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EHC - Kassel Huskies 4:3

Das Spiel

Das erste Saisonduell mit dem Erzrivalen aus Kassel verlief 20 Minuten lang alles andere als gewohnt. Vielmehr wurden Erinnerungen an das 0:7 in Kassel aus der letzten Saison wach, als dass die Partie den engen Verlauf der bisherigen Spiele zu nehmen schien.
Bereits nach gut einer gespielten Minute klingelte es hinter dem behäbig wirkenden Hauser im Tor der Gäste. Norm Milley hatte nach Bullygewinn von Sarno und schöner Vorarbeit durch Genze den Puck am kurzen Pfosten zum 1:0 eingeschoben – in der Kasseler Abwehr herrschten derweil Chaostage.
Das Spiel ging zunächst genauso weiter: Wolfsburger Schnelligkeit und Zielstrebigkeit überforderten die Kasseler Abwehr ein ums andere Mal und auch Hauser im Kasten der Gäste schien immer wieder im Gewühl vor seinem Gehäuse den überblick zu verlieren. Dankbar war die Aufgabe des Kassler Schlussmanns im ersten Drittel auf jeden Fall nicht, denn die Grizzlies übten enorm viel Druck auf den Torraum der Hessen aus.
So wunderte es wohl kaum jemanden, dass auch das 2:0 der Gastgeber erneut aus dem Gestocher vor Hauser entstand (10.Min). Dem seit seinem Comeback stark aufspielenden Morczinietz gelang es aus spitzem Winkel die Scheibe durch Hausers Schoner ins Tor zu schieben, so dass es für kurze Zeit so aussah, als ob nun auf Kassler Seite alle Dämme brechen würden.
Leider war es das eigene Powerplay, das den Grizzlies im ersten Drittel die meisten Sorgen bereitete. Nicht nur, dass es kaum Nennenswertes aus den beiden Gelegenheiten im ersten Abschnitt zu berichten gab, nein im Gegenteil:
Die Gäste kamen in der 18.Minute sogar zu einer hochkarätigen Konterchance, die in ihrem Verlauf fast das gesamte Spiel gekippt hätte!
Soares fuhr zum Konter Richtung Reimer, ließ im 1 gegen 1 Martinovic einfach stehen und wurde im allerletzten Moment von John Laliberte regelwidrig am Torschuss gehindert.
Der zurückgeeilte Laliberte krachte bei dieser Aktion allerdings mit seinem verlängerten Rücken in den Wolfsburger Goalie, der daraufhin benommen liegen blieb.
Reimer spielte zwar die verbliebenen 2,5 Minuten zuende, konnte aber nach der Pause nicht mehr aufs Eis zurückkehren.
Da Dshunussow zu diesem Zeitpunkt in Crimmitschau Spielpraxis sammelte, kam somit Wolfsburgs Nr.3 Etienne Renkewitz zu seinem ersten DEL-Einsatz für den EHC.
Wolfsburgs Spiel sollte sich nun komplett ändern: Die Grizzlies starteten mit deutlich weniger Offensivdrang ins Mitteldrittel und bemühten sich augenfällig um einen guten Einstand ihres jungen Goalies. Dieses Unterfangen gelang insofern, dass der Wolfsburger Torhüter von Beginn an sichere Beute machte und seinen Weg in die Begegnung finden konnte – dem Spielfluss schadete es jedoch enorm. Die Huskies brauchten zum Glück Anlaufzeit, um die Rolle des aktiveren Teams anzunehmen, so dass die Gastgeber auch die im Abwehrkampf genommenen Strafzeiten schadlos überstehen konnten.
Als dann 67 Sekunden vor der zweiten Unterbrechung Laliberte das 3.0 für die Grizzlies markieren konnte, wähnte so mancher die Moral der Gäste gebrochen. Zumal das dritte Tor der Gastgeber mehr als überraschend fiel und dabei auch durchaus haltbar schien...
Doch die Huskies kamen mit einem heftigen Knall aus der Kabine: Schon nach 36 Sekunden gelang Klinge das 3:1 für die Gäste – die Hessen schalteten spürbar motiviert sofort einen Gang höher!
Nach dem eher zähen Mittelabschnitt kam jetzt richtig Leben in die Bude:
4:1 - nur zwei Minuten später, als Sulkovsky ein schönes Anspiel von Sarno direkt verwerten konnte und Hauser diesmal keine Abwehrchance ließ!
4:2 – 50 weitere Sekunden waren gerade gespielt, da schlug Manuel Klinge erneut zu!
Der Druck der Gäste wuchs zusehends und ab Mitte des Schlussabschnitts gerieten die drei Punkte für Wolfsburg mehr als nur in Gefahr.
Zwischen der 53. und der 57. Spielminute hatten sich die Grizzlies durch drei mehr oder weniger sinnige Strafzeiten in Dauerunterzahl begeben – davon allein zwei Minuten in doppelter Unterzahl!
Dass Manuel Klinge mit seinem Hattrick zum 4:3 (54.Min) nicht wirklich zur Stabilisierung im Wolfsburger Spiel beitrug, muss wohl nicht extra betont werden...
Doch hatte der Wolfsburger Ersatzkeeper beim dritten Gegentreffer noch etwas unreif agiert, so behielt er in der Folgezeit, ebenso wie seine Vorderleute, die Nerven und rettete die knappe Führung gerade so über die Zeit.
Auch mit einem sechsten Feldspieler für Hauser gelang den Gästen schlussendlich nicht mehr der, zu diesem Zeitpunkt durchaus verdiente, Ausgleich.
So wirkten die Wolfsburger Helden auf ihrer Ehrenrunde auch nicht wirklich zufrieden, obwohl ihnen doch ein so wichtiger Drei-Punkte Erfolg gelungen war – dem Publikum war’s egal: Sie feierten den spannend erkämpften Sieg ausgelassen!

