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Spielberichte 09/10

EHC - Augsburger Panther 6:1

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Im dritten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten aus Wolfsburg und Augsburg erlebten die Zuschauer zunächst ein Abbild der ersten beiden Partien.
Die Gäste aus Bayern standen tief im eigenen Drittel und lauerten, die Grizzlies stürmten wie besessen auf das von Dennis Endras gehütete Gehäuse, ohne auch nur einen wirklich gefährlichen Abschluss unter ihren zahlreichen Torschüssen zu haben. Mit dem zweiten Konter der Panther kam nach einer Notbremse durch Traynor und Martinovic auch schon die 0:1 Führung für die Gäste – ein weiterer absurder Eishockeyabend deutete sich an.
Das Tor durch Tyler Beechey (10.Min) stellte im dritten Spiel mal wieder den Spielverlauf völlig auf den Kopf, wieder schien den Panthern das Glück in schon fast unangemessener Weise gewogen.
Aber die Gastgeber nahmen ihr Schicksal weiter in die eigene Hand, stürmten nach einer verständlichen Schockphase und einem überstandenen Unterzahlspiel weiter auf das Tor der Augsburger ein...und sollten endlich Erfolg haben.
Per Überzahltreffer glich der immer stärker werdende Peter Sarno für seine Farben aus (16.Min) und schickte die Fans der Grizzlies zumindest nicht völlig verzweifelt in die erste Pause.
Was sich im ersten Drittel schon angedeutet hatte, setzte sich im Mitteldrittel erfreulicherweise fort: Das Powerplay der Grizzlies funktionierte, just in einer Phase, in der die Gäste ihre nachlassende Fitness durch Fouls zu kompensieren begannen. Die im ersten Drittel noch etwas zu lax pfeifenden Schiedsrichter entschieden sich im zweiten Abschnitt endlich ihre Linie zu verschärfen und ahndeten nun vieles, was man im ersten Drittel bereits wesentlich offensichtlicher zu sehen bekommen hatte.
Doch der Führungstreffer fiel sogar noch bei numerischem Gleichgewicht (27.Min). Das 2:1 durch Sebastian Furchner fand nach Videobeweis seine verzögerte Anerkennung, die Halle bebte vor Freude und (vor allem) vor Erleichterung! Erst nachdem der Puck im Tor gelandet war, hatte Panthergoalie Endras – wenig fair – den eigenen Kasten aus der Verankerung treten können und durfte sich ab diesem Zeitpunkt schon einmal die ersten „Nettigkeiten“ der Heimfans zu Gemüte führen.
Was folgte war eine Demonstration des neuen Grizzly-Powerplay. Von drei folgenden Strafen gegen die immer hilfloser agierenden Gäste, nutzten die Wolfsburger gleich zwei zu den Überzahltreffern Nr.2 und Nr.3 an diesem Abend.
Christopher Fischers Schlagschuss zum 3:1 (29.Min), ließ EHC-Nationalspieler Kai Hospelt das 4:1 folgen, welches nach erneutem Videobeweise seine Anerkennung fand.
Längst löste die Übervorsicht der Hauptschiedsrichter bei Treffern der Grizzlies verstärktes Kopfschütteln bei Trainern und Fans der Wolfsburger aus, doch am Ende sollte kein zählbarer Schaden für die Gastgeber entstehen - zum Glück!
Die Szene, die die Überzahl zum 3:1 ausgelöst hatte, sollte auch nach dem Spiel noch für Gesprächsstoff sorgen: Den Check von Brett Engelhardt gegen Hospelts Kopf fanden zwar beide Trainer im Nachhinein strafwürdig, doch einer Meinung waren die beiden Hitzköpfe hinter der Bande natürlich mal wieder nicht....
Mitchell warf Wolfsburgs Hospelt zum wiederholten Male Schauspielerei vor - Krinner sah in dem Vergehen eine klare Spieldauer. Wie hätte es auch anders sein können!
Mit einer deutlichen 4:1 Führung, die in dieser bisher knappen Serie so etwas wie die Vorentscheidung bedeutete, ging es schließlich zum zweiten Mal in die Kabinen.
Wer nun dachte die Panther würden sich für Spiel 4 schonen, sah sich getäuscht. Natürlich ließ Coach Mitchell, spätestens nach dem frühen 5:1 durch Laliberte (43.Min), verstärkt die hinteren Reihen Eiszeit nehmen, doch die Gäste blieben weiter aggressiv.
Strafen gab es nun zwar wieder auf beiden Seiten, Tore sollten bei Überzahl jedoch nicht mehr fallen.
Lediglich Alavaara konnte sich per Schlagschuss noch zum 6:1 in die Torschützenliste eintragen (55.Min), die Panther bemühten sich hingegen sichtbar ein völliges Debakel zu verhindern.
Dass ihr bis zu diesem Spiel so großartig haltender Goalie schließlich entnervt den Kasten für seinen Back up räumte, war trotz respektabler Augsburger Energieleistung nur die logische Folge dieser letztlich deutlich unterlegenen Vorstellung.
Obwohl Endras lediglich bei 1 oder 2 Toren keine wirklich gute Figur gemacht hatte, hatten die Heimfans ihn ab dem Mittelabschnitt, weniger berechtigt als berechnend, regelmäßig mit „Torwartfehler“– Rufen bedacht und bei seiner Auswechslung höhnisch verabschiedet.
Danach nahmen die Feierlichkeiten auf den Rängen weiter ihren Lauf und der Spielstand wurde von Seiten des EHC eher locker über die Zeit gebracht – die Botschaft war schließlich längst übermittelt: „Der EHC ist wieder da!“

Das Team

Reimer mit fast tadelloser Vorstellung – wenn da dieser schlappe Penalty nicht gewesen wäre...eigentlich ein MUSS, wenn man ein knappes Spiel gewinnen will. Zum Glück war es aber kein knappes Spiel ;)
Die Verteidigung präsentierte sich, bis auf zwei oder drei Szenen im Auftaktdrittel, durchweg auf der Höhe des Geschehens. Das Aufrücken beim extremen Anrennen der Grizzlies muss aber in den ersten 10-15 Minuten wesentlich kontrollierter geschehen. Augsburg ist im ersten Drittel noch zu schnell und zu wach, um so bedingungslos die eigene blaue Linie aus den Augen zu lassen. Ein Sonderlob möchte ich, trotz Beteiligung am Penalty zum 0:1, an Sasa Martinovic aussprechen: Der Junge spielt ein knallhartes und trotzdem fast immer faires Playoff-Hockey, so dass man langsam ernsthaft über eine Weiterverpflichtung nachdenken muss! Ich bin, ehrlich gesagt, überrascht – vielleicht er selber ja auch...
Im Angriff trug die Rückkehr von Peter Sarno in eine Reihe mit Milley und Laliberte deutlich sichtbare Früchte. Aber auch Hospelt machte mit Green und Morczinietz einen überzeugenden Eindruck. Vielleicht entstand hier ein Stück Spielfluss, der, neben den neuen taktischen Anweisungen, für das erstaunlich überzeugende Powerplay der Grizzlies verantwortlich war.
Dass Höhenleitner sich besser im Griff hatte und mit der vierten Reihe einen guten Job machte, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Es geht mir nicht darum irgendjemanden zum Sündenbock für Niederlagen zu machen, doch Übersicht und Einteilung der Kräfte gehören nun mal auch zum erfolgreichen Play-off Eishockey...und das kann und muss Christoph als gestandener Ü25-Spieler jetzt lernen!

Das Fazit

Trotz der konditionellen Vorteile der Grizzlies, halten die Augsburger weiter fast alle Trümpfe in der Hand. Vor eigenem Publikum werden die Panther ALLES aus sich herausholen, um den Finaleinzug zu schaffen. Zudem wird Endras sich sicherlich kaum beeindruckt von der ersten Niederlage der Panther zeigen, so dass ein ähnlich deutliches Ergebnis aus Sicht der Wolfsburger nicht zu erwarten ist. Sollte man die ersten beiden Drittel offen gestalten können, könnte sich im Schlussabschnitt allerdings doch noch ein Fenster zu Spiel 5 auftun. Hoffen ist erlaubt...
mb

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EHC - Augsburger Panther 2:3nV

