header
Log in
A+ A A-

EHC - Frankfurt Lions 4:5nV

Fast wäre dem neu formierten Grizzlyteam ein perfekter Saisonauftakt gelungen. Mit viel Elan und Biss präsentierte sie den rund 2000 Zuschauern das, was hoffentlich das Spiel der Grizzlies in dieser Saison ausmachen wird.
Mit attraktivem Offensivhockey knüpfte das Team von Toni Krinner an die Leistungen aus der mit 1:7 gewonnenen Partie gegen Straubing an und scheiterte letztlich nur am zu sorglosen Abwehrverhalten nach zweimaliger Zwei-Tore-Führung und einem eiskalt abschließenden Lionsteam.
Ein mehr als verdienter Punkt blieb trotzdem in der heimischen Eisarena, so dass sich das Wolfsburger Team nach dem ersten Spielwochenende auf Rang 7 der Tabelle einreihte.

1.Drittel
Eiskalt erwischten die Grizzlies zunächst ihre Gäste aus Frankfurt mit einer überfallartigen Auftaktphase und einem Doppelschlag in den ersten vier Spielminuten.
Macholdas 1:0 durch einen Schuss von der blauen Linie (2.Min), ließen die Gastgeber nur zwei Minuten später ein Powerplaytor durch Furchner folgen, bei dessen Abstauber Gästekeeper Gordon mehr als unglücklich aussah...
Doch mitten in die Wolfsburger Glückseligkeit auf den Rängen platzierte der Strafbanksünder persönlich nur 53 Sekunden später den fein herausgespielten 2:1 Anschlusstreffer. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass sich muh99h Langfeld in die Torschützenliste eintragen durfte.
Wolfsburg geriet etwas aus dem Tritt, kassierte in den folgenden Minuten zwei Strafen und in der 10.Minute zu allem überfluss auch noch den 2:2 Ausgleich - durch ein überzahltor von muh99h Langfeld.
Das Spiel blieb allerdings rasant, wogte hin und her und bis zum Ende des Drittels waren es wiederum die Grizzlies, die das Geschehen auf dem Eis an sich rissen.
Leider trug das durchaus ansehnliche Powerplay des EHC keine weiteren Früchte - Gelegenheit dazu gab es gegen körperlich äußerst präsent auftretende Lions bis zur ersten Pause noch zweimal.
Mit einem aus Gästesicht mehr als schmeichelhaften Unentschieden ging es schließlich in die Kabinen.

2.Drittel
Die Partie blieb weiterhin intensiv. Frankfurt brachte weiterhin reichlich Härte ins Spiel, wanderte also entsprechend öfter auf die Strafbank.
Im dritten Anlauf gelang dem Grizzly-Powerplay dann auch die erneute Führung durch Justin Papineau, wobei der Kanadier den Abpraller eines Furchnerschusses unabsichtlich mit der Kufe ins Tor beförderte. Die Gäste verzichteten netterweise auf den obligatorischen Videobeweis und Sebastian Furchner nutzte die allgemeine Duseligkeit im Frankfurter Team zu einer frechen Puckeroberung kurz nach dem Mittelbully...und zum 4:2 per Alleingang nur 29 Sekunden später!
Der Eispalast stand erneut Kopf, man wähnte sich endgültig auf der Siegerstraße - doch weit gefehlt: Ganze 43 Sekunden später konterten die Frankfurter mit dem 4:3 durch Jason Young wie schon im ersten Drittel den Doppelschlag der Grizzlies. Dabei schien nicht nur der erste Block der Wolfsburger, sondern auch Goalie Jonas mit den Gedanken jenseits des Eises zu sein - zu einfach wirkte dieses Gastgeschenk.
Obwohl in der Folgezeit lediglich einmal ein Wolfsburger bis zum Ende der regulären Spielzeit auf die Strafbank musste und ansonsten nur noch Löwen, konnten die Gastgeber den Rhythmus der ersten Spielhälfte nur noch selten wiederfinden.
Die Gäste wirkten einfach aufgeräumter und abgeklärter gegenüber den eher leidenschaftlich kämpfenden Wolfsburger - doch auch die Härte kam auf Lionsseite nicht zu kurz.
Mit einer knappen 4:3 Führung ging es zum zweiten Mal in die Pause.

