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EHC - Hannover Scorpions 1:2nP

Das Spiel

Vor einer erfreulich großen Kulisse von rund 3250 Zuschauern, darunter rund 500 Gäste aus Hannover, teilten sich EHC und Scorpions die zu vergebenden Punkte.
Dass dabei mit den Hannoveranern das spielschwächere Team zwei der drei Punkte für sich verbuchen konnte, trübte den Gesamteindruck des Spiels leider schon ein bisschen.
Das Anfangsdrittel brachte die Fans beider Lager gleich auf den Geschmack des Derbys:
Schnelle Angriffe der Grizzlies wechselten sich mit Nadelstichen der konzentriert zu Werke gehenden Gäste ab.
Als die Scorpions in der 9.Minute in doppelte überzahl kamen, kochte die gut gefüllte Kurve ihrer Anhänger und trieb die ihren zur Führung.
Dem 0:1 durch Dzieduszycki waren zwei wahrhaft überflüssige Strafzeiten durch Sarno (Halten) und Ulmer (Spielverzögerung) voran gegangen, so dass der ärger bei den durchaus druckvoll auftretenden Gastgebern riesengroß war.
Wolfsburg verlor prompt ein wenig seine Linie und ermöglichte den Gästen ihre (nicht nur bis dahin) beste Phase.
Doch nur wenige Zeigerumdrehungen später kehrten die Grizzlies mit voller Macht zurück, übernahmen wieder die Kontrolle über das Spielgeschehen und verwerteten schließlich eine ihrer zahlreichen Torszenen zum 1:1.
Ken Magowan, der sein Torjäger-Gen reaktiviert zu haben scheint, fälschte einen Sarno-Schuss auf Schulterhöhe zum 1:1 in die Maschen ab. Nach Videobeweis erklärte HSR Looker den Treffer für regelkonform - die Stimmung in der Arena kochte nun auf allen Tribünen.
Doch bis zum Pausenpfiff gelang dem EHC kein weiterer Treffer: Laliberte, Green, Magowan – nicht nur sie vergaben beste Chancen oder scheiterten am starken Ziffzer im Tor der Scorpions.
Was so verheißungsvoll begonnen hatte, ging leider nicht ganz so mitreißend weiter..
Der enge Spielverlauf hielt zwar die Stimmung auf den Rängen einigermaßen in Schwung, Chancen auf beiden Seiten heizten immer wieder ein wenig ein - doch die ganz große Begeisterung der gutgelaunten Fans blieb aus. Grund: Zu sehr neutralisierten die Gäste den Angriffsdruck der Grizzlies, zu einfallslos und ineffektiv kam das Powerplay der Gastgeber daher. Und last but not least: Es fehlten einfach die Tore auf beiden Seiten!
Während die Grizzlies all ihre Energie in Angriffsbemühungen investierten, stemmte Hannover sich mit aller Macht dagegen und wusste zumindest in Sachen Kampf mehr als zu überzeugen.
Diese eher destruktive Spielweise legten die Scorpions zwar auch im letzten Spielabschnitt ab, doch die Konterchancen der Gäste mehrten sich nun. Der Kräfteverschleiß auf beiden Seiten trat angesichts dieser intensiv geführten Partie nun immer öfter zutage, doch die Fehler und sich auftuenden Lücken konnte keine der beiden Mannschaften zum – vermutlich vorentscheidenden – Treffer nutzen.
Während die Scorpions mit ihren Kontern an Reimer scheiterten, verzweifelten die Grizzlies nicht nur am ebenso starken Ziffzer, sondern auch am eigenen Pech/Unvermögen.
Am Ende sollte die Verlängerung für die Entscheidung sorgen – tat sie aber nicht.
Nachdem die Gastgeber gleich zu Beginn durch Höhenleitner alles hätten klar machen können, hatten die Gäste mehr vom Spiel und prüften den Goalie der Wolfsburger gleich mehrmals bis zum erneuten Abpfiff durch den Referee.
Im anschließenden Penaltyschießen traf für die Grizzlies lediglich Christopher Fischer, der die Fans mit einem frech vorgetragenen Strafschuss begeistern konnte: Kurz vor Ziffzer bremste die deutsche Nachwuchshoffnung einfach ab und löffelte den Puck unter die Latte – nach dem Videobeweis feierten die Fans den vorübergehenden Ausgleich (Mitchell hatte bereits für Hannover getroffen) frenetisch.
Doch im letzten Duell konnte Sarno die erneute Führung durch Boos nicht mehr beantworten, so dass der Extrapunkt in die Landeshauptstadt ging.
Sichtlich geknickt verließen die Grizzlies das Eis: Selbst zum auch nach Niederlagen selbstverständlichen Gruß an die Fans konnten sich die Wolfsburger Akteure nicht mehr aufraffen. Die Fans, die ebenfalls spürbar enttäuscht waren, nahmen es ihnen nicht krumm.

Das Team

Erneut liefert Reimer einen Klasseauftritt vor heimischem Publikum ab. Lediglich im Penaltyschießen offenbarte er Schwächen im Stellungsspiel: Die Nummer mit dem weiten Rausfahren funktioniert vielleicht gegen Herne – gegen einen DEL-Ligisten kann das aber, wie gesehen, auch in die Hose gehen.
Defensiv gibt es in Sachen Verteidigung mal wieder nix zu meckern. Selten verlieren die Grizzlies einmal Kontrolle und übersicht, die Abstimmung mit der Angriffsabteilung passt.
Offensiv bleiben sowohl Aufbauspiel, als auch Gefahr von der blauen Linie ein Fremdwort für unsere Abwehrrecken. Gerade gegen hart arbeitende Teams ein echtes Problem, bleiben die sich ergebenden überzahlspiele und seltenen Kontermöglichkeiten somit unter ihren Möglichkeiten.
Und da wären wir auch schon im Bereich „Attacke“. Die ehemals erste Reihe um Sarno entwickelt sich weiter in die gewünschte Richtung – wenn auch nicht mit der gewünschten Geschwindigkeit. Sarno arbeitet deutlich härter als zum Auftakt der Saison, Magowan entdeckt seinen Torriecher wieder und auch Milley kann immer öfter überzeugen – bildete an diesem Abend aber leider die Schwachstelle der Formation.
Alle anderen Reihen ließen lediglich die Tore vermissen – spielerisch passte da fast überall alles!
Die große Ausnahme bildet nach wie vor das überzahlspiel der Grizzlies, die während der Partie zum zweiten Mal hintereinander mit der Fairplay-Trophy ausgezeichnet wurden. Auch diese Saison sind die Wolfsburger wieder das Vorzeigeteam in Sachen Fairness, können aber genau diesen Vorteil nicht durch ein überzeugendes Powerplay nutzen.
Viel Arbeit für das Trainergespann der Grizzlies also, wobei...ich möchte hier die Nachverpflichtung eines Rechtsschützen in der Verteidigung anregen!
Ross Lupaschuk (ich kann es einfach nicht lassen) ist momentan vertragslos...

Das Fazit:

Gerade nach dem ersten Drittel war ich angetan vom geschlossenen Auftreten unserer Mannschaft. Das wirkte sehr reif und sicher. Dieser Eindruck bestätigte sich zwar auch im Rest des Spiels, aber vor allem vor heimischer Kulisse fehlt es den Grizzlies einfach an Durchschlagskraft.
Hannovers Wille wusste natürlich zu beeindrucken, machte es den Gastgebern sehr schwer zum Torerfolg zu kommen, aber mal ehrlich: Kann man sich im Abschluss noch ungeschickter anstellen? Ziffzer hatte zwar einen Bombentag, doch das kann man nicht als Ausrede gelten lassen, wenn man den freigespielten Kasten einfach nicht trifft...
Die Saison verläuft bisher wirklich zufriedenstellend. Um eine größere Eishockeyeuphorie in Wolfsburg auszulösen, müsste man jedoch auch mal ein Heimspiel wirklich begeisternd und überlegen gewinnen! Das sehe ich bisher nicht. mb