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EHC - Kölner Haie 4:3nV

Das Spiel

4:3 Siege mit unnötig spannendem Spielverlauf scheinen das neue Markenzeichen der Grizzlies zu werden. Ebenso die damit verschenkten Punkte.
Ließen die Wolfsburger in Nürnberg die Punkte noch wegen erhöhtem Verkehrsaufkommen im Bereich der Strafbank liegen, so lag der Fall an diesem Abend durchaus etwas anders.

Die Gastgeber starteten holperig in die Partie, hatten große Probleme die läuferische überlegenheit in gefährliche Aktionen vor dem Tor umzusetzen.
Im Gegenzug wirkten auch die Gäste aus Köln nicht wirklich überzeugend: Spielfluss und –kultur der Haie trugen kaum zu einer attraktiven Partie bei.
Die besten Chancen hatte somit auf Seiten des EHC Sebastian Furchner, der gleich zwei Breaks in Richtung Weibel fahren konnte, allerdings auch zweimal scheiterte.
Besser machten es die eher reserviert auftretenden Gäste: Ihre zweite überzahlgelegenheit nutzten diese in der 14.Minute zur 0:1 Führung. Lüdemann hatte an der Blauen zügig quer gelegt, Jaspers knallhart direkt abgenommen. Der Puck fand noch rechtzeitig den Weg zwischen den Schonern des herübereilenden Reimers und fertig war der frustrierende Pausenstand – aus Sicht der Grizzlies wohlgemerkt.
Doch mit dem Eröffnungsbully des 2.Drittels nahm die Begegnung endlich Fahrt auf. Das Team von Toni Krinner drückte nun mächtig aufs Gas und münzte die überlegenheit endlich in, zumindest teilweise, brauchbare Torschüsse um.
Gleich das erste Powerplay trug, zum Glück für die Gastgeber, dann auch entsprechende Früchte:
Nach gut drei gespielten Minuten und während einer (zusätzlich) angezeigten Strafe, tankte sich Ken Magowan vor das Tor der Gäste durch und vollstreckte energisch zum 1:1 Ausgleich. Sein erster Saisontreffer vor heimischer Kulisse wurde entsprechend euphorisch von den Fans gefeiert und vom DJ mit persönlichem Jingle gewürdigt.
Diesen Schwung nahmen die Grizzlies, lediglich unterbrochen von ihrer letzten (!) Strafzeit in der 24.Minute, bis zum Ende der Partie mit und dominierten fortan die Gäste fast nach Belieben.
Leider krankt der EHC weiter an seiner Torausbeute und, man muss es leider so hart sagen, an den Fehlern seiner Leistungsträger. Einen solchen Fehler leisteten sich in der 31.Minute mit Sloan und Reimer gleich zwei Akteure der Gastgeber. Nutznießer war beim völlig unverdienten 2:2 mit Norman Hauner ein 17jähriger Nachwuchsspieler, der zunächst Blake Sloan im 1 gegen 1 ungeschickt aussehen ließ und dann im Nachschuss Reimer den Puck zwischen den Schonern hindurch schieben konnte. Es hatte schon etwas von Slapstick, wie der junge Mann in Diensten der Haie einen Stanley-Cup Gewinner und Wolfsburgs durchaus erfahrenen Goalie zum Besten hielt...
Es folgte, wie schon in Köln gesehen, die Lars Weibel Show. Doch diesmal konnte auch der Schweizer Spitzengoalie in Diensten der Gäste ein einigermaßen angemessenes Ergebnis verhindern.
Doch was der Torhüter der Kölner bis zu Lalibertes 2:2 in der Schlussminute des 2.Drittels alles aus seinem Kasten fischte, war erneut aller Ehren wert!
Als Christoph Höhenleitner nach gerade einmal 73 gespielten Sekunden das letzte Drittel mit dem 3:2 eröffnen konnte, schien das Spiel endlich den gewünschten Lauf für das Wolfsburger Team zu nehmen.
Doch das mehr als schwache Powerplay der Gastgeber und ein weiterhin überragender Weibel verhinderten weitere Treffer der Grizzlies.
So gelang den Gästen aus Köln, äußerst überraschend und unverdient, zwei Minuten vor dem Ende sogar das 3:3 durch Bartek, der aus der Drehung unhaltbar abschließen konnte.
Die wütenden Angriffe des EHC verebbten in der Folge vor Weibel, der beim abschließenden Pfostentreffer von Sarno zudem das Glück auf seiner Seite hatte.
Die Verlängerung musste also für die Entscheidung sorgen. Auch hier zunächst das gewohnte Bild: Wolfsburg stürmt - Köln stochert, hofft auf Gelegenheiten.
Doch in der 3.Minute der Verlängerung kam endlich die Erlösung für Mannschaft und Fans der Grizzlies. Sarno vollstreckte aus Halbdistanz durch Freund und Feind hindurch zum 4:3 Endstand. Eine überprüfung im Videobeweis brachte lediglich eine Behinderung des Torhüters durch einen eigenen Verteidiger zum Vorschein.
Die Siegesfeier fiel, trotz Punktverlust, nun deutlich beschwingter als noch zuletzt gegen Kassel aus. Der Gewinn des zweiten Punkts gegen Lars Weibel schien große Erleichterung in den Reihen des Heimteams ausgelöst zu haben...

