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EHC - Kölner Haie 3:2

Das Spiel

Ein seltsames erstes Drittel war es, das die rund 2300 Zuschauer zum Auftakt geboten bekamen.
Wolfsburg präsentierte sich ungewohnt verhalten und wollte vermutlich die defensiven Vorgaben nach den letzten beiden Auswärtspleiten umsetzen. Das Ergebnis war ein wenig ansehnlicher Auftakt, der eher zum Gähnen denn zum Mitfiebern Anlass gab. Köln stürmte recht kontrolliert Richtung Reimer und die Grizzlies versuchten die Situation zu neutralisieren – keine Strafzeiten, fast keine gefährlichen Wolfsburger Torschüsse und nur wenig gefährliche, wenn auch häufigere, Aktionen der Gäste vor dem EHC-Gehäuse. Die Stimmung in der Halle hatte sich bis zur ersten Pausensirene entsprechend auf Friedhofsniveau eingependelt...
Das war offenbar auch Spielern und Trainerstab der Grizzlies aufgefallen, so dass man sich mit einem wesentlich offensiveren Auftritt in den Mittelabschnitt stürzte. Wobei „stürzen“ wörtlich zu nehmen war, da die Gastgeber zwar zum wiederholten Male durch Kai Hospelt und nun auch durch andere Stürmer zu besseren Torgelegenheiten kamen, aber in der Defensive ihren eigenen Offensivdrang nicht abfangen konnten.
So bezahlte der EHC die entstehenden Unsicherheiten mit dem 0:1 durch Martin Bartek (24.Min), der einen Querpass völlig unbedrängt vollstrecken konnte. Nur wenig irritiert marschierten die Grizzlies weiter Richtung Weibel im Tor der Haie...und scheiterten ein ums andere Mal am Keeper der Gäste oder am ungenauen Abschluss ihrer Bemühungen.
Als Wolfsburg dann ab der 27.Minute zum ersten Mal in Unterzahl agieren musste, ging die Achterbahnfahrt richtig los: Eine Minute später folgte Sloan nach einer völlig überflüssigen Aktion seinem Kollegen Magowan auf die Strafbank, wieder 13 Sekunden später zwang Ulmer per Konter einen Kölner zur Notbremse, was das numerische Ungleichgewicht wieder etwas erträglicher gestaltete. Der EHC wirkte in Unterzahl überraschend gut, brachte die Strafen souverän von der Uhr und stürmte in der Folgezeit wieder munter drauflos – mit dem bekannten Ergebnis. Laliberte und Ulmer verzettelten sich beim 3 auf 1 Konter, Furchner prüfte, ob es mittlerweile nicht doch Torhüter mit Loch in der Brust gibt (mehrfach)...es kam einfach nichts Zählbares heraus.
Anders die Haie: Mit einem Alleingang entlarvte Martin Bartek mehr als deutlich die Probleme in Wolfsburgs Defensive und schloss eiskalt zum 0:2 ab (33.Min). Was für ein Tiefschlag!
Doch es gab für Fans und Mannschaft der Grizzlies kaum Gelegenheit zur Resignation. Nur eine Minute später wanderte auf Seiten der Gäste Mats Trygg auf die Strafbank und schon wenige Momente später zeigte Wolfsburgs Torjäger Nr.1, warum sein Handgelenksschuss mittlerweile zu den gefürchtetsten der Liga gehört. Diesmal schlug Laliberte allerdings nicht aus Halbdistanz zum 1:2 zu, sondern überraschte Gästekeeper Weibel, indem er am kurzen Eck stehend den Puck einfach über dessen Schulter in den Winkel hebelte – das Spiel nahm nun zusätzlich Fahrt auf! Vor allem Wolfsburgs erste Reihe mit Laliberte, Hospelt und Milley wirkte wie elektrisiert und heizte den Haien nun tüchtig ein. Doch auch die Gäste blieben gefährlich, konnten ihre Möglichkeiten aber nach dem Vorbild der Gastgeber nicht mehr nutzen.
Als Hospelt in der 37.Minute schließlich der, mittlerweile verdiente, Ausgleich gelang, kam auch auf den Rängen endlich etwas Leben in die seltsam reserviert wirkende Kulisse.
Und die Grizzlies setzten weiter nach, rannten den Gästen förmlich die Bude ein!
Die Konsequenz vor dem gegnerischen Tor, vor allem der Kampf um den Rebound, sollte sich auszahlen: Norm Milley konnte in der Schlussminute des Drittels einen Schuss, der Weibel durch die Schoner geglitten war, zum vielumjubelten 3:2 einnetzen. Das Spiel war, ausgerechnet im gefürchteten Mitteldrittel, gedreht worden!
Was folgte, war ein Schlussabschnitt, der wiederum vor allem vom Kampf geprägt war.
Zunächst blieben die Gastgeber auch offensiv „im Geschäft“, verloren gegen Mitte des Drittels aber zusehends ihren Drang nach vorne und mussten den knappen Vorsprung mit einer immer einseitigeren Defensivschlacht über die Runden bringen. Als fünf Minuten vor Schluss mit Alavaara doch noch einmal ein Akteur auf die Strafbank musste, setzten die Haie zur Schlussoffensive an. Doch ob mit einem Mann mehr oder schließlich ohne Torhüter im eigenen Gehäuse – Köln fuhr letztlich ohne Punkte nach Hause. Glücklich, aber verdient blieben diese in vollem Umfang in der heimischen Arena!

