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EHC - Eisbären Berlin 2:3

Das Spiel

In einem absolut unterhaltsamen Auftaktdrittel zeigten die Grizzlies gleich, dass sie nicht gewillt waren sich wie im ersten Aufeinandertreffen vom Meister vorführen zu lassen. Im Gegenteil: Nach ausgeglichenem Beginn erarbeitete sich das Team von Toni Krinner nicht nur eine Feldüberlegenheit, sondern bereits in der 7.Minute die verdiente 1:0 Führung. Andreas Morczinietz hatte per blitzschnellem Bauerntrick den Goalie der Eisbären überwinden können und somit den ersten Treffer der Partie verbuchen können.
Während die Stürmer beider Seiten die Torleute bis zur Pausensirene nicht mehr überwinden konnten, wuchs bei den Berlinern angesichts des fehlenden Spielrhythmus’ zusehends der Frust. Kapitän Stefan „Hooligan“ Ustorf egalisierte in der 14.Minute mit einer völlig überflüssigen Aktion nicht nur eine laufende Berliner überzahl, sondern fing sich im Anschluss auch noch 10 zusätzliche Minuten wegen Meckerns ein. Den Grizzlies sollte es nur recht sein, denn auch und vor allem im zweiten Spielabschnitt wirkte der Meister aus der Hauptstadt irgendwie nicht vollständig auf der Höhe seines Könnens. So drückte der Gastgeber, häufig in überzahl, in nie zu erhoffen gewagter Intensität auf das von Rob Zepp gehütete Tor, konnte in der 27.Minute sogar das hochverdiente 2:0 durch einen Distanzschuss von Kai Hospelt erzielen. Was diesem Treffer allerdings vorausging und auch noch minutenlang folgte, war schon fast unglaublich (so man denn in dieser Saison noch nie ein Spiel dieses Teams gesehen hatte): Laliberte (Pfosten), Magowan (einmal völlig frei - knapp vorbei + einmal völlig frei - über den Puck geschlagen), Milley (Torhüter aus nächster Nähe direkt angeschossen), Traynor (Maske), Ulmer (völlig frei - zu langsam reagiert), Hospelt (im letzten Moment gestört) usw., usw., usw.
Es kam, wie es gegen Klasseteams immer kommt: Nach einem verpatzten Wechsel der Grizzlies nutzte der Gast die Unaufmerksamkeit zum, zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gerechten, 2:1 Anschlusstreffer durch Tyson Mulock, der Reimer im Alleingang wunderschön (und eiskalt) ausspielen konnte (32.Min).
Statt mit 3:0 oder 4:0 ging es mit diesem denkbar knappen Vorsprung für Wolfsburg zum zweiten Mal in die Kabinen.
Dass der Gegentreffer Wirkung beim Gastgeber ausgelöst hatte, merkte man nicht nur in den verbleibenden Minuten bis zum zweiten Pausentee. Auch im Schlussabschnitt kamen die Grizzlies irgendwie nicht mehr richtig in Fahrt – schlimmer sogar: Während Wolfsburg im Mitteldrittel zumindest auch im Anschluss an diesen Nackenschlag noch die eine oder andere hochkarätige Chance herausarbeiten konnte, geriet man im dritten Abschnitt mehr und mehr in die Rolle des Reagierenden. Das schnelle 2:2 durch Derrick Walser (43.Min) und der Ausfall Milleys (Schulterprellung) in Wolfsburgs Paradereihe setzten den Abwärtstrend des EHC dann vollends in Gang. War das zweite Tor der Gäste noch unter der Rubrik „Hätte man ja mal stören können“ entstanden, so erntete die Abwehr der Grizzlies beim 2:3 (56.Min) durch Sven Felski nur noch ungläubiges Kopfschütteln. Rekis und Ulmer behinderten sich vorm eigenen Torraum gegenseitig, während der zum Nachschuss bereite und von Reimer dringend gesuchte Puck zu ihren Füßen lag – der Stürmer der Eisbären sagte artig „Danke!“.
Wolfsburg kam nicht mehr richtig zum Zug, schwächte sich durch eine selten dämliche Strafe Furchners nur Sekunden nach dem 2:3 zu allem überfluss auch noch selbst. Die letzten beiden Minuten wirkten dann eher ratlos, der EHC kam erst wenige Augenblicke vor dem Abpfiff überhaupt dazu den Torhüter für einen Feldspieler herauszunehmen – es brachte herzlich wenig.
So endete eine insgesamt sehr ansehnliche Partie mit einem doch reichlich unbefriedigenden Ergebnis – zumindest aus Wolfsburger Sicht.

