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EHC - Düsseldorf Metro Stars 4:3

Die Demonstration Wolfsburger Willensstärke fand in der Partie gegen Düsseldorf ihren vorläufigen Höhepunkt.
Die Gastgeber, die mit Morczinietz, Furchner und Höhenleitner auf einen großen Teil ihrer "Speed-Fraktion" verzichten mussten und mit Routinier Genze in der Abwehr einen weiteren Ausfall beim Stammpersonal zu beklagen hatten, schienen diesen Aderlass zunächst nicht gut zu verkraften. Doch die insgesamt ungewohnt mangelhafte Geschwindigkeit machte der EHC mit 60 Minuten Entschlossenheit und viel Herzblut wieder wett.
Nachdem man den Gästen vom Rhein dann auch fast 30 Minuten hinterher gerannt war und völlig zurecht mit drei Toren im Rückstand lag, drehten die Grizzlies die aussichtslos scheinende Partie im letzten Drittel noch um und versetzten die rund 1750 Fans in der Eisarena in fassungslose Verzückung.

1.Drittel
Die Reise nach Augsburg und die vielen Ausfälle zeichneten zu Beginn ein Bild, das die Fans des EHC in dieser Saison so noch nicht zu Gesicht bekommen hatten.
Der Kampf der Gastgeber war zwar, wie bisher immer, deutlich zu erkennen, doch in Sachen Spritzigkeit und Schnelligkeit trennte sie mindestens eine Klasse von den munter aufspielenden Metro Stars.
Die Männer von Trainer Krinner kamen irgendwie nicht in die Zweikämpfe, verstolperten so ziemlich jedes wichtige Zuspiel, das nötige gewesen wäre, um wenigstens einen Entlastungskonter erfolgreich abschließen zu können.
Die Gäste hingegen realisierten glücklicherweise nur langsam, dass sie in dieser Phase eigentlich alle Trümpfe in der Hand hielten, so dass die DEG erst spät im Drittel auf bedingungslose Offensive setzte.
So blieb es zur Pause dann auch beim erst in der 19.Minute von Caldwell erzielten 0:1 Führungstreffer für Düsseldorf. Doch die Hoffnung auf Besserung blieb aus zwei Gründen auch beim Pausentee in Reihen der Grizzlyfans eher gedämpft:
1. Die Metro Stars hatten mit fortschreitender Spielzeit einfach zu deutlich das Geschehen dominiert und lediglich mit viel Glück und Dshunussow hatte der EHC Schlimmeres verhindern können
2. Direkt beim Mittelbully nach dem 0:1 war Ulmer wegen Behinderung beim Anspiel nicht weg, sondern gleich auf die Strafbank geschickt worden - 45 Sekunden später folgte ihm Gregg Johnson mit der selben Strafe (beides etwas skurrile Entscheidungen)
Es ging also mit 3 gegen 5 im zweiten Abschnitt weiter...

2.Drittel
...und das sollte nicht gut gehen.
Ganze 35 Sekunden benötigten die Gäste um dem ersten Tor das 0:2 folgen zu lassen. Adam Courchaine war in überzahl herrlich freigespielt worden und konnte fast schon lässig vollenden. Da Ulmers Strafe just in diesem Moment abgelaufen war, konnten die Grizzlies zumindest wieder im 5 gegen 5 antreten...nur half das nicht viel.
Die DEG behielt weiter deutlich die Kontrolle und traute sich nun mehr und mehr strategische Freiheiten zu. Eine dieser Freiheiten führte dann auch zum 0:3. muh99eph schickte mitten in einen Angriff der Gastgeber hinein Reid von der gegnerischen (!) blauen Linie in Richtung Dshunussow - man gönnte sich den Luxus nur mit vier Leuten nach hinten zu arbeiten und wurde prompt belohnt (24.Min).
Nach der bis dahin gewillt aber erschöpft wirkenden Vorstellung der Gastgeber, schien es nun nur noch eine Frage der Höhe des Düsseldorfer Sieges. Daran änderte Tim Regans Powerplay-Treffer (28.Min) in Baseball-Manier zum 1:3 eigentlich erst einmal nichts...eigentlich. Ryan Ramsey war mit Dshunussow kollidiert und der Referee hatte eine seiner skurrilen Entscheidung, diesmal zugunsten der Grizzlies, gefällt, wobei die Frage des Gefoulten längst nicht klar zu beantworten war. Ramsey verletzte sich bei dieser Aktion so schwer, dass für ihn die Partie beendet war...das anschließende Powerplay hatte dann besagten Treffer zur Folge.
Obwohl Svensson mit einem leicht übermotivierten Foul die Grizzlies zunächst wieder in die Defensive zwang, schloss sich an dieses Unterzahlspiel die erste bedrohlich wirkende Druckphase des EHC an. Die Gastgeber waren plötzlich derart präsent, dass Gästecoach Kreis sich in der 33.Minute sogar zu einer Auszeit bei 5 gegen 5 hinreißen ließ. Mit Erfolg, denn Wolfsburg sollte trotz steigender Spielanteile bis zur zweiten Pause kein weiterer Treffer gelingen und geriet selber immer wieder in Bedrängnis. Doch vor allem Daniar Dshunussow hielt sein weiterhin nicht ganz sattelfestes Team auf Kurs und damit die Chance auf ein Comeback am Leben (in einer Szene sogar ersatzweise mit Spielerschläger "bewaffnet").