Das Team
Jochen Reimer mit gewohnt sicherer Leistung – sollte nach Daniars Rückkehr aber dringend mal Pausen einlegen, wirkte in den letzten Spiel hin und wieder doch recht überspielt!
Die Abwehr bleibt der Wackelkandidat in Wolfsburgs Spielplan: Wie soll man nun spielen? Defensive Spielausrichtung funktioniert nicht wirklich (siehe erstes Drittel – grausam!), offensive Spielausrichtung überfordert einige Akteure offenbar in ihren individuellen Fähigkeiten. Dass ein Fischer oder Wurm nicht immer voll auf der Höhe sind, oder mal die Nerven verlieren ist völlig in Ordnung. Gemessen an ihrer Erfahrung zeigen beide eine tolle Saison. Aber dass, außer Alavaara, kaum ein Ausländer in der Verteidigung kontinuierlich überzeugen kann, ist schon sehr bedenklich...
Besondere Kopfschmerzen bereitet mir dabei, leider, erneut Blake Sloan. Nach zwischenzeitlich soliden bis guten Vorstellungen, wirkt der Wolfsburger „Top“ – Verteidiger wieder häufiger überfordert. Taktisch wie auch von der individuellen Klasse wirkte das mal wieder eher wie dritte Reihe...
Genzes Zuschauerrolle ist, nachdem der Oldie in Reihen der Grizzlies zuletzt doch etwas langsam wirkte, leider, leider berechtigt. Hoffentlich schafft Sascha noch mal den Sprung in die Startformation!
Im Angriff begeistert die erste Reihe momentan fast durchgängig. Zwar kann Kai Hospelt, vor allem im Powerplay, Sarno nicht völlig ersetzen, aber was der junge Mann bei 5 gegen 5 aufs Eis zaubert – das kann ein ganzes Spiel kippen! Zusammen mit einem immer selbstbewusster auftretenden, spielerisch überragenden Norm Milley und einem eiskalten John Laliberte kommt da schon eine Menge Spaß auf. Aber auch die zweite Reihe hätte zu gefallen gewusst (Ulmer momentan absolut überragend!), wenn...ja, wenn da das Thema Abschluss nicht wäre. Besonders Sebastian Furchner wartet offenbar immer noch darauf, dass die Torleute seinen Schüssen aus dem Weg springen...vielleicht einfach mal flach schießen, wenn’s mit dem Zielen nicht so klappt? Könnten sich, zur Abwechslung, Rebounds für den durchaus mitfahrenden Magowan ergeben.
Alle anderen, einschließlich Neuzugang McIlveen, wirkten in ihren Aktionen zu wenig zielstrebig, zu zaghaft...

Das Fazit
Kein wirklich schönes Spiel, aber ein wirklich schönes Ergebnis. Wie oft haben wir solche Spiele eigentlich schon mit null oder, bestenfalls, einem Punkt abgegeben?
Ein Rezept für die Zukunft (siehe Kommentar zur Verteidigung) lässt sich allerdings irgendwie nicht ableiten.
Der EHC befindet sich, nach wie vor, in einer Krise! Auch wenn der Tabellenplatz Positiveres verkündet: Die Leistungen und vor allem die Ergebnisse der letzten 5-6 Wochen sind und bleiben bedenklich! Vielleicht ist nach Abschluss diverser Vertragsverhandlungen eine Verbesserungen möglich? Oder wird’s dann noch dürftiger? Schaun mer mal. mb