3.Drittel
So begeisternd die Grizzlies aufgespielt hatten, so deutlich wurde nun langsam, was ein Top-Team wie Frankfurt doch noch eine halbe Stufe über den Wolfsburgern stehen lässt.
Die höhere Effektivität und das weniger aufwendige Spiel der Gäste zahlte sich nun in einem sichtbaren Kraftvorteil aus.
Der EHC verlor, nicht nur im Powerplay, allmählich seine Linie und geriet selbst in überzahl durch zu optimistisches und unausgewogenes Stellungsspiel mehrfach in Bedrängnis.
Nachdem Papineau in der 42.Minute einen solchen Unterzahlkonter durch Derek Hahn nur per Notbremse verhindern konnte, trat John Slaney zum fälligen Penalty an.
Den eigentlich schon totgespielten Penalty versenkte dieser im letzten Moment doch noch durch die Schoner von Jonas, der vergaß von seiner Kelle Gebrauch zu machen.
Nicht unverdient, aber auch etwas glücklich glichen die Frankfurter diese stürmische Partie also zum zweiten Mal aus und erarbeiteten sich mit der folgenden Verlängerung die Chance auf einen weiteren Punkt.

Verlängerung
Die Grizzlies wirkten wie in den letzten 7-8 Minuten der regulären Spielzeit etwas erschöpft und fanden einfach keine "zweite Luft". Das Trikothalten durch Magowan und der im anschließenden überzahlspiel der Lions fallende Siegtreffer für die Gäste waren da nur die logische Konsequenz.
Am Ende blieb ein begeisterndes Eishockeyerlebnis und ein Punkt, der eher die Freude auf den ersten Heimsieg steigerte, als zu sehr zu frustrieren.

Mein subjektiver Eindruck:
Ein wunderbarer Saisonauftakt. Man hat deutlich gesehen, dass Frankfurt einen echten Gradmesser darstellt und das Gezeigte seitens unserer Mannschaft wirklich etwas wert ist!
Wenn dieses Team diese Spielweise beibehält und einige Details, die in einer eingespielten Mannschaft durchaus zu erwarten sind, in den Griff bekommt...dann könnte uns eine echte Spaß-Saison ins Haus stehen, an deren Ende auch eine Play-off Teilnahme nicht unmöglich erscheint. Angesichts der Leistungsdichte in der Liga (Krefeld, Kassel und Augsburg mit perfektem Start!) möchte ich bei diesem Thema allerdings nur gedämpften Optimismus verbreiten: Es wird diese Saison auch einer gehörigen Portion Glück bedürfen, um den begehrten 10.Platz zu erreichen.

Tor:
Man muss der Nr.1 den Rücken stärken. Wenn Jonas spielen will, dann sollte man ihn nach einer kleinen Verletzungspause auch lassen. Sah bei den Gegentreffern 2-4 nicht besonders gut aus, aber wir brauchen ihn in der Form des letzten Jahres. Diese Form wird er nicht auf der Bank erreichen, das haben seine Jahre in Berlin und Köln gezeigt.

Verteidigung:
Solide Vorstellung. Ob Degon und Alavaara als erstes Verteidigerpaar den gegnerischen Topstürmern gewachsen sind, bleibt abzuwarten. Zumindest Degon scheint auf einem guten Weg dorthin, defensiv müssen beide bei 5 gegen 5 noch an sich arbeiten.
Die beiden "Totengräber" Genze und Rekis machten einen sehr souveränen Eindruck - für Sascha sicherlich eine sehr befriedigende Erfahrung nach einer Saison an der Seite diverser Stellungsspiel-Chaoten.
Macholda (leider frühzeitig mit Gehirnerschütterung ausgeschieden) und Svensson beide überraschend gut - das macht wirklich Hoffnung! Auch Danner machte seine Sache als Macholda-Ersatz recht ordentlich.

Sturm:
Wenn ein Sturm so viele Tore erzielt, wie der unsrige in den letzten vier Begegnungen (25 Treffer!), fällt es schwer etwas zu kritisieren. Lediglich die Defensivarbeit unserer ersten Reihe um Papineau und Milley könnte noch etwas Feinschliff vertragen, ansonsten kann man gegen eine hochklassig besetzte Mannschaft wie Frankfurt fast nie den ein oder anderen Gegentreffer gänzlich unterbinden. Wenn das überzahlspiel noch ein klein wenig übung bekommt, dann können wir uns diesen offensiven Spielstil vielleicht sogar gegen die Top-Mannschaften der Liga erlauben (Wunschdenken). Gestern reichte es noch nicht zum dreifachen Punktgewinn.
Ob man Sebastian Furchner wohl bereits in Köln vermisst? ;)

Fans:
Zu wenige anwesend, aber die, die da waren, hatten hörbar Spaß. Es wäre schön, wenn weiterhin "exotische" Gesänge angestimmt würden und von den Umstehenden aufgenommen werden. Zusätzlich zu den Standards, die die gesamte Halle mitmachen kann, wäre das, meiner Meinung nach, sehr spaßfördernd. Ich freu mich tierisch auf Sonntag. Bis denne und bringt noch wen mit! mb