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EHC - Adler Mannheim 2:3nV

Viele Zuschauer auf den Rängen (3534) und wenig Grizzlies auf dem Eis (15+2) - so präsentierte sich die Eisarena zum Auftakt dieses Donnerstag-Spiels.
Dass die Grizzlies erneut alles geben würden, war eigentlich jedem, der bereits ein Heimspiel in dieser Saison besucht hatte, völlig klar. Dass es allerdings trotz Personalmangel fast zu drei Punkten gegen den Rekordmeister aus Mannheim reichen würde, hielten wohl nur die hartnäckigsten Optimisten unter den Fans für möglich.
Obwohl es schlussendlich nicht zum Sieg für die Wolfsburger Rumpftruppe reichte, feierten die Anhänger der Grizzlies ihr Team nach Spielschluss so lange, bis diese noch einmal komplett aufs Eis zurückgekommen waren. Die Enttäuschung war den mit nur vier Stammverteidigern und einem neuen Föli-Verteidiger angetretenen Spielern natürlich anzumerken...doch die Erkenntnis wie viel Kredit sie sich bisher erspielt haben dürfte den einen oder anderen ein wenig aufgemuntert haben.

1.Drittel
Die Grizzlies legten gleich zu Beginn nach dem Motto "Frühe Tore, um am Ende über die Runden zu kommen" los und hatten schon in der ersten Minute die erste hundertprozentige Chance. Leider zeigte Gästekeeper Brathwaite schon in dieser ersten Szene, was von ihm zu erwarten war...Wahnsinnsreflexe! Aber auch sein Gegenüber wurde umgehend warmgeschossen, blieb ebenso wie Brathwaite die ersten 20 Minuten ohne Fehl, Tadel und Gegentor.
Dass Dshunussow etwas öfter gefordert wurde als der Mannheimer Schlussmann, lag nicht zuletzt an einer Szene, die bereits in der 4.Minute für atemloses Entsetzen auf den Rängen sorgte: Topcenter und Publikumsliebling Justin Papineau wurde bei einem Zweikampf an der Bande unglücklich vom Ellenbogen seines Gegenspielers getroffen (er hatte den Kopf sehr tief) und blieb regungslos auf dem Eis liegen. Folge: Papineau wurde von Mitspielern gestützt in die Kabine gebracht, der EHC musste umstellen, hatte einen weiteren Spieler weniger zur Verfügung und wirkte in der Folgezeit sichtlich geschockt. Der offenkundige Plan das erste Drittel möglichst deutlich für sich zu entscheiden schien gescheitert.
Doch der Wille der Grizzlies war schnell wieder zu erkennen, so dass sie zumindest die nächsten zehn Spielminuten gut im Griff hatten. Brenzlig wurde es erst gegen Ende des Drittels als die Gäste das Tempo kurzfristig anziehen konnten.
Trotz des 0:0 hatten die Teams ein ansehnliches, wenn auch nicht rasantes Spiel geboten, dem eigentlich nur noch die Tore fehlten. Vor dem Hintergrund der Mannheimer Ansprüche dürfte das interne Drittelfazit der Gäste sicher nicht ganz so rosig ausgefallen sein...

2.Drittel
Das schönste Drittel aus Grizzlysicht. Papineau kehrte, etwas reservierter aufspielend, aufs Eis zurück und die Wolfsburger übten zunächst fleißig Unterzahl. Nachdem eine Reststrafe aus der 19.Minute und eine weitere ab Beginn der 23.Minute (astreiner "Sissi-diver" eines Mannheimers) überstanden waren, klingelte es im dritten Anlauf doch noch hinter dem machtlosen Dshunussow. Gerade einmal 28 Sekunden hatte Hospelt auf der Bank Platz genommen, da erzielte Jason King bereits den ersten Treffer des Abends in überzahl 25.Min).
Interessanterweise folgte nun die beste Phase der Gastgeber. Der EHC riss in der Folgezeit das Geschehen auf dem Eis an sich, erspielte sich immer energischer ein übergewicht an Chancen und profitiert schließlich und vor allem endlich von den wenigen Strafzeiten, die HSR van Gameren bereit war gegen die Adler auszusprechen.
So waren sowohl das 1:1 durch Alavaara (28.Min) als auch das 2:1 durch Tim Regan (35.Min) überzahltreffer des vielgelobten (Heim)powerplays der Grizzlies.
Während Alavaara die Scheibe per Schlagschuss-Hammer an Brathwaite vorbeibrachte, nutzte Kapitän Regan den Rebound eines solchen - abgefeuert von Marvin Degon.
Die Halle kochte, witterte natürlich die Chance auf die Sensation und heizte dem Team nun noch kräftiger als dies ohnehin schon der Fall gewesen war, ein.
Ein weiterer Treffer wollte den Wolfsburgern jedoch nicht gelingen, die somit einen mehr als dünnen Vorsprung mit in die zweite Pause nehmen konnten.

