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EHC - Hannover Scorpions 5:0

Wer hätte das gedacht? Im ersten der beiden Derbies dieser Saison behielten die Grizzlies unerwartet deutlich die Oberhand und schickten die Gäste aus Hannover mit satten fünf Gegentreffern im Gepäck nach Hause.
Alpenvulkan Zach bekam besonders im letzten Spielabschnitt reichlich Zündstoff geliefert und dürfte in der Scorpionskabine für den ein oder anderen Hörsturz gesorgt haben...
Allein die magere Kulisse von 2528 Zuschauern (darunter rund 400 Fans aus Hannover) durfte aus Wolfsburger Sicht als einzige Enttäuschung des Abends gewertet werden. Die letzte Saison und das wenig winterliche Wetter mögen hier ihren Teil dazu beigetragen haben - das Team von Toni Krinner und Pavel Gross hingegen betrieb weiterhin beste Werbung fürs Eishockey in Wolfsburg.

1.Drittel
Probleme ins Spiel zu finden scheint dieses Grizzlyteam nicht zu kennen!
Wie schon gegen Frankfurt starteten die Gastgeber sofort mit Höchstgeschwindigkeit in die Partie, zeigten den Scorpions gleich, was sie in den kommenden 60 Spielminuten erwarten würde.
Früh ergaben sich, vor allem für den Paradeblock der Grizzlies, die ersten Chancen vor Alex Jung im Scorpionstor. Doch zur Blitzführung fehlten sowohl die letzte Feinabstimmung vorm Tor als auch etwas Glück beim Rebound - standen die EHC-Stürmer doch bemerkenswert konsequent vor dem Gästetor, um ihr Glück beim Nachschuss zu versuchen.
Doch auch das Zachteam agierte zunächst ungewohnt offensiv, wirkte dafür in der Defensive viel anfälliger als es der Tölzer Altmeister stets fordert. Zum Leidwesen der Gäste vergaben diese ihre wenigen guten Chancen mehr als kläglich (Matt "Diesel" Dzieduszycki allein vorm leeren Tor!) und verwandelten ein eigenes Powerplay durch zwei dumme Fouls in eine 3-4 Unterzahl (6.-8.Minute). Der erste Treffer zum 1:0 durch Marvin Degon folgte als "Belohnung" auf dem Fuße und die Wolfsburger Fans jubelten das erste Mal aus voller Brust.
Was folgte war ein ausgeglichenes Drittel das vor allem an der mangelnden Chancenverwertung der Grizzlies krankte, die einfach den Tick druckvoller agierten.
So ging es mit einem etwas dünnen 1:0 in die erste Pause.

2.Drittel
Die Gastgeber fanden nun nicht ganz so schnell ins Spiel, erspielten sich allerdings im Drittelverlauf deutlich mehr Torchancen. Nennenswert absetzen konnten sie sich jedoch nicht: Lediglich das 2:0 durch Justin Papineau stand am Ende des Abschnittes auf der Habenseite des EHC, der die Gäste allerdings zusehends entnervt hatte.
Nachdem in der ersten Hälfte des Mitteldrittels beide Torhüter etwas zu energisch vor ihrem Tor agierte hatten (Beinstellen und Behinderung je 2 Min.), brannten gegen Ende dem von Minute zu Minute aggressiver werdenden Herperger in der 39.Minute endgültig die Sicherungen durch. Das zweite Gegentor und die Chancenlosigkeit der Scorpions im Spielaufbau hatten die Nerven des Kanadiers wohl zu sehr gereizt...Sascha Genzes spektakulärer Hüftcheck (siehe Bild auf der Startseite) hatte das Fass zum überlaufen gebracht. Nur eine Minute später stieg Herperger sichtlich wutentbrannt unfair gegen einen seiner Kontrahenten ein und provozierte eine Rangelei an deren Ende ein ausgeglichenes Strafzeitenkontingent auf beiden Seiten verteilt wurde (bis auf die 10 Minuten Denkpause für Herperger).
Spürbar angefressene Hannoveraner Spieler marschierten zur nächsten Hochdruckbeschallung in die Umkleide.