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

3233 Zuschauer, unter ihnen rund 200 Augsburger Fans, erlebten in der Wolfsburger Eisarena die Halbfinalpremiere dieser beiden Clubs.
Die Gastgeber gaben gleich zu Beginn zu verstehen, welche Marschroute für dieses Spiel vorgesehen war: Wolfsburg drückte gleich mächtig aufs Gaspedal und wollte offenbar umgehend erkunden, ob und wie müde die Gäste aus der Fuggerstadt nach zwei harten Serien wohl sein mögen.
Doch die Antwort auf diese Frage schmeckte den Gastgebern wenig – die Panther präsentierten sich zwar zunächst etwas abwartend, kamen dann aber gut in Fahrt. Bis zum 1:0 durch Kai Hospelt (8.Min) hatte es noch nach einer Partie ausgesehen, die der EHC durchaus dominant gestalten könnte – 59 Sekunden und einen Gegentreffer später drehte sich der Wind jedoch gewaltig. Christoph Höhenleitner hatte Augsburgs Besten, Chris Collins, mit einem unglaublichen Fehlpass zurück ins eigene Drittel geradezu tödlich in Szene gesetzt und das 1:1 als Präsent an die Gäste geschnürt. Das Wolfsburger Team zeigte sich in der Folgezeit deutlich geschockt, Augsburg nutzte diese Phase clever, um ins Spiel zu kommen und das eigene Forechecking vor dem Drittel der Grizzlies zu installieren. Die Fehlpässe der Gastgeber häuften sich nun, die Partie kippte nun sogar in Richtung Panther!
Hätte Reimer wenige Minuten nach dem Ausgleich einen 2 auf 0 Konter der Gäste nicht sensationell entschärft, wäre Augsburg völlig verdient mit einer Führung in die erste Pause gegangen. So aber brauchte das Team von Toni Krinner noch einige Minuten, bevor sie die Partie zumindest wieder ausgeglichen gestalten konnten.
Im Mittelabschnitt zeigte sich der EHC wieder etwas sortierter, baute endlich wieder verstärkt Druck auf das von Endras hervorragend gehütete Tor der Gäste auf. Doch ein Torerfolg sollte den Grizzlies nicht gegönnt sein. Besonders im Überzahlspiel kamen viel Pech und auch ein wenig Einfallslosigkeit zusammen. Während die Gastgeber mehrmals sogar den eigenen Mann im Slot trafen, trafen die Panther einfach mal ins Tor – 1:2 erneut durch Collins, der ein gut vorgetragenes Powerplay zur Führung abschließen konnte (35.Min).
Es folgte weitere fruchtlose Überzahlversuche der Grizzlies, Augsburg hingegen blieb über Konter brandgefährlich, so dass – trotz deutlichem Plus an Torschüssen für die Hausherren – die Führung der Gäste zur 2.Pause völlig in Ordnung ging.
Weiter ging’s mit Volldampf in den (vermeintlichen) Schlussabschnitt der Begegnung.
Augsburg imponierte durch hohes Tempo und frühes Stören im Spielaufbau. Eine Wahnsinnsleistung angesichts des Play-off Programms das die Panther bereits hinter sich bringen mussten ...doch bei den sichtbar hochmotivierten Gästen schlichen sich nun doch etwas öfter kleine Schwächen – vor allem im Zweikampf – ein. Den Gastgebern fiel die Puckeroberung zusehends immer leichter, die Chancen verteilten sich trotzdem zunächst noch gleichmäßig auf beide Teams.
Als der vierten Reihe um Peter Sarno dann doch noch das 2:2 gelang (46.Min), jubelte nicht nur Torschütze Sulkovsky wie jemand, der seinen letzten Treffer in grauer Vorzeit erzielen konnte! Auch das bis dahin leidenschaftlich mitziehende Wolfsburger Publikum geriet völlig aus dem Häuschen und versuchte in der Folgezeit (eigentlich durchgängig bis zum wenig erfreulichen Ende) sein Team noch weiter aus der Reserve zu locken, um dieses wichtige Spiel letztlich doch noch zu gewinnen.
Aber die Panther zeigten sich vom Ausgleich wenig beeindruckt, hielten nun ihrerseits voll dagegen und investierten wieder mehr in offensive Bemühungen, die über gefährliche Konter weit hinaus gingen.
Erst nach einigen Minuten konnte der EHC so etwas wie Überlegenheit aus diesem Treffer generieren – leider unterbrochen von einem Unterzahlspiel, nachdem es vor dem Tor der Gäste zum Austausch von Nettigkeiten gekommen war (53.Min).
Dann wurde es dramatisch: Die Gäste kassierten in schneller Folge (55. + 56.Min) zwei Strafen, mussten also eine ganze Minute in doppelter, zwei weitere in einfacher Unterzahl das Unentschieden über die Zeit retten. Da das Überzahlspiel der Grizzlies, leider wie gewohnt, besonders bei 5 gegen 3 extrem statisch daher kam, verging den Augsburgern die Zeit doch wesentlich schneller als dies nötig gewesen wäre.
Dem Überzahlfrust folgte ein durchgängiger Sturmlauf der Gastgeber, der aber stets sein Ende beim Goalie der Panther fand. Wenige Sekunden vor dem regulären Ende folgte dann sogar noch einmal einer dieser brandgefährlichen Konter der Gäste, die zu zweit auf Jochen Reimer zufuhren - Riesenerleichterung im weiten Rund brachte dann aber Fischers Rettungstat, der im allerletzten Moment noch entscheidend stören konnte und so die Entscheidung verhindern konnte.
Die Verlängerung sah zunächst nicht viel anders als das Ende des letzten Spielabschnitts aus: Die Grizzlies rannten den Augsburgern die Bude ein, die Gäste lauerten auf Konter, aber kamen nun kaum noch zu richtiger Entlastung. Die Kraft schien am Ende doch noch den Ausschlag zu geben...
Doch dann der Riesenbock: Wegen zu vieler Spieler auf dem Eis, hieß es nach zweieinhalb Minuten „Unterzahl“ für die Gastgeber, die ab diesem Zeitpunkt komplett den aufgenommenen Rhythmus verloren. Augsburg traf in Überzahl unglücklich die Latte, man dachte schon nun wäre auch bei den Gäste endlich die Effizienz verloren gegangen, doch weit gefehlt! Nachdem die Grizzlies wieder komplettiert hatten, entschied Chris Collins in der 66.Minute mit seinem dritten Treffer die gesamte Partie. Vom Bully aus war der Stürmer der Panther von seinen Kollegen vorm Tor bedient worden und hatte den Puck aus spitzem Winkel hoch in der kurzen Ecke des Wolfsburger Gehäuses untergebracht. Kopfschüttelnd und sichtlich geknickt ging es für das Team von Toni Krinner zum ersten Mal in diesem Jahr nicht als Sieger vom Playoff-Eis...

Das Team

Reimer im Tor mit Licht und Schatten. Verhinderte im 1 gegen 1 zwar Schlimmeres, sah vor allem beim letzten Gegentreffer aber nicht wirklich glücklich aus...
In der Verteidigung gerieten vor allem Fischer und streckenweise auch Wurm ganz schön ins Schwimmen. Ansonsten müssen alle Verteidiger die, gegen Augsburg auch einfach nötigen, Sturmläufe auf Endras aufmerksamer absichern und im Spielaufbau auch mal die „hässliche“ Variante wählen (ungenauer Pass über die Bande, Icing etc.).
Im Sturm bin ich momentan, trotz Torerfolg, nicht von der Variante mit Hospelt zwischen Milley und Laliberte überzeugt. Ich glaube mit Sarno würde da mehr gehen. Der Center der vierten Reihe spielt momentan wirklich engagiert und mit viel Überblick - doch ob Sulkovsky und Krestan da die richtigen Abnehmer in Sachen Torausbeute sind? Zumindest war das ursprünglich wohl eher nicht so gedacht und Hospelt würde mit den beiden sicherlich genauso gut den Spielstand halten können. Letztlich aber wohl nichts Entscheidendes, denn die Chancen zum Sieg sind da gewesen!
Christoph Höhenleitner stach als einziger im Sturm negativ heraus. Der Stürmer der Grizzlies wirkte wie im Rausch, rannte wie ein Besessener über das Eis und verlor dabei leider oft total den Überblick. So auch vorm bitteren 1:1, das an diesem Abend einen wesentlich angenehmeren Spielverlauf verhinderte. Sicherlich gut gemeint, aber manchmal ist weniger eben mehr – will heißen: Etwas weniger blindes Umherrennen, dafür mehr Blick für den Nebenmann und den Gegner! Völlig im anaeroben Bereich fehlt da häufig einfach die Klarheit...

Das Fazit

Augsburg präsentierte sich als geschlossene, kampfbetonte Mannschaft, die vor Selbstbewusstsein aus allen Nähten zu platzen droht. Das Forechecking der Panther muss taktisch beantwortet werden, d.h. hin und wieder ein Pass in den Rücken der aufgerückten AEV-Spieler könnte da für entsprechendes Kopfkino sorgen!
Insgesamt konnte ich allerdings weder spielerisch noch physisch irgendeinen Vorteil für ein Team ausmachen. Das nächste Spiel wird vermutlich den Ausschlag geben. Eine 0:2 Führung der Panther ist logischerweise kaum noch zu biegen, ein 1:1 dürfte für den AEV allerdings ebenso vernichtend sein, denn nur mit Glück und Selbstbewusstsein können die Augsburger den konditionellen Vorteil der Grizzlies dauerhaft nicht aufwiegen – dafür ist auch das Team von Toni Krinner zu selbstbewusst und hat läuferisch einfach zuviel Potential.
Schaun mer mal ...
mb

 

EHC - Düsseldorf Metro Stars 3:1

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Der zweite Viertelfinalauftritt der Grizzlies vor heimischer Kulisse fiel deutlich unspektakulärer, dafür (zumindest vom Spielverlauf) spannender als noch der Auftakt aus.
Der Gast aus Düsseldorf setzte von der Spielführung nahtlos dort an, wo er im zweiten Drittel der ersten Begegnung begonnen und vor eigenem Publikum weiter gemacht hatte:
Kampf und Härte dominierten wiederum das Spiel der DEG – die Gastgeber antworteten mit nicht weniger leidenschaftlichem Auftreten, zeigten sich insgesamt aber taktisch disziplinierter.
Da das Schiedsrichtergespann Looker/Bauer Ellenbogen- und Stockchecks zunächst offenbar unter Play-off Härte verbuchte, ging das Rezept der Gäste im ersten Spielabschnitt durchaus auf. Die Mehrzahl der Chancen und ein übergewicht in den Spielanteilen gehörte somit zwar dem Düsseldorfer Team, doch die entscheidenden Aktionen waren – nicht zum ersten Mal in dieser Serie – auf Seiten der Grizzlies zu finden.
Wenn den Gästen doch einmal eine bessere Einschussmöglichkeit gegönnt war, so scheiterten sie regelmäßig am erneut hervorragend haltenden Reimer oder am eigenen Unvermögen.
Die Hausherren hingegen vollstreckten eine ihrer seltenen Möglichkeiten durch Ken Magowan (16.Min) zum 1:0 und schockten die Gäste damit zum wiederholten Male mit ihrer Effektivität. Dass die Wolfsburger Mannschaft dem wütenden Auftakt der Gäste konzentriert die Stirn geboten hatte, sollte sich dann im zweiten Spielabschnitt auszahlen. Die teilweise einfach überdreht oder verzweifelt wirkenden Aktionen der Metro Stars fanden nun zunehmend weniger Zustimmung bei den beiden leitenden Schiedsrichtern und so verbrachte das Team von Lance Nethery fast die Hälfte des Drittels in Unterzahl.
Dass es nach diesem Spielabschnitt lediglich 2:1 für die Gastgeber stand war dabei zwei Umständen geschuldet:
1. Die HSR hatten zunächst eine, im Kontrast zu den im ersten Abschnitt nicht geahndeten Vergehen, aberwitzige Strafe gegen Peter Sarno (22.Min) wegen Haltens verhängt, welche die Gäste zum 1:1 Ausgleich durch Craig MacDonald zu nutzen wussten.
2. Die folgende, absolut berechtigte, Strafzeitenflut gegen die DEG konnten die Grizzlies nur zu einem weiteren Treffer durch Sebastian Furchner (31.Min) nutzen.
Gästekeeper Aubin war in dieser Phase beeindruckend über sich hinausgewachsen und hatte das Bombardement der Wolfsburger Powerplayformationen fast im Alleingang entschärft. Wäre der Düsseldorfer Ausnahmegoalie beim 2:1 nicht durch einen eigenen Mitspieler behindert worden – er hätte zum großen Helden dieses Spiels werden können. Dass die DEG das statistisch beste Unterzahlspiel der Liga stellt, trug ansonsten natürlich zusätzlich zur Verhinderung einer Vorentscheidung bei. Das Spiel blieb weiter spannend.
Mit unverminderter Intensität, nun aber von Düsseldorfer Seite wieder mit mehr Disziplin, ging es in den Schlussabschnitt. Die Chancen auf beiden Seiten häuften sich gerade zu Beginn, vor allem die Gäste drängten nun noch einmal mit aller Macht auf die Wende in diesem vielleicht letzten Saisonspiel für sie. Doch es kam, wie es in den letzten Tagen so oft gekommen war: Das Tor machten die Grizzlies!
In der 47.Minute setzte Wolfsburgs Norm Milley, wie schon im ersten Spiel, zum großen Auftritt an. Wieder umspielte die Nummer 14 der Grizzlies die gesamte Hintermannschaft der Metro Stars, verzögerte mit einem Verteidiger im Schlepptau zweimal den Einschuss, bis er am liegenden Aubin vorbei einschieben konnte. Die Begeisterung auf den Rängen kannte kaum Grenzen: Ein so wichtiges Tor, so spektakulär erzielt!
Die Bemühungen der Gäste wirkten in der Folgezeit – verständlicherweise - etwas gehemmter, der Schock musste erst einmal verdaut werden.
Als in der wieder intensiver werdenden Schlussphase schließlich Martinovic (58.Min) die erste und einzige Strafe des letzten Drittels kassierte, wurde es noch einmal richtig heiß auf dem Eis.
Düsseldorf brachte für Aubin einen sechsten Feldspieler und schnürte die Grizzlies in den letzten beiden Minuten im eigenen Drittel konsequent ein. Dabei feuerte das Team vom Rhein aus allen Rohren auf ihren ehemaligen Teamkameraden im Tor der Wolfsburger – zum Glück mit bescheidenem Erfolg. Dass ein guter Teil der Schüsse erst gar nicht beim Wolfsburger Goalie ankam, dafür sorgte in erster Linie einer, der für seinen Einsatz mittlerweile fast schon berüchtigt ist: Ken Magowan fing innerhalb von 1,5 Minuten allein vier (!) Schlagschüsse der Düsseldorfer mit seinem Körper ab, schleppte sich am Ende nur noch mühsam durch das Abwehrdrittel der Gastgeber. Aber sein Opfer sollte nicht vergeblich gewesen sein...
Den Grizzlies gelang mit diesem 3:1 Sieg der nie für möglich gehaltene Sweep gegen den Vizemeister und damit steht dem Team von der Aller nun eine fast schon luxuriöse Regenerationszeit bis zum nächsten Spiel am Freitag zur Verfügung.
Wo und gegen wen dieses Spiel stattfinden wird, steht allerdings frühestens am Montag, vielleicht sogar erst am kommenden Mittwoch fest – alle anderen Serien gehen über 4 oder sogar 5 Spiele. Wer hätte das gedacht?

