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EHC - Hannover Scorpions 5:4nP

Unterhaltung vom Feinsten bekamen die rund 4200 Zuschauer, darunter etwa 800 Fans aus Hannover, zum Saisonabschluss der Grizzlies zu sehen.
Mit einem Abend, der an Spannung und Action kaum zu überbieten war, verabschiedeten die Männer von Toni Krinner nicht nur ihre Anhänger in die lange Sommerpause, sondern bildeten auch einen würdigen Rahmen für das Karriere-Ende der beiden Grizzlies Chris Rogles und Christoph Wietfeldt.
Eben diese beiden wurden vor der Partie von den Wolfsburger Offiziellen aufs Eis gebeten, um sie anlässlich des letzten Heimspiels ihrer Laufbahn zu ehren. Es war der bewegende Auftakt zu einer mindestens ebenso emotionalen Begegnung, die nun folgte.

1.Drittel
Das Spiel startete geradezu wild! Mit Volldampf voraus gönnten sich die Akteure beider Seiten kaum eine Verschnaufpause und zogen die prächtige Kulisse sofort in ihren Bann.
Mit wenig Augenmerk auf Abwehrarbeit und Taktik lieferten sich die beiden Derbyparteien einen offenen Schlagabtausch, der den Fans Großchancen im Minutentakt bescherte.
Zunächst waren es allerdings die Scorpions, die für die hochkarätigeren Chancen zuständig waren.
Mit viel Einsatz und gutem Stellungsspiel nahmen sie Oliver Jonas immer wieder die Sicht vor seinem Kasten und zwangen ihn so ein ums andere Mal zu schier unmenschlichen Reaktionen.
Nachdem einer dieser Schüsse gerade noch vom Wolfsburger Goalie an den Pfosten gelenkt werden konnte (4.Min), hatten die Grizzlies eine Minute später die erste Chance ihr "berüchtigtes" Powerplay zu zeigen.
Zur überraschung des Wolfsburger Anhangs mit Erfolg! Einen Svensson Schuss verwertete der glänzend aufgelegte Jason Ulmer per Abpraller zum 1:0, welches in der sechsten Spielminute der Partie den endgültigen Kick gab. Der nach drei Derbyniederlagen durchaus skeptische Grizzlyanhang war nun endgültig bereit an diesem besonderen Tag an einen ersten Sieg gegen die Scorpions zu glauben und so nahm auch die Stimmung bei den Heimfans frühzeitig Derbylautstärke an.
Eine folgten Strafen im Wechsel gegen Wolfsburg und Hannover und man konnte wohl mit Recht behaupten, dass die Schützlinge von Toni Krinner in Unterzahl den besseren Eindruck hinterließen, dabei auch immer mit einen Konter gefährlich blieben.
Doch bei 4 gegen 4 auf dem Eis (9.Min) kamen die Gäste wieder besser ins Spiel, hatten erneut Pech mit einem knapp abgelenkten Schuss und drängten nun auf den Ausgleich.
Dieser sollte ihnen eine Minute später auch gelingen, als Schneider einen schnellen Konter an Jonas vorbei zum 1:1 versenken konnte.
Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient und es folgte ebenfalls mehr als eine brenzlige Situation für die Gastgeber, denn die Scorpions wirkten an diesem Abend keineswegs wie eine typische Zach-Truppe, die auswärts nur eiskalt mauernd auf die Fehler des Gegners wartet.
Wolfsburgs Defensive zeigte sich allerdings in dieser Phase von ihrer besseren Seite, unterband viele Möglichkeiten im letzten Moment oder hatte bei einem weiteren Pfostentreffer auch das nötige Glück.
Was die Halle für den Rest des Abends in ein Tollhaus verwandelte, folgte dann auch in der 19.Minute bei eigener Unterzahl! Tony Voce schickte den an diesem Abend konzentriert aufspielenden Wiseman zum Break Richtung Jung, was dieser auch prompt zur erneuten 2:1 Führung nutzen konnte. Obwohl die Grizzlies wenig später eine weitere Strafe zur 3 gegen 5 Unterzahl kassierten, ging es mit unverändertem Spielstand und auf Seiten der Wolfsburger Fans mit einem breiten Grinsen in die erste Pause. Insgesamt hatten die Gastgeber in diesem Spielabschnitt endlich einmal das nötige Glück auf ihrer Seite gehabt, das in den anderen Begegnungen gegen den DEL-Nachbarn so oft gefehlt hatte.

