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EHC - Düsseldorf Metro Stars 2:3

Der Fluch der unbelohnten Arbeit geht weiter. Vor rund 3000 Zuschauern, darunter 600 per Sonderzug angereiste Fans der DEG, gelang es dem EHC zum x-ten Male nicht seine Fleißleistung in Zählbares zu verwandeln. Nachdem die Grizzlies zwei Drittel lang ein Feuerwerk der Unfähigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse abgebrannt hatten, wurde ihnen - wie so oft in den letzten Wochen - am Ende eiskalt die Rechnung serviert.
Nach der siebten Niederlage im achten Spiel versinkt Wolfsburg langsam in einem Strudel der Verzweiflung: Sowohl Gründe als auch Lösung für die chronische Abschlussschwäche des Teams befinden sich weiter im Dunkeln.
Einziger Lichtblick bleibt, dass man an diesem Abend gegen eine wirklich gute Mannschaft den Kürzeren gezogen hat. Kein Vergleich zum Desaster gegen die Gurkentruppe aus Köln.

1.Drittel
Nach dem jüngsten Erfolgserlebnis in Hamburg machten sich die Grizzlies sichtbar mit frischem Mut an diese nächste schwere Aufgabe.
Lediglich von einigen mehr oder weniger berechtigten Strafzeiten gebremst, baute das Wolfsburger Team mächtig Druck auf das von Jochen Reimer gehütete Tor auf. Als in der 9.Minute dann auch die Grizzlies einmal ihr zuletzt so schwaches Powerplay vorführen durften, klingelte es auch prompt hinter dem Düsseldorfer Schlussmann.
Justin Papineau war es, der mit einem Solo in der 10.Minute für die 1:0 Führung gesorgt hatte...mit einem herausgespielten Powerplaytor hatte wohl auch niemand gerechnet.
Während Wolfsburg den Rest des Drittels zur Demonstration seiner schlechten Chancenverwertung nutzte, blieben die tapfer dagegenhaltenden Metro Stars mit Kontern gefährlich. Dank einer insgesamt sehenswerten Leistung des EHC-Keepers Dshunussow konnte aber keiner der Gäste schon im ersten Drittel den Ausgleich erzielen.
Nach einer am Ende des Drittels von Patrick Reimer per Stockschlag ausgelösten Auseinandersetzung vor dem Tor der Grizzlies, ging eine 5 gegen 3 überzahl der Gäste recht schnell in eine 4-3 Situation über, die die Gastgeber schadlos in die Pause retten konnten.

2.Drittel
Das Wolfsburger Powerplay blieb auch weiterhin ein Spiegelbild der Situation im Sturm der Hausherren: Kaum Schüsse, kein Selbstvertrauen, wenig Zug zum Tor.
Anders das Unterzahlspiel der Grizzlies: Sehr konzentriert und teilweise sogar torgefährlich ging das Team von Coach Krinner zu Werke und - wie das nun mal so ist, wenn man eine rabenschwarze Phase hat - wurden für den einzigen Fehler in sieben Unterzahlspielen sofort durch Daniel Kreutzer bestraft. Durch zwei Wolfsburger Abwehrspieler hindurch spitzelte der Kapitän der Gäste den Puck unter die Latte und ließ dabei seine Gegenspieler steinalt aussehen (28.Min). Auf den Punkt gebracht zeigte der langjährige Nationalspieler alles das, was den Wolfsburger Stürmern schon seit Wochen fehlt: Unbändiger Zug zum Tor und Killerinstinkt!
Trotz der hohen Einsatzbereitschaft der Grizzlies und den daraus resultierenden höheren Spielanteilen war dieses 1:1 zur zweiten Pause mehr als verdient. Die DEG zeigte sich jederzeit auf der Höhe des Geschehens und agiert mit ebenso viel Herzblut wie die Gastgeber...wirkte dabei eben einfach nur weniger verzweifelt.