3.Drittel
Denn der aufkeimende Schwung der Gastgeber war, sehr zur Freude ihrer Fans, längst nicht verpufft: Nach Ablauf einer Reststrafe aus dem zweiten Drittel spielte nur noch ein Team...und das waren die Grizzlies.
Es war eigentlich kaum zu erklären, was dort unten geschah. Der EHC wirkte nicht wirklich schneller, als zuvor, doch plötzlich gelang es trotzdem Druck auf die Gäste aufzubauen. Erst viel später im Drittel mobilisierten die Gastgeber offenbar letzte Kraftreserven und wirkten so temporeich, wie man es eigentlich gewohnt ist.
Der reichlich geschüttelte Baum der Düsseldorfer Verteidigung ließ nun immer schneller den Wolfsburgern die Früchte ihrer Arbeit zukommen:
2:3 durch ein mitreißend herausgearbeitetes Tor von Ken Magowan, der nun schier vor Tatendrang zu platzen schien und das Team völlig elektrisierte (44.Min).
Die DEG endgültig im Panik-Strudel angekommen, nahm zwei dumme Strafzeiten von denen die zweite auch prompt mit dem 3:3 durch Mike Green bestraft wurde (51.Min). Die Eisarena stand Kopf - Gästespieler und -fans wirkten wie vor den Kopf gestoßen.
Die Grizzlies wollten jetzt alles...und sie bekamen es auch! Von der gesamten Halle gepusht entriss Justin Papineau rund drei Minuten vor Schluss mit seinem Treffer zum 4:3 Endstand den Gästen den letzten Punkt und wohl auch jegliche Hoffnung auf diesen. Wirklich gefährlich wurde es für Wolfsburg nur noch wenige Sekunden vor Schluss - die Gäste waren offenbar einfach zu sehr von der eigenen Dummheit geschockt.
Ausgelassener, teils mit fassungslosem Kopfschütteln und Staunen gemischter Jubel brach nach dem Schlusspfiff aus.

Mein subjektiver Eindruck:
So ein geiles Team gab´s in Wolfsburg noch nie. Kampfstark, verbissen und trotzdem nicht untalentiert. Jede Menge Teamgeist, keine Sissis und Rastellis und trotzdem Spielkultur und individuelle Klasse - ich muss diese Mannschaft so oft wie möglich sehen. Solche Teams haben die meisten Vereine (auch oder gerade in der DEL) bestenfalls alle 5-6 Jahre. Immer in Relation zu den finanziellen Möglichkeiten gesehen natürlich. Genießt es!

Tor:
Dshunussow scheint sein Glück in Wolfsburg zu finden. Eine Top-Vorstellung jagt die nächste, macht es schier unmöglich ihn auch nur für ein Spiel heraus zu nehmen. Schade für Olli Jonas, aber auch seine Stunde wird wieder kommen und ich bin mir ziemlich sicher, dass er wie letztes Jahr zum Ende hin in Top-Form sein wird. Vorläufig sichert Daniar diesem toll arbeitenden Team jedoch nahezu jede Chance auf unerreichbar scheinende Punkte.

Verteidigung:
Anfangs wie das ganze Team kollektiv einen Schritt zu spät. Im weiteren Verlauf der Begegnung fing sich die Defensive allerdings wieder. Wiederum wurde extrem deutlich, dass wir von einer geschlossenen Defensivleistung (alle 5 Feldspieler) leben. Ohne Tempo und Backchecking der Stürmer stößt man schnell an seine Grenzen.
Macholda fügte sich nach seiner Verletzungspause wieder gut ins Team; besonders herausheben möchte ich allerdings nur Alavaara, der viel Ruhe im eigenen Drittel ausstrahlte, immer souveräner wird...nur im Powerplay schießen dürfte er öfter mal. Genze hätte mit seiner Routine gerade in den ersten 30 Minuten dem Team gut getan, wurde aber einigermaßen ersetzt. Gute Besserung an unseren Senior von hier aus.

Sturm:
Nur der erste Sturm blieb unverändert, machte am Ende auch den kleinen Unterschied im Kampf um die Punkte.
Magowan einfach nur bockstark - rackerte wie irre und strahlte im entscheidenden Moment die Entschlossenheit aus, die das Team infizierte.
Zu Milley kann man sich eigentlich nur noch gratulieren: wieder 4 Assists; 14 Assists in 8 Spielen bisher. Nur genial.
Papineau weiterhin mit ansteigender Leistungskurve, setzt mehr und mehr Akzente.
Die anderen beiden Reihen spielten in neuer und obendrein wechselnder Zusammensetzung. Alle im Powerplay eingesetzten Spieler hatte dort ihre guten Momente, arbeiteten ansonsten solide für die Chance am Ende der Begegnung. Insgesamt merkte man diesem Mannschaftsteil die Abstimmungsprobleme zu Beginn des Spiels sehr deutlich an - schön, wenn der Ertrag am Ende trotzdem stimmt!

Fans:
Anfangs ob des trägen und wenig überzeugenden Auftritts der Grizzlies etwas verblüfft. Nach dem Schock der 20. - 24.Minute kämpfte aber auch die Kulisse sich ins Geschehen zurück und stellte zusammen mit dem Team das Geschehen in der Arena auf den Kopf. Wunderbar! Habt ihr jetzt endlich ALLE gemerkt, was wir für ein Team haben? Da lohnt sich das Anfeuern IMMER! Die reagieren! Ich weiß: Nach der letzten Saison mag man da gar nicht dran glauben - ist aber so. mb

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