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EHC - Krefeld Pinguine 4:3

Das Spiel

Aller Anfang ist schwer - nach diesem Motto schienen die Grizzlies ihr erstes Spiel der Saison 09/10 zu gestalten.
Besonders im ersten Drittel wurde den Fans des gastgebenden Teams ein ums andere Mal wohl reichlich mulmig:
Wolfsburg legte sich läuferisch gleich mächtig ins Zeug, wirkte dabei aber häufig planlos und fahrig, in der Defensive sogar zeitweilig überfordert.
Symbolisch für das ganze wirre Treiben auf dem Eis dann auch das Zustandekommen der ersten drei Treffer:
0:1 durch Hager, der das Grizzlytor umkurvt und per Lupfer den Puck irgendwie hinter Dshunussow versenken kann.(6.Min)
1:1 durch Green, der direkt vorm gegnerischen Tor einen schlechten Aufbaupass abfängt und postwendend vollstreckt. (10.Min).
Das 1:2 bildete mit der missglückten Abwehr Dshunussows gegen einen Vasiljevs Schuss (14.Min), dann das negative Highlight des ersten Spielabschnitts. Der Wolfsburger Goalie bugsierte den geblockten Puck mit einer unglücklichen Bewegung über die eigene Linie und die Grizzlies drohten im Chaos zu versinken. Krefeld hatte gegen die laufstarken Gastgeber bis dahin zwar keine spielerischen Bäume ausgerissen, wirkte aber insgesamt sortierter in seinen Aktionen.
Sehr zum Missmut der Heimfans zeigte sich darüber hinaus HSR Reichert bis zum ersten Pausenpfiff sehr generös in Sachen Strafen gegenüber den teilweise überhart einsteigenden Gästen.
Lediglich ein Foul ahndete der Referee: Martinovic hatte an der Bande den Stock von Verwey in den Nacken bekommen und brach sofort zusammen. Ganze 2 Minuten war diese Aktion dem Unparteiischen wert - lt. Regelbuch eindeutig zu wenig!
Diese lose Handhabung der Krefelder "Spielfreude" sollte im zweiten Drittel allerdings, zur überraschung der Gäste, ein Ende finden.
Fast mit dem Startpfiff hagelten völlig korrekte Strafen auf die Pinguine hernieder, die allein im Mittelabschnitt 6 Unterzahlsituationen und einen Penaltyschuss zu überstehen hatten.
Den besagten Penalty, der in der 36.Minute gegen Krefeld verhängt wurde, vergab Neuzugang Krestan zwar kläglich, trotzdem gelang es dem langsam in Fahrt kommenden Powerplay der Grizzlies die Partie zu drehen.
Sarno (29.Min) und Ulmer (33.Min) vollstreckten jeweils Nachschüsse in überzahl zum 3:2 Zwischenstand.
Doch die gewonnene Spielkontrolle der Gastgeber währte nicht lange. Die Gäste starteten, aus ihrer Sicht, ideal ins Schlussdrittel: Strafe gegen Traynor nach 9 gespielten Sekunden; 3:3 Ausgleichstreffer nach weiteren 32 Sekunden durch den Ex-Wolfsburger Richard Pavlikovsky.
Das hätte für die eigentlich stabil aufspielenden Gäste der Wendepunkt sein können - doch zum Glück für die Grizzlies zogen es die Cracks von Coach Jiranek weiterhin vor, sich selbst zu sabotieren.
Nur wenige Minuten später saß schon wieder ein Pinguin in der Kühlbox, die Grizzlies ließen erneut durch Mike Green den 4:3 Führungstreffer nach nur 9 Sekunden Powerplay folgen (45.Min). Und als wäre das noch nicht genug, hatte Krefelds Star-Stürmer Vasiljevs in der gleichen Situation obendrein Jason Ulmer per hohem Stock im Gesicht verletzt. 5 + Spieldauer waren die logische Konsequenz.
Doch die Grizzlies setzten nun nicht mehr konsequent nach, lieferten, teilweise sogar in überzahl, fast ausschließlich konzentrierte Abwehrarbeit ab. Es war schon ein seltsames Bild, als gegen Ende der Begegnung vier Krefelder die in überzahl befindlichen Gastgeber in deren Drittel festnagelten.
Einige knappe Situationen und viele schier endlos wirkende Minuten später war es dann aber soweit:
Der erste Heimsieg der Saison konnte von Fans und Mannschaft gebührend zelebriert werden...glücklicherweise hatten einige Spieler die "Raupenanleitung" für die Neuzugänge dabei...


Das Team

Es ist sicherlich zu früh, um Tendenzen auszumachen - aber die Eindrücke aus der Vorbereitung eingeschlossen kann man auch jetzt schon die eine oder andere überraschung ausmachen.
Während im Tor bisher keiner der beiden Akteure überzeugen konnte (Dshunussow diesmal mit einem schrecklichen ersten Drittel, dann stark verbessert), konnte in der Verteidigung Neuzugang Wurm positive Akzente setzten! Der 20jährige Verteidiger der Grizzlies scheint seiner Ankündigung in der DEL spielen zu wollen und nicht per Föli in Liga Nr.2 zu müssen, Taten folgen zu lassen.
Martinovic und Fischer hingegen sind noch ein gutes Stück vom erwarteten Niveau entfernt.
Ansonsten bleibt für die Defensive nur eine Umschreibung: Baustelle. Alavaara fehlt deutlich in Sachen Spielaufbau und Gefahr von der blauen Linie, das allgemeine Chaos dürfte aber auch mit seiner Rückkehr nur minimal geringer werden.
Da fehlt es u.a. auch in der Abstimmung mit den offensiv ausgerichteten Kollegen.
Bei den Stürmern ist die allgemeine Frühform recht ordentlich. Besonders Hospelt, Ulmer, Green, Laliberte und Furchner wissen zu überzeugen. Milley, Sarno und Höhenleitner im Rahmen, aber mit Luft nach oben. Heider, wie schon in der Vorbereitung, sehr stabil im Auftreten - hat, meiner bescheidenen Meinung nach, ein Riesenpotential!
Krestan und Sulkovsky unauffällig, aber sehr fleißig - sorgten für Entlastung in einer sehr intensiven Partie.


Das Fazit

Die Grizzlies machen ihre eigenen "Chaostage" mit viel Charakter und Geschwindigkeit wett.
Was Krefeld, trotz aller Schnelligkeitsvorteile der Wolfsburger, in Sachen Foulspiel geritten hat, weiß ich zwar nicht - soll jetzt aber auch egal sein.
Wenn die Grizzlies auf ein ähnlich schnelles Team treffen (gleich als nächstes Düsseldorf), dann dürfen sie nicht mit derart vielen überzahlspielen rechnen. Will heißen: Das Spiel 5 gegen 5 muss deutlich verbessert und das Abwehrverhalten des gesamten Teams besser strukturiert werden. Offensiv wird sich das Ganze sicherlich immer weiter entwickeln - und das von einem relativ hohen Niveau aus. Trotzdem sollte man zum Gewinnen eines Spiels nicht auf ein halbes Dutzend eigene Treffer angewiesen sein! mb