3.Drittel
So erschöpft, wie man es erwarten konnte, traten die Gastgeber keineswegs auf.
Weiterhin um den scheinbar entscheidenden Treffer bemüht stürmten die Grizzlies weiter auf den Mannheimer Supergoalie ein, leider ohne dabei den Puck über die Linie bringen zu können. Im Gegenzug eröffnete sich den Adlern vor allem durch die etwas langsamer werdenden Verteidiger der Wolfsburger einige brandgefährliche Möglichkeiten.
Das Tor zum 2:2 (49.min) fiel dann auch aus einer Situation, die nicht nur etwas Glück auf Seiten der Gäste, sondern auch ein wenig nachlassende Schnelligkeit bei den Grizzlies erforderte. Blake Sloan war der Glückliche, der den Puck am langen Pfosten etwas zu unbedrängt Richtung Dshunussow führen und aus spitzem Winkel in den Giebel lupfen konnte.
Während die Mannheimer im Anschluss, warum auch immer, nicht mit voller Wucht auf die vorzeitige Entscheidung drängten, konnten die Grizzlies ihrerseits immer noch das ein oder andere Ausrufezeichen im Drittel der Gäste setzen.
Als dann rund 70 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit Verteidigerhüne Dan McGillis mit einer Strafzeit wegen unkorrektem Körperangriff nicht einverstanden war und zu den fälligen zwei Minuten noch eine 10-minütige Disziplinarstrafe bekam, ergab sich ein letztes Mal die Chance für eine überraschung.
Vor der Sirene ergab sich allerdings nichts wirklich Gefährliches.

Verlängerung
Es fehlte einfach die Kraft. Schön herausgespielte Möglichkeiten versandeten, wie schon im letzten Drittel zu beobachten, auf den letzten...ja, eigentlich Zentimetern, denn häufig hatte lediglich im Abschluss die richtige Position zum Puck oder der Druck auf der Kelle gefehlt.
Als in der vierten Minute der Verlängerung den Grizzlies ein Wechselfehler unterlief geschah während der folgenden Unterzahl zwei (!) Sekunden vor dem Ende die kleine, aber entscheidende Unachtsamkeit. Hospelt versäumt den Puck hoch hinaus zu befördern, Rekis klemmt das Spielgerät nicht ein oder wirft sich darauf, oder, oder, oder...Puckverlust, zwei kurze Pässe und Tor zum 2:3 durch Francois Bouchard. Da Dshunussow die Sicht vom eigenen Mitspieler genommen war, konnte er auf den Schuss durch die Beine nicht mehr rechtzeitig reagieren - ein bisschen Pech kam eben am Ende auch noch dazu.
Trotzdem feierten die Fans das Team im Anschluss an diese Partie, holten ihre tapferen Recken lautstark aus der Kabine, um ihnen Respekt zu zollen und Mut zu machen.

Mein subjektiver Eindruck:
Auch ohne Happyend ein toller Eishockeyabend - was mit Ausnahme von Fred Brathwaite weniger an den Gästen lag. Mit voller Kappelle hätten wir die Adler ohne Punkte heimschicken können - was blieb war eine erneut begeisternde Vorstellung der kleinen verbliebenen Truppe, die mit Dirk Wrobel aus Bietigheim lediglich fünf Verteidiger vorzuweisen hatte.
Was allerdings noch ein wenig an mir nagt, ist der Gedanke, dass wahrscheinlich schon ein oder zwei Kleinigkeiten gereicht hätten, um trotzdem die drei Punkte in Wolfsburg zu behalten. Allein Papineaus Ausfall im ersten Drittel (und sein etwas "gedämpfter" Auftritt ab dem zweiten) könnte schon der entscheidende Faktor gewesen sein - so klein war der Unterschied zwischen Verlierer und Sieger. Ein doch etwas größerer Faktor war da HSR van Gameren, der auf Grizzlyseite fast nur korrekte Strafen (wenn auch nicht immer mit dem richtigen Vergehen) verhängte, auf Mannheimer Seite allerdings einfach viel zu viel "übersah". Sechs oder sieben Spieler auf dem Eis, Beinstellen, Halten - da waren zu viele Augen zugedrückt oder erst gar nicht auf. Was soll´s: Abhaken, in Köln punkten und dann regenerien und auf Rückkehrer aus dem prall gefüllten Lazarett hoffen.

Tor:
Top-Leistung! Mit der Grizzlymaske fast so gut wie Brathwaite...und an den kommt in der DEL momentan keiner ran. Beim letzten Treffer ein wenig unglücklich, wurde aber auch vom eigenen Mann in der Sicht behindert. Ansonsten einfach nur genial reaktionsschnell und kaum zu überrumpeln.

Verteidigung:
Während die vier verbliebenen Stammverteidiger eine erstaunliche Ausdauer und die gewohnte Klasse an den Tag legten, überraschte vor allem Neu-Föli Dirk Wrobel.
Während die Leihgabe aus Bietigheim im ersten Drittel noch sichtlich mit der Ehrfurcht zu kämpfen hatte, überzeugte der 25jährige mit fortlaufender Spieldauer durch solides Körperspiel und wachsendes Selbstbewusstsein. Mit ein wenig überredungskunst darf der junge Verteidiger vielleicht am Sonntag auch noch die Kölnarena kennenlernen...

Sturm:
Gutes Defensivverhalten. Papineaus vorübergehender Ausfall war der Durchschlagskraft des Grizzlysturms allerdings nicht zuträglich. Gegen den Goalie der Mannheimer mussten es also die Verteidiger richten, wobei Regan einen Rebound abstauben konnte. Insgesamt kann und darf man hier nicht meckern, denn das ewige Drei-Reihen-Spiel hat durch das Hochgeschwindigkeitshockey, besonders vor heimischer Kulisse, sehr viel Substanz geraubt.

Fans:
Die Stimmung war wirklich, wirklich geil! Nur die Welle ging diesmal irgendwie nicht so wirklich...trotzdem ein genialer Abend. Hoffentlich kommen einige der Eventzuschauer wieder, wenn es in zwei Wochen gegen Kassel wieder mal richtig zur Sache gehen dürfte. Ich darf gar nicht dran denken, wie gierig ich nach zwei Wochen Pause auf die nächste Partie sein dürfte...danke, an dieses Team! mb