header
Log in
A+ A A-

EHC - EV Duisburg 9:1

Rund 1600 Zuschauer (Rekordminus der Saison) bildeten am Dienstagabend die Kulisse für den höchsten DEL-Sieg eines Wolfsburger Teams. Gleichzeitig wohnten sie einem weiteren Akt im Possenspiel um das Duisburger Eishockey bei, das am folgenden Tag seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte - sportlicher Leiter, Trainer und Co-Trainer traten geschlossen von ihren undankbaren ämtern zurück.
Neben der unterirdischen Leistung der Gäste und den 9 Treffern der Grizzlies wird wohl vor allem das erste DEL-Tor eines gebürtigen Wolfsburgers in Erinnerung bleiben. Damian Martins 9:1 krönte ein amüsantes, wenn auch wenig spannendes Dienstagabend-Eishockeyspiel.

1.Drittel
Schon in der 2.Spielminute stellte der Gast aus Duisburg die Weichen auf Niederlage. Nach einer unglücklichen Aktion gegen Mike Green schied auf Seiten der Füchse mit Jan Alinc der Topspieler der Duisburger mit einer Spieldauerstrafe wegen hohem Stocks mit Verletzungsfolge aus und durfte zum Duschen. Für Mike Green ging´s derweil in die Kabine, wo die Risswunde über seiner Lippe medizinisch versorgt wurde. Deutlich gezeichnet kehrte er im zweiten Spielabschnitt schließlich zurück.
Nach anfänglich recht energischen Powerplayversuchen mit zahlreichen Schüssen, kehrte im Laufe eines von überflüssigen Gästefouls gekennzeichneten Drittel ein leider allzu gewohntes Bild in der Eisarena ein: Einfallsloses überzahlspiel der Grizzlies am laufenden Band, fast beendet mit einem völlig überflüssigen Gegentor durch eine Unachtsamkeit in der Rückwärtsbewegung.
Erst im vierten Anlauf hatte in der 14.Minute das Anrennen der Wolfsburger schließlich ein Ergebnis vorzuzeigen - Degon verwandelte mit einem knallharten Schlagschuss zum 1:0.
Am Ende stand ein Schussverhältnis von 17:1 und somit eine unglaublich miserable Chancenverwertung der Gastgeber. Es drohte eine absolute Gurkenpartie zu werden.

2.Drittel
Es folgte die stärkste Phase der Gäste, die nach zwei gespielten Minuten im Mitteldrittel sogar den vermeintlichen Ausgleich bejubeln durften. Doch der Treffer fand nach Videobeweis keine Anerkennung, da ein Füchsestürmer das Tor der Grizzlies vor dem Einschlag des Pucks verschoben hatte. Die Grizzlies wachten jedoch nicht umgehend auf, ließen den Gast vom Tabellenende recht sorglos gewähren. Nachdem Duisburg die sich bietenden Möglichkeiten, ganz nach dem Vorbild des EHC, ungenutzt gelassen hatte, platzte schließlich der Knoten beim Wolfsburger Team.
Ein Doppelschlag von Ken Magowan in der 30. und 33.Minute entschied die Begegnung, die eigentlich nicht wirklich auf der Suche nach einem Sieger war, endgültig. Dem lockeren Schlenzer zum 2:0 hatte der Wolfsburger Torjäger den Abschluss einer wunderschönen Kombination über Milley und Papineau zum 3:0 folgen lassen.
Dem Spielverlauf entsprach dieser Zwischenstand zwar immer noch nicht, doch das sollte noch folgen...

