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EHC - Iserlohn Roosters 4:2

Rechtzeitig zum Endspurt um die entscheidenden Punkte präsentieren sich die Grizzlies bärenstark.
Neben der momentan starken Form des EHC spielte natürlich auch die Belastung der beiden Kontrahenten in den vergangenen acht Tagen eine ausschlaggebende Rolle.
Während die Roosters bereits stolze drei Partien in den Beinen hatten, mussten die Gastgeber in der Vorwoche lediglich auf heimischem Eis gegen Titelverteidiger Berlin bestehen (was auch eindruckvoll gelang).
Nach einem eher seltsamen ersten Drittel bekamen die rund 1700 Zuschauer doch noch einen richtigen Fight mit dem viel beschworenen Play-off Charakter zu sehen...und mit Wolfsburg obendrein einen würdigen Sieger.

1.Drittel
Das Spiel hatte kaum angefangen, da war es für einen Wolfsburger auch schon wieder vorbei. Ausgerechnet Sascha Genze, seines Zeichens stets einer der fairsten Spieler der gesamten Liga, fiel einer der eher sinnfreien Regelungen im Eishockeysport zum Opfer: Der pauschalen Spieldauerstrafe bei Fouls mit Verletzungsfolge, in diesem Fall hoher Stock, die auch bei kleinsten Kratzern zum Tragen kommt. Während sein "Opfer" Michael Wolf sich schnell vom anstrengenden Reklamieren erholt zeigte und munter weiterspielen konnte, musste der Wolfsburger Routinier das Spiel in zivil verfolgen.
Die folgende überzahl blieb, wie das gesamte erste Drittel, eher harmlos. Nach etwas über der Hälfte der Strafe dezimierten sich die Gäste durch sechs Feldspieler dann recht ungeschickt selber, im Laufe des Drittels machten es ihnen die Gastgeber dann mit der gleichen Strafe nach - alles ohne zählbaren Effekt und immer mit dem schalen Geschmack eines etwas verhaltenen Spiels garniert.
Besonders das zweite überzahlspiel der Gäste (13.-15.Min) sah erschreckend unkonzentriert aus; die Hausherren hatten während dieser zwei Minuten mehr Puckbesitz als die Roosters, spielten geradezu Katz und Maus mit den Sauerländern.
Das Ganze durchsetzt mit unzähligen ungeahndeten Wechselfehlern auf beiden Seiten - fertig war ein eher unattraktiver Spielauftakt. Lediglich die Wolfsburger Druckphase vor der ersten Pause machte da etwas Appetit auf mehr.

2.Drittel
Auftakt mit umgekehrten Vorzeichen: Nun waren es gleich zwei Roosters, die innerhalb der ersten beiden Spielminuten auf die Strafbank wanderten und Wolfsburgs Powerplay ins Spiel brachten. Leider mit dem gleichen Ergebnis, wie es zuvor das der Gäste erbracht hatte.
Und es kam noch schlimmer. Als die Grizzlies gerade anfingen die Partie in den Griff zu bekommen, gelang Christian Hommel nach knapp fünf gespielten Minuten die 0:1 Führung für die Geflügelfraktion auf dem Eis. An einem Wolfsburger Verteidiger vorbei und durch die Schoner von Olli Jonas fand der Puck seinen Weg zum zweiten Schockmoment der Begegnung aus Heimsicht.
Es dauerte einige Minuten, bis die Gastgeber sich von diesem unglücklichen Gegentreffer erholt zeigten und den Druck wieder etwas erhöhen konnten. Passend zum ersten Drittel fiel der Ausgleich gegen den bis dahin überragend haltenden Stefaniszin allerdings nicht durch eine gewagte Kombination, sondern eher kurios durch einen Torwartfehler.
Ken Magowan schlenzte kurz hinter der blauen Linie von links außen locker Richtung Tor, vermutlich um den Puck tief zu spielen, der Roostersgoalie hielt den Handschuh rein, der Puck fand den Weg über den Innenpfosten ins Tor (33.Min). Die Halle war schier entzückt über dieses nette Geschenk und "Kenny" konnte die Ausmaße, die sein Torriecher mittlerweile zu nehmen scheint, kaum fassen. Anders wollen wir sein Grinsen und auch das eines allseits bekannten Geschäftsführers mal nicht deuten...
Die Grizzlies hatten nun endlich Blut geleckt, setzten energisch nach und zwangen die Roosters in die Defensive. Fehler auf Fehler folgte nun bei den Gästen und so war es nur wenig verwunderlich, dass Danner und Hospelt das 2:1 (35.Min) gegen drei verteidigende Gästespieler erzielen konnten. Den Doppelpass auf engstem Raum hatte Aushilfsstürmer Danner zum vielumjubelten Führungstreffer abgeschlossen, der damit in ungewohnter Rolle seinen zweiten Saisontreffer markieren konnte.
Trotz erneuter überzahlsituation und einigen hochkarätigen Chancen blieb es bei diesem denkbar knappen Ergebnis.