Das Team

Hut ab, vor Jochen Reimer. Ein Bombenrückhalt in allen drei Spielen! Mit teilweise unglaublichen Reaktionen hielt er die Grizzlies nicht nur zu jedem Zeitpunkt im Spiel, sondern verhinderte in der gesamten Serie, dass die DEG auch nur ein einziges Mal in Führung gehen konnte. Und das trotz einiger wirklich heftiger Düsseldorfer Druckphasen.
In der Verteidigung kann man ebenfalls wirklich stolz auf das Geleistete sein. Vor allem die beiden Jüngsten (Wurm und Fischer) rechtfertigen das in sie gesetzte Vertrauen zu 100 Prozent. Besonders bei Wurm ist das wachsende Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fast greifbar zu spüren! Fischer hingegen wirkt schon fast erschreckend abgebrüht und konzentriert – wo soll das noch hinführen? Neben den gewohnt zuverlässigen und unauffälligen Traynor und Rekis, machte natürlich der A-Man wieder mächtig Dampf von der blauen Linie, blieb dabei diesmal aber leider unbelohnt. Insgesamt der einzige wirkliche Schwachpunkt unseres Teams: Von der blauen Linie braucht man eigentlich nur einen Spieler decken, dann kommt da nicht mehr viel...
Blake Sloan präsentiert sich überraschend gut als Play-off Leader, zieht das Team gut mit und bringt vollen Körpereinsatz. Schade, dass sich immer wieder nicht nachvollziehbare Fehler beim Wolfsburger Kapitän einschleichen. So auch wieder im ersten Drittel geschehen, als er völlig unbedrängt beim Spielaufbau den Gegner bediente.
Beim Sturm weiß ich eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll zu loben!
Bis auf den streckenweise etwas glücklos agierenden Hospelt überzeugten mich in dieser Serie fast alle in ihren Rollen. Vorne weg Peter Sarno, der sich in der vierten Reihe mal so was von den Arsch aufreißt, dass es einfach nur genial ist. Auch wenn diese Reihe (noch) kein Scoring-Erlebnis für sich verbuchen konnte. Wer in der Liga kann so eine gefährliche 4.Reihe vorweisen? Richtig: Keiner!
Was aber insgesamt an Kampfgeist und Disziplin gepaart mit genialen Momenten da aufgeboten wird ist einfach nur ein Hochgenuss. Sei es mit Magowan ein Torjäger, der checkt und Schlagschüsse abfängt wie ein Irrer; sei es ein Norm Milley, der nicht nur geniale Alleingänge startet, sondern neuerdings auch noch zu wichtigen Toren nutzt; sei es ein Laliberte, der mit seinen Handgelenksschüssen unglaubliche Gefahr von fast jedem Punkt im gegnerischen Drittel ausstrahlt; sei es ein Ulmer, der seine Nebenleute reihenweise gut aussehen lässt; sei es ein Furchner, der den Gegner nicht nur „kaputt rennt“, sondern auch vorm Tor die richtigen Entscheidungen trifft; seien es ein Green, Höhenleitner, Morczinietz, Sulkovsky oder Krestan, die mit eiserner Disziplin den gameplan verteidigen und die Gegner durch gezieltes Forechecking zur Verzweiflung treiben – alle haben ihren Anteil an dieser bisher so überzeugenden Play-off Vorstellung!

Das Fazit

Wenn man enge Spiele für sich entscheiden kann, ist das immer ein guter Fingerzeig für die Play-offs. Wenn man dann auch noch eine kleine Regenerationspause einlegen darf: Umso besser!
Die Grizzlies haben bisher in allen Mannschaftsteilen überzeugt. Sie erlaubten sich, bis auf das 2:1 im dritten Spiel, keine wirklich gravierende Unaufmerksamkeit und können nun gespannt auf ihren nächsten Gegner warten. Da sich Frankfurt und Berlin in ihren Serien äußerst schwer tun, ist sogar ein Heimspiel am kommenden Freitag nicht völlig ausgeschlossen!
Sollte das Team von Krinner und Gross diese gezeigte Geschlossenheit und Konzentration weiter an den Tag legen, so könnte das noch eine unerwartet lange Saison für uns werden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und schon jetzt kribbelt es tüchtig im Bauch, wenn ich an die kommenden Halbfinalspiele denke. Was will man mehr? mb

EHC - Düsseldorf Metro Stars 4:2

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Das Leben eines Wolfsburger Eishockeyfans wird nie langweilig...
Das erste Spiel der Viertelfinalserie gegen die DEG fügte der immer länger werdenden Kette aus erfreulichen, unerfreulichen und einfach nur absurden Anlässen nun einen weiteren hinzu.
Zu Beginn hatte eigentlich alles auf ein rauschendes Eishockeyfest (aus Wolfsburger Perspektive) hingedeutet: Die Grizzlies starteten einen mitreißenden Sturmlauf auf das von Aubin gehütete Gehäuse der Gäste und gingen schon im Auftaktdrittel mit 3:0 in Führung.
Nachdem der EHC in den Anfangsminuten einige hochkarätige Chancen ausgelassen hatte und auch die DEG ihre ersten Möglichkeiten zu verzeichnen hatte, kam der Galaauftritt des Norm Milley!
Hinter dem Tor der Düsseldorfer schnappte sich der Wolfsburger Ausnahmestürmer den Puck, umkurvte auf seinem Weg in den hohen Slot so ziemlich jeden auf dem Eis befindlichen Gegner, um dann zum 1:0 in den Winkel zu vollenden (6.Min). Die ohnehin gut gelaunte Halle stand endgültig Kopf - das 2:0 von Furchner folgte ganze 24 Sekunden später aus gleicher Position. In diesem Fall war Jean-Sebastien Aubin allerdings die Sicht verdeckt gewesen, so dass den Gästekeeper am zweiten Treffer keine Mitschuld traf.
Das Düsseldorfer Team wirkte nun vollends perplex, bekam die einfachsten Spielzüge nicht mehr koordiniert und konnte sich nur selten, vorzugsweise während ihrer einzigen überzahlsituation im ersten Drittel, vom Wolfsburger Angriffsdruck befreien. Selbst altgediente Routiniers wie (Ex-)Nationalspieler Jason Holland wirkten im eigenen Drittel bei Puckbesitz völlig überfordert und versuchten nur noch das Spielgerät irgendwie loszuwerden.
Das 3:0 durch einen Alavaara-Hammer von der blauen Linie (16.Min), wenige Sekunden nach Ablauf der ersten Wolfsburger überzahl, schien schon fast so etwas wie eine Vorentscheidung zu bringen. Zu überlegen wirkten die Gastgeber, die wie ein Wirbelwind über die Metro Stars hinweg gefegt waren – doch dann folgte die erste Pause...
Mit einem spikebewehrten Race-Touareg „bewaffnet“ startete Rallye Dakar- Fahrer Timo Gottschalk seine spektakuläre Pauseneinlage auf dem Wolfsburger Eis. 360-Grad Drehungen, U-Turns, Vollbremsungen mit anschließendem Vollgasstart - der Pilot in Diensten von VW-Motorsport ließ keinen Showeffekt bei seiner Darbietung aus. Waren Publikum und übertragender Fernsehsender (sky) zunächst noch begeistert über diese beeindruckende Performance, so wich die erste Begeisterung relativ schnell dem blanken Entsetzen! Das Eis sah nach dieser Behandlung im Anschluss aus wie eine wüste Kraterlandschaft und der eigentliche Krimi auf dem (verbliebenen) Eis begann.
90 Minuten blieben den Verantwortlichen nach den Regularien der DEL, um das Eis im Anschluss an die Drittelpause wieder spielfähig zu machen. Sollte die Spielfläche dann nicht die Zustimmung der Schiedsrichter finden, würde das Spiel für den Gast aus Düsseldorf gewertet – beim bis dahin zu beobachtenden Spielverlauf eine haarsträubende Vorstellung. Während sich das Rennteam schleunigst aus dem Staub machte und das Gelände mitsamt Auto fluchtartig verließ, bemühten sich Eismeisterteam und Angestellte des EHC verzweifelt um den Patienten, der einst die Spielfläche gewesen war.
Die anfängliche Euphorie war bei den anwesenden Fans längst in Wut über die mehr als überflüssige Gefährdung der achtmonatigen Arbeit ihres Teams gewichen. Erste Zuschauer mussten der Tatsache ins Auge sehen, dass sie aufgrund der Verzögerung das Ende der Partie arbeitsbedingt wohl nicht mehr erleben würden. Es wurde immer spannender und erste Resignation machte sich auf den Rängen breit.
Doch nach fieberhaften Ausbesserungsarbeiten und dem abschließenden mehrmaligen Einsatz der Eismaschine befanden die Schiedsrichter, unter dem Jubel der Heimfans und unter Kopfschütteln des Düsseldorfer Managers, die Eisfläche für bespielbar. Das Spiel konnte endlich weiter gehen!
Die Stimmung hatte allerdings spürbar gelitten. Die Ungewissheit und Verärgerung während der langen Pause hatte nicht nur die Zuschauer, sondern auch das Team der Grizzlies aus dem Tritt gebracht. Das erdrückende Momentum des ersten Drittels hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst und die Gäste traten in der Folgezeit deutlich fokussierter auf. Selbst Lalibertes schneller 4:0 Treffer zum Auftakt des Mitteldrittels (21.Min) hatte die Veränderung im Spiel nicht verhindern können. Das 4:1 durch Daniel Kreutzer, nur rund eine Minute später, läutete endgültig eine andere Entwicklung des Spielgeschehens ein: Die Grizzlies setzten zunächst noch einige offensive Akzente, dann spielte sich die Partie fast ausschließlich vor Jochen Reimer ab. Das es am Ende dieses Spielabschnitts immer noch 4:1 stand, verdankten die Gastgeber zum größten Teil ihrer Neuerwebung vom Gegner dieser Begegnung. Wenn das Offensivspiel der Grizzlies auch keine Begeisterungsstürme mehr hervorrief, so war es nun der Wolfsburger Goalie, der die gegnerischen Stürmer mit seinen Reflexen an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte und die heimischen Fans in Verzückung geraten ließ.
Ganzen 23 Schüssen im 2.Drittel ließen die Metro Stars im Schlussabschnitt weitere 18 folgen. In beiden Dritteln musste Reimer lediglich einmal hinter sich greifen, was angesichts der glasklaren Chancen der Gäste an ein Wunder grenzte. Doch mit schnellen Reflexen, gutem Stellungsspiel und etwas Glück musste Jochen Reimer sich lediglich in der 45.Minute einem Handgelenksschuss von Rob Collins geschlagen geben.
Besonders heikel gestaltete sich für den EHC im Verlaufe des Mittelabschnitts eine 3-4 Unterzahl, die es ab der 16.Minute zu überstehen galt. Doch wenn auch bei den Grizzlies nicht mehr viel zusammenging – die Unterzahl funktioniert ungewohnt gut! Düsseldorf hingegen setzte ab Spielwiederaufnahme auf verstärkten Körper- und Stockeinsatz, provozierte Auseinandersetzung, da man sich offenbar vom Spiel 4 gegen 4 Vorteile erhoffte, und natürlich auch in die Serie „einsteigen“ wollte. Play-off Hockey, wie man es kennt und liebt…
Am Ende blieb ein Sieg der Grizzlies, der in seinem Zustandekommen leider nicht das psychologische Momentum auszulösen im Stande sein dürfte, wie es bei normalem Spielverlauf zu erwarten gewesen wäre. Statt eines Sturmlaufs der Hausherren, gab es nach der Spielunterbrechung eine Abwehrschlacht eben jener zu begutachten, bei der das Publikum die letzten Spielminuten alles daran setzten musste die Jungs auf dem Eis bis zum äußersten zu pushen. Erleichtert und äußerst gespannt auf das Kommende ging es für die Zuschauer schließlich nach Hause.
Als kleine Information für alle Play-off Unerfahrenen: Shakehands mit dem Gegner und Feiern mit den Fans gibt es in den Play-offs nur am Ende einer Serie!