3.Drittel
Zum Auftakt dieses denkwürdigen Drittels sah es eher nach der Verschlimmbesserung einer ohnehin schwerfälligen Partie aus, denn die Grizzlies kassierten zunächst zwei mehr als sinnlose Strafzeiten und nach 9 Sekunden doppelter Unterzahl das 3:1 durch Morten Ask (43.Min).
Von einem Aufbäumen der Füchse zu sprechen, wäre trotzdem mehr als übertrieben. Doch als Weckruf für die schlafenden Hausherren taugte diese Szene allemal:
überzahltor per eigenem Rebound durch Hospelt zum 4:1 (46.Min), fast das gleiche Tor durch Hospelt - diesmal bei numerischem Gleichgewicht - zum 5:1 (49.Min), Stochertor zum 6:1 durch Morczinietz (50.Min), Papineau fälscht einen Macholda Schlagschuss zum 7:1 ab (51.Min), Alavaara erzielt in überzahl das 8:1 per Blueliner...ein wahres Torgewitter brach über die Gäste herein, was mit dem vielumjubelten 9:1 durch den gebürtigen Wolfsburger Damian Martin seinen Stimmungshöhepunkt erreichte.
Letztendlich machte Duisburg mit seiner fragwürdigen Arbeitseinstellung erst diesen teils merkwürdigen, teils erheiternden Abend möglich.
Dem Jubel nach Abpfiff tat dieser Umstand am Ende dann auch keinen Abbruch...

Mein subjektiver Eindruck:
Anfangs konnte man wirklich Angst vor einem dieser allseits bekannten Dienstagabendgegurke bekommen. Zum Glück und zu unser aller Unterhaltung ernteten die Füchse schließlich das, worum sie besonders zu Beginn der Partie geradezu gebettelt hatten: Eine absolute Monsterklatsche wegen fast kompletter Arbeitsverweigerung. Kein Zweikampf wurde von den Gästen wirklich angenommen, alles sollte durch Stellungsspiel und möglichst wenig Laufarbeit gelöst werden - ich glaube auch in der 2.Liga hätte man so gegen keinen Gegner bestehen können.
So bleibt dieses Spiel, meiner Meinung nach, ohne jede Aussagekraft über die momentane Form der Grizzlies, hatte ab der Mitte der Begegnung andererseits aber einen überraschend hohen Spaßfaktor.

Tor:
Daniar wurde kaum geprüft - ein oder zwei Schwächen im Stellungsspiel wurden durch schlappe Füchse nicht bestraft. Der Zweikampf mit Jonas um den Platz im Tor bleibt spannend.

Verteidigung:
Wirklich gefordert war die Defensive der Grizzlies kaum. Wenn ein Gegner derart entspannt zu Werke geht, gibt es nur Gelegenheit sich zu blamieren. Von dieser Gelegenheit machte kein Grizzly übermäßig Gebrauch.

Sturm:
Die erste Reihe durch die Bank standesgemäß dominant und einigermaßen effektiv.
Zur zweiten Reihe...ähem, tja. Jason Ulmer war wirklich nicht zu beneiden: Mit Morczinietz und Furchner hatte er zwei völlig indisponierte Flügelspieler an seiner Seite. Jede gelungene Vorbereitung verpuffte entweder bei Morczinietz, der mit traumwandlerischer Sicherheit bei Entscheidungen zwischen Pass und Schuss die falsche traf, oder bei Furchner, der schon in Düsseldorf außer Kampf nichts auf die Reihe bekam - weder Stellungsspiel, koordiniertes Backchecking noch brauchbare Schüsse. Sollte es irgendwann gelingen Torhüter mit einem Loch in der Brust zu züchten, dann..ja dann würde auch Sebastian in diesen Tagen mal ein Tor erzielen. Zum Glück kann man bei Furchi sicher sein, dass er es bald wieder besser machen wird.
Ansonsten wusste, neben dem immer überzeugender aufspielenden Green, vor allem Kai Hospelt durch bedingungslosen Einsatz und zwei energisch erspielte Tore zu überzeugen.
Nach einer eher quälenden ersten Spielhälfte, doch noch eine überzeugende Leistung.

Fans:
Bei so wenig Publikum und einem derart lachhaft eingestellten Gegner kam dank miserabler Chancenverwertung zunächst kaum Stimmung auf. Gegen Ende war ich doch positiv überrascht, dass nicht nur das Schützenfest, sondern vor allem der Treffer von Damian Martin so viele Emotionen beim Wolfsburger Publikum freisetzte. Ein wichtiges Signal, denke ich. mb