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EHC - Eisbären Berlin 2:3

Gegen stark ersatzgeschwächte Eisbären stellte zunächst Schiedsrichter-Azubi Stephan Bauer und später die Grizzlies sich selber ein Bein und vergaben die Chance auf den einen oder anderen Punkt. Der Meister, der ohne Robinson, Walker, Smith, McIlvane und Braun angetreten war, dominierte über weite Strecken das Geschehen auf dem Eis und konnte sich am Ende trotzdem mit Oliver Jonas bei einem Gastgeber bedanken, dass es doch noch zu allen drei Punkten reichte. Mit einem unglaublichen Leichtsinnsfehler hatte der Wolfsburger Goalie bei eigener überzahl die harte Arbeit seiner Vorderleute zunichte gemacht und die Grizzlyfans unter den über 3700 Zuschauern in sprachloses Entsetzen gestürzt. Nachdem die Schlussoffensive der Gastgeber eher harmlos ausgefallen war, blieb zum ersten Mal in dieser Spielzeit kein einziger Punkt in der heimischen Eisarena. Eine traurige Premiere.

1.Drittel
Die Gäste aus Berlin zeigten gleich, warum sie nicht nur in Deutschland, sondern europaweit zu den Topteams im Eishockey gehören: Trotz kapitaler Ausfälle im Kader traten sie, dank großem (Nachwuchs)spielerpool, mit prall gefülltem Kader und großem Selbstbewußtsein auf. So sahen die über 3700 Zuschauer, unter denen sich weit über 400 Gästefans befanden, ein intensives Auftaktdrittel mit zwei verbissen kämpfenden Kontrahenten. Während die Eisbären eindeutig die Mehrzahl der Chancen für sich verbuchen konnten, hielten sich die wirklich gefährlichen Momente vor beiden Toren die Waage. Einen dieser gefährlichen Momente nutzte, sehr zur Freude der heimischen Fans, Sebastian Furchner zur 1:0 Führung (7.Min) für die Grizzlies. Auf der anderen Seite hielt eine konzentriert arbeiten Abwehr und ein bis dahin gut aufgelegter Jonas jeglichen Schaden vom Heimteam fern. Besonders sehenswert, als Jonas einen Alleingang von Sven Felski eiskalt abwartete und den Schuss locker abblocken konnte.
So gelang es den Gastgebern schließlich trotz dreimaliger Unterzahl und ohne eigenes Powerplay mit einer Führung in die erste Pause zu gehen.

2.Drittel
Ein aus Wolfsburger Sicht kaum an Frustration zu überbietendes Drittel folgte. Um es vorweg zu nehmen: HSR Bauer zeigte sich nach kleineren Schwächen im ersten Drittel dem Tempo und der Intensität der Partie nun nicht mehr gewachsen. Nachdem bereits in der 22.Minute erneut Wolfsburg (wg. 6 Feldspielern) mit einem Mann weniger spielen musste und das Publikum wegen dieser knappen, aber korrekten Entscheidung stürmisch protestierte, entglitt dem Referee die Begegnung zusehends. Stellte die "Wiedergutmachung" wegen Hakens gegen Busch schon einen schlechten Witz dar, so konnten die Gäste bis zur nächsten Drittelpause eigentlich spielen wie es ihnen passte - zum Glück merkten sie dies erst zur Mitte des Drittels. Bis dahin hatten die Gastgeber nämlich ihre stärkste Phase, schnürten den Meister in der eigenen Hälfte phasenweise komplett ein und arbeiteten weiterhin stark verbessert im gegnerischen Slot.
Doch außer einem Pfostenschuss durch Papineau und unzähligen vergebenen Rebounds kam einfach nichts Zählbares dabei heraus. Es war zum Haare raufen...und es kam noch schlimmer.
Die Eisbären tasteten sich nun an die Grenze des Erlaubten heran und durften zu ihrer Freude feststellen: Es gibt sie offenbar nicht. Nachstochern unter der Fanghand, Boxen nach dem folgenden Eklat, mit erhobenem Ellbogen in die Checks, Beinstellen vor den Augen des HSR - alles kein Problem...für die Eisbären. Handpass, Abseits, hoher Stock - der überforderte Referee und seine nicht minder schwimmenden Linesmen kamen einfach nicht mehr hinterher.
Als in der 31.Minute Alexander Weiß ein Durcheinander (Danner behinderte Jonas im Torraum) vor dem EHC-Tor zum 1:1 nutzen konnte, war es dann auch mit der überlegenheit der Grizzlies vorbei.
Beide Teams ackerten aber munter weiter, erspielten sich weitere Einschussgelegenheiten, wobei Wolfsburg nach wie vor die besseren Situationen für sich verbuchen konnte (wenn auch weniger Schüsse die beim Torwart ankamen).
Den Treffer machten neun Sekunden vor der zweiten Pause allerdings wieder die Eisbären, für die Baxmann mit einem strammen Kracher von der Blauen zum 1:2 traf. Mit dieser, zu diesem Zeitpunkt unverdienten, Führung für die Gäste war dieses Seuchendrittel dann auch für die Gastgeber überstanden.

