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EHC - Hamburg Freezers 4:2

Immer neue Höhen scheinen die Grizzly Adams in der laufenden DEL-Saison zu erklimmen. War das Team von Toni Krinner und Pavel Gross schon seit Wochen die Nummer eins im Norden, so sicherte man sich mit einem packenden 4:2 Sieg gegen den Rivalen aus Hamburg nun sogar die Tabellenspitze - wenn auch denkbar knapp. Punktgleich mit Düsseldorf und Krefeld thront der EHC, zumindest bis Sonntag, über der gesamten Konkurrenz und verdankt diesen Platz - wie könnte es anders sein - seinem überragenden Torverhältnis. So sorgte der produktivste Sturm der Liga nicht nur erneut für beste Eishockeyunterhaltung in der Eisarena, sondern auch für diese wunderbare Momentaufnahme in einer bisher grandiosen Saison.

1.Drittel
Die Gäste aus dem Norden der Republik präsentierten sich von Beginn an mit druckvollem und körperbetontem Spiel und sorgten somit für eine intensive Begegnung.
Wolfsburg fand nur langsam in die Partie, konnte zwei frühe Strafzeiten gegen die Gäste zu keinem zählbaren Ergebnis verwerten und geriet schließlich im Anschluss an die erste Hamburger überzahl selbst ins Hintertreffen.
Francois Fortier war es, der die Freezers in der 9.Spielminute mit 0:1 in Führung brachte und den engagierten Auftakt der Hamburger zunächst belohnen konnte.
Doch die Grizzlies sind zurzeit kaum durch irgendetwas zu schocken - schon gar nicht durch Rückstände in der heimischen Eisarena. Der EHC versuchte also weiterhin durch Entschlossenheit und spielerische überlegenheit die körperliche Präsenz der Gäste wettzumachen.
Als in der 11.Minute dann mit Marcus Sommerfeld ein alter Bekannter auf die Strafbank der Freezers musste, nutzten die Gastgeber dann auch endlich ihr bisweilen geniales Powerplay und schenkte den Hamburgern durch Norm Milley den verdienten Ausgleich zum 1:1 ein (12.Min).
Während die Wolfsburger bis Drittelende an spielerischen Lösungen (mal mehr, mal weniger überzeugend) feilten, ließen die Freezers es weiterhin krachen und spielten ihre körperlichen Vorteile deutlich aus. Dem Führungstreffer kamen sie dadurch allerdings weniger nah als die Gastgeber, die sich noch einige nennenswerte Gelegenheiten erspielten.

2.Drittel
Die Freezers zeigten sich sofort von ihrer gefährlichen Seite, rissen das Spiel teilweise an sich und profitierten zudem von der "entspannten" Regelauslegung des HSR Oswald, der schon im ersten Spielabschnitt mit mancher Entscheidung für Fragezeichen über den Köpfen beider Fanlager gesorgt hatte.
Doch eine konzentrierte Defensivleistung und ein überragender Dshunussow im Tor der Grizzlies verwehrten den Hamburgern den Führungstreffer bis zur Mitte des Drittels, als die Gastgeber - trotz einer erneut unerklärlichen Unterzahl - die Dominanz der Gäste endgültig zurückdrängen konnten. Fast wäre die Führung schon in der 33.Minute - und damit in Unterzahl - gefallen, doch schon zwei Minuten später war es soweit!
Den Grizzlies gelang es also das Ruder herum zu reißen und so waren es nun die Freezers, denen der Orientierungssinn im Puckhagel zu schwinden drohte:
Angriff über rechts, Ulmer ans Lattenkreuz. Konter der Freezers, Dshunussow pariert gegen Aab. Gegenangriff der Grizzlies, Regan ans Gestänge, Abpraller zu blauen Linie - Degon nimmt den Puck auf und zimmert ihn an Pelletier vorbei flach ins lange Eck zum 2:1. Riesenjubel in der Eisarena!
Als Kapitän Tim Regan wenige Sekunden vor der zweiten Pause mit dem 3:1 dem Wolfsburger überzahlspiel zu seinem nächsten Erfolgserlebnis verhalf, war die Partie endgültig Richtung Heimmannschaft gekippt. Der Einsatz der Gäste war, nicht zuletzt durch ihren ehemaligen Goalie, unbelohnt geblieben.

