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EHC - Eisbären Berlin 2:1

Ein echtes überraschungspaket war es, das die Grizzlies für ihre Fans da geschnürt hatten!
Im vierten und letzten Aufeinandertreffen der beiden Bärengattungen boten die Grizzlies nicht nur eine ihre besten Saisonleistungen (wenn nicht sogar die beste), sondern konnten am Ende sogar alle drei Punkte in der Bärenhöhle behalten. Damit gelang den Gastgebern zum ersten Mal überhaupt ein Heimsieg gegen die Eisbären aus Berlin.

1.Drittel
Die Eisbären legten einen wahren Raketenstart hin, zwangen den Gastgebern von der ersten Sekunde an ein schier unmenschliches Tempo auf. Doch zur überraschung der rund 3100 Zuschauer, darunter rund 500 Berliner Fans, hielten die Grizzlies dem Sturmlauf der Gäste stand und konnten im Verlauf des ersten Spielabschnitts den ein oder anderen Nadelstich in Richtung Rob Zepp setzen.
Am Kräfteverhältnis gab es freilich zunächst nichts zu deuten: Der Meisterschaftsfavorit aus der Bundeshauptstadt gab beeindruckend den Ton an und lediglich einer ungewohnt aufmerksamen Wolfsburger Verteidigung und einem bombastisch aufgelegten Oliver Jonas im Tor der Grizzlies war es zu verdanken, dass es nach 20 Minuten lediglich 0:1 für die Gäste hieß.
Liga-Topscorer und Eisbären-Kapitän Steve Walker hatte in der 9.Minute einen Abpraller, etwas glücklich, über die Linie stochern können, während David Danner schon vor dem Puck im Netz "zappelte".
Unter den wenigen, aber gefährlichen, Torchancen der Grizzlies ragte hingegen der Schlagschuss von Robby Sandrock heraus, den der Berliner Goalie nur mit Mühe im Fallen halbwegs stoppen konnte: Zum Leidwesen der Heimfans rutschte der Puck unter den Schonern von Zepp nur bis auf die Linie des Gästetors - nichts war es mit einem glücklichen Ausgleich.

2.Drittel
Und wieder starteten die Gäste rasant durch, nutzten ein Powerplay gleich zu Beginn des Drittels, um den EHC tüchtig auf Trab zu halten. Doch erstes anerkennendes Kopfnicken konnte in Reihen der Grizzlyfans beobachtet werden - ihr Team hielt mit aller Macht dagegen, zeigte eine Defensivleistung vom Allerfeinsten. Das Sahnehäubchen gab´s dann in der 24.Minute, als die Reihe um Kapitän Tim Regan eine fulminante, vor allem von dieser Reihe geprägte, Phase der Grizzlies einläutete...und das gleich mit einem wunderschönen Treffer des Kapitäns höchstpersönlich. Das 1:1 war ein pfeilschneller Konter durch Regan, der den gedankenschnellen Pass von Wietfeldt zum erfolgreichen Sololauf nutzte, Verteidiger und Torhüter ausspielte und per Rückhand vollstreckte.
Die Fans der Gastgeber waren spätestens jetzt, ungewohnt für diese Saison, schwer verliebt in ihren EHC und peitschten ihre Mannschaft begeistert nach vorne.
Berlin blieb zwar im Spiel, doch nun waren es die Grizzlies, die die besseren Einschussmöglichkeiten für sich verbuchen konnten. Ebenso wie die Eisbären im ersten Drittel in Jonas ihren Meister gefunden hatten, verzweifelten nun Regan, Ulmer & Co. am gut aufgelegten Zepp im Gästetor.
Am Ende des Drittels konnten sich nun also die Berliner zu diesem glimpflichen Spielstand gratulieren.

3.Drittel
Nachdem für die Grizzlies gleich zu Beginn Morczinietz den Puck nicht ins leere Tor einschieben konnte, drohte die Partie eine in dieser Saison bereits nur zu bekannte Entwicklung zu nehmen.
Es ist im nachhinein betrachtet schon recht kurios: HSR Looker, der vor gut drei Wochen die Grizzlies bei ihrem Gastspiel in Ingolstadt gnadenlos verpfiffen und am Ende um alle drei Punkte gebracht hatte, soll sich vor der Begegnung bei den Offiziellen des EHC für seine schlechte Leistung entschuldigt haben! Nur hatte er etwas daraus gelernt? Die Antwort gab er spätestens im letzten Spielabschnitt. Mit erneut haarsträubend einseitiger Strafenverteilung (kann, wenn begründet, durchaus korrekt sein!) nahm der amerikanische Schiedsrichterdarsteller erneut die Zügel in die Hand, ließ die Grizzlies von der 6. bis zur 11. Spielminute Dauerunterzahl spielen und riskierte damit einen wiederholten Eklat. Es sind letztlich nicht die Entscheidungen an sich, die den aufmerksamen Fan auf die Palme bringen - es ist die uneinheitliche Bewertung von vergleichbaren Szenen auf beiden Seiten, die Looker immer wieder in den Dunstkreis der Bestechlichkeit zu rücken scheinen. Man kann nur hoffen, dass es sich hierbei um Unfähigkeit handelt...
Aber um ehrlich zu sein: Es machte das, was folgte, noch schmackhafter für die Wolfsburger Fans und umso bitterer für die Gäste.
Die Grizzlies marschierten - egal ob in Gleich-, Unter- oder (man höre und staune) sogar einmal in überzahl und ließen sich von nichts und niemand beirren. Kaum wieder vollzählig drängten die Gastgeber also mächtig auf den Führungstreffer und konnten diesen in der 56.Minute schließlich durch Jason Ulmer erzielen!
Doch auch schon vor dem 2:1, das von einem Verteidigerschlittschuh abgefälscht seinen Weg ins Tor gefunden hatte, feierten die Fans der Grizzlies ihr Team und allen voran Oliver Jonas, der besonders in der kritischen "Looker-Phase" zum Giganten im EHC-Tor mutierte.
Erst in den letzten zwei Spielminuten gelang es den Gästen noch einmal das Heft in die Hand zu nehmen. Gästecoach Jackson nahm dann auch die letzten anderthalb Minuten Zepp für einen sechsten Feldspieler vom Eis, Looker nahm 20 Sekunden vor dem Ende noch einen Grizzly für Nichts vom Eis - es half alles nichts mehr: Das Wolfsburger Team hatte den gerechten Lohn für eine absolut geniale Leistung eingefahren und ließ sich unter frenetischem Jubel und mir Raupe und Welle und allem drum und dran tüchtig hochleben. Die after-game Party konnte beginnen...

