trainer für weitere Aufgaben empfehlen. Um es vorweg zu nehmen: In einer spielerisch eher schwachen Begegnung gelang dies gerade einmal einem Akteur der Gastgeber - diesem dann aber umso eindrucksvoller.

1.Drittel
Beide Teams zeigten sich bemüht offensive Akzente zu setzen, wirkten beim entscheidenden Pass allerdings stets etwas unkoordiniert. So warteten trotz einer mit offenem Visier geführten Partie die Zuschauer bis zur 10.Minute bis einem der Teams der erste Treffer gelingen sollte: Bezeichnenderweise durch einen Alleingang - ohne letztes Zuspiel.
Rückkehrer Chad Wiseman zog unwiderstehlich vor das von Janka gehütete Tor und drückte den Puck aus nächster Nähe zum 1:0 über die Linie. Zu diesem Zeitpunkt hatte es sich je ein Sünder pro Mannschaft auf der Strafbank gemütlich gemacht, so dass der Treffer bei vier gegen vier fiel. Es sollte in diesem Drittel das letzte Mal gewesen sein, dass ein Straubinger einem Wolfsburger in die Kühlbox folgte. Die nächsten drei, äußerst kleinlich gepfiffenen, Strafzeiten gingen an die Gastgeber und so war in erster Linie Unterzahltraining in der Grizzlyhöhle angesagt.
Erst kurz nachdem die letzte dieser Strafzeiten abgelaufen war, gelang es den Tigers doch noch den Ausgleich zu erzielen. David Danner war ganze 9 Sekunden wieder auf dem Eis, da Chad Bassen für die Gäste zum 1:1 Ausgleich. Dass der Treffer eine halbe Minute vor der Drittelpause fiel, machte es für die in Unterzahl vorbildlich agierenden Wolfsburger natürlich doppelt bitter.

2.Drittel
Die Gäste erwischten den besseren Start in dieses Drittel. Nach einem Lattenkracher zum Auftakt, ließ wenig später der erste Sturm der Straubinger Wolfsburgs Hintermannschaft wie eine Schülermannschaft aussehen (Sorry an die Schüler an dieser Stelle). Wie im Training schoben sich McPherson, Meloche und Chouinard im Drittel der Grizzlies gegenseitig den Puck zu, wobei letzterer nur noch einzuschieben brauchte (23.Min). Die Wolfsburger Verteidigung schaute staunend zu...und doch war es ein Verteidiger, der nur zwei Minuten später für neue Hoffnung auf den Rängen sorgte. Robby Sandrock hatte bei 4-3 überzahl ein mächtiges Pfund abgefeuert und bekam den Treffer zum 2:2, obwohl vermutlich Ulmer noch abgefälscht hatte, gutgeschrieben. Der Jubel der Grizzlies war noch in vollem Gange, die Torschützen sollten noch ausgerufen werden, da stand schon wieder ein Wolfsburger Verteidiger im Rampenlicht:
Petr Macholda hatte nur 15 Sekunden nach dem Ausgleich völlig ohne Not den Puck hinter dem eigenen Tor vertändelt und somit das Anspiel von Thomas Wilhelm auf den heranstürmenden Bassen ermöglicht. Das 2:3 ging wie ein Riss durch das ohnehin nicht überzeugende Spiel des Wolfsburger Teams und ließ das Drittel letztlich vor sich hin stottern. Nur wenig sehenswertes bot sich in der Folgezeit den rund 1700 Zuschauern, so dass der Pausenpfiff schließlich doch recht erlösend wirkte.

3.Drittel
Die Mannschaften hatten die Unterbrechung offenbar genutzt, um sich ein wenig zu ordnen.
In der Folgezeit wirkte das Geschehen etwas ansehnlicher und die wirklich guten Chancen auf beiden Seiten begannen sich zu häufen.
Es sollte der große Auftritt von Chad Wiseman folgen, der nach seinem Treffer zum 1:0 nun einen richtigen Lauf entwickelte. Zunächst glänzte er als Assistgeber für Andreas Morczinietz, als er diesem das 3:3 in der 48.Minute wunderbar auflegte.
Nachdem erneut Chouinard nach zwei fragwürdigen Strafzeiten gegen die Gastgeber bei 5 gegen 3 zum 3:4 eingenetzt hatte (51.Min), startete rund drei Minuten später die große überzahl-Show der Grizzly Adams mit dem Hauptdarsteller Wiseman.
Auslöser für die rund fünfeinhalbminütige doppelte(!) Unterzahl der Gäste aus Straubing war ein Ex-Grizzly gewesen. Stephan Wilhelm hatte sich Ende der 53.Minute von allen guten Geistern verlassen gezeigt und ließ den Kapitän der Grizzlies mit einem Kniecheck brutal über die Klinge springen - Regan schied verletzt aus. Die 5 + Spieldauerstrafe gegen Wilhelm wog für die Gäste ungemein schwer, da erstens bereits ein Tiger auf der Strafbank Platz genommen hatte und zweitens der kleine Kader der Straubinger nun in arge Konditionsprobleme geriet. Bei 3 gegen 5 Unterzahl zogen die Gäste ein Folgefoul nach dem anderen und konnten somit lediglich die letzten beiden Spielminuten bei Gleichzahl auf dem Eis bestreiten. Wolfsburg ließ es währenddessen in überzahl ordentlich krachen und belohnte den unbeirrt feiernden Fanblock mit VIER Powerplaytreffern hintereinander!
Dem 4:4 Ausgleich von Jason Ulmer (54.Min), folgten das 5:4 und 6:4 durch Chad Wiseman, der sein Comeback gleich mal mit einem Hattrick einläutete und die Grizzlies uneinholbar auf die Siegerstraße brachte. Als Jesse Fibiger zwei Minuten vor dem Ende noch auf 7:4 erhöhen konnte, war die Party auf den Rängen bereits in vollem Gange.
Insgesamt fand der so zäh verlaufende Abend einen doch äußerst erfreulichen Abschluss und der verbliebene harte Kern der Fans bekam ein bisschen der investierten Energie der vergangenen Spiele zurück.