Das Team

Im Tor bot Jochen Reimer seine absolute Saisonbestleistung – und das auf hohem Niveau!
Was der junge Mann allein im zweiten Drittel rausgefischt hat, war schon aller Ehren wert, wobei mich besonders sein Timing beim Verhindern von Direktabnahmen begeisterte.
Die Verteidigung überzeugte durch eine geschlossen solide Leistung, wurde ab dem Mitteldrittel natürlich wesentlich heftiger gefordert. Sascha Genze fand, meinen Beobachtungen nach, allerdings kaum oder gar keine Berücksichtigung. Gegen die schnellen Metro Stars sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung.
Im Sturm zauberte Norm Milley eine Vorstellung aufs Eis, das es eine wahre Pracht war. Man wird das Gefühl nicht los, das der Stürmer in seiner zweiten Saison in Diensten der Grizzlies kontinuierlich an Spielfreude und Selbstvertrauen zulegen kann.
Erstaunlich: Neben Magowan glänzte vor allem Peter Sarno mit bedingungslosem Einsatz und hemmungslosem Forechecking! Der in der vierten Reihe aushelfende Top-Center der Grizzlies straft momentan alle Kritiker Lügen, die ihm in den letzten Spielzeiten mangelnden Teamgeist und Schonhaltung in entscheidenden Phasen der Saison andichten wollten.

Das Fazit

Das Image der Grizzlies hat durch die vergeigte Showeinlage ein paar heftige Schrammen abbekommen. Ob es sich sportlich auf die Serie auswirken wird, muss abgewartet werden.
Grundsätzlich sind zwei Szenarien denkbar:
1. Die Grizzlies verlieren durch den ausgelassenen Kantersieg nicht die Bodenhaftung und lassen einem hohen Sieg nicht die so oft zu beobachtende leichte Niederlage folgen. Die Serie bleibt spannend, da die DEG das Gefühl für die Play-offs entwickelt hat.
2. Das verlorene Momentum aus dem Anfangsdrittel nagt an der Psyche der Grizzlies und die DEG zieht aus den Erfahrungen des Mittel- und Schlussdrittels so viel positive Energie, dass die Serie komplett in Richtung Düsseldorf kippt.

Hier sind nun die Trainer gefordert. Die mit der absurden Spielunterbrechung erlebte emotionale Achterbahnfahrt (Bombenauftakt und Rauscherlebnis gefolgt von quälenden Fragen, ob alles umsonst war) muss als lustige Anekdote verarbeitet und das Spiel am Donnerstag möglichst offensiv angegangen werden. Was passiert, wenn man der DEG die Spielgestaltung ohne aggressives Forechecking überlässt, hat man fast vierzig Spielminuten ausgiebig studieren können...
Ich freu mich auf jeden Fall auf die weiteren Spiele und hoffe, dass am Samstag endlich ein richtiges, weil störungsfreies, Eishockeyfest gefeiert werden kann. Dann vielleicht auch mit ein paar Gästefans mehr und auf jeden Fall mit einer motorisierten Showeinlage weniger. Die Demonstration der Bundeswehr, die ihren neuen Schützenpanzer „Puma“ dem geneigten Publikum vorführen wollte, wurde Gerüchten zufolge jedenfalls bis auf Weiteres auf Eis gelegt...
Gott sei Dank. mb

EHC - Iserlohn Roosters 6:1

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Zum Abschluss der Hauptrunde (zumindest vor heimischer Kulisse) präsentierten sich die Grizzlies wieder in der aus dieser Saison so geliebten Form.
Besonders das Auftaktdrittel hatte es den 2500 Fans dabei angetan:
Gleich vom ersten Bully weg stürmte Kai Hospelt auf das Gehäuse der Rooster zu, legte auf Laliberte ab, der auf gewohnt souveräne Art mit einem präzisen Handgelenksschuss zum 1:0 vollstreckte. Ganze sechs Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt gespielt – das zweitschnellste Tor in der Geschichte der DEL!
ähnlich rasant ging es weiter. Der EHC stürmte weiter auf die wackelig wirkende Abwehr der Gäste ein und erarbeitete sich zahlreiche gute Torszene. Eine dieser Gelegenheiten nutzte in der 5.Spielminute Radek Krestan zum 2:0, während gegen die völlig überfordert wirkenden Iserlohner eine Strafe angezeigt und Reimer für einen sechsten Feldspieler vom Eis gegangen war. Erst nach dem zweiten Tor der Grizzlies schien der IEC etwas in Wolfsburg angekommen zu sein, spielt zunächst auch etwas mit. Während die Bemühungen der Gäste allerdings allesamt bei Reimer ihr Ende fanden, legte in der 11.Minute Peter Sarno dem Youngster der Grizzlies zum 3:0 und damit zum ersten DEL-Tor seiner Karriere auf. Armin Wurm ließ also entsprechend von seinen Kollegen beglückwünschen, während Sarno bereits den zweiten bemerkenswerten Assist auf seinem Konto verbuchen konnte. Es sollte seine letzte sehenswerte Aktion bleiben: Zwei Minuten später bedachte Iserlohns Stefan Langwieder Wolfsburgs Spielmacher mit einem Kniecheck, den man – bei allem verständlichen Frust auf Seiten der Sauerländer – nur als äußerst überflüssig und dreckig bezeichnen konnte. Völlig zurecht ging es für den jungen Verteidiger frühzeitig zum Duschen und auch für den gerade erst wieder zu alter Form findenden Sarno war die Partie beendet. Nachdem er sich den Rest des ersten Drittels noch auf der Bank behandeln ließ, kam der Ausnahmecenter der Grizzlies zum Mitteldrittel bereits in Zivil an die Bande zurück. Und für noch einen Akteur war der Abend frühzeitig beendet: Der bei den Fans in Ungnade gefallene Ersatzgoalie Stefaniszin, musste nach dem dritten Treffer das Gehäuse für Danny Aus den Birken räumen, der aufgrund zuletzt schwacher Leistungen eigentlich nur zuschauen sollte.
Die nun folgende überzahl nutzten die Gastgeber zum vorentscheidenden 4:0 durch Andy Morczinietz (16.Min); die Roosters hingegen bäumten sich im Anschluss an dieses Tor nur noch mäßig bis gar nicht mehr auf.
Der Mittelabschnitt gestaltete sich dann auch entsprechend unspektakulär...einzig die zunehmende Anzahl an kleinen Nickligkeiten der frustrierten Gäste und so manches Kabinettstückchen der Grizzlies hielten das heimische Publikum etwas auf Trab.
Gerade vor dem Iserlohner Tor übertrieben es die Wolfsburger Stürmer ein ums andere Mal und verwickelten sich bald schon in eine Spielweise, die zuletzt wiederholt zu null Punkten geführt hatte. Auch einfache und doppelte überzahl ließen wieder die gewünschte Durchschlagskraft vermissen und das Spiel drohte seinem Ende geradezu entgegen zu kriechen.
Zur allgemeinen Erleichterung steigerten die Gäste im Schlussabschnitt noch einmal ihre Bemühungen und konnten durch Adrian Veideman in der 47.Minute das 4:1 erzielen. Wenig erbaut darüber zeigte sich vor allem Jochen Reimer, dem das nachlässige Verhalten seiner Vorderleute zum wiederholten Male den verdienten shut-out versaut hatte. Dem Spiel tat dieser Treffer hingegen gut, denn die Grizzlies nahmen sich dem Geschehen auf dem Eis endlich wieder weitaus schnörkelloser an und ließen Alavaaras überzahlhammer zum 5:1 (55.min), noch das 6:1 durch Jason Ulmer (58.Min) folgen und schufen damit die Grundlage für einen gelungenen Hauptrunden-Heimspielabschluss mit den heimischen Fans.
Nach Humba, Raupe und Welle ging es für die meisten erst einmal in eine kleine Eishockeypause, wobei das letzte(?) Niedersachsenderby der Saison die Wartezeit für viele der treuen Anhänger wohl ein wenig verkürzen wird.

Das Team

Jochen Reimer agierte absolut tadellos und war in den wenigen brenzligen Situationen vor seinem Kasten immer auf dem Posten. Insgesamt stellte die Partie allerdings keine Prüfung dar.
Im defensiven Bereich gab es ebenfalls wenig Gelegenheiten sich auszuzeichnen – in Hannover wird das vermutlich schon wieder ganz anders aussehen. Ein besonderer Glückwunsch geht natürlich an Armin Wurm, der seinen ersten DEL-Treffer verbuchen konnte und somit vielleicht zusätzlichen Mut bezüglich Schlagschüsse im überzahlspiel bekommen könnte.
Die Abteilung „Attacke“ machte zum Auftakt mächtig was los und wusste in allen Reihen zu gefallen. Besonders schmerzhaft trifft uns momentan der erneute Ausfall von Peter Sarno. Absolut vorbildlich hatte er sich nach seinem Comeback in den Dienst der Mannschaft gestellt und die 4 bzw. 3.Reihe deutlich aufgewertet, dabei keinen Zweikampf gescheut oder seiner Position im ersten Block sichtbar hinterher getrauert. Nachdem er beim zweiten und dritten Tor seinen Wert für die Grizzlies eindrucksvoll gezeigt hatte, darf man nun beim EHC um die Rückkehr das Italo-Kanadiers bangen.
Ansonsten konnten gegen die Roosters auch Spieler aus der vierten Reihe einmal ins Rampenlicht treten und in Person von Radek Krestan sogar doppelt punkten.
Insgesamt eine gute Leistung gegen einen schwachen Gegner.