2.Drittel
Mit Action vom Feinsten ging es weiter, doch nun trug das tonangebende Team orange!
Doch wieder war es zunächst das passiver wirkende Team, das den Vorteil aus der Situation zog und in Person von Eric Schneider zum zweiten Mal erfolgreich zum Abschluss kam.
Das weiter oben zitierte Glück war nun den Gästen hold, als der ansonsten klasse haltende Jonas einen neben ihn gestocherten Puck mit einer Drehbewegung zum 2:2 in die Maschen beförderte (27.Min).
Wolfsburg reagierte wütend, erhöhte weiter den Druck, so dass die Hannoveraner bis Ende des Drittels eigentlich nur noch durch Konter gefährlich vor das Tor von Jonas kamen - und das auch nicht allzu oft.
Besonders sehenswert auf Wolfsburger Seite dann der Treffer zum 3:2 in der 30.Spielminute: Der wie entfesselt aufspielende Svensson hatte sich bis hinter das Tor der Scorpions durchgetankt, Pass auf den wartenden halbrechts wartenden Morczinietz, Direktpass auf den in der Mitte nachrückenden Ulmer...TOOOOOOR!!! Die Halle stand vor Verzückung Kopf!
Doch wie im ersten Drittel war auch in diesem Spielabschnitt das Glück der druckvoller agierenden Mannschaft nicht hold. Spätestens nachdem im das Drittel abschließenden Powerplay der Grizzlies Voce die Latte und wenig später ein weiterer Grizzly das Lattenkreuz erwischt hatte, war der Dusel der Gastgeber aus dem ersten Durchgang mehr als ausgeglichen.
Mit einem absolut leistungsgerechten 3:2 ging es zum zweiten Mal mit einer Wolfsburger Führung in die Pause.

3.Drittel
Die Vorherrschaft auf dem Eis schwappte weiter hin und her. Nachdem der Auftakt, auch durch eine Strafe gegen Hannover begünstigt, wieder den Hausherren gehörte, nahmen nach rund fünf Minuten wieder die Gäste das Zepter in die Hand. Es war schlicht Spaß pur in der Eisarena zugegen zu sein.
Es dauerte jedoch bis zur 47.Minute bis Matt Dzieduszycki, von den Fans der Einfachheit wegen auch "Diesel" genannt, per flachem Präzisionsschuss aus der Distanz den 3:3 Ausgleich markieren konnte. Hier hatte die Wolfsburger Abwehr zu blauäugig auf ein Nachrücken der Hannoveraner spekuliert, anstatt einen etwaigen Schuss zu unterbinden.
Doch es ging munter weiter! Gut drei Minuten später waren es die orange Gekleideten, die erneut jubeln durften - und das sogar zweimal. Einmal, als Henrich den Puck unter dem im Torraum liegenden Jung ins Tor stochern konnte und ein zweites Mal, als die HSR (es waren wie in den Play-offs zwei auf dem Eis) den Treffer nach Studium der Videobilder dann auch abschließend anerkannten. Wer das unsägliche Spiel in Hannover miterlebt hatte, konnte das Glück kaum fassen...zumal diese Situation zunächst weitaus mehr wie ein Torraumabseits wirkte, als die beiden nicht gegebenen Treffer des Spiels in Hannover.
Doch der Spannungsbogen dieser Partie war noch längst nicht ausgereizt.
Weitere drei Minuten später gelang den Gästen nämlich zum vierten Mal der Ausgleich. Macholda saß die einzige Grizzly-Strafzeit des Drittels gerade auf der Bank ab, da zeigte einer der HSR plötzlich eine weitere Strafe gegen Wolfsburg an. Die Scorpions brachten ohne Verzögerung einen sechsten Feldspieler für ihren Torhüter und erzielt noch während der angezeigten Strafe den 4:4 Ausgleich durch Thomas Dolak.
Zur Freude der Fans spielte keines der Teams auf Halten des Ergebnis, so dass sich die Spannung durch weitere Torchancen bis zur Unerträglichkeit weiter steigern konnte.
Es folgte die Verlängerung.