3.Drittel
Strafen gab es im letzten Abschnitt zwar keine mehr, doch das Spiel hatte längst die erwartete Intensität aufgenommen.
Als Magowan in der 44.Minute mit dem 3:1 seinen Doppelpack und die alleinige Führung in der Torjägerrangliste klarmachte, schien die Partie zur Einbahnstraße werden zu können. Nach ersten Reaktionsversuchen der zunehmend in konditionelle Engpässe geratenden Iserlohner, nahmen die Grizzlies das Heft fest in die Hand und hätten es wohl nicht wieder hergegeben, wenn...ja, wenn da nicht nach langer Zeit einmal wieder eine Scheibe in der Eisarena zu Bruch gegangen wäre. "übeltäter" war diesmal Marvin Degon, der in der 55.Minute mit einem satten Schlagschuss statt die Maschen des Tores die dahinterliegende Scheibe gesprengt hatte. Für beide Teams ging es kurzzeitig zum Warten in die Kabinen.
Für die ausgepumpten Roosters ein seltener Glücksfall, der den Gästen die dringend benötigte zweite Luft bescherte.
Spürbar schneller agierten die Hähne nach Wiederanpfiff und konnten den allzu sorglos anstürmenden Wolfsburgern doch tatsächlich noch den 3:2 Anschlusstreffer einschenken.
Bob Wren schloss einen ebenso langen wie sehenswerten Sololauf mit der Umkurvung von Jonas und dem Tor für die Gäste ab.
Logische Konsequenz: Iserlohn machte noch einmal mächtig Alarm, nahm den Torhüter vom Eis und probierte die Begegnung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln doch noch zu drehen.
Die Grizzlies hingegen spielten von diesem Moment an das Ganze wohl überlegt und mit der nötigen Kühle zu Ende. Allen Provokationen widerstanden die Männer von Toni Krinner und Pavel Gross gelassen und konnten mit Furchners empty-net goal 21 Sekunden vor dem Schluss endgültig alles klar machen.

Mein subjektiver Eindruck:
Das erste Drittel wirkte von beiden Seiten viel zu nervös. So viele Wechselfehler in einem Drittel durfte man wohl lange nicht mehr bei uns bewundern. Trotz der frühen Dauerunterzahl fanden die Teams irgendwie nicht zur richtigen Einstellung - wer weiß, was (zumindest zu Beginn) für ein lauwarmes Kringelgedrehe das Spiel ohne die Spieldauer gegen Genze geworden wäre...
Das 0:1 war dann eher eine Erlösung als ein Rückschlag - danach ging´s endlich richtig zur Sache.
Wirklich bemerkenswert, wie konzentriert unser Team nach der Olympia-Quali auftritt. Ich bleibe bei meiner Prognose: Am Sonntag wissen wir in Sachen Play-offs vermutlich Bescheid. Es wäre zudem mehr als wünschenswert, wenn wir gegen Krefeld und die - offenbar auf Bewerbungstour befindlichen - Füchse keine Punkte mehr bräuchten. Holen kann man die Punkte für eine bessere Platzierung dann ja trotzdem...

Tor:
Jonas mit guter Leistung. Wurde beim zweiten Treffer mal wieder Opfer seiner Langsamkeit am Boden, der Pokecheck kam zudem viel zu spät. Dem standen allerdings einige wirklich sehenswerte Saves gegenüber, die Wolfsburg stets im Spiel hielten. Vielleicht findet Wolfsburgs Keeper rechtzeitig zu seinen letzten Play-offs zur Bestform zurück. Zumindest würde es ins Gesamtbild der Mannschaft passen.

Verteidigung:
Insgesamt gute Arbeit. Das Konzept mit fünf Ausländern geht bisher gut auf - mit Genze und auch mit Macholda als Ergänzung. Für ein Bewerbungsvideo taugte Petrs Vorstellung allerdings noch nicht; gegen Kassel hat er nun erneut die Möglichkeit sich zu empfehlen.

Sturm:
Man darf momentan eigentlich kaum jemanden hervorheben, so ausgeglichen ist die Aufopferungsbereitschaft aller Akteure. Auch Spieler, die in der laufenden Saison kaum glänzen konnten, hängen sich bis zur letzten Sekunde voll rein - ein Glücksfall für uns!

Okay, einen muss man in diesen Tagen einfach erwähnen: Ken Magowan, momentaner Torschützenkönig der Liga, rockt das Eis wie kein anderer. Ich habe es bereits zu Beginn der Saison beobachtet und kann mich nur wiederholen: Dieser Junge reißt das gesamte Team mit seiner Art mit. Wir verdanken ihm weit mehr als die 27 (!) Tore, die er bisher für uns geschossen hat. Ein absoluter Hammer, dass wir ihn noch zwei weitere Jahre bei uns haben!

Fans:
Na, ja. Der Anfang war, wie das Spiel, nicht so berauschend. Im Laufe des Spiels fand ich die Stimmung sehr gelungen und ich denke, dass wir gerade am Ende dem Team über die Runden geholfen haben. 1700 Zuschauer ist allerdings auch für einen Dienstag etwas sehr enttäuschend...zumindest wenn es um so viel geht. Was soll´s - nächsten Dienstag ist ja bereits ausverkauft, auch wenn vielleicht ein paar Bauern mehr als nötig unsere Halle "beehren" werden. mb