Das Team

Im Tor nach überstandener Verletzung wieder Jochen Reimer. Für Dshunussow sicherlich eine etwas frustrierende Situation, denn die Gelegenheit, Reimer noch ein Spiel Pause zu geben, wäre sicherlich für alle Beteiligten nachvollziehbar gewesen.
Während Reimer dann beim ersten Treffer nur ein wenig zu spät kam (kein Vorwurf an ihn), sah er beim zweiten Gegentor mehr als dusselig aus. Kein Grund für einen Wechsel in den kommenden Partien, aber vielleicht doch ein Fingerzeig gegen die Entscheidung ihn sofort wieder einzusetzen.
In der Verteidigung kann man, bis auf Ausnahmen, weiterhin durchaus zufrieden sein.
Alavaara ist zwar noch nicht wieder der Alte und auch Traynor muss erst wieder in Schwung kommen, doch defensiv kann sich das schon wieder sehen lassen.
Während Rekis dezent aufsteigende Tendenz zeigt (kein Beinstellen wegen Unbeweglichkeit mehr), bleibt bei Sloan weiter die Frage, frei nach Grönemeyer: „Was soll das?“
Dass man mit ihm keinen begnadeten Aufbauspieler oder Blueliner verpflichtet hat, war sicherlich im Vorfeld bekannt. Seine Zuverlässigkeit im Defensivbereich lässt mit Fehlpässen bei freier Sicht ohne Druck und angesichts seltsam wirkender Checkversuche das Publikum ein ums andere Mal mit dem Kopf schütteln. Fredrick Svensson wirkte defensiv besser, mehr muss man da wohl nicht sagen...
Im Sturm zeichnet sich weiter Besserung ab! Magowan steigert sich von Spiel zu Spiel und Milley legt endlich energisch los! So überzeugend, dass Krinner ihn bereits nach einem Drittel wieder in seine angestammte Position neben Milley und Sarno zurück beorderte.
Womit wir auch schon beim angeblichen Topcenter der Grizzlies wären. Der hieß bisher eher Ulmer und bekommt nun, leider recht langsam, endlich Konkurrenz.
Während Sarno im ersten Drittel noch durch unmögliche Pässe im Powerplay auffiel, steigerte sich der Wolfsburger Neuzugang im Laufe der Begegnung. Im Schlussdrittel und in der Verlängerung stellte sich der kanadische Center endlich seiner Verantwortung und trug maßgeblich zum Gewinn des zweiten Punkts bei!
Aber auch Höhenleitner (mit hochverdientem erstem Saisontreffer) und Furchner setzten Ausrufezeichen in einem insgesamt sehr engagiert auftretenden Grizzlysturm.
Einziger Kritikpunkt bleibt der letzte Pass und der Abschluss, die einfach zu selten gefährlich oder gar „tödlich“ wirken.

Das Fazit

Wenn man sich die bisherige Punkteausbeute der Grizzlies betrachtet und dabei einen Großteil ihrer (Heim)spiele gesehen hat, dann kann man sich eigentlich nur verwundert die Augen reiben. Die Tabelle sagt eindeutig: 4.Platz!
Während man die Strafzeitenflut in den Griff zu kriegen scheint, ist offensiv noch so viel ungenutztes Potential in diesem Team – wie sähe das Spiel der Grizzlies wohl aus, wenn man dem gerecht würde?
Während Geschwindigkeit und Kampf meist stimmen, kann mich der Spielaufbau der Grizzlies bisher jedenfalls nicht überzeugen. Was da an Metern zurückgelegt und an Pässen gespielt wird, ohne den Gegner in Bedrängnis zu bringen, passt einfach überhaupt nicht zusammen.
Momentan wirkt der EHC noch wie ein ungeschickter Liebhaber: Voll guter Absichten und stets bemüht – doch wenig prickelnd! mb