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EHC - Hamburg Freezers 8:6

Das Spiel

Ein außergewöhnliches Spiel an einem außergewöhnlichen Termin. Während sich nach dem Championsleague - Aus der grün-weißen Nachbarn lediglich rund 1800 Zuschauer in die heimische Eisarena verirrten, bekamen diese allerdings jede Menge Abwechslung und Attraktionen geboten.
Nach ausgeglichenem Auftakt entwickelte sich zunächst ein recht einseitiges erstes Drittel. Die Grizzlies stürmten mit viel Zug zum Tor auf den vom 22jährigen Ersatzgoalie Fous gehüteten Kasten, während die Gäste reichlich einfallslos und irgendwie gehemmt wirkten und das Schlimmste zu verhindern versuchten.
Dass Fous, der für den verletzten Stammgoalie der Freezers eingesprungen war, bis zur ersten Pausensirene lediglich zweimal hinter sich greifen musste, grenzte fast an ein Wunder. Zu lethargisch wirkten seine Vorderleute, zu drückend war die überlegenheit der Gastgeber.
Nachdem Magowan im Powerplay zum 1:0 (7.Min) und Hospelt nach einer schönen Kombination unbedrängt zum 2:0 (11.Min) eingenetzt hatten, verhinderten vor allem zwei Strafzeiten in der 18. und 19. Minute Schlimmeres auf Seiten der Freezers. Den Anschluss für die Gäste brachten diese Strafen allerdings auch nicht.
Den verdienten Lohn für ihre Bemühungen fuhren die Grizzlies dann im Mitteldrittel ein: Ganze fünfmal schlug es im Tor der Hamburger Gäste ein, die lediglich durch einen Treffer von Karalahti ihren (scheinbaren) Ehrentreffer erzielen konnten.
Auf Seiten der Gastgeber trug sich mit Sebastian Furchner sogar ein Akteur gleich dreimal mit einem Tor in den Spielbericht ein (23., 26. und 29.Minute!). Norm Milley (28.Min) und John Laliberte im Powerplay (39.Min) komplettierten das Hamburger Debakel. Nach dem 6:0 durch Furchner hatte Gästecoach Gardner schließlich ein Einsehen gehabt und den völlig überfordert wirkenden Fous von seinem Leiden erlöst und durch Nachwuchskeeper Domenic Bartels ersetzt. Das wohl gewünschte Signal schien zunächst nur mäßig zum Team der Hanseaten durchzudringen – die Freezers wirkten in der Folgezeit bemühte, waren von Gleichwertigkeit aber immer noch meilenweit entfernt...
Wer jetzt glaubte, dass ein besinnlicher vorweihnachtlicher Eishockeyabend dem geruhsamen Ende entgegen trudeln würde, der hatte sich mächtig getäuscht.
Die Grizzlies steckten, nach durchaus konzentriertem Drittelauftakt, mal lässig ein bis zwei Tatzen in die Hose und holten sich zwischen der 45. und 47.Minute gleich mal den ersten, scheinbar wenig beeindruckenden, Doppelschlag durch Barta und Pielmeier ab.
7:3 – was sollte schon passieren...
Das Spiel eierte, scheinbar folgerichtig, weitere acht Minuten vor sich hin...doch die Freezers wurde Schritt für Schritt stärker, zogen immer konsequenter die Vorteile aus den sich bietenden Räumen. Es wäre sicherlich keine großartige Spannung mehr aufgekommen wenn...ja, wenn da nicht zwei ungünstige Umstände aufeinander getroffen wären.
Zum ersten entschied sich der bis dahin auf beiden Seiten eher fragwürdig pfeifende HSR Piechaczek zum Verhängen einer geradezu aberwitzigen Spieldauerstrafe gegen Christopher Fischer (gefeierter open-ice hit wird als Kniecheck gewertet...), zum anderen bekamen die Kuschelbären einfach nicht mehr den plüschigen Hintern aus der gemütlichen Höhle. Danach hieß es nicht nur Dauerunterzahl bis kurz vor Schluss, sondern auch wieder verstärktes Nägelkauen bei den Heimfans.
Anderthalb Minuten gelang es den Grizzlies noch den komfortablen Spielstand zu halten, bis Ken Magowan eine weitere Strafe wegen Beinstellens abzusitzen hatte. In Folge dieser Strafe, die Trainer Krinner in der anschließenden Pressekonferenz kurz und knapp als „geisteskrank“ charakterisierte, brach auf Seiten der Wolfsburger das absolute Chaos los:
7:4 durch Tripp in doppelter überzahl (57.Min)
7:5 durch Tripp in einfacher überzahl (58.Min)
7:6 durch Wilm in der Schlussminute – Bartels hatte bereits das Eis für einen sechsten Feldspieler verlassen.
Das erlösende 8:6 durch Laliberte (empty net) stimmte die anwesenden Fans dann doch wieder einigermaßen versöhnlich – der Schock des letzten Spielabschnitts steckte ihnen aber zur Ehrenrunde noch spürbar in den Gliedern...

Das Team
Ein erfahrener Goalie hätte vermutlich seine Vorderleute in dieser unsäglichen Schlussphase umgehend zusammengeschissen, dass es eine wahre Pracht gewesen wäre. Wenn ich da so an Mareks Ausraster denke...und das Lustige war: Die haben sogar meistens was gebracht! Wobei man eigentlich teamübergreifend sagen konnte, dass die Torhüter allesamt die ärmsten Säue in dieser Partie waren.
Die Verteidigung funktionierte zwei Drittel lang recht gut, musste aber kaum an ihr Limit (wo liegt das eigentlich?) gehen, um die farb- und einfallslosen Versuche der Gäste zu unterbinden. Im Schlussabschnitt fehlte mir, ehrlich gesagt, der Nerv, um noch auf etwaige Einäugige unter den Blinden zu achten.
Im Sturm überragte natürlich die Ulmer-Reihe alles andere bei weitem. Mit insgesamt 5 Treffern legte sie den Grundstein für einen am Ende unnötig knappen Sieg.
Nicht auszudenken, wenn man Furchners Hattrick mit dieser Larifarivorstellung in den Schlussminuten entwertet hätte!
Insgesamt sehr verwirrend...

Das Fazit
Auch wenn die Spieldauer gegen Fischer wohl unberechtigt war: Eine derart fahrlässige Schonhaltung kann fast immer Ruckzuck nach hinten losgehen. Hoffentlich hat das jetzt auch der Letzte im Team begriffen. Gerade Teams wie Hamburg, die traditionell Probleme haben ihr Potential abzurufen, darf man nicht ins Spiel kommen lassen. Es war schon durchaus beängstigend mit welcher Ruhe da anfangs die Tore quittiert wurden! Dass man am Ende dann noch das große Zittern bekommt – völlig überflüssig und mental absolutes Harakiri. Wenn man das Spiel am Ende noch verliert, schafft man sich ein – schlimmstenfalls wochenlanges – hausgemachtes Problem mit dem eigenen Unterbewusstsein. Und irgendwie hatte ich nach dem Spiel das Gefühl, dass es genau das war, was unseren Trainer so wütend gemacht hat. Nicht etwa die Punkte die man hätte verlieren können, sondern der psychische Knacks, den man sich mit so einem Spiel selber verpassen kann war es, was die Ader von Coach Krinner wohl so zum Pochen gebracht hatte.
Trotzdem: Am Ende bleiben drei Punkte gegen die Dezember-Seuche. Da soll man nicht undankbar sein in dieser nasskalten und besinnlichen Zeit...
Und um in den alljährlichen Tränendrüsen-Drückwettbewerb einzustimmen: Woanders haben sie nicht mal Eishockey! (Schluchz)
Munter bleiben.
mb