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EHC - Straubing Tigers 4:3 nP

Das Spiel

Manchmal zählt eben nur das Ergebnis...
Genau so einen Abend erlebten die 2200 Zuschauer im vierten Aufeinandertreffen mit den Tigers aus Straubing. Dass es am Ende, wie fast immer wenn sich diese beiden Kontrahenten messen, den gewohnten Sieger zu bejubeln gab, war dann auch ein wenig glücklich.
Der Start verlief so kurios wie das ganze Spiel: Straubing überrannte die Grizzlies praktisch, stürmte mit vollem Lauf- und Körpereinsatz auf das Tor von Daniar Dshunussow und machte den Wolfsburger Goalie zum gefragtesten Mann der Partie.
Den ersten Treffer erzielten jedoch die Gastgeber, die bereits in der 3.Minute durch einen Powerplay-Knaller von Alavaara mit 1:0 in Führung gehen konnten.
Dieser, zumindest auf der Anzeigentafel, gute Auftakt schien aber die Gäste umso mehr anzustacheln, während der EHC viel zu verspielt und auch längst nicht so schnell wie gewohnt agierte.
Das überaus verdiente 1:1 fiel dann erneut durch eine, diesmal vom Schiedsrichter ausgelöste, paradoxe Situation.
Bei 4-4 auf dem Eis verlor ein Straubinger im Zweikampf mit Norm Milley zunächst das Gleichgewicht, woraufhin HSR Bauer Milley auf die Strafbank schickte.
Die allgemeine Verwunderung wich zwei Sekunden vor Ablauf der Strafe dem Zorn auf den leitenden Unparteiischen: Das 1:1 durch den agilsten, aber auch hart an der Grenze des Erlaubten spielenden Straubinger Meloche stellte in der 11.Minute ein zumindest ansatzweise faires Zwischenergebnis her.
Straubing erhöhte jetzt noch einmal den körperlichen Einsatz, fiel allerdings dabei durch verstärkt in Bein bzw. Kniehöhe angesetzte Checks auf! HSR Bauer schaute unter dem Protest der Zuschauer exakt so lange zu, bis mit Fischer ein Wolfsburger einen solchen Check ansetzte...und auf die Strafbank musste (15.Min) – das Verhältnis zwischen Publikum und Schiedsrichter war ab diesem Punkt auf einem gefährlichen Weg...
Bis zur ersten Pause hielt Wolfsburg dem Druck der Tigers jedoch stand und ließ sich von den abstrusen Entscheidungen und der kaum erkennbaren Linie des Schiedsrichters nicht aus dem Konzept bringen...jedenfalls nicht völlig. Straubing hingegen legte ein starkes Auftaktdrittel hin und verwandelte das Drittel der Gastgeber zwischenzeitlich in so etwas wie einen riesigen Flipperautomaten. Stolze 26 Schüsse feuerten die Tigers laut Statistik auf den Kasten von Dshunussow dabei ab, wobei der Wolfsburger Goalie zwar 25mal Sieger blieb, die zahlreichen Abpraller jedoch für hektische Betriebsamkeit sorgten.
Der zweite Abschnitt gestaltete sich weitaus ansehnlicher, wenn man Anhänger des Wolfsburger Teams war. Die Grizzlies spielten sich eine mehr als leichte überlegenheit heraus und machten eigentlich nur einen Fehler: Sie blieben im Angriffsdrittel zu verspielt, gestalteten ihre Aktionen meist im letzten Moment einfach zu kompliziert.
Das 2:1 fiel dann auch eher mit Gewalt, denn durch Spielkultur. Alavaaras Hammer konnte Bales im Tor der Tigers nur abprallen lassen, John Laliberte war prompt zur Stelle (25.Min).
Noch im Torjubel kassierte Wolfsburgs Torjäger einen Crosscheck gegen den Kopf – HSR Bauer sah es und reagierte...nicht.
Eine Minute vor dem zweiten Pausentee jubelten die Grizzlies erneut, glaubten, dass Magowan das 3:1 erzielt hätte – nach Videobeweis gab HSR Bauer den Treffer nicht, da Bales zuvor seinen Kasten verschoben hatte. Nicht zum ersten Mal und nicht zum ersten Mal recht offensichtlich.
Gekrönt hatte der Goalie der Gäste diese Dreistigkeit, als er – Bauer direkt neben seinem Tor stehend – sein bereits gelockertes Tor mit zwei gezielten Tritten aus der Verankerung gebracht hatte.
Dass es nicht ein einziges Mal eine Strafe gab, verstand sich von selbst...
Wolfsburg blieb auch im Schlussabschnitt erst mal am Drücker, erzielte nach dreieinhalb Minuten sogar das 3:1 durch Norm Milley, der einen Abpraller im Tor versenken konnte.
Das Spiel schien unter Kontrolle und einem erfreulichen Ende entgegen zu streben – Fehlanzeige!
Wieder zwei Sekunden vor Ablauf einer Strafzeit gegen die Grizzlies schlug es zum 3:2 hinter Dshunussow ein (50.Minute). Torschütze auf Seiten der Gäste war zum zweiten Mal der wie besessen aufspielende Eric Meloche.
Eine Minute später ging es für den EHC dann seinerseits ins Powerplay. Und was soll man sagen: Das schlechteste überzahlspiel der Saison „krönte“ der Gastgeber mit einem im kollektiven Tiefschlaf kassierten Gegentreffer zum 3:3. Torschütze – richtig geraten – erneut Eric Meloche.
Alle fünf Akteure der Grizzlies hatten sich bei eigener überzahl bis auf Höhe der eigenen Torlinie zurückgezogen - was nach umgehendem Puckverlust recht albern aussah. Die weit vorgerückte Unterzahlformation der Gäste konnte den Treffer in aller Ruhe herausspielen, ohne dabei von einem gegnerischen Spieler gestört zu werden. Das sah reichlich bizarr aus.
Eine beständig ärgerlicher werdende Partie hatte aber immer noch nicht ihren Höhepunkt erreicht – weder sportlich, noch was die slapstickartigen Auftritte des Referees betraf.
Der Höhepunkt der Schiedsrichterkunst wurde schließlich in der 56.Minute nachgereicht:
Im Rücken von HSR Bauer schlägt ein Straubinger zunächst dem Wolfsburger Armin Wurm seine Kelle in die Kniekehle. Dieser bricht daraufhin unter Schmerzen auf dem Eis zusammen, das Spiel läuft weiter. Auf dem Rückweg vom Straubinger Tor unterbricht der Referee, nun den verletzten Wurm sehend, nicht das Spiel – ein Wolfsburger Betreuer springt daraufhin aufs Eis, um den Verletzten zu versorgen. HSR Bauer unterbricht nun die Partie und verhängt nach großem Hin und Her eine Spieldauerstrafe gegen den Betreuer der Grizzlies. Aus der unaufmerksamen Sichtweise des Schiedsrichters sicherlich eine korrekte Entscheidung – bei objektiver Betrachtung der Gipfel der Ungerechtigkeit. Es fehlte eigentlich nur noch eine Zeitstrafe gegen das Heimteam und der Siegtreffer der Tigers, um diesen Abend endgültig zur Katastrophe werden zu lassen.
Doch Krinners Team ging nun konzentrierter zur Sache, hatte besonders in der Schlussphase und über weite Strecken der Verlängerung mehr vom Spiel und verdiente sich schließlich den zweiten Punkt, den es im Penaltyschießen zu sichern galt.
Während mit Laliberte, Milley und Sarno alle drei Wolfsburger erfolgreich ihre Penalties verwandelten, scheiterte auf Straubinger Seite mit Rene Röthke gleich der erste Schütze der Gäste.
Nach den abschließenden Feierlichkeiten auf dem Eis, folgten die Feierlichkeiten in der SoccaFive Arena. In der brechend vollen Lounge der Wolfsburger Soccer Halle ging an diesem Abend die eigentliche Party ab: Spieler und Fans lachten, tanzten und tranken im Rahmen der After Game Party miteinander bis tief in die Nacht. Eine rundum gelungene Veranstaltung!

Das Team

Dshuni überzeugte mit guten Reflexen und gewohnt schneller Beinarbeit, kam aber öfter ins Straucheln und ließ im ersten Drittel nahezu alles zur Mitte prallen. Bei insgesamt 53 Torschüssen und nur drei Gegentreffern in der Gesamtschau allerdings kein Drama. Vielleicht sollte auch Reimer vor der Pause noch einmal Spielpraxis bekommen – in der heißen Phase werden wir vermutlich beide brauchen.
In der Verteidigung überzeugten, wie so oft, Fischer und Alavaara. Aber auch Kapitän Sloan zeigte eine überwiegend überzeugende Vorstellung, warf sich in viele Schüsse und teilte nette Checks aus. Traynor und Wurm ebenfalls im grünen Bereich. Einzig Sascha legte eine sehr bescheidene Leistung hin – Fehlpässe, Ausrutscher und mangelnde übersicht im Spielaufbau...hoffentlich nur eine Ausnahme und nicht der Auftakt zu einer neuen Krise beim Wolfsburger Urgestein.
Im Angriff überzeugten besonders Milley und Laliberte, die mit einem schon wieder recht akzeptabel auftretenden Sarno gut zurechtkamen!
Reihe Nr.2 und 3 blieben hingegen etwas blasser als gewohnt. Insgesamt ließen die Stürmer der Grizzlies die Geschwindigkeit und den nötigen Biss, vor allem beim Backchecking, vermissen, der sie zuletzt ausgezeichnet hatte. Sebastian Furchner und Ken Magowan darf man in dieser Kategorie allerdings getrost außen vor lassen.
Die vierte Reihe erhielt gegen Ende keine Eiszeit mehr, konnte erneut nicht überzeugen. Paul McIlveen kann man, mittlerweile ein wenig gesicherter, die DEL-Tauglichkeit durchaus absprechen. Physisch unterlegen ist da noch ein Euphemismus...

Das Fazit

Solche Spiele gibt es immer wieder – besonders, wenn es eine längere Zeit gut für ein Team läuft. Vermutlich hat der Gedanke an die After Game Party uns am Ende den Zusatzpunkt gerettet. Der Straubinger Siegeswille hat da wohl den einen oder anderen überrascht. Aber was glaubte unser Team denn? Dass die Tigers nach zweieinhalb Jahren voller Niederlagen gegen die Grizzlies irgendwann einfach aufgeben und uns nach drei Gegentoren das Feld überlassen? Wohl kaum!
Andererseits: Wenn man derart verkorkste Spiele am Ende trotzdem gewinnt und sich sowohl gegen den eigenen als auch einen gewissen anderen Schweinehund durchsetzt – das will schon etwas heißen! mb