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EHC - Adler Mannheim 3:2nV

Das Spiel

über 3300 Zuschauer hatten sich in der Eisarena eingefunden, um sich das Spitzenspiel des 24.Spieltags zu Gemüte zu führen.
Dabei wurde sowohl den heimischen Fans als auch den rund 900 Anhängern der Adler beste Unterhaltung geboten, die zu keinem Zeitpunkt hinter den Erwartungen zurück blieb.
Gleich vom Anfangsbully an starteten die Gastgeber in gewohnter Manier in die Begegnung. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit und viel individuellem Engagement setzten sie dem Mannheimer Starensemble mächtig zu und gingen in der 5. Spielminute auch folgerichtig in Führung. Nachdem eine Strafzeit gegen Kapitän und Ex-Adler Sloan fast vollständig abgelaufen war, hatte sich der Star-Spielmacher der Gäste Francois Methot zu ihm auf die Strafbank gesellt – noch bei 4 gegen 4 auf dem Eis vollstreckte Martinovic gegen Brathwaite zum 1:0. Zu Hilfe kam den Grizzlies dabei ein völlig verpatzter Wechsel der Gäste, bei dem Sarno die Situation mit einem schnellen Pass auf den davoneilenden Wolfsburger Verteidiger ideal auszunutzen wusste.
Bei den Adlern, die im ersten Spielabschnitt kaum in die Partie fanden, fiel lediglich Neuzugang Ahren Spylo auf, der seine Chancen allerdings nicht zu verwerten wusste. Dass zur ersten Pause immer noch der knappe 1:0 Vorsprung auf der Anzeigentafel zu lesen war, verdankten die Gäste in erster Linie ihrem Weltklasse Goalie Brathwaite, der auch an diesem Abend zeigte, warum er jeden Euro (wie viel auch immer das sein mögen) wert ist.
Beim einen oder anderen Zuschauer kamen wohl bereits ungute Erinnerungen an das erste Aufeinandertreffer der Saison auf...
Und siehe da: Im Mitteldrittel zeigte die hochdotierte Mannschaft aus der Quadratestadt, warum sie zu den Top-Meisterschaftsfavoriten gezählt wird.
Wie zuvor die Grizzlies kamen nun die Adler rasant aus den Startlöchern und bombardierten Jochen Reimer mit mehr oder minder gefährlichen Schüssen. Nach rund vier Minuten wurde die Luft dann zusehends dünner für die Gastgeber, als einem Lattenkracher von Ex-Grizzly Papineau schließlich der Ausgleich durch Trepanier (25.Min) folgte. Der Mannheimer Verteidiger hatte nach einfachem Querpass völlig freistehend von halblinks abgeschlossen – Reimer blieb chancenlos.
Doch zur Erleichterung der heimischen Fans verlor das Team von Toni Krinner in dieser kritischen Phase nicht den Kopf und stemmte sich weiter mit aller Kraft und zunehmender übersicht gegen den nicht abnehmenden Druck der Adler.
Im Gegensatz zum ersten Aufeinandertreffen, als den Grizzlies im Abschluss so gar nichts gelingen wollte, schafften sie an diesem Abend allerdings den erneuten Coup:
Mitten in die Drangphase der Gäste platzierte mit Paul Traynor (30.Min) zum zweiten Mal ein Wolfsburger Verteidiger den Puck im Mannheimer Netz, so dass der psychologische Vorteil prompt den Besitzer wechselte...
Das Spiel tauchte nun in seine heiße Phase ein, beide Teams spielten ihr bestes Hockey – nur Tore fielen keine mehr. Mit einer etwas glücklichen Führung für die Gastgeber ging es schließlich zum zweiten Mal in die Kabinen.
Dem Auftakt zum (vermeintlichen) Schlussabschnitt drückten nun wieder die Grizzlies ihren Stempel auf. Doch Gästekeeper Brathwaite schien mal wieder mit einem dritten Arm und ebenso vielen Beinen ausgestattet zu sein. Egal ob offen oder verdeckt auf den Mannheimer Schlussmann gefeuert wurde – der Goalie der Adler wehrte gnadenlos alles ab, was auf seinen Kasten kam.
Aber auch auf der Gegenseite glänzte Jochen Reimer mit teils genialen Reflexen - musste in der 56.Minute dann aber doch noch einmal hinter sich greifen, als Marcus Kink der durchaus verdiente Ausgleich zum 2:2 gelang. Schön freigespielt verwandelte der gebürtige Düsseldorfer in Diensten der Adler und sicherte den Gästen somit einen der begehrten Auswärtspunkte.
Besonders schlau hatten sich nach dem Ausgleichstreffer Teile des so zahlreich angereisten Mannheimer Anhangs gebärdet:
Nur wenig später hatten diese rund zwei Dutzend Schuhe ins Fangnetz hinter Reimers Tor geworfen – dumm nur, dass das Netz unter der Last der Schuhe auf die andere Seite klappte und seine müffelnde Fracht auf dem Eis hinter dem Wolfsburger Tor entlud. In einer kurzen Spielunterbrechung nahm das Hallenpersonal die gesamte Deichmann-Kollektion an sich und ließ über den Hallensprecher verkünden, dass man die Schuhe einem karitativen Zweck zuführen werde. Auch Jochen Reimer sorgte schließlich für Ordnung in seinem „Wohnzimmer“ und entsorgte eine einsame Socke mit gebührendem Abstand auf der Spitze seiner Kelle – mangelnden Sinn für Humor konnte man Wolfsburger Offiziellen und Spielern im Nachgang jedenfalls nicht vorwerfen.
Dass man dem sichtlich nach Luft ringenden Wolfsburger Team eine gratis Verschnaufpause verschafft hatte, schien den Mannheimer Gehirnakrobaten irgendwie nicht bewusst oder reichlich egal zu sein...
So ging es für die Grizzlies mit neuer Kraft in die Verlängerung, die ebenso rasant wie die vorhergehenden 60 Spielminuten ablief. Nachdem sich zunächst Chancen auf beiden Seiten ergeben hatten, verhängte der gut leitende und dem Körperspiel alles andere als abgeneigte HSR Jablukov die spielentscheidende Strafe gegen Gästeverteidiger Scalzo. Ganze 16 Sekunden schmorte der Adler wegen Stockschlags, dann durfte er mit seinen Kollegen auch schon zum Duschen. Lediglich der Videobeweis zögerte die Abreise der Gäste noch einen Augenblick hinaus, dann brach der allgemeine Jubel in orange ein zweites Mal los.
Ausgelassen feierten die Fans zunächst Siegtorschütze Magowan, anschließend das gesamte Team samt Nachwuchs bei der obligatorischen Ehrenrunde mit Raupe vor- und rückwärts!

Das Team

Hut ab! Kämpferisch und läuferisch ging unser Team weit in den roten Bereich! Bei einigen Akteuren hatte ich im letzten Drittel wirklich Sorge, ob sie im Backchecking überhaupt noch irgendetwas zustande bekommen können. Besonders Sarno und Höhenleitner schleppten sich eigentlich nur noch zur Bank, waren zwischenzeitlich kaum noch in der Lage zurück zu fahren.
Reimer mit einer Top-Vorstellung, ebenso wie die gesamte Defensive. Sloan weiter hoch motiviert, leicht verbessert, aber bei beiden Gegentreffern auf dem Eis.
Martinovic hingegen zeigte beim 1:0 echte Stürmerqualitäten – im Auge behalten den Mann! ;)
Offensiv zeigten die Grizzlies einmal mehr, über was für eine Tiefe wir im Kader verfügen. Der immer stärker werdende Sarno (potentielles Mannheimer Einkaufsobjekt) zeigte sich in bester Spiellaune, gab wirklich alles – ohne Fehl und Tadel!
Ken Magowan hob sich sein siebtes Tor im siebten Spiel hintereinander für die Entscheidung auf: Ein Reisenglück für Wolfsburg, dass der Torjäger mit schottischen Wurzeln seine alte Zielgenauigkeit zurückerlangt hat!
Insgesamt eine Bombenvorstellung.

Das Fazit

Was kann man groß kritisieren? Mir fällt nach so einer unglaublich beherzten Vorstellung nicht viel ein. Natürlich ist es fraglich, ob eine solche Leistung gegen eines der Top-Teams im Falle der Play-offs öfter als ein oder zweimal hintereinander möglich wäre. Im best-of-seven Modus könnte eine derart kräfteraubende Spielweise jedenfalls auch nach hinten losgehen.
Zu einem echten Eishockey-Highlight reichte es auf jeden Fall. Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, wie wir – Original-Zitat eines Mannheimer Fans – mit einer „Truppe der Namenlosen“ einer millionenschweren Truppe ein Bein stellen können. Wenn ich mir da so unsere Kaderliste durchlese, frage ich mich allerdings: Verliert man seinen „Namen“ automatisch, wenn man nicht (mehr) in Berlin oder Mannheim spielt? Ich glaube nicht.
Bekommt man erst einen Namen, wenn man eben dort einen Vertrag unterschreibt? Vielleicht schon eher – fragen wir einfach mal Herrn Papineau oder Herrn Degon. mb