Verlängerung
Die overtime sah jeweils ein 4-3 überzahlspiel beider Mannschaften...wie konnte es auch anders sein in einem Spiel, das so gar kein Spannungselement ausließ.
Zuerst durften die Grizzlies ran und wussten erstaunlicherweise absolut zu überzeugen, erzielten nur unglücklich nicht den entscheidenden Treffer. Stets fehlte bei den Schüssen ein kleines Stück zum Torerfolg oder ein Stock oder Schoner lenkte die Geschosse knapp am Kasten von Jung vorbei.
Im fast nahtlos anschließenden überzahlspiel der Scorpions taten sich die Gäste dann sichtbar schwerer etwas wirklich Zwingendes zustande zu bringen, so dass es letztlich - wer hätte das gedacht - ins Penaltyschießen ging.

Penaltyschießen
Nachdem für Wolfsburg Tim Regan und für Hannover Matt Dzieduszycki getroffen hatten (Nikiforuk und Robitaille waren hingegen gescheitert), kam es zu den letzten beiden Duellen.
Jonas gegen Dolak hieß das erste und der Wolfsburger Goalie behielt die Oberhand!
Jetzt hing alles von Chad Wisemans Versuch ab, der nun gegen Alexander Jung antrat...wie bei seinem Shorthander aus dem ersten Drittel ließ er dem Torhüter der Scorpions keine Chance und verwandelte eiskalt - diesmal durch die Schoner.
Der erste und einzige Sieg der Saison gegen die Scorpions war doch noch geschafft!!!
In den folgenden Feierlichkeiten auf dem Eis ließ es sich Christoph Wietfeldt in seiner bekannten Art natürlich nicht nehmen nicht nur die Raupe ein letztes Mal anzuführen, sondern stimmte noch "Ein Leben lang ein oranges Trikot an" mit den Fans an, drehte zum Abschied noch eine Runde mit einer der großen Fahnen im gut gefüllten Rund der Eisarena.
Ein gelungener Saisonabschluss und ein würdiger Abschied für die beiden Grizzlies, die nun ihre aktive Karriere im letzten Spiel in Duisburg endgültig beenden werden.

Mein subjektiver Eindruck:
Ein bisschen gehofft hat vermutlich jeder der ca. 3400 Anhänger der Grizzlies, die zum letzten Heimspiel dieser doch recht verkorksten Saison erschienen waren. Aber wer hätte ernsthaft solch ein Eishockeyspektakel erwartet? Sicherlich haben wir uns das alle nach dieser frustrierenden Saison verdient, doch frage ich mich bei dem ein oder anderen Akteur, was er die letzten Wochen und Monate so auf unserem Eis getrieben hat - verglichen mit dem gestrigen Spiel.
Zumindest hat dieser Abschluss, zusammen mit dem Heimspiel gegen die Eisbären, dafür gesorgt, dass man doch wieder mit Vorfreude und ein wenig Bauchkribbeln der neuen Saison entgegenfiebern wird. Zudem wird der Abstieg dann wieder eingeführt, so dass auch ein schlechteres Abschneiden nicht mit komplettem Desinteresse der Fans geahndet werden dürfte - wobei: Man konnte in dieser letzten Partie auf den Rängen doch gut erkennen, dass in Sachen Zuschauerresonanz noch Potential vorhanden ist und das stimmt mich fast am positivsten an diesem ganzen Erlebnis.