3.Drittel
Das kräfteraubende Forechecking der Wolfsburger zeigte nun langsam Wirkung, die Gäste kostete es im letzten Spielabschnitt weitaus weniger Mühe die Spieler des EHC aus der Gefahrenzone vor ihrem Tor zu halten. Das meiste, was der vielbeschäftigte aber nicht allzu oft hochklassig geforderte Reimer im Tor der DEG auf seinen Kasten bekam, war nicht wirklich brandgefährlich. Den Grizzlies war allmählich das letzte bisschen Bereitschaft im Slot Schmerzen in Kauf zu nehmen abhanden gekommen und auch die Beine wurden nun sichtbar schwerer. Als Ryan Ramsey in der 49.Minute eine Nachlässigkeit in der Wolfsburger Abwehr zum Alleingang auf Dshunussow und zum 1:2 in den Winkel nutzen konnte, schien dann der gewohnte Spielverlauf der letzten Wochen besiegelt.
Die Bemühungen der Wolfsburger diese erneut knappe Niederlage zu vermeiden wirkten zunehmend kraftlos, auch das obligatorische Herausnehmen des Torhüters führte zum ebenfalls obligatorischen Weiterschieben der Verantwortung...

Mein subjektiver Eindruck:
Viel Arbeit, viel Kampf, ordentliches Defensivverhalten und akzeptabler Spielaufbau...kaum Tore und null Punkte - immer und immer wieder.
Vor dem gegnerischen Tor scheinen sich die furchtlosen Raubtiere stets in kleine Mädchen zu verwandeln, die Angst haben, dass jemand lachen könnte, wenn sie jetzt etwas Dummes machen.
Aus dieser Angst machen sie dann meistens das Dümmste, was man überhaupt machen kann: Nichts! Hilflose Passorgien statt Schuss und harte Arbeit im Slot - na, danke!
Sicherlich erklärt das nicht alles, aber es wäre doch mal ein Anfang, wenn man überzahlspiele mit ein oder besser zwei Spielern vor dem gegnerischen Torhüter gestalten würde. Die einstige Torgeilheit ist offenbar auf breiter Front lähmender Versagensangst gewichen. Vielleicht findet sich ja ein begnadeter Mentalcoach...

Tor:
Dshuni mit einer wirklich guten Vorstellung. Hat uns gegen weitaus abgezocktere Gäste lange am Drücker gehalten, sprich: Wir haben lange nicht mehr als ein Gegentor auf der Anzeigentafel gehabt - ab dem zweiten kann man ne Partie ja momentan fast schon abhaken. Beim zweiten Treffer mit suboptimalem Stellungsspiel - ansonsten top.

Verteidigung:
Hat insgesamt einen guten Job gemacht und dank der Unterstützung der Stürmer trotz viel Offensivdrang kaum gute Chancen zugelassen. Die zwei Gegentore waren zwar Fehler von Abwehrspielern, aber gegen eine Mannschaft von der Klasse der DEG ist das nur selten auszuschließen. Macholda und Danner am Ende immer tapsiger, der Rest fast durchgängig in Ordnung. Zum Thema "Schüsse von der Blauen" - Mantel des Schweigens ausbreiten und vergessen. Lediglich Alavaara hatte ein, zwei brauchbare Kracher parat.

Sturm:
Einfach nur psycho, was die Jungs aus der Abteilung "Attacke" abliefern. Da fährt man sich 60 Spielminuten nen Wolf, um ins gegnerische Drittel zu kommen oder die Scheibe dort zu erobern...und dann bricht das große Weiterschieben der Verantwortung aus. Keiner Bock auf ein Tor? Alle Mann die Hosen voll? Ich kann das einfach nicht so recht glauben! Papineau ausgenommen, scheint bei allen anderen das letzte bisschen Gier auf ein Tor irgendeiner Angst oder was auch immer gewichen zu sein. Komisch, dass der einzige sichere Abgang offenbar Lust auf mehr hat! Die Arbeit im Slot muss auf jeden Fall intensiviert werden - Ansätze waren da, aber auch hier fehlt die letzte Konsequenz wie eben auch beim Abschluss.
Momentan ist es echt eine Qual immer wieder an eine Besserung zu glauben und vor dem letzten Drittel doch schon wieder zu wissen: Ein dummer Gegentreffer und das war´s!

Fans:
Die Gäste aus Düsseldorf haben nicht nur ihrem Team, sondern offenbar auch dem Wolfsburger Publikum Beine gemacht. Durchgängig sehr spaßige Atmosphäre - leider mit dem für uns gewohnten Stimmungskiller des überflüssigen Gegentors im letzten Spielabschnitt. Hätten wir diesen Scheiß nicht schon so oft erlebt...ich glaube wir hätten das Team sogar nach Spielschluss noch mal rausgeholt. Nach der x-ten Wiederholung dieses Dramas fehlt dafür, verständlicherweise, bei allen Beteiligten der Nerv. mb