Das Team

Reimer weiterhin tadellos, sogar mit ein paar außergewöhnlichen Saves. Gut.
In der Verteidigung gefallen mir weiterhin nur Fischer und Alavaara ohne größere Einschränkungen. Vielleicht kommt nun die Zeit, um dem einen oder anderen Ausländer in der Verteidigung eine Denkpause zu verpassen. Sascha müsste ja langsam auch mal aus dem Formtief kommen (dauert bei ihm eigentlich nie besonders lang) und könnte für den betreffenden Kandidaten „einspringen“. Bei so viel Schonung müsste der Alterspräsident der Grizzlies doch mittlerweile wieder gut mithalten können ;).
Im Sturm bietet Kai Hospelt weiterhin eine große Show nach der anderen. Nicht nur seine Tore und Vorlagen, sondern seine Fähigkeit sich in das Spiel eines Klassestürmers wie Norm Milley so weit hineinzudenken, dass die beiden sich mittlerweile fast blind verstehen, spricht absolut für ihn.
Laliberte, Ulmer, Magowan und Furchner können einfach nicht genug aus ihren zahlreichen Chancen machen. Selbst Wolfsburgs diesjährige Neuentdeckung John Laliberte, „Libs“ genannt, scheint sich mit einem Treffer aus zuletzt acht Spielen bei seinen Teamkollegen angesteckt zu haben.
Zudem fehlt mit Peter Sarno der nötige Schuss Genialität, um sich die entscheidenden (und im Falle dieses Teams auch bitter nötigen) Extra-Chancen zu erspielen.
Höhenleitner ist für mich bisher eine einzige Enttäuschung: Glänzt entweder mit Alleinikov-Anfällen oder schwachem Abspiel, das einen wünschen lässt, er hätte es erst gar nicht versucht. Wer hat dem jungen Mann eigentlich eingeredet, dass er ein schrecklich gefährlicher Torjäger ist, der am besten immer erst mal aufs Tor schießt?
Sulkovsky, Krestan und McIlveen nehmen mal mehr mal weniger am Spiel teil – letztlich zu wenig!
Mike Green und Andy Morczinietz spielen was man von ihnen erwarten darf.

Das Fazit

Das Spiel hätte man deutlich gewinnen müssen PUNKT
Das Abwehrverhalten der Grizzlies, besonders im Schlussabschnitt, hatte streckenweise etwas erschreckend slapstickartiges – da könnten und sollten Veränderungen zur nächsten Saison her. Wenn sich Wolfsburgs Effizienz nicht bald verbessert, dürfte dies ohnehin eine kurze Saison werden: In den Play-offs erzwingen die Gegner für gewöhnlich auch mal das eine oder andere Tor mehr als sonst – wie soll das bei uns bitte aussehen?
Nach der Verlängerung mit Laliberte sehe ich nun keinen einzigen dringenden Haltekandidaten in unseren momentanen Reihen – alle Leistungsträger, die diesen Namen zurecht tragen, sind noch mit Vertrag ausgestattet. Das versetzt unseren Manager, trotz leichter Etatkürzung, in Zeiten der Finanzkrise natürlich in eine komfortable Verhandlungsposition. Vielleicht wird der eine oder andere zu deutlich gesenkten Bezügen noch verlängert - wirklich wünschen tue ich mir das bestenfalls bei Green und Rekis. Sarno dürfte zur nächsten Saison wohl etwas aus dem Gehaltsgefüge herausfallen...
Höhenleitner sollte man nicht halten, wenn er woanders eine bessere Perspektive für sich sieht.
Nebenbei bemerkt: Wenn Herr Krinner (lt. HAZ) bereits „Visionen“ bezüglich Hannover hat, sollte er bei uns vielleicht auch mal eine „Vision“ für die noch laufende Saison proklamieren. Ansonsten wird es Zeit den Stab an Pavel weiter zu reichen. Vielleicht hat der ja auch „Visionen“ – und zwar welche, die die Grizzlies betreffen! mb