Tor:
Jonas hielt uns, trotz des hohen Verkehrsaufkommens vor seinem Tor, mit genialen Reflexen im Spiel. Das Glück, das er im ersten Drittel auf seiner Seite hatte, ließ ihn lediglich beim zweiten Gegentreffer im Stich - ansonsten der gewohnt sichere Rückhalt für unsere eher schwache Defensive.

Verteidigung:
In einem von beiden Seiten gnadenlos auf Angriff geführten Spiel kann eine Verteidigung nicht wirklich gut aussehen.
Trotzdem wusste bei den Grizzlies neben Svensson und Gödtel vor allem Petr Macholda zu überzeugen, der zum Saisonende mit beständig besser werdenden Leistungen überrascht!
Zum Abschluss präsentierte er sich also in einer Form, die - wenn auch etwas zerbrechliche - Hoffnung für die kommende Spielzeit schürt. Ich drücke ihm die Daumen, dass diese Saison ein Ausrutscher auf dem Weg nach oben war.
Besonders negativ fiel eigentlich nur Danner auf, der in der ein oder anderen Situation einfach nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und auch insgesamt betrachtet einfach an die körperliche Präsenz eines Gödtel nicht mal ansatzweise herankam.
Wirklich schade, dass man offenbar nicht mehr plant mit Thomas plant. Er hat sich in Crimmitschau durch seine Aufgaben in der ersten Reihe und im Powerplay offenkundig weiterentwickelt und hat mich besonders mit seinem sinnvoll dosierten Körpereinsatz sehr überzeugt. Schaun mer mal, ob sich da noch etwas tut. Falls Gödtel bei Nürnberg (Kooperation mit seinem Heimatverein Riessersee) als Föli unterkommen sollte, dürfte ein Abschied wohl unumgänglich sein.

Sturm:
Wiseman hatte zum Abschluss noch einmal richtig Lust auf Eishockey und gab eine sehenswerte Galavorstellung.
Auch Tony Voce, der wirkte als hätte ihm jemand meinen letzten Spielbericht übersetzt, zeigte sich bei der Ehre gepackt und begab sich weit in den anaeroben Bereich, um dieses Spiel zu einem Fest zu machen. Danke dafür...und "Ciao".
Wietfeldt nahm in seinem letzten Spiel in seinem Wohnzimmer den ein oder anderen Schuss mehr aufs gegnerische Tor - wer will ihm das verdenken. Ein letztes Tor wäre ihm nur zu gönnen gewesen. Vielleicht schießt er ja in Duisburg noch ein Letztes.
Regan und Nikiforuk solide, Zurek leider erneut schwächster Stürmer bei den Grizzlies. Für ihn gilt das gleiche wie für Macholda: Daumendrücken, dass diese Saison ein Ausrutscher bleibt. Nach seinem Kreuzbandriss braucht Jan in der kommenden Saison dringend ein Erfolgserlebnis, um wieder zu alter Stärke zu finden (und natürlich passende Nebenleute).
Das beste zum Schluss. Morczinietz, Ulmer und Henrich mit einer absoluten Hammervorstellung! Diese Reihe, die auch in der kommenden Saison im Dress der Grizzlies auflaufen wird, rockte das Haus ohne Ende. Wenn auch die Effektivität vor dem Tor etwas zu wünschen übrig ließ (ein Treffer von Ulmer fiel in anderer Zusammensetzung im Powerplay), so macht diese Reihe doch Hoffnung für die nächste Saison. Als zweite Reihe dürften sie in dieser Form den Wolfsburger Ansprüchen jedenfalls absolut gerecht werden.

Fans:
Was soll ich sagen? Das war so geil!
Hoffentlich dürfen wir in der kommenden Saison öfter solche Feste feiern. Anzahl und Stimmung der Fans haben jedenfalls ihr Potential für die Zukunft noch einmal angedeutet und dürften ein wichtiges Zeichen für den Sponsor darstellen.
Auf eine Saison 2008/2009, die uns wieder mehr Spaß und Leidenschaft bescheren wird!
In diesem Sinne wünsche ich allen unseren Lesern eine erholsame Sommerpause - man sieht, hört oder liest sich. mb