Mein subjektiver Eindruck:
Da HSR Schütz offenbar die Nominierung zur WM ein wenig zu Kopf gestiegen schien, entwickelte sich ein irgendwie unrhythmisches Spiel. Besonders der erste Spielabschnitt erinnerte mich stark an Damen-Eishockey...ob das im Sinne des Erfinders war?
Zumindest die Gäste zogen relativ schnell die Röcke an und passten sich der Regelauslegung des Referees an - zeigten sich in der Folgezeit also als äußerst zerbrechliche Geschöpfe, die man nicht einfach so herumschubsen darf. Eishockey sieht (oder "sah") jedenfalls anders aus.
Wären Stephan Wilhelm nicht kurz vor Schluss die Gäule durchgegangen, so hätte die Straubinger Jazzdance-Truppe wohl tatsächlich den ein oder anderen Punkt aus Wolfsburg mitnehmen können...
Spaß hätte der Abend aber trotzdem gemacht, da man in den letzten Begegnungen im Fanblock das Feiern ohne Grund wiederentdeckt hat...

Tor:
Olli Jonas leistet weiterhin Großes hinter dieser "Abwehr". Schön, dass wir ihn ein weiteres Jahr bei uns haben werden.

Verteidigung:
Schön, wenn man eine hat.
Fortin als einziger in etwas überdurchschnittlicher Form.
Svensson, Fibiger und Genze spielten eher unauffällig.
Sandrock und Danner bestenfalls akzeptabel.
Macholda stümpert sich weiter durch die Saison und richtet Schaden an. Warum spielt Gödtel in Crimmitschau (wo er mittlerweile äußerst beliebt und erfolgreich ist) und wir müssen uns mitangucken, wie Macholda trotz reichlich Eiszeit eher schlechter als besser wird.
Zum Glück traut sich der frisch verlängerte Krinner endlich solche Leistungen mit der Zuschauerrolle zu belohnen und so durfte sich Macholda die Partie, wie zuletzt Sandrock, von den Bank zu Ende anschauen.
Insgesamt haben wir in der Abwehr eine Riesenbaustelle für die nächste Saison. Von den aktuellen Akteuren haben sich, meiner Meinung nach, lediglich Gödtel und Genze für die kommende Spielzeit empfohlen. Alle anderen sollten ihr Glück in der 2.Liga suchen bzw. für Herrn Macholda sollte man schleunigst einen neuen Verein finden!

Sturm:
Die erste Reihe mit Wiseman, Ulmer und Morczinietz wusste zu gefallen. Könnte ich mir nächste Saison als zweite Reihe gut vorstellen.
Zurek und Voce zeigten sich besser als zuletzt, blieben aber beide ohne Torerfolg.
Bartosch mit viel Einsatz, aber gewohnt ineffektiv.
Der Rest allerdings recht unauffällig, was mich besonders bei Henrich erstaunte.
Der Einbau der drei Rückkehrer und der Ausfall von Höhenleitner brachte die Reihen jedenfalls sichtbar durcheinander.
Trotzdem gelang Chad Wiseman eines seiner stärksten Spiele für die Grizzlies, wobei er besonders durch sein Stellungsspiel zeigte, welch großer Verlust dem Wolfsburger Team in den letzten Wochen entstanden war. Wenn sich dieser Killerinstinkt in den nächsten Spielen bestätigt, muss man ihn auf jeden Fall eine weitere Saison an den Verein binden.

Fans:
Der Fanblock hat weiterhin Spaß - und mehr kann man in dieser Phase der Saison nicht verlangen. Ich find´s einfach geil, dass zumindest der harte Kern der Fans die Freude am Feiern wiederentdeckt hat. Vermutlich musste man erst den Gedanken an die Play-offs begraben, um befreit feiern zu können. Da es kein wirklich ernst zu nehmendes Ziel in dieser Saison mehr gibt, müssen wir auch nicht mehr so ernst sein ;) mb