3.Drittel
Zunächst fanden die Grizzlies überhaupt nicht in diesen Schlussabschnitt. Es wackelte in der Hintermannschaft und eine der seltenen überzahlgelegenheiten (42.-44.Min) verstrich ohne einen einzigen Torschuss oder auch nur ein vernünftiges Aufbauspiel. Doch kaum waren die weiter hellwach agierenden Berliner vollzählig, da hatte erneut Sebastian Furchner den Riecher für die Torgelegenheit und fälschte einen Schuss von Alavaara unhaltbar zum 2:2 durch Ziffzers Schoner ab. Den sich nun aufbauenden Druck hätten die Gäste aus der Hauptstadt wohl nur bedingt wieder unter Kontrolle bekommen, wenn...ja wenn da nicht die 52.Minute gewesen wäre. Wolfsburg zum, man höre und staune, zweiten Mal in diesem Drittel in überzahl (ab 50.Minute), agierte zunächst etwas abgeklärter in überzahl und machte den Fans bezüglich der Heimserie durchaus Mut. Doch nach einem langen Befreiungsschuss der Gäste passierte es dann: Jonas fährt vor einem eigenen Verteidiger und Felski hinter das eigene Tor, verliert dort den Puck an den Berliner, der das Tor umkurvt und locker einnetzt...bei eigener überzahl, wohlgemerkt.
Das war deutlich spürbar der Genickschuss für die Wolfsburger Ambitionen auch im 13.Heimspiel mit mindestens einem Punkt die Grizzlyhöhle zu verlassen.
Die sichtbar unter Schock stehenden Grizzlies mühten sich zwar weiter, wirkten in der Folgezeit aber viel zu verkrampft und einfallslos, um den Meister noch einmal ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Auch das Wolfsburger Publikum bekam bis zum Schlusspfiff das offenbar lähmende Entsetzen nicht mehr aus den Stimmbändern und unterstützte das Team nicht gewohnt intensiv auf der Zielgeraden.
So war ein vom Ergebnis eher deprimierendes Eishockeywochenende nun endgültig überstanden und mit ein wenig Glück wiederholt es sich in dieser Form (0-Punkte) auch nicht mehr...

Mein subjektiver Eindruck:
So viel Pech im Abschluss kann man eigentlich gar nicht haben, wie die Grizzlies es dieses Wochenende in Kassel und gegen Berlin zelebriert haben. Wenn mir die Vorstellung in Kassel auch immer noch einen Tick zu offensiv war, so zeigte sich gerade die Arbeit im Slot deutlich verbessert. Schade, dass man in beiden Spielen so wenig aus den sich bietenden Nachschussgelegenheiten machen konnte. Selbst der Schiedsrichter, der die Hosen gestrichen voll zu haben schien, konnte unser Team eigentlich nicht aus dem Konzept bringen. Aber wer weiß wie viel Tore wir noch kassiert hätten, wenn wir öfter überzahl hätten spielen müssen.
Die Eisbären sind sicherlich ein Spitzenteam, aber so groß wie heute wird die Chance sie zu schlagen in den nächsten beiden Begegnungen wohl nicht mehr sein.
Es ist nun auf jeden Fall mentale Aufarbeitung der letzten beiden Spiele angesagt, damit sich keine erneute Torblockade einstellt.

Tor:
Außer der Tatsache, dass Olli Jonas einfach zu viel nach vorne prallen ließ, machte der Wolfsburger Goalie seine Sache eigentlich sehr gut...eigentlich. Uneigentlich verbockte er mit seinem entspannten Sonntagsspaziergang die Niederlage fast im Alleingang - aber so ist das nun mal im Sport: Ein dicker Klops und alle Heldentaten sind (für den Moment) vergessen.
Warum ausgerechnet unser Verein dazu auserkoren ist Oliver Jonas aus seiner Berlinphobie zu helfen, bleibt wohl das Geheimnis von Toni Krinner. Wenn ich zwei Torhüter habe von denen einer auf einen Einsatz gegen Berlin brennt und einer Fracksausen hat...welchen stelle ich wohl rein? Für derartige Therapieversuche fehlt mir, ehrlich gesagt, auch und besonders im zweiten Anlauf das Verständnis.

Verteidigung:
Rekis und Degon bestenfalls durchschnittlich, leider ohne die dringend benötigten Impulse.
Alavaara und Macholda mit Bestnoten - defensiv sehr gut. Alavaara offensiv weiter im Höhenflug, Macholda ungewohnt sicher und kompromisslos.
Genze unauffällig, Danner mit einer seiner schlechteren Partien - beim 1:1 ausgesprochen ungeschickt.

Sturm:
Wenn ein wenig mehr Schussglück dazu käme, gäbe es bei 5 gegen 5 kaum etwas zu bemängeln. Das Powerplay krankte an diesem Wochenende aber massiv, auch wenn es in beiden Begegnungen nicht übermäßig viele Gelegenheiten gab.
Einstellung und Laufwege stimmen weitestgehend, die Effektivität im Slot spottet allerdings jeder Beschreibung.
Während in der ersten Reihe Papineau und Milley stark überspielt (Deutschland-Cup!) wirken, überzeugt Reihe Nr.2 auf der ganzen Linie. Mit Rückkehrer Furchner findet auch Morczinietz offenbar Stück für Stück in seinen Rhythmus zurück, dazu der konstant gut spielende Ulmer - wirklich ein absoluter Lichtblick. Schade für Furchi, dass seine beiden Tore durch den Jonas-Bock entwertet wurden.
Der Rest blieb auf die Rolle der Arbeiter beschränkt, löste diese Aufgabe aber absolut zufriedenstellend.

Fans:
Der Anfang war okay. Der Mittelteil hätte, gerade mit der zusätzlichen Adrenalinspritze durch den Schiedsrichterdarsteller, wesentlich intensiver ausfallen dürfen. Was im letzten Drittel los war, ging allerdings gar nicht. Unsere Jungs kämpfen sich ins Spiel zurück, erzielen den Ausgleich und ein einziger Schockmoment lässt die Schlussoffensive auf den Rängen komplett ausfallen? Da bin ich selber ein wenig geschockt... mb

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