3.Drittel
Eines musste man den Gästen aus Hannover lassen: Aufgeben war nicht drin! Da dies, Gerüchten zufolge, in zachschen Teams mit der Todesstrafe bedroht ist, mussten die tapferen Skorpione also weiterkämpfen...und sahen dabei zunehmend überfordert aus.
Folglich schlugen sich die Vorteile der Grizzlies in Sachen Geschwindigkeit und Zweikampfverhalten auch endlich im Ergebnis nieder und bereits in der 43.Minute erhöhte Kapitän Tim Regan mit seinem ersten Saisontreffer auf den mehr als verdienten Zwischenstand von 3:0.
Als gegen Ende auch Zurek (52.Min) und Green (56.Min/PP 5-4) mit ihren Premierentreffern das Ergebnis auf 4:0 bzw. 5:0 in die Höhe geschraubt hatten, tobte auf den Rängen der Heimfans längst die Party und die Gäste mussten sich manche Spitze gefallen lassen.
Mit stehenden Ovationen begleitete das Publikum die Grizzlies bis zum Schlusspfiff und auch die Profis des EHC ließen sich auf der Ehrenrunde nicht lumpen und feierten mit einer KOMPLETTEN Raupe ausgelassen den ersten Heim- und Derbysieg der jungen Saison.

Mein subjektiver Eindruck:
Mist, dass dieses Spiel so früh in der Saison stattfinden musste. Wenn man die beiden Spiele DEG-Köln innerhalb von drei Tagen und so manch andere Eigenart wie die "Gruppen" mit nur zwei Spielen gegen Hannover und Duisburg (Wettbewerbsverzerrung! Wir verlieren 6 sichere Punkte, die wir uns gegen echte Gegner verdienen müssen!) in Betracht zieht, dann fragt man sich, welche giftigen Dämpfe bei diesen Entscheidungen inhaliert wurden.
Egal - dieser Abend war wirklich Rock´n´roll pur!
Wehe, wenn dieses Team die Effektivität noch etwas erhöht. Kaum auszudenken, was da möglich wäre!
Aber auch schon dieses zweite Heimspiel zeigte, dass mit den Grizzlies dieses Jahr zu rechnen ist und dass ein Besuch in der Eisarena vermutlich stets mit Vorfreude verbunden sein wird.

Tor:
Daniar Dshunussow mit einer fehlerlosen Leistung - verdiente sich den shut-out mit einigen tollen Saves und verhinderte damit, dass die anfangs recht ausgeglichene Begegnung in Richtung Hannover kippen konnte.
Einen Wechsel im Tor nach einem shut-out könnte ich nicht nachvollziehen. Wenn er gegen Ingolstadt oder Kassel weniger gut drauf erscheint, könnte man Jonas wieder vorsichtig hineinrotieren. Schaun wir mal, wie die Trainer das sehen...

Verteidigung:
Alles Tip-Top! Ohne Ausnahme eine tolle Leistung unserer Defensivabteilung, die allerdings reichlich und vorbildlich von den Stürmern unterstützt wurde.
Kompliment an Sascha für den geilen Hip-Check - jederzeit gerne wieder!
Degon nimmt langsam richtig Fahrt auf und alle anderen ziehen mit.

Sturm:
Johnson fügt sich nahtlos in dieses Zwei-Wege-Team. Harte Arbeit, die nicht ohne jegliche Spielkultur auskommen muss. Das Spiel der Grizzlies wirkt in diesem Mannschaftsteil besonders kräfteraubend - bisher scheinen aber alle Akteure den Anforderungen gewachsen zu sein.
Besonders erfreulich fand ich, dass die vierte Reihe mit Zurek, Hospelt und Höhenleitner endlich Akzente setzen konnte und mit Jans erstem Saisontreffer geschlossen den ersten Punkt verbuchen konnte. Gut gearbeitet hatten sie allerdings alle auch in den Begegnungen zuvor (wenn sie denn mitspielen durften).

Fans:
Die engagierte Leistung der Mannschaft packte am Ende alle Grizzlies auf den Rängen. Wünschenswert wären natürlich weitaus mehr Zuschauer, gerade zu besonderen Partien. Es bleibt abzuwarten, wie lange es dieses Jahr dauert bis sich das Wolfsburger Publikum daran erinnert, wie geil es beim Eishockey sein kann. Irgendwann wird sich die Werbung durch diese mitreißende Spielweise hoffentlich auszahlen. Ich freu mich jedenfalls auf jedes Spiel, dass ich diese Saison mit diesem Team sehen darf - es müsste schon viel schief laufen, um meine Einstellung diesbezüglich zu ändern. mb