3.Drittel
...und es gab auch weiterhin keine Atempause für das dezimierte Team der Gastgeber. Die Freezers witterten ihre Chance, warfen sich sofort wieder voll in die Schlacht und versuchten die Grizzlies müde zu spielen bzw. zu kämpfen. Einer übertrieb es allerdings: Paul Manning wanderte in der 44. und 46.Minute jeweils für zwei Minuten auf die Strafbank und brachte seine Mannschaft damit aus dem Tritt. Im zweiten Anlauf war es dann Ken Magowan vorbehalten für den entscheidenden Treffer des Abends zu sorgen. In überzahl zog er von rechts vors Tor der Gäste, verzögerte geschickt und versenkte den Puck aus Nahdistanz zum 4:1 (47.Min). Dieser Treffer sollte am Ende Gold wert sein, denn die Kraft der Grizzlies schwand zusehends. Als in der 50.Minute auch den Freezers ein überzahltreffer zum 4:2 gelang (Karalahti per Blueliner), läuteten sie die brisante Endphase der Begegnung endgültig ein.
Wolfsburg mobilisierte nun die allerletzten Reserven, um dem Angriffswirbel der Hamburger Herr zu werden. Doch immer öfter war das Team der Gastgeber auf den bestens aufgelegten Dshunussow angewiesen, der die Abschlussversuche der Gäste ein ums andere Mal sehenswert entschärfte.
Als die Hamburger am Ende auch noch ihren Goalie vom Eis nahmen, um mit sechs Feldspielern den späten Anschluss zu erzwingen, wurde der Kräfteverschleiß der Wolfsburger besonders deutlich. Nachdem zuvor schon einigen vielversprechenden Kontern die letzte Durchschlagskraft fehlte, so gelang den Grizzlies der fast schon hundertprozentige Treffer ins leere Tor nicht. Kraft und Konzentration der Gastgeber waren restlos verbraucht, doch die drei Punkte blieben - wie so oft - in Wolfsburg.
Die ausgelassene Siegesfeier fand unter "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Rufen statt, die allerdings noch in Unkenntnis des Ausgangs des Penaltyschießens in Krefeld gewagt wurden. Die Fans sollten am Ende recht behalten: Krefeld verlor nach Penaltyschießen, der neue Tabellenführer kommt aus der Volkswagenstadt!

Mein subjektiver Eindruck:
Ein starker Gast, diese Hamburger! Team und Fans hinterließen einen guten Eindruck in der Eisarena und lassen den Sieg unserer kleinen Truppe im Wert deutlich steigen.
Einen Punkt hätten die Freezers sicherlich verdient gehabt, doch am Ende gaben Dshunussow und unser geniales Powerplay den Ausschlag. Für ein körperlich sehr robust auftretendes Team wie Hamburg ist vor allem das überzahlspiel unserer Grizzlies natürlich ein äußerst schwieriger Faktor - da HSR Oswald offenbar ein Herz für Körpereinsatz (und seltsame Entscheidungen) hat, war die gute Ausbeute der Wolfsburger umso wichtiger.
Hoffentlich holen unsere drei Reihen aus den nächsten drei Begegnungen zumindest noch einmal drei Punkte, so dass wir die Länderspielpause entspannt zum Kräftetanken und "Lazarettleerung" nutzen können.

Tor:
Dshunussow wunderbar. Das Vorrundenmatch in Farmsen ist vergessen. Man merkte der Wolfsburger Nr.1 den inneren Vorbeimarsch deutlich an, den seine Bombenvorstellung gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber bei ihm auslöste. Hatte man ihm in Hamburg noch die DEL-Tauglichkeit abgesprochen, so konnte er sich seinen Zweiflern als Nr.1 des neuen Tabellenführers präsentieren - und er hatte weiß Gott einen Riesenanteil an dieser schönen Momentaufnahme!

Verteidigung:
Solide Vorstellung, wenn auch am Ende die Kräfte schwanden - 40 Schüsse aufs Tor sind allerdings unter diesen Bedingungen und auch gegen einen starken Gegner einfach zu viel. Das dürfte nicht mehr allzu oft gut gehen.
Degon weiterhin in bestechender Form, wird mit 3 Scorerpunkten weiterhin seiner Rolle mehr als gerecht.
Neben den insgesamt guten Vorstellungen der anderen Verteidiger muss natürlich ein weiterer Akteur hervorgehoben werden: Sascha Genze mit einem ausgesprochen starken Comeback. Ackerte, lief und kämpfte bis zur letzten Minute wie ein Irrer! Half der Mannschaft mit seinen Konditionsreserven am Ende über die Runden. Einfach nur vorbildlich!

Sturm:
Auf die erste Reihe ist in der Heimat Verlass. Ob bei 5-5 oder in überzahl setzten die Topscorer des EHC erneut jede Menge Akzente.
Doch mit Kapitän Regan scheint auch ein Stürmer, der bisher noch nicht so im Vordergrund stand, seine Form des letzten Jahres langsam wieder zu finden. Unterstützt vom gut aufgelegten Ulmer ließ der Routinier in seiner zweiten DEL-Saison wieder seine Torgefahr aufblitzen und erzielte das wichtige dritte Tor kurz vor der 2.Pause.
Aber vor allem Kai Hospelt steigert sich von Spiel zu Spiel in eine Form, die ihn auch bald wieder zum Anwärter für die Nationalmannschaft machen dürfte. Trotz dieser erfreulichen Entwicklungen dürfte die Länderspielpause vor allem unserem Sturm gut tun - das Backchecking litt in den letzten 10 Minuten der Partie deutlich.

Fans:
Ab dem zweiten Drittel war ordentlich Stimmung in der Bude. Die Fans aus Hamburg nahmen es nicht so schwer und feierten am Ende fröhlich mit dem Heimpublikum zusammen. La Ola schwappte durch die (angeblich nur) mit 2600 Zuschauern gefüllte Arena. Am Donnerstag kommt nicht nur Mannheim, sondern auch Premiere - an einem Donnerstag sicherlich nicht ein so kluger Schachzug, wenn man fürs Eishockey Werbung machen möchte. Aber vielleicht verirren sich ja mehr als die an einem Donnerstag zu erwartenden 1600-1800 Zuschauer in die Eisarena. Bis denne! mb