Das Team

Man merkte der Wolfsburger Nr.3 im Tor schon durchaus die Nervosität an – einen guten Job legte er trotzdem hin. Gerade beim dritten Gegentor hätte ein routinierterer Goalie vermutlich den Treffer verhindern können, einen Vorwurf kann man dem jungen Keeper der Grizzlies aber keinesfalls machen. Gerade, weil er in der hektischen Folgezeit durchaus die Ruhe behielt. Reimer hatte im ersten Abschnitt die mittlerweile gewohnt souveräne Vorstellung abgeliefert und wir nun am Sonntag – auf bisher unbestimmte Dauer – von Daniar vertreten.
In der Verteidigung scheint Sascha seinen kurzen Schwächeanfall überwunden zu haben und lieferte eine Bombenpartie ab! In Schüsse schmeißen, Tore vorbereiten, hinten abräumen – da stimmte einfach alles. Insgesamt machte die Abwehr einen soliden Job, vor allem in Unterzahl. Einzig Sloan und Martinovic „glänzten“ durch individuelle Fehler. Vor allem Sloan gibt einem nach wie vor Rätsel auf bezüglich der passenden Beschreibung für seinen Spielertyp. Kein vernünftiger Schuss, kein guter Aufbaupass, nicht besonders schnell und auch vor dem eigenen Tor nicht herausragend präsent – wie kann das ein Nr.1 Verteidiger sein?
Im Sturm bemühten sich Milley und Sarno sichtbar über den Kampf zur spielerischen Linie zu finden. Das klappte zumindest im ersten Drittel einigermaßen. Magowan und Laliberte spielten ihre körperliche Präsenz gut aus, nahmen zum Teil gleich 2-3 Kasseler Spieler auf die Hörner. Dieses Verhalten stand aber auch sinnbildlich für das 2. und 3.Drittel: Etwas kopflos!
Höhenleitner, Morczinietz und Green bilden nach wie vor eine überzeugende Einheit, während Sulkovsky in der vierten Reihe weiter seine Verpflichtung rechtfertigt.
Insgesamt aber zwei Drittel lang viel zu wenig Spielfluss im Angriff der Grizzlies, so dass man wohl weiter Geduld haben muss bis wir unseren– auf dem Papier vorhandenen – offensiven Möglichkeiten tatsächlich gerecht werden.

Das Fazit

Der Bruch im zweiten Drittel war hausgemacht. Einen jungen Keeper zu schützen ist absolut korrekt. Doch wenn man dabei die Kontrolle über den Spielverlauf so hergibt, wie gegen Kassel gesehen, dann tut man dem jungen Mann im Tor auch keinen wirklichen Gefallen.
Drei ganz wichtige Punkte für ein Team, das – meiner Meinung nach – noch immer nicht in der Lage ist ein Spiel konstant über 60 Minuten zu beherrschen. Und diesen Anspruch muss man gegen eine Truppe wie die Huskies einfach haben. Was sich da, gerade im Defensivbereich und im Tor, für Abgründe bei den Hessen auftaten...da muss man einfach gnadenlos und unnachgiebig Kapital draus schlagen!
Gerade da das Toreschießen in unserem Team immer noch ein Problem darstellt, hat man hier eine gute Möglichkeit ausgelassen sich neues Selbstbewusstsein zu holen.
Die Mienen der Spieler nach diesem wichtigen Sieg passten dann auch zu dieser Theorie. mb