Das Fazit

Der EHC scheint rechtzeitig zu den Play-offs wieder zurück in die Erfolgspur gefunden zu haben. Was die letzten Ergebnisse wert sind, wird man aber wohl erst nach dem Spiel in Hannover mit absoluter Endgültigkeit sagen können. In Hannover geht es für die Scorpions noch um die direkte Qualifikation für die Play-offs, so dass hier nicht nur ein äußerst motivierter, sondern vielleicht auch im Viertelfinale wiederzusehender Gegner warten könnte.
Wenn man sich die doch teils arrogant anmutenden Sperenzchen des Mitteldrittels in den nächsten Spielen sparen kann, wird es wohl noch ein etwas längeres Eishockeyjahr für die Grizzlies und ihre Anhänger (wie schnell ein 6-Tore Vorsprung weg sein kann, weiß man ja nach dieser Saison wohl hoffentlich...).
Spannend wird am kommenden Wochenende vor allem der Kampf, aber auch eventuelles Taktieren um die Plätze in der Abschlusstabelle sein. Mannheim dürfte dabei wohl der Gegner sein, dem die vorderen Teams der Liga um alles in der Welt aus dem Weg gehen wollen...lassen wir uns überraschen, ob der 2.Platz nicht am Ende ein Schleudersitz ist / gewesen wäre. mb

EHC - Ingolstadt Panther 1:4

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Vor mit über 3400 Zuschauern gut gefüllten Rängen gelang es den Grizzlies auch im dritten Anlauf nach der Olympiapause nicht den Sand aus dem Getriebe zu bekommen.
Zum Auftakt servierten die Gastgeber ihrem Publikum noch ein durchaus unterhaltsames erstes Drittel, das auf beiden Seiten ansprechende offensive Aktionen sah. Gleich in den ersten Spielminuten offenbarten sich dabei gravierende Mängel beim EHC, die man in dieser Form lange nicht mehr gesehen hatte: Vor allem das Umschalten von Angriff auf Verteidigung funktionierte streckenweise so gut wie gar nicht und so setzten die Panther immer wieder zu brandgefährlichen Kontern an!
Während Dshunussow (in der Anfangsminute) und Fischer zunächst noch Schlimmeres verhindern konnten, fingen sich die Grizzlies in der 16. Spielminute schließlich das 0:1 durch Matt Hussey...per Konter in Unterzahl. Der EHC hatte zuvor in überzahl recht ordentlich Druck aufgebaut, den Puck allerdings nicht in den Maschen der Ingolstädter unterbringen können. Zwei Szenen erheiterten die heimischen Fans dann doch noch:
Zunächst hatte Norm Milley für gute Laune auf den Rängen gesorgt, als er Stephan Daschner gleich mehrmals hinter dem Gästetor zum Narren halten konnte. Gleich drei- oder viermal schob er diesem den Puck durch die Beine, während er nach einer Anspielstation vor dem Tor von Pätzold suchte.
Anderthalb Minuten vor der Pause war der Grund zum Jubeln sogar ein Zählbarer: Die vierte Reihe hatte den Puck in einer Gemeinschaftsproduktion über die Linie gearbeitet. Fast schien es, als wolle die kleine Scheibe aus Hartgummi einfach nicht in das Gehäuse der Gäste, denn selbst als Radek Krestan das 1:1 für seine Farben verbuchen konnte, hatte sich das schwarze Spielgerät mit letzter Kraft hinter die Linie gequält, um dort sofort zum Liegen zu kommen.
Mehr oder weniger hoffnungsfroh ging es in die erste Pause.
Im gleichen Maße wie die Grizzlies nun auf ihre Defensive achteten verlor auch die Partie an Unterhaltungswert. Bis auf wenige Ausnahmen produzierten beide Teams wenig Aufregendes: Lediglich eine Strafzeit und je 1-2 wirklich gefährliche Aktionen vor des Gegners Tor sprechen in der Nachbetrachtung eine deutliche Sprache. Ein Mitteldrittel zum Abgewöhnen – allerdings ohne das halsbrecherische Aufrücken der Grizzlyabwehr. über mangelnden Einsatz konnte man sich hingegen nicht beklagen, lediglich der Spielfluss hatte sich fast komplett verabschiedet.
Es sollte besser, aber nicht erfreulicher werden...
Die Gastgeber kamen nun voller Tatendrang aus der Kabine, setzten die Gäste aus Bayern sofort unter Druck und erspielten sich gleich eine ganze Handvoll Chancen. Allein der Torerfolg blieb den auf Konter lauernden Gästen vorbehalten. Als in der 51.Minute erneut Matt Hussey einen Konter zum 1:2 für die Panther nutzen konnte, wich der Optimismus spürbar aus der Halle. Zu stumpf war man zuvor gegen clever verteidigende Ingolstädter angerannt, zu harmlos war man im Abschluss geblieben, um diese Partie noch einmal entscheidend beeinflussen zu können.
Die beiden empty-net Tore durch Corazzini (59.) und Greilinger (60.) zum 1:4 Endstand verzerrten zwar den Spielverlauf vollends, setzten aber vielleicht das nötige Ausrufezeichen in den Reihen der Gastgeber, um wieder verstärkt an sich zu arbeiten. Besonders ärgerlich: Beim 1:3 hatten sich fünf (!) EHC-Spieler auf gleicher Höhe am Anspielpunkt platziert, Traynor bewachte als einziger die blaue Linie – leider an der Bande, so dass das Tor nach Puckgewinn durch Ingolstadt mehr als vorprogrammiert erschien. Für diese taktische Meisterleistung hätte es wahrlich keine Auszeit gebraucht...
Frustriert und mit Hoffnung auf baldige Besserung ging’s für alle Beteiligten in den frühen Feierabend.

Das Team

Dshuni wieder mit einer guter Leistung, entscheidet sich beim ersten Gegentreffer leider dafür auf das Abspiel zu spekulieren, anstatt seinem Verteidiger zu vertrauen. Da fehlen bei 2 auf 1 offenbar noch ein paar feste Absprachen (z.B. Verteidiger blockiert IMMER die Anspielstation, Torhüter konzentriert sich IMMER auf den Puckführenden). Ansonsten mit einigen wirklich guten Reflexen und gutem Stellungsspiel – auch bei 1 auf 1 Situationen.
Die Verteidigung war im Auftaktdrittel irgendwie im Bruder-Leichtfuß-Modus. Viel zu weit aufgerückt und häufig zu wenig aufmerksam gegenüber in ihren Rücken schleichenden Stürmern präsentierte sich die Abteilung „Defensive“. Mit einem Gegentreffer war man – besonders angesichts der eigenen Ineffizienz – bestens bedient!
Später regulierte sich das Abwehrverhalten der Grizzlies, lediglich Sloan wirkte manchmal etwas zu offensiv und Paul Traynor hatte den einen oder anderen hüftsteifen Moment. Armin Wurm wirkte hin und wieder nah an der überforderung, hielt sich aber immer tapfer auf der zu verantwortenden Seite – so und NUR SO kann der Junge auch was lernen. Hut ab, Herr Krinner!
Christopher Fischer macht weiter nur noch Laune. Absolut aufmerksam – auch in den defensiv mehr als wackeligen Anfangsminuten.
Das Schlechte zum Schluss: Der vierte Sturm war gut und machte zurecht das einzige Tor für den EHC. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Bei der momentanen Entwicklung (Hospelt wirkt nicht frisch genug) muss Sarno auf jeden Fall wieder zwischen Laliberte und Milley. Was mit der Reihe um Ulmer allerdings los war...ich weiß es nicht. Da passte individuell und von der Abstimmung fast nichts. Seltsam. Zur Torausbeute vielleicht noch so viel: Wenn man gefühlte 80 Prozent der Schüsse von halbrechts und aus Halbdistanz auf den herübergerückten Goalie abfeuert, erzielt man für gewöhnlich 0,0 Tore. Echt. Ganz ehrlich. Kein Trick.
Querpass und Direktabnahme oder flacher Distanzschuss und Rebound sind bei einer tief stehenden Abwehr gefragt und sollten bei einem eingespielten Team wie dem unsrigen eigentlich hin und wieder möglich sein...Präsenz im Slot vorausgesetzt.

Das Fazit

Der Schwung der vorolympischen Zeit ist weg. Jetzt heißt es wieder hart arbeiten und vergessen, dass man vorübergehend Zweiter ist/war. Alles, was vorher von selber lief, scheint weg zu sein, so dass man es sich nun neu erkämpfen muss. Neben einigen Entscheidungen seitens der Trainer muss genau das jetzt in die Köpfe der Spieler. Nach den „genussreichen“ Wochen im Januar und Februar wird das sicher hart für unser Team und die Versuchung zu sagen “Hey, wir können es doch! Das kommt schon wieder!“ ist sicherlich groß. Hoffentlich können Toni und Pavel ein derartiges Warten auf Besserung beim Team verhindern. Denn so lustig die Einlage von Norm Milley mit Herrn Daschner war – besser wäre ein gefährlicher Pass vors Tor gewesen (Spaß hatte ich trotzdem mit der Situation)! Nur über besseres Zweikampfverhalten und viel mehr (schmerzhafte) Arbeit im Slot kann man zurückfinden. Kabinettstückchen zeugen da eher von etwas anderem. mb