Mein subjektiver Eindruck:
Natürlich macht es mehr Spaß gegen derart großen Widerstand alle drei Punkte zu holen - doch auf die einseitige "Leistung" des Unparteiischen hätte ich einmal mehr verzichten können.
Berlin präsentierte sich erwartet stark und so konnte man sich an der Leistung unseres Teams umso mehr berauschen.
Ich sage laut und deutlich: DANKE!
Es ist die Erinnerung an Spiele wie dieses, die einen während der Sommerpause (und unsere wird verdammt lang werden) sehnsuchtsvoll an die neue Saison denken lässt. Vielleicht noch ein Spiel von dieser Sorte und auch ein etwas deprimierter "Sack" wie ich, wird den ersten Testspielen wie ein kleines Kind dem Weihnachtsfest entgegenfiebern. Vielleicht, jedenfalls...

Tor:
Bombe, Granate, Krakenmann usw. - einfach genial.
Oliver Jonas hatte sich neben Höhenleitner ja bereits zum Fliegauf-Schnäppchen der Saison gemausert. Was er im Jahr 2008 bisher gezeigt hat würde ihn sogar als Nationalkeeper empfehlen - doch zum Glück für die Grizzlies hat Jonas dieses Kapitel seiner Karriere offiziell abgeschlossen. Ein Verletzungsrisiko weniger...

Verteidigung:
Wer waren diese Spieler, die da am Sonntag unser Abwehrdrittel zum Sperrgebiet umfunktionierten? Waren da irgendwelche Gast- oder Leihspieler am Werk?
So, wie in diesem Spiel, konnte man unsere Defensivabteilung jedenfalls noch nie bewundern.
Bis auf ein paar Sandrock-Aussetzer, stimmte da fast alles! Besonders Macholda glänzte mit Saisonbestleistung...nicht nur an seinem bisherigen Niveau gemessen.
Zusammen mit Svensson machte er eine klasse Partie und auch das Verteidigerpaar Fibiger-Genze erledigte seine Aufgabe keinen Deut schlechter.
Lediglich das Duo Sandrock-Danner sorgte für den ein oder anderen Wackler, sah aber nun auch nicht wirklich oft schlecht aus.
So eine Leistung hätten wir in dieser Saison öfter gebraucht. Fortin wurde - weiterhin - nicht vermisst.

Sturm:
Morczinietz mit Henrich und Ulmer ein akzeptabler erster Sturm. Viel Pech im Abschluss, aber auch einmal Glück.
Voce betritt das Eis schon beim Einlauf mit der Euphorie einer schlecht verdauten Mahlzeit. Ich bin froh, wenn Tony nächste Saison wieder irgendwo spielen darf, wo´s ihm gefällt.
Nikiforuk bemüht, Wiseman komplett ohne Highlights, konnte sich nicht noch einmal für einen neuen Vertrag empfehlen.
Top-Reihe des Abends: Zurek-Wietfeldt-Regan. Gebt unserem Christoph um Himmels willen endlich einen vernünftigen Vertrag für die nächste Spielzeit - einfach nur geil dieser Wille im Zweikampf, an der Bande und im Backchecking. Während man über unseren Kapitän eigentlich kein Wort mehr verlieren muss (einfach nur granatenstark), darf man Jan Zurek zur neuen Saison beide Daumen drücken. Leider blieb das Wolfsburger Urgestein in seiner ersten vollständigen Saison nach dem Kreuzbandriss deutlich hinter seinen früheren Leistungen zurück, der Aufwärtstrend ist zwar da, blieb aber insgesamt zu schwach.

Fans:
Wunderbar. Besonders klasse fand ich, dass nach der Party noch viele zum Spiel der Jugend blieben und den Derbysieg gegen die Scorpions (14:0) mit unserem Nachwuchs feierten. Zu Trommeln und Gesang bekamen unsere Youngster schon einmal einen Geschmack auf das, was sie erwartet, wenn sie am Puck bleiben...
Ansonsten tat dieser ganze Tag einfach nur gut und war insgesamt Balsam auf die geschundenen Nerven dieser Saison. mb