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EHC - Düsseldorf Metro Stars 3:1

Das Spiel

Der zweite Viertelfinalauftritt der Grizzlies vor heimischer Kulisse fiel deutlich unspektakulärer, dafür (zumindest vom Spielverlauf) spannender als noch der Auftakt aus.
Der Gast aus Düsseldorf setzte von der Spielführung nahtlos dort an, wo er im zweiten Drittel der ersten Begegnung begonnen und vor eigenem Publikum weiter gemacht hatte:
Kampf und Härte dominierten wiederum das Spiel der DEG – die Gastgeber antworteten mit nicht weniger leidenschaftlichem Auftreten, zeigten sich insgesamt aber taktisch disziplinierter.
Da das Schiedsrichtergespann Looker/Bauer Ellenbogen- und Stockchecks zunächst offenbar unter Play-off Härte verbuchte, ging das Rezept der Gäste im ersten Spielabschnitt durchaus auf. Die Mehrzahl der Chancen und ein übergewicht in den Spielanteilen gehörte somit zwar dem Düsseldorfer Team, doch die entscheidenden Aktionen waren – nicht zum ersten Mal in dieser Serie – auf Seiten der Grizzlies zu finden.
Wenn den Gästen doch einmal eine bessere Einschussmöglichkeit gegönnt war, so scheiterten sie regelmäßig am erneut hervorragend haltenden Reimer oder am eigenen Unvermögen.
Die Hausherren hingegen vollstreckten eine ihrer seltenen Möglichkeiten durch Ken Magowan (16.Min) zum 1:0 und schockten die Gäste damit zum wiederholten Male mit ihrer Effektivität. Dass die Wolfsburger Mannschaft dem wütenden Auftakt der Gäste konzentriert die Stirn geboten hatte, sollte sich dann im zweiten Spielabschnitt auszahlen. Die teilweise einfach überdreht oder verzweifelt wirkenden Aktionen der Metro Stars fanden nun zunehmend weniger Zustimmung bei den beiden leitenden Schiedsrichtern und so verbrachte das Team von Lance Nethery fast die Hälfte des Drittels in Unterzahl.
Dass es nach diesem Spielabschnitt lediglich 2:1 für die Gastgeber stand war dabei zwei Umständen geschuldet:
1. Die HSR hatten zunächst eine, im Kontrast zu den im ersten Abschnitt nicht geahndeten Vergehen, aberwitzige Strafe gegen Peter Sarno (22.Min) wegen Haltens verhängt, welche die Gäste zum 1:1 Ausgleich durch Craig MacDonald zu nutzen wussten.
2. Die folgende, absolut berechtigte, Strafzeitenflut gegen die DEG konnten die Grizzlies nur zu einem weiteren Treffer durch Sebastian Furchner (31.Min) nutzen.
Gästekeeper Aubin war in dieser Phase beeindruckend über sich hinausgewachsen und hatte das Bombardement der Wolfsburger Powerplayformationen fast im Alleingang entschärft. Wäre der Düsseldorfer Ausnahmegoalie beim 2:1 nicht durch einen eigenen Mitspieler behindert worden – er hätte zum großen Helden dieses Spiels werden können. Dass die DEG das statistisch beste Unterzahlspiel der Liga stellt, trug ansonsten natürlich zusätzlich zur Verhinderung einer Vorentscheidung bei. Das Spiel blieb weiter spannend.
Mit unverminderter Intensität, nun aber von Düsseldorfer Seite wieder mit mehr Disziplin, ging es in den Schlussabschnitt. Die Chancen auf beiden Seiten häuften sich gerade zu Beginn, vor allem die Gäste drängten nun noch einmal mit aller Macht auf die Wende in diesem vielleicht letzten Saisonspiel für sie. Doch es kam, wie es in den letzten Tagen so oft gekommen war: Das Tor machten die Grizzlies!
In der 47.Minute setzte Wolfsburgs Norm Milley, wie schon im ersten Spiel, zum großen Auftritt an. Wieder umspielte die Nummer 14 der Grizzlies die gesamte Hintermannschaft der Metro Stars, verzögerte mit einem Verteidiger im Schlepptau zweimal den Einschuss, bis er am liegenden Aubin vorbei einschieben konnte. Die Begeisterung auf den Rängen kannte kaum Grenzen: Ein so wichtiges Tor, so spektakulär erzielt!
Die Bemühungen der Gäste wirkten in der Folgezeit – verständlicherweise - etwas gehemmter, der Schock musste erst einmal verdaut werden.
Als in der wieder intensiver werdenden Schlussphase schließlich Martinovic (58.Min) die erste und einzige Strafe des letzten Drittels kassierte, wurde es noch einmal richtig heiß auf dem Eis.
Düsseldorf brachte für Aubin einen sechsten Feldspieler und schnürte die Grizzlies in den letzten beiden Minuten im eigenen Drittel konsequent ein. Dabei feuerte das Team vom Rhein aus allen Rohren auf ihren ehemaligen Teamkameraden im Tor der Wolfsburger – zum Glück mit bescheidenem Erfolg. Dass ein guter Teil der Schüsse erst gar nicht beim Wolfsburger Goalie ankam, dafür sorgte in erster Linie einer, der für seinen Einsatz mittlerweile fast schon berüchtigt ist: Ken Magowan fing innerhalb von 1,5 Minuten allein vier (!) Schlagschüsse der Düsseldorfer mit seinem Körper ab, schleppte sich am Ende nur noch mühsam durch das Abwehrdrittel der Gastgeber. Aber sein Opfer sollte nicht vergeblich gewesen sein...
Den Grizzlies gelang mit diesem 3:1 Sieg der nie für möglich gehaltene Sweep gegen den Vizemeister und damit steht dem Team von der Aller nun eine fast schon luxuriöse Regenerationszeit bis zum nächsten Spiel am Freitag zur Verfügung.
Wo und gegen wen dieses Spiel stattfinden wird, steht allerdings frühestens am Montag, vielleicht sogar erst am kommenden Mittwoch fest – alle anderen Serien gehen über 4 oder sogar 5 Spiele. Wer hätte das gedacht?

Das Team

Hut ab, vor Jochