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EHC - Hamburg Freezers 5:2

Das Spiel

Trotz des fast zeitgleich stattfindenden Fußballspiels in der nahegelegenen Volkswagen-Arena fanden sich knapp 2400 Zuschauer zum Spiel der Grizzlies ein, die auch prompt einen amüsanten Eishockeynachmittag verlebten.
Sah es nach starkem Beginn der Gastgeber zunächst nach einem eher bizarren Verlauf der Begegnung aus – Peter Ratchuk hatte einen Stellungsfehler in der Wolfsburger Defensive zum 0:1 nutzen können (4.Min) – so entwickelte sich in der Folgezeit ein Spiel nach dem Geschmack der Grizzlyfans.
Der EHC rannte die Gäste aus Hamburg förmlich in Grund und Boden, ließ das Team von Coach Gardner völlig hüftsteif und...irgendwie alt aussehen.
So fielen die Tore bald wie reife Früchte:
1:1 – Ulmer drückt die Scheibe durch Goepferts Schoner (7.Min)
2:1 – Fischer überwindet den Goalie der Freezers ebenfalls aus Nahdistanz durch die Beine (12.Min)
3:1 – Magowan gelingt das gleiche Kunststück nach Umrundung des Tors und aus Halbdistanz (16.Min).
Nicht nur, dass die Abwehr der Gäste mit der Geschwindigkeit der Grizzlies völlig überfordert wirkte, sondern auch der Torhüter der Freezers legte in den ersten 20 Minuten Leistungsmerkmale an den Tag, die eher bei den Damen auf St.Pauli als im Eishockeysport gefragt sein dürften.
Das 4:1, das erneut Magowan erzielen konnte, fiel dann zwar als unhaltbarer Schuss in den Winkel – die Entstehung des Treffers war dafür aber an Peinlichkeit (aus Gästesicht) kaum zu überbieten. Vier Hamburger bildeten bei eigener Unterzahl ein Karree um Torjäger Magowan, der in aller Ruhe in Halbdistanz annehmen und einnetzen konnte (17.Min). Die Partie war eigentlich gelaufen...
Doch wer die letzte Begegnung gegen die Gäste aus dem Norden erlebt hatte, dem blieb ein Rest Unbehagen, auch wenn oder gerade weil der folgende Spielabschnitt zwar weiter eine überlegene Mannschaft des EHC zeigte, aber keine weiteren Treffer zu verbuchen waren.
Während die Grizzlies beste Chancen im halben Dutzend ausließen, gelang es den Freezers und vor allem ihrem US-amerikanischen Torhüter das eigene Auftreten etwas zu stabilisieren – die Chancen zum Comeback blieben allerdings rar.
Als dann der finale Spielabschnitt durch Morczinietz’ 5:1 eröffnet wurde, schwanden wohl auch die letzten Zweifel über einen Sieg des Wolfsburger Teams, das im Laufe dieses Drittels nicht die Fehler aus dem letzten Aufeinandertreffen wiederholte. Jeglichen Druck der Gäste, die jetzt deutlich mehr Spielanteile erobern konnten, beantworteten die Grizzlies mit einer fast sofortigen Erhöhung der Konzentration. Alle aussichtsreichen Versuche endeten, wie schon in den Dritteln zuvor, fast ausnahmslos in der Fanghand oder auf den Schonern vom gut aufgelegten Dshunussow im Tor der Gastgeber. Lediglich beim 5:2 in der 54.Spielminute war es Hamburgs Biron gelungen die schnelle Fanghand des Wolfsburger Goalies zu überwinden.
Im Gegenzug kehrte Toni Krinners Team allerdings auch zur „gewohnten“ Chancenverwertung zurück, nutzte weiterhin beste Einschussmöglichkeit nicht...
Den Jubel am Ende der Begegnung schmälerte dies aber kaum – ein Ständchen für Geburtstagskind Christopher Fischer gab’s gratis vorneweg. Nach seinem Sky-Interview revanchierte der Nachwuchsverteidiger in Diensten der Grizzlies sich beim Publikum und führte die Mannschaftswelle der Ehrenrunde an.
Wer an diesem Abend beim Fußball war, ist selber schuld...

Das Team

Dshunussow mit wirklich überzeugender Vorstellung. Den Querpass zum 0:1 hätte er mit den Automatismen von mehr Spielpraxis vielleicht sogar auch noch unterbunden, ansonsten löste der Goalie der Grizzlies sämtliche Situationen optimal!
In der Verteidigung machte Christopher Fischer sich mit einer Bombenleistung des schönste Geburtstagsgeschenk selber. Alle anderen brachten fast 100% das, was man im einzelnen erwarten darf – gegen einen Gegner wie Hamburg auch nicht wirklich eine Kunst.
Einzig Sloan glänzte mal wieder mit dem Ausrutscher des Abends - man gewöhnt sich langsam dran und auch Dshunussow wirkte nicht zu überrascht...
Positiv hingegen, dass Oldie Genze endlich wieder Eiszeit bekam und dabei durchweg zu überzeugen wusste. Vielleicht schont der Trainer ihn nur für die Play-offs - wer weiß, wer weiß...
Im Angriff kommt momentan, trotz des Unworts des Jahres (Chancenverwertung), jede Menge Freude auf. Während die Reihe um Kai Hospelt solide, aber nicht so überragend wie zuletzt, agierte, kam die Ulmer-Reihe voll in Schwung. Furchner brachte mit seinem Laufpensum die stoischen Riesen aus dem hohen Norden schier zur Verzweiflung, während Ulmer und Magowan schonungslos die Nahtstellen im Spiel der Freezers offen legten. Aber auch die dritte Reihe machte ihre Sache gut, zermürbte den Gegner durch unbändigen Willen und fleißiges Arbeiten.
Dass aus der vierten Formation lediglich Neuzugang McIlveen auffiel, war da schon eher bedenklich. Bei Krestan und Sulkovsky fragt man sich sowieso des öfteren, ob die beiden überhaupt mitgespielt haben.

Das Fazit

Wie die Freezers mit so einer Laufleistung überhaupt ein Spiel gewinnen konnten, geschweige denn die letzten beiden Partien zu Null gestalten konnten...es ist mir ein Rätsel. ähnlich desolat wie bei ihrem letzten Auftritt, hatten die Gäste diesmal nicht das Glück eine fragwürdige Spieldauer gegen Wolfsburg geschenkt zu bekommen und ein völlig die Hände in die Hosentaschen steckendes Team im letzten Spielabschnitt vorzufinden.
Der EHC hingegen gewinnt die Spiele, die er gewinnen muss. Wenn dies auch in Kassel und gegen Krefeld und Augsburg gelingen sollte (allesamt deutlich hinter den Grizzlies platziert), dann könnte dies noch eine denkwürdige Saison werden. Platz 6 oder besser am Ende vorausgesetzt. mb