EHC - Straubing Tigers 4:3 nP

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Manchmal zählt eben nur das Ergebnis...
Genau so einen Abend erlebten die 2200 Zuschauer im vierten Aufeinandertreffen mit den Tigers aus Straubing. Dass es am Ende, wie fast immer wenn sich diese beiden Kontrahenten messen, den gewohnten Sieger zu bejubeln gab, war dann auch ein wenig glücklich.
Der Start verlief so kurios wie das ganze Spiel: Straubing überrannte die Grizzlies praktisch, stürmte mit vollem Lauf- und Körpereinsatz auf das Tor von Daniar Dshunussow und machte den Wolfsburger Goalie zum gefragtesten Mann der Partie.
Den ersten Treffer erzielten jedoch die Gastgeber, die bereits in der 3.Minute durch einen Powerplay-Knaller von Alavaara mit 1:0 in Führung gehen konnten.
Dieser, zumindest auf der Anzeigentafel, gute Auftakt schien aber die Gäste umso mehr anzustacheln, während der EHC viel zu verspielt und auch längst nicht so schnell wie gewohnt agierte.
Das überaus verdiente 1:1 fiel dann erneut durch eine, diesmal vom Schiedsrichter ausgelöste, paradoxe Situation.
Bei 4-4 auf dem Eis verlor ein Straubinger im Zweikampf mit Norm Milley zunächst das Gleichgewicht, woraufhin HSR Bauer Milley auf die Strafbank schickte.
Die allgemeine Verwunderung wich zwei Sekunden vor Ablauf der Strafe dem Zorn auf den leitenden Unparteiischen: Das 1:1 durch den agilsten, aber auch hart an der Grenze des Erlaubten spielenden Straubinger Meloche stellte in der 11.Minute ein zumindest ansatzweise faires Zwischenergebnis her.
Straubing erhöhte jetzt noch einmal den körperlichen Einsatz, fiel allerdings dabei durch verstärkt in Bein bzw. Kniehöhe angesetzte Checks auf! HSR Bauer schaute unter dem Protest der Zuschauer exakt so lange zu, bis mit Fischer ein Wolfsburger einen solchen Check ansetzte...und auf die Strafbank musste (15.Min) – das Verhältnis zwischen Publikum und Schiedsrichter war ab diesem Punkt auf einem gefährlichen Weg...
Bis zur ersten Pause hielt Wolfsburg dem Druck der Tigers jedoch stand und ließ sich von den abstrusen Entscheidungen und der kaum erkennbaren Linie des Schiedsrichters nicht aus dem Konzept bringen...jedenfalls nicht völlig. Straubing hingegen legte ein starkes Auftaktdrittel hin und verwandelte das Drittel der Gastgeber zwischenzeitlich in so etwas wie einen riesigen Flipperautomaten. Stolze 26 Schüsse feuerten die Tigers laut Statistik auf den Kasten von Dshunussow dabei ab, wobei der Wolfsburger Goalie zwar 25mal Sieger blieb, die zahlreichen Abpraller jedoch für hektische Betriebsamkeit sorgten.
Der zweite Abschnitt gestaltete sich weitaus ansehnlicher, wenn man Anhänger des Wolfsburger Teams war. Die Grizzlies spielten sich eine mehr als leichte überlegenheit heraus und machten eigentlich nur einen Fehler: Sie blieben im Angriffsdrittel zu verspielt, gestalteten ihre Aktionen meist im letzten Moment einfach zu kompliziert.
Das 2:1 fiel dann auch eher mit Gewalt, denn durch Spielkultur. Alavaaras Hammer konnte Bales im Tor der Tigers nur abprallen lassen, John Laliberte war prompt zur Stelle (25.Min).
Noch im Torjubel kassierte Wolfsburgs Torjäger einen Crosscheck gegen den Kopf – HSR Bauer sah es und reagierte...nicht.
Eine Minute vor dem zweiten Pausentee jubelten die Grizzlies erneut, glaubten, dass Magowan das 3:1 erzielt hätte – nach Videobeweis gab HSR Bauer den Treffer nicht, da Bales zuvor seinen Kasten verschoben hatte. Nicht zum ersten Mal und nicht zum ersten Mal recht offensichtlich.
Gekrönt hatte der Goalie der Gäste diese Dreistigkeit, als er – Bauer direkt neben seinem Tor stehend – sein bereits gelockertes Tor mit zwei gezielten Tritten aus der Verankerung gebracht hatte.
Dass es nicht ein einziges Mal eine Strafe gab, verstand sich von selbst...
Wolfsburg blieb auch im Schlussabschnitt erst mal am Drücker, erzielte nach dreieinhalb Minuten sogar das 3:1 durch Norm Milley, der einen Abpraller im Tor versenken konnte.
Das Spiel schien unter Kontrolle und einem erfreulichen Ende entgegen zu streben – Fehlanzeige!
Wieder zwei Sekunden vor Ablauf einer Strafzeit gegen die Grizzlies schlug es zum 3:2 hinter Dshunussow ein (50.Minute). Torschütze auf Seiten der Gäste war zum zweiten Mal der wie besessen aufspielende Eric Meloche.
Eine Minute später ging es für den EHC dann seinerseits ins Powerplay. Und was soll man sagen: Das schlechteste überzahlspiel der Saison „krönte“ der Gastgeber mit einem im kollektiven Tiefschlaf kassierten Gegentreffer zum 3:3. Torschütze – richtig geraten – erneut Eric Meloche.
Alle fünf Akteure der Grizzlies hatten sich bei eigener überzahl bis auf Höhe der eigenen Torlinie zurückgezogen - was nach umgehendem Puckverlust recht albern aussah. Die weit vorgerückte Unterzahlformation der Gäste konnte den Treffer in aller Ruhe herausspielen, ohne dabei von einem gegnerischen Spieler gestört zu werden. Das sah reichlich bizarr aus.
Eine beständig ärgerlicher werdende Partie hatte aber immer noch nicht ihren Höhepunkt erreicht – weder sportlich, noch was die slapstickartigen Auftritte des Referees betraf.
Der Höhepunkt der Schiedsrichterkunst wurde schließlich in der 56.Minute nachgereicht:
Im Rücken von HSR Bauer schlägt ein Straubinger zunächst dem Wolfsburger Armin Wurm seine Kelle in die Kniekehle. Dieser bricht daraufhin unter Schmerzen auf dem Eis zusammen, das Spiel läuft weiter. Auf dem Rückweg vom Straubinger Tor unterbricht der Referee, nun den verletzten Wurm sehend, nicht das Spiel – ein Wolfsburger Betreuer springt daraufhin aufs Eis, um den Verletzten zu versorgen. HSR Bauer unterbricht nun die Partie und verhängt nach großem Hin und Her eine Spieldauerstrafe gegen den Betreuer der Grizzlies. Aus der unaufmerksamen Sichtweise des Schiedsrichters sicherlich eine korrekte Entscheidung – bei objektiver Betrachtung der Gipfel der Ungerechtigkeit. Es fehlte eigentlich nur noch eine Zeitstrafe gegen das Heimteam und der Siegtreffer der Tigers, um diesen Abend endgültig zur Katastrophe werden zu lassen.
Doch Krinners Team ging nun konzentrierter zur Sache, hatte besonders in der Schlussphase und über weite Strecken der Verlängerung mehr vom Spiel und verdiente sich schließlich den zweiten Punkt, den es im Penaltyschießen zu sichern galt.
Während mit Laliberte, Milley und Sarno alle drei Wolfsburger erfolgreich ihre Penalties verwandelten, scheiterte auf Straubinger Seite mit Rene Röthke gleich der erste Schütze der Gäste.
Nach den abschließenden Feierlichkeiten auf dem Eis, folgten die Feierlichkeiten in der SoccaFive Arena. In der brechend vollen Lounge der Wolfsburger Soccer Halle ging an diesem Abend die eigentliche Party ab: Spieler und Fans lachten, tanzten und tranken im Rahmen der After Game Party miteinander bis tief in die Nacht. Eine rundum gelungene Veranstaltung!

Das Team

Dshuni überzeugte mit guten Reflexen und gewohnt schneller Beinarbeit, kam aber öfter ins Straucheln und ließ im ersten Drittel nahezu alles zur Mitte prallen. Bei insgesamt 53 Torschüssen und nur drei Gegentreffern in der Gesamtschau allerdings kein Drama. Vielleicht sollte auch Reimer vor der Pause noch einmal Spielpraxis bekommen – in der heißen Phase werden wir vermutlich beide brauchen.
In der Verteidigung überzeugten, wie so oft, Fischer und Alavaara. Aber auch Kapitän Sloan zeigte eine überwiegend überzeugende Vorstellung, warf sich in viele Schüsse und teilte nette Checks aus. Traynor und Wurm ebenfalls im grünen Bereich. Einzig Sascha legte eine sehr bescheidene Leistung hin – Fehlpässe, Ausrutscher und mangelnde übersicht im Spielaufbau...hoffentlich nur eine Ausnahme und nicht der Auftakt zu einer neuen Krise beim Wolfsburger Urgestein.
Im Angriff überzeugten besonders Milley und Laliberte, die mit einem schon wieder recht akzeptabel auftretenden Sarno gut zurechtkamen!
Reihe Nr.2 und 3 blieben hingegen etwas blasser als gewohnt. Insgesamt ließen die Stürmer der Grizzlies die Geschwindigkeit und den nötigen Biss, vor allem beim Backchecking, vermissen, der sie zuletzt ausgezeichnet hatte. Sebastian Furchner und Ken Magowan darf man in dieser Kategorie allerdings getrost außen vor lassen.
Die vierte Reihe erhielt gegen Ende keine Eiszeit mehr, konnte erneut nicht überzeugen. Paul McIlveen kann man, mittlerweile ein wenig gesicherter, die DEL-Tauglichkeit durchaus absprechen. Physisch unterlegen ist da noch ein Euphemismus...

Das Fazit

Solche Spiele gibt es immer wieder – besonders, wenn es eine längere Zeit gut für ein Team läuft. Vermutlich hat der Gedanke an die After Game Party uns am Ende den Zusatzpunkt gerettet. Der Straubinger Siegeswille hat da wohl den einen oder anderen überrascht. Aber was glaubte unser Team denn? Dass die Tigers nach zweieinhalb Jahren voller Niederlagen gegen die Grizzlies irgendwann einfach aufgeben und uns nach drei Gegentoren das Feld überlassen? Wohl kaum!
Andererseits: Wenn man derart verkorkste Spiele am Ende trotzdem gewinnt und sich sowohl gegen den eigenen als auch einen gewissen anderen Schweinehund durchsetzt – das will schon etwas heißen! mb

EHC - Nürnberg Ice Tigers 5:1

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

In der Wolfsburger Eisarena finden weiterhin Festspielwochen aller erster Kajüte statt!
Nach dem mitreißenden Aufeinandertreffen mit den Panthern aus Augsburg, war mit Nürnberg der nächste Vertreter der bayrischen Raubkatzenfraktion zu Gast (2mal Panther, 2mal Tiger – etwas raubkatzenfixiert unsere Freunde südlich des Weißwurstäquators...). Sowohl Ergebnis als auch Spiel fielen am Ende ähnlich angenehm wie zuletzt aus.
Während Coach Krinner das erste Drittel im Nachhinein als „das schlechteste der Saison“ titulierte, sah die Realität – außerhalb der Trainerposition – weitaus weniger schrecklich aus.
Die Grizzlies fanden zwar zunächst nur mühsam in die Partie, leisteten sich auch so manchen zuletzt ungewohnten Fehler, gerieten aber nicht wirklich beeindruckend ins Hintertreffen.
Nürnberg hingegen störte früh, zeigte deutlich, dass man sich nicht auf der abschreckenden Wirkung der bisher positiven Bilanz ausruhen wollte – der Angriff auf Platz 3 sollte an diesem Abend offenbar beginnen.
Doch vor dem Tor der Gastgeber blieben die Ice Tigers letztlich zu harmlos. Sämtliche Einschussgelegenheiten verstrichen ungenutzt: Entweder war der glänzend aufgelegte Dshunussow im Weg, oder es fehlte den Gästen die Anspielstation für den finalen Pass vorm Tor der Grizzlies.
Im Gegenteil: Wolfsburg konnte sein, wiederum wenig überzeugendes, überzahlspiel im zweiten Anlauf nutzen und seinerseits in Führung gehen.
Kai Hospelt hatte, praktisch vom Bullypunkt bedient, in der 17.Minute das 1:0 im Nachstochern über die Linie gedrückt und bat den auf der Strafbank sitzenden Nasreddine nach exakt 6 Sekunden wieder zurück aufs Eis. Die Gäste intensivierten ihre Bemühungen in der Folgezeit zusätzlich, setzten den Keeper des EHC ein ums andere Mal mit wütenden Angriffen unter Druck und...scheiterten. Mit einer knappen 1:0 Führung für die Gastgeber ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Was sich die Spieler in der Pause haben anhören dürfen, kann natürlich nur gemutmaßt werden. Doch wenn man Krinners nachträgliche Einschätzung des ersten Drittels zugrunde legt, dann wird der Wolfsburger Coach die Leistungen der letzten Wochen als Maßstab angelegt haben – und da war dieses erste Drittel sicherlich weit unter den Möglichkeiten seines Teams.
Die Grizzlies kamen nun deutlich aggressiver auf das Eis zurück, attackierten den puckführenden Gegenspieler schon früh in dessen Drittel und checkten was das Zeug hielt drauf los. Dem 2:0 per Bauerntrick durch Green (22.Min) folgte ein in mörderischem Tempo vorgetragenes Pressing der Gastgeber. Nachdem zunächst Ondruschka nach einem harten, aber fairen, Check von Norm Milley das Eis verlassen musste (kehrte später zurück), reagierten die Tigers nicht minder aggressiv...doch leider weitaus weniger fair.
Das unrühmliche Ende dieser Eskalation bildete Rob Leasks Stockcheck ins Gesicht von Christoph Höhenleitner (26.Min), der von HSR Jablukov mit einer Spieldauerstrafe geahndet wurde.
Das Powerplay gestaltete sich allerdings eher zum Konditionstraining für die Nürnberger special teams, denn zum ernsthaften Versuch das Ergebnis zu verbessern. So vergingen die fünf Minuten wie im Flug – Torschüsse blieben allerdings die absolute Ausnahme. Im Gegenteil: Die Wolfsburger Hintermannschaft um Daniar Dshunussow musste gleich zweimal in höchster Not retten.
Als es den Gästen dann auch noch gelang den Anschlusstreffer zu verbuchen (37.Min), schwante den rund 2100 Zuschauern schon nichts Gutes. Sollte der angebliche „Angstgegner“ schon wieder ein knappes Spiel mit Punktgewinn für sich entscheiden können? Mayrs Alleingang hatte die Erinnerungen an so manchen absurden Spielverlauf jedenfalls ordentlich geweckt. Doch bevor auf den Rängen auch nur ansatzweise so etwas wie Skepsis aufkommen konnte, schlugen die Grizzlies auch schon zurück!
Anderthalb Minuten später war es Alavaara, der als einziger wirklich als Blueliner agierender Wolfsburger, den zweiten überzahltreffer des Abends markieren konnte.
Im x-ten Versuch gelang es dem schwedischen Verteidiger in Diensten der Niedersachsen den Puck per Schlagschuss zum 3:1 an Ehelechner vorbei zu „dreschen“.
Nicht völlig beruhigt, doch weitaus entspannter ging es für die Grizzlies in die zweite Pause.
Auch der Schlussabschnitt konnte sich sehen lassen. Die Gäste hielten weiter, so gut es ging, dagegen, der EHC marschierte weiter Richtung Ehelechner, zeigte deutlich: „Wir wissen, dass wir Volldampf gehen müssen, um gegen Nürnberg zu punkten!“
Dass der Spaß für die Wolfsburger Fans dabei nicht zu kurz kam, dafür sorgten neben sehenswerten Kombinationen schließlich die Tore Nummer vier (57.Min)und fünf (58.Min) für die Grizzlies, die das Ergebnis dann vielleicht doch etwas zu deutlich ausfallen ließen.
Laliberte und Ulmer wurde somit die Ehre und das Vergnügen zuteil den 5:1 Endstand herstellen zu dürfen.

Das Team

Im Tor zeigte Dshunussow eine völlig fehlerfreie, streckenweise hochklassige Partie. In den Druckphasen der Nürnberger kam somit kein unnötiger Kummer auf – bestens!
Bleibt die Frage, wann endlich jemand dem Keeper der Grizzlies erklärt, was die Fans da nach Spielschluss fordern, wenn sie „Daniar! Rolle!“ rufen...Zeit wär’s, dass endlich wieder ein Wolfsburger Goalie ein kleines Ritual mit den Fans anfängt – es kann ja auch etwas ganz anderes sein!
Die Verteidigung verwandelt sich immer mehr in Richtung „Jugend forscht“. Neben Fischer bekommt nun auch Armin Wurm (zusammen mit Paule Traynor) reichlich Eiszeit und darf z.T. sogar in Unterzahl ran. Auch wenn der 20jährige im Nürnberger Anfangsdruck etwas ins Schwimmen geriet: Der EHC zeigt weiterhin, dass man junge deutsche Spieler nicht mit leeren Versprechungen lockt, sondern ihnen (neben Förderlizenzeinsätzen in der 2.Liga) bei entsprechender Leistung einiges an Vertrauen entgegenbringt.
Mit Ausnahme des Gegentreffers hinterließ die Verteidigung einen durchgängig positiven Eindruck. Dass im Powerplay eigentlich nur Alavaara schießt, sollte sich allerdings bald rumgesprochen haben – besonders in den Play-offs kommt man mit derart eindimensionalem überzahlspiel nicht weit. Besonders, weil die Gangart dort für viele Strafzeiten sorgen kann...
Wenn der Sturm allerdings weiterhin so bombastisch einsteigt und Fore- und Backchecking bis zum Exzess betreibt, dann wird auch das Manko des etwas dürftigen Powerplays im Hintergrund bleiben.
Was Milley, Laliberte, Magowan und Furchner an Defensivarbeit leisten und den Gegner dabei physisch aufreiben, ist absolut sensationell.
Was mir ein wenig fehlt ist nichts auf dem Eis (Sarno ist als Hospelt-Vertreter ja auch wieder da), sondern mehr eine Honorierung der Fans gegenüber unserer Nummer 19! Der Torschützenkönig der vergangenen Saison hat nach anfänglichen Ladehemmungen gearbeitet wie ein Verrückter (anfangs sogar ohne sichtbaren Fortschritt), um wieder an alte Leistungen anzuknüpfen und siehe da: 25 Tore gehen schon wieder auf das Konto unseres schottisch-kanadischen Arbeitstiers. Auch, wenn Eure Freundinnen mal einen Augenblick zu lange die nächste Spielansetzung auf den großen Werbeplakaten studieren: Lasst den Mann doch mal irgendwie spüren, dass man seinen hammermäßigen Einsatz erkannt hat! Geil wär’s...

Das Fazit

Wenn die Eisbären auch (noch) eine Nummer zu groß sind: Der Rest darf in dieser Form vor uns zittern!
Wenn unser Lieblingsgegner Straubing nach dem 5:0 gegen Ingolstadt nicht wirklich die absoluten Sahnemomente dieser Saison auspackt, so dürfte sich auch am kommenden Wochenende und somit vor der Olympiapause nicht mehr viel an der Platzierung des EHC ändern. Lediglich Hannover, die nun vier Spiele in acht Tagen absolvieren, könnte die Grizzlies dann noch (eine Niederlage des EHC in Köln voraus gesetzt) aus eigener Kraft vor der Unterbrechung vom dritten Platz verdrängen.
Ich freue mich wirklich wie selten zuvor auf das Spiel am kommenden Freitag und die anschließende Party. mb

Anmerkung:
Aus gegebenen Anlass möchte ich, vor allem auf die letzten drei Spiele und große Teile der Saison rückblickend, in Richtung DEB fragen:
Wie weit soll eigentlich dieser Missstand im Schiedsrichterwesen noch fortschreiten?
Dass man Woche für Woche äußerst schwankende Leistungen von teils wenig souveränen HSR geboten bekommt, ist mittlerweile weithin eine tolerierte Schieflage. Man hat, sozusagen, gelernt damit zu leben und zu leiden. Aber die in dieser Saison, zumindest in unserer Arena, gebotenen Linienrichter-Leistungen schlagen mittlerweile REGELMäSSIG dem Fass den Boden aus. Da werden z.T. einfachste Regelauslegungen und -beobachtungen reihenweise vergeigt – ich sage nur: Icing und Abseits. Die jüngsten Ereignisse haben mich tatsächlich dazu bewogen das Regelwerk auszugraben, um zu überprüfen, ob mir eine der vielen sinnfreien Regeländerungen entgangen ist. Dem war nicht so...
Es MUSS etwas geschehen, damit der Sport nicht langsam zur Lotterie verkommt! Für ungeübte Zuschauer entfaltet sich da jedenfalls ein Buch mit sieben Siegeln – nicht die beste Werbung für eine Sportart!

 

EHC - Krefeld Pinguine 5:1

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Vor mit fast 3000 Zuschauern gut gefüllten Rängen setzten die Grizzlies ihre kleine Siegesserie eindrucksvoll fort. Im nun fünften Spiel in Folge blieb das Team von Toni Krinner ohne Punktverlust und untermauerte damit seine Ambitionen auf eine direkte Teilnahme an den diesjährigen Play-offs.
Zu Beginn wirkte es allerdings ein wenig wie bereits gegen die Pinguine gesehen: Der EHC stürmte energisch auf den von Scott Langkow gehüteten Kasten der Gäste, konnte im Anfangsdrittel aber keinen einzigen Torerfolg verbuchen – trotz bester Chancen.
Das ansehnliche Spiel wurde auf beiden Seiten lediglich durch je zwei mehr oder weniger nachvollziehbare Strafen unterbrochen. Unterbrochen, da beide Teams sich mit dem Druck aufs gegnerische Gehäuse bei numerischem Vorteil eher schwer taten.
Neben guten Einschussmöglichkeiten für die Gastgeber, fielen vor allem die leicht indisponiert wirkenden Linienrichter im ersten Spielabschnitt auf. Eine offensichtliche Fehlentscheidung jagte die nächste, wobei kein Team deutlich benachteiligt wurde: „Abseits“ war, zumindest vorübergehend, auf beiden Seiten aus dem Regelbuch verschwunden, Icing in Unterzahl...haarsträubend!
In einer spannenden Partie bildete bis dahin nur das Fehlen von Torerfolgen das einzige Manko. Aber auch das sollte sich umgehend ändern.
Während Wolfsburgs erste Reihe noch mehrfach an Langkow scheiterte, folgte in der 23.Minute der erste große Auftritt von EHC-Stürmer Ken Magowan.
Nachdem er die gesamte Hintermannschaft der Pinguine durcheinander gewirbelt hatte, folgte der tödliche Querpass auf den nachrückenden Furchner, der den Puck seelenruhig zum 1:0 versenken konnte.
Der Torjubel war noch nicht ganz verklungen, die Toransage noch in vollem Gange – da jubelten auch schon die Gästefans. Krefeld hat die Herausforderung ohne Schockmoment angenommen, die Gastgeber konsequent unter Druck gesetzt und 36 Sekunden später bereits den Ausgleich durch Stephens erzielen können.
Die Partie nahm jetzt richtig Fahrt auf; die ohnehin gute Stimmung in beiden Fanlagern erhielt zusätzlichen Zündstoff. Als in der selben Spielminute schließlich auch noch Paul Traynor für die Grizzlies auf die Strafbank musste, hatte der Gast vom Niederrhein seine beste Phase. Wolfsburgs Verteidiger fuhr sicht- und hörbar genervt zur Strafbank, hatte der Referee ihn doch schon zum zweiten Mal wegen einer wenig nachvollziehbaren Entscheidung zum Pausieren verdonnert.
Den Gästen war’s natürlich nur recht – mit etwas Glück und einem hellwachen Dshunussow im Tor gelang es den Gastgebern jedoch unbeschadet aus der Drangphase der Pinguine hervor zu gehen.
In der 29.Minute zeigte der EHC dann seit langer Zeit einmal wieder, warum er immer noch eine recht akzeptable Powerplay-Bilanz vorzuweisen hat – trotz zuletzt wenig überzeugender Auftritte bei eigener überzahl.
Als der brillant aufspielende Magowan Greens Hintertorpass humorlos in die Maschen gedroschen hatte, drohte die Decke der Eisarena schließlich abzuheben. Das heimische Publikum zeigte sich nun endgültig vom Spiel der Grizzlies fasziniert und feuerte das Team euphorisch an.
Krefeld ließ sich allerdings nicht beirren und blieb bis zum Pausenpfiff gefährlich – die Moral der Gäste zeigte sich bis dahin durchweg intakt, das Spiel blieb spannend.
Der Schlussabschnitt begann mit einem Schock für beide Teams: Nach nicht einmal anderthalb gespielten Minuten schied auf beiden Seiten je ein Akteur aus. Bei den Gästen erwischte es Andreas Driendl, der nach einem Zusammenstoß mit Norm Milley verletzt die Arena in Richtung Kabine verlassen musste. Bei den Grizzlies hingegen musste eben jener Milley zum Duschen, da der insgesamt schwach leitende HSR Schimm die Aktion als „Kniecheck“ bewertete. Den heimischen Zuschauern schwante nichts Gutes...sollte die Begegnung, nach all den ausgelassenen Chancen des ersten Drittels, nun doch noch kippen?
Doch Krinners Team fand die passende Antwort, verteidigte äußerst energisch und körperbetont und reizte die Gäste zu unüberlegten Aktionen. Der mittlerweile wohl ein wenig ins Zweifeln geratene Hauptschiedsrichter (hatte sich vor der Spieldauerstrafe von einem seiner kongenialen Linienrichter „beraten“ lassen) nahm den Check in den Rücken von Paul Traynor offenkundig dankbar an, um das numerische Gleichgewicht vorübergehend wieder herzustellen. Da Sünder Boris Blank im Nachgang sowohl körperlich als auch verbal nicht wirklich zur Ruhe kam, verordnete der Referee ihm per zweiter Disziplinarstrafe ebenfalls den vorzeitigen Kabinengang.
Diese Szene sollte sich als vorentscheidend herausstellen. So gelang den Grizzlies wenig später bei vier gegen vier der erlösende Treffer zum 3:1 durch John Laliberte (25.Min), den verbleibenden Rest der Milley-Strafe zeigten sich die Gäste zum ersten Mal beeindruckt und ließen die nötige Konzentration in Richtung Dshunussow vermissen.
Kaum komplett übernahmen die Hausherren dann auch ohne viel Umstände das Ruder und ließen vor feiernden Rängen das 4:1 durch Christoph Höhenleitner (51.Min/Videobeweis) und wenige Sekunden vor Schluss auch noch das 5:1 durch den enteilten Sebastian Furchner folgen.
Ein insgesamt wohl etwas zu hoch ausgefallener, aber absolut verdienter Drei-Punkte-Sieg wurde vom begeisterten Anhang der Grizzlies im Anschluss ausgelassen gefeiert.

Das Team

Dshuni mit einer absolut überzeugenden Leistung. Man braucht kein Experte zu sein, um zu erahnen, dass wir in der laufenden Saison wohl kein Torwartproblem mehr bekommen werden. Höchstens ein Auswahlproblem...
Die Verteidigung zeigte lediglich im zweiten Spielabschnitt vereinzelte Aussetzer. Routinier Genze scheint endgültig seinen Weg zurück ins Team gefunden zu haben, im Gegenzug schwächelt Martinovic nach zuletzt starken Auftritten ein wenig. Insgesamt zeigt die Defensive in letzter Zeit aber eine äußerst ansprechende Leistung (gemessen an dem, was wir in der laufenden Saison schon häufiger begutachten durften...)
Im Angriff steht momentan die Reihe um Ulmer im Rampenlicht, was vor allem an einem zur Galaform auflaufenden Magowan liegen dürfte. Die ersten beiden Tore waren neben guter Spielübersicht vor allem seinem Einsatzwillen vor und um das gegnerische Tor herum zu verdanken. Nur wenige Teams in Deutschland haben einen Spieler mit seinem Torriecher gepaart mit diesem absoluten Willen dort hinzugehen, wo man zwangsläufig Schläge einstecken muss. Aber auch Furchner überzeugt weiterhin mit unglaublicher Laufarbeit und verbesserter Effektivität.
Einzig, wenn die vierte Reihe das Eis betrat, wurde mir doch ein paar Mal etwas mulmig. Das wirkte streckenweise etwas überfordert...

Das Fazit

Gut gefüllte Ränge, gute Stimmung in beiden Fanlagern, ein (fast bis zum Schluss) spannendes Spiel und eine hervorragende Leistung der Grizzlies: Was will man mehr?
Tabellenplatz Nr.3 ist mittlerweile mehr als verdient und sollte vor dem schweren Spiel in Berlin nach Möglichkeit gegen Augsburg gesichert werden. Wenn unser Team den Schwung der letzten Wochen beibehält, dürfte die nächste Partie – trotz Dienstagsspiel – eine ebenfalls hochamüsante Angelegenheit werden. Schließlich haben sowohl Spieler als auch Trainer der beiden Vereine sich seit dem letzten Heimspiel gegen die Panther ganz besonders „ins Herz geschlossen“. mb

EHC - Hamburg Freezers 5:2

  • Geschrieben von Martin
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Das Spiel

Trotz des fast zeitgleich stattfindenden Fußballspiels in der nahegelegenen Volkswagen-Arena fanden sich knapp 2400 Zuschauer zum Spiel der Grizzlies ein, die auch prompt einen amüsanten Eishockeynachmittag verlebten.
Sah es nach starkem Beginn der Gastgeber zunächst nach einem eher bizarren Verlauf der Begegnung aus – Peter Ratchuk hatte einen Stellungsfehler in der Wolfsburger Defensive zum 0:1 nutzen können (4.Min) – so entwickelte sich in der Folgezeit ein Spiel nach dem Geschmack der Grizzlyfans.
Der EHC rannte die Gäste aus Hamburg förmlich in Grund und Boden, ließ das Team von Coach Gardner völlig hüftsteif und...irgendwie alt aussehen.
So fielen die Tore bald wie reife Früchte:
1:1 – Ulmer drückt die Scheibe durch Goepferts Schoner (7.Min)
2:1 – Fischer überwindet den Goalie der Freezers ebenfalls aus Nahdistanz durch die Beine (12.Min)
3:1 – Magowan gelingt das gleiche Kunststück nach Umrundung des Tors und aus Halbdistanz (16.Min).
Nicht nur, dass die Abwehr der Gäste mit der Geschwindigkeit der Grizzlies völlig überfordert wirkte, sondern auch der Torhüter der Freezers legte in den ersten 20 Minuten Leistungsmerkmale an den Tag, die eher bei den Damen auf St.Pauli als im Eishockeysport gefragt sein dürften.
Das 4:1, das erneut Magowan erzielen konnte, fiel dann zwar als unhaltbarer Schuss in den Winkel – die Entstehung des Treffers war dafür aber an Peinlichkeit (aus Gästesicht) kaum zu überbieten. Vier Hamburger bildeten bei eigener Unterzahl ein Karree um Torjäger Magowan, der in aller Ruhe in Halbdistanz annehmen und einnetzen konnte (17.Min). Die Partie war eigentlich gelaufen...
Doch wer die letzte Begegnung gegen die Gäste aus dem Norden erlebt hatte, dem blieb ein Rest Unbehagen, auch wenn oder gerade weil der folgende Spielabschnitt zwar weiter eine überlegene Mannschaft des EHC zeigte, aber keine weiteren Treffer zu verbuchen waren.
Während die Grizzlies beste Chancen im halben Dutzend ausließen, gelang es den Freezers und vor allem ihrem US-amerikanischen Torhüter das eigene Auftreten etwas zu stabilisieren – die Chancen zum Comeback blieben allerdings rar.
Als dann der finale Spielabschnitt durch Morczinietz’ 5:1 eröffnet wurde, schwanden wohl auch die letzten Zweifel über einen Sieg des Wolfsburger Teams, das im Laufe dieses Drittels nicht die Fehler aus dem letzten Aufeinandertreffen wiederholte. Jeglichen Druck der Gäste, die jetzt deutlich mehr Spielanteile erobern konnten, beantworteten die Grizzlies mit einer fast sofortigen Erhöhung der Konzentration. Alle aussichtsreichen Versuche endeten, wie schon in den Dritteln zuvor, fast ausnahmslos in der Fanghand oder auf den Schonern vom gut aufgelegten Dshunussow im Tor der Gastgeber. Lediglich beim 5:2 in der 54.Spielminute war es Hamburgs Biron gelungen die schnelle Fanghand des Wolfsburger Goalies zu überwinden.
Im Gegenzug kehrte Toni Krinners Team allerdings auch zur „gewohnten“ Chancenverwertung zurück, nutzte weiterhin beste Einschussmöglichkeit nicht...
Den Jubel am Ende der Begegnung schmälerte dies aber kaum – ein Ständchen für Geburtstagskind Christopher Fischer gab’s gratis vorneweg. Nach seinem Sky-Interview revanchierte der Nachwuchsverteidiger in Diensten der Grizzlies sich beim Publikum und führte die Mannschaftswelle der Ehrenrunde an.
Wer an diesem Abend beim Fußball war, ist selber schuld...

Das Team

Dshunussow mit wirklich überzeugender Vorstellung. Den Querpass zum 0:1 hätte er mit den Automatismen von mehr Spielpraxis vielleicht sogar auch noch unterbunden, ansonsten löste der Goalie der Grizzlies sämtliche Situationen optimal!
In der Verteidigung machte Christopher Fischer sich mit einer Bombenleistung des schönste Geburtstagsgeschenk selber. Alle anderen brachten fast 100% das, was man im einzelnen erwarten darf – gegen einen Gegner wie Hamburg auch nicht wirklich eine Kunst.
Einzig Sloan glänzte mal wieder mit dem Ausrutscher des Abends - man gewöhnt sich langsam dran und auch Dshunussow wirkte nicht zu überrascht...
Positiv hingegen, dass Oldie Genze endlich wieder Eiszeit bekam und dabei durchweg zu überzeugen wusste. Vielleicht schont der Trainer ihn nur für die Play-offs - wer weiß, wer weiß...
Im Angriff kommt momentan, trotz des Unworts des Jahres (Chancenverwertung), jede Menge Freude auf. Während die Reihe um Kai Hospelt solide, aber nicht so überragend wie zuletzt, agierte, kam die Ulmer-Reihe voll in Schwung. Furchner brachte mit seinem Laufpensum die stoischen Riesen aus dem hohen Norden schier zur Verzweiflung, während Ulmer und Magowan schonungslos die Nahtstellen im Spiel der Freezers offen legten. Aber auch die dritte Reihe machte ihre Sache gut, zermürbte den Gegner durch unbändigen Willen und fleißiges Arbeiten.
Dass aus der vierten Formation lediglich Neuzugang McIlveen auffiel, war da schon eher bedenklich. Bei Krestan und Sulkovsky fragt man sich sowieso des öfteren, ob die beiden überhaupt mitgespielt haben.

Das Fazit

Wie die Freezers mit so einer Laufleistung überhaupt ein Spiel gewinnen konnten, geschweige denn die letzten beiden Partien zu Null gestalten konnten...es ist mir ein Rätsel. ähnlich desolat wie bei ihrem letzten Auftritt, hatten die Gäste diesmal nicht das Glück eine fragwürdige Spieldauer gegen Wolfsburg geschenkt zu bekommen und ein völlig die Hände in die Hosentaschen steckendes Team im letzten Spielabschnitt vorzufinden.
Der EHC hingegen gewinnt die Spiele, die er gewinnen muss. Wenn dies auch in Kassel und gegen Krefeld und Augsburg gelingen sollte (allesamt deutlich hinter den Grizzlies platziert), dann könnte dies noch eine denkwürdige Saison werden. Platz 6 oder besser am Ende vorausgesetzt. mb