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EHC - Adler Mannheim 1:2nV

Auch der vierte Anlauf gegen die Adler aus Mannheim blieb nur teilweise von Erfolg gekrönt. Wie schon im ersten Heimspiel konnten die Grizzlies nach hartem Kampf nur einen Punkt in der Eisarena behalten, zeigten dabei aber erneut eine beeindruckende Leistung gegen den Finanzgiganten aus der Kurpfalz.
Nach vier Siegen in Folge ging damit eine kleine, aber im Kampf um Platz 10 wichtige, Serie zu Ende, die es nun in Hamburg und/oder Krefeld fortzusetzen gilt.

1.Drittel
Nur kurz war die Anfangsüberraschung der Gäste - schon nach wenigen Minuten war das Chancenplus der Grizzlies vergessen und ein schnelles, spannendes Spiel entwickelte sich. Die Gäste, die bei ihrem letzten Auftritt in Wolfsburg eher glücklich zwei Punkte entführen konnten, präsentierten sich mit dem Messer zwischen den Zähnen. Mit konsequentem Körperspiel, enormer Laufarbeit und hohem Tempo versuchten die Adler Wolfsburg frühzeitig aus dem Spiel zu drängen - doch die Gastgeber präsentierten sich kaum weniger aggressiv und hatten mit Oliver Jonas einen überragenden Rückhalt auf ihrer Seite.
Ganze 16 Schüsse parierte der Wolfsburger Goalie, der sein Team damit im Spiel hielt, das in der 19.Minute sogar durch einen überzahlkracher von Marvin Degon mit 1:0 in Führung gehen konnte. Sieht man einmal von Bouchards Sissy-Diver vorm eigenen Tor (7.Min) ab, nötigte die Leistung der Adler den Anwesenden höchsten Respekt ab - die Führung der Grizzlies zur Pause war, bei aller Sympathie, mehr als glücklich.

2.Drittel
Wieder gehörte der Auftakt des Drittels den Grizzlies. Von einigen guten Szenen vor Gästekeeper Brathwaite gehörte Sebastian Furchner die Beste: Einen Angriff über die rechte Seite schloss er mit einem sehenswerten Rückhandschuss ans Lattenkreuz ab (23.Min).
Als jedoch eine Minute später Corbet per Bauerntrick zum 1:1 ausgleichen konnte, nahm erneut das Team von Dave King das Szepter in die Hand. Von nun an waren es die Grizzlies, die enormen Aufwand betreiben mussten, um dem Angriffsdruck der Adler stand zu halten. Spätestens zur Mitte des Drittels merkte man den Gastgebern diesen Aufwand deutlich an: Die Laufwege wurden ökonomischer, das Forechecking dosierter und Olli Jonas hatte alle Hände voll zu tun, um einen Rückstand zu verhindern.
Mit einem immer noch etwas schmeichelhaften 1:1 ging es zum zweiten Mal in die Kabinen - es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Mannheims Frische auszahlen würde...

3.Drittel
Es dauerte zweieinhalb Minuten, dann kam der entscheidende Pfiff vom bis dahin gut pfeifenden HSR Klau, der den Mannheimer Jason King wegen hohem Stock mit Verletzungsfolge zum Duschen schickte und den Grizzlies fünf Minuten überzahl bescherte. Das vielzitierte "Blut auf dem Eis" oder eine Verletzung anderer Art konnte aber wohl nur der Referee ausmachen. Beobachtungen oder Fotos, die eine Verletzung bei Sascha Genze dokumentieren würden, sind bisher nicht zu orten.
Zum Leidwesen der Heimfans gelang es dem EHC in der folgenden überzahl nicht wirklich den Mannheimer Goalie standesgemäß zu fordern, so dass die Hoffnung auf einen dreifachen Punktgewinn spätestens mit der Strafe gegen Tim Regan zu Beginn der 47.Minute dahinschwand.
Es folgten drei weitere Strafen gegen Wolfsburg unter teilweise schwer verständlicher Ignoranz gegenüber weiteren Mannheimer Verfehlungen. HSR Klau demontierte sich mit dieser schwer nach Konzession riechenden Linie praktisch selber, wirkte der hohen Intensität der Partie nicht mehr gewachsen.
Nach einem von Wolfsburger Unterzahl und Abwehrschlacht geprägten letzten Drittel ging es schließlich in die Verlängerung. Wie als Fingerzeig gedacht, blieb ein deutliches Haken gegen einen Grizzly in der Schlusssekunde ungeahndet...das Unglück nahm seinen Lauf.

Verlängerung
Man merkte den Gastgebern die Erleichterung über den Punktgewinn zunächst deutlich an und eigentlich fehlte gleich zu Beginn der Verlängerung nur ein wenig Glück, um die Punkteteilung ungerecht, aber erfreulich zu gestalten. Beim Schuss des bärenstark aufspielenden Furchner fehlte vielleicht ein einziger Zentimeter, um den Puck statt an den Pfosten ins Tor zu befördern. Zwei Minuten später kam, was kommen musste: Methot vollendete einen Angriff gegen zunehmend erschöpft wirkende Grizzlies zum 1:2 - unnötig zu erwähnen, dass in der Zwischenzeit der Arm des Referees bei weiteren Regelwidrigkeiten der Mannheimer unten blieb.
So blieb es für die Gastgeber am Ende bei einem schwer erkämpften Punkt und leider auch ein wenig unnötigem Frust.

Mein subjektiver Eindruck:
Mein lieber Schwan - war das eine starke Vorstellung der Adler. Ich habe wohl selten so oft zur Anzeigetafel geschaut und erstaunt den Kopf geschüttelt. Wenn man nun bedenkt, dass wir alle drei Punkte hätten holen können, obwohl die Adler das klar bessere Team waren - Schade!
Ich glaube der Referee hat sich nach der Spieldauerstrafe irgendwie unwohl gefühlt, anders kann ich mir seinen Leistungsknick ab dem letzten Drittel nicht erklären. Irgendwie völlig unpassend zu einer derart hochklassigen und intensiven Eishockeypartie.
Generell geht mir dieses "Am Ende müssen die Strafzeiten gleichmäßig verteilt sein" - Gepfeife im deutschen Eishockey gepflegt auf den Sack. Einen guten Schiedsrichter erkennt man eben nicht an ausgeglichener, sondern an angemessener Strafenverteilung. Ich frag mich echt, wer diese Art der Spielleitung propagiert bzw. fördert.
Was mir aber am wichtigsten erscheint ist, dass unsere Jungs sich nicht von der mageren Torausbeute aus dem Tritt bringen lassen. Mit Hamburg und Krefeld warten nun Gegner, gegen die sie bereits ihre Treffsicherheit bewiesen haben. So gesehen kam diese Begegnung vielleicht ein oder zwei Spieltage zu früh.

Tor:
Olli mit einer Bombenvorstellung. Wenn er den Bauerntrick zum 1:1 verhindert, muss man ihn auf Händen vom Eis tragen! So bleiben beeindruckende 42 Saves und die Erkenntnis, das Olli kein übertorwart ist, aber nach wie vor zu weit überdurchschnittlichen Leistungen im Stande ist.
Ich finde den Gedanken beide Torhüter zu behalten nach wie vor nicht zu abwegig. Daniar könnte sich weiter steigern und Olli könnte ihn bei seiner Entwicklung weiter absichern. Voraussetzung ist, meiner Meinung nach, dass beide Goalies sich mit einer entsprechenden Rollenverteilung anfreunden könnten.

Verteidigung:
Degon weiter granatenstark. Wenn er weiter so aufspielt, wird es tatsächlich sehr schwer ihn zu halten.
Ansonsten machten eigentlich alle Verteidiger einen guten Job, auch wenn am Ende Konzentration und Kraft sichtbar schwanden. Nach der anstrengenden Auswärtstour absolut in Ordnung.

Sturm:
Furchner dreht weiter auf und überzeugt mit platzierten Schüssen - ich hätte schwören können , dass ihm noch ein Tor gelingt. Doch nach dem Lattenkreuz war es schließlich doch nur der Pfosten. Weiter so, Furchi! Die Dinger gehen vielleicht bald schon wieder alle rein.
Der Rest des Teams präsentierte sich lauf- und kampfstark, wobei das Forechecking gegen Mitte des Spiels stark nachließ und damit den Adlern die ihrer Spielstärke entsprechenden Spielanteile zufallen ließ.
Einziger Aufreger bleibt für mich Andy Morczinietz. Besonders in den letzten Wochen fällt er mir durch häufige Puckverluste beim Versuch sich im gegnerischen Drittel festzusetzen auf, wobei seine körperliche Präsenz mehr als arm wirkt. Außer ein paar garbage goals und viel gutem Willem bzw. Einsatz bleibt da nicht viel Positives. Es muss endlich gelingen ihn sinnvoll einzubauen!
Ansonsten gibt´s nichts Gravierendes auszusetzen - an unseren Möglichkeiten gemessen, war das schon in Ordnung (Powerplay ausgenommen).

Fans:
Die Stimmung war eigentlich ganz okay. Gerade im letzten Drittel war auch schön zu erkennen, dass das Team den zusätzlichen Kick benötigte, um sich in Dauerunterzahl zum Punktgewinn zu kämpfen - die Kräfte waren in dieser Phase nämlich schon merklich geschwunden!
über die Zuschauerzahl braucht man wohl nicht mehr zu diskutieren - in dieser Phase der Saison und nach den zuletzt gezeigten Leistungen einfach nur enttäuschend. mb