header
Log in
A+ A A-

EHC - Hannover Scorpions 4:6

Das Spiel

Vor rund 3400 Zuschauern gelang den Grizzlies zunächst ein gelungener Auftakt ins dritte Niedersachsenderby der laufenden Saison.
Mit viel Elan bauten die Gastgeber von Beginn an mächtig Druck auf den von Travis Scott gehüteten Kasten der Gäste auf.
Als nach dreieinhalb Minuten dann das 1:0 per Nachschuss fiel, schien sich ein erfolgreicher Spielverlauf, im Sinne Wolfsburgs, abzuzeichnen. Getroffen hatte der schon seit Wochen brillant aufspielende Norm Milley, der sich resolut vor dem Hannoveraner Tor durchsetzen und den Abpraller verwerten konnte.
Leider blieb es bis zum Ende des ersten Spielabschnitts lediglich bei der optischen überlegenheit des EHC, denn sowohl das Powerplay der Grizzlies als auch die Konsequenz im gegnerischen Slot blieben meilenweit hinter der überlegenen Spielgestaltung (bei 5 gegen 5) zurück.
Von den Scorpions hingegen war über weite Strecken des Auftaktdrittels nichts zu sehen. Die wenigen Kontergelegenheiten entschärfte die wenig geforderte Abwehr der Gastgeber meist souverän. Besonders stark löste Kapitän Sloan ein 2-1 Situation, als er Gästestürmer Dzieduszycki passieren ließ, um ihm den Puck aus der Drehung vom Schläger zu schlagen.
Mit einer äußerst knappen – und für die Gäste äußerst schmeichelhaften – 1:0 Führung ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Was folgte, war eine Steigerung(!) des unsäglichen letzten Drittels, das es zuletzt gegen die Freezers zu bewundern gab.
Nachdem Sloan 14 Sekunden vor der Pause noch einen späten Check gelandet hatte, der als „Beinstellen“ mit zwei Strafminuten geahndet worden war, startete der EHC also in Unterzahl ins Mitteldrittel.
Die Grizzlies wirkten nun, warum auch immer, wie Zuschauer. Keine Aggressivität, kein überblick, Fehler über Fehler...
- 1:1 in der 21.Minute durch Herperger in überzahl
- 1:2 in der 23.Minute durch Dzieduszycki im Nachschuss, wieder in überzahl; Martinovic hatte sich gerade erst hingesetzt
- 1:3 in der 24.Minute durch Vikingstad, der einen hohen Querpass mit dem Oberkörper stoppte und per Baseballschlag in die Maschen drosch
- 1:4 in der 27.Minute durch Dolak, der einen Steilpass schnell ins Tor hinter Reimer weiterleitete
In der nächsten Spielunterbrechung folgte auf Seiten der Grizzlies dann die erste sichtbare Reaktion auf das sich abspielende Drama. Jochen Reimer musste für Dshunussow im Tor der Gastgeber Platz machen, quittierte seine Auswechslung auch prompt mit einem deftigen Wutausbruch auf der Spielerbank. Doch Pleiten, Pech und Pannen nahmen weiter ihren Lauf:
Nach einem guten Save zum Einstand verletzte sich die Wolfsburger Nr.1b beim nächsten Gegentreffer durch Andre Reiss und musste das Eis schon nach zwei gespielten Minuten wieder verlassen. Un-glaub-lich.
Auch wenn der Drops nun gelutscht schien – die Grizzlies stabilisierten sich nun endlich wieder, hatten auf ein Mal wieder Chancen über Chancen...und nutzten sie nicht!
Lediglich das 2:5 durch Furchner konnte exakt zwei Minuten vor der zweiten Drittelpause noch auf der Habenseite der Gastgeber verbucht werden. Bis dahin hatte das Team von Toni Krinner schon wieder klarste Einschussgelegenheiten ausgelassen, teilweise sogar das leere Tor nicht treffen können.
Mit nur wenig Zuversicht ging’s für die heimischen Fans in den letzten Spielabschnitt.
Doch die Grizzlies versuchten weiter ihr Bestes, um den katastrophalen Eindruck des Mitteldrittels bei ihrem Publikum verblassen zu lassen.
Fast wäre dies sogar noch gelungen: Dem 3:5 durch Norm Milley, das nach minutenlangem Videobeweis anerkannt wurde (44.Minute), ließen die Wolfsburger in der 51.Minute ihr erstes Powerplaytor des Abends folgen. Traynor hatte die Gastgeber mit einem knallharten Hammer, der abgefälscht an Scott vorbeitrudelte, wieder ins Spiel gebracht.
Hätte Heißsporn Fischer die Grizzlies nicht wieder mit einer überflüssigen Strafe in die Defensive gezwungen, der Abend hätte vermutlich einen noch kurioseren Verlauf genommen.
Die an die Strafzeit anschließende Schlussoffensive des EHC blieb, trotz Strafe gegen Hannover und herausgenommenen Torwarts, ohne den gewünschten Erfolg.
Der Treffer ins leere Tor zum 4:6 durch Hlinka setzte den Hoffnungen der Heimfans dann in der Schlussminute ein endgültiges Ende.

Das Team

Das Thema „Torwart“ wird theoretisch langsam ein heißes Eisen: Dshunussow darf kaum Spiele machen und soll trotzdem mit Höchstleistung einspringen können, wenn Reimer sich einmal verletzen sollte. Oder will man im Falle einer Verletzung Reimers einen Ausländer verpflichten und einen überzähligen Kontingentspieler auf die Tribüne setzten? Wohl kaum.
Faktisch wird das Thema allerdings wohl erst einmal in der Versenkung verschwinden, denn Dshunussow scheint sich verletzt zu haben – hoffentlich nicht gravierend.
Die von Krinner geforderten „Unhaltbaren“ konnte Reimer jedenfalls in den letzten Spielen auch nicht mehr halten...
Die Verteidigung legte zunächst einen guten Start hin. Besonders Blake Sloan wirkte ungewohnt stark und souverän. Leider konnte er diesen positiven Anfang, wie der Rest der Mannschaft, nicht komplett durchhalten.
Thema „Durchhalten“: Besonders im Sturm kann man eine konsequente Linie offenbar kein ganzes Spiel mehr durchhalten. Die Arbeit im Slot ist alles andere als überzeugend. Die Wege zum Rebound werden gar nicht oder zu spät gegangen. In jedem der bisherigen Dezemberspiele nimmt man sich eine dramatische Auszeit. Das 6-4 überzahlspiel, letzte Chance das Spiel zu drehen, war da eigentlich das Sinnbild schlechthin: Zwei EHC-Spieler stehen, völlig korrekt, vor Scott – leider stehen sie da nur rechts und links Spalier...freie Sicht für den Goalie der Scorpions und darüber hinaus zwei Anspielstationen im Powerplay weniger. Nur zum Ablenken der Schüsse dort zu parken, ist einfach zu wenig. Es muss ja nicht gleich Sean Avery – mäßig abgehen, aber ein bisschen mehr Stress darf für den gegnerischen Torhüter schon drin sein!
Echtes Highlight ist und bleibt Norm Milley. Bombe, der Mann! Nicht nur wegen seiner Tore.

Das Fazit

Der krinnersche Seuchen-Dezember nimmt seinen Lauf. Unglaublich, wie das Team sich mit Beginn des Dezembers diese Auszeiten in jedem einzelnen, verdammten Spiel nimmt.
Wie schon in den letzten drei Jahren wird dieser rätselhafte Einbruch zur eigentlichen Eishockeyzeit des Jahres uns in Sachen Zuschauergewinnung ein gutes Stück zurückwerfen und mir mal wieder die Weihnachtsferien gemäßigt bis mittelschwer versauen. Um mit Florian Silbereisen zu sprechen: I freu mi!
mb

PS: Sollte das Team entgegen seinen Gewohnheiten oder entgegen seiner saisonal bedingten konditionellen Möglichkeiten den Schalter doch noch vor Weihnachten umlegen können, dann wäre das Fest endlich mal wieder wirklich ein „Fest“! Wär doch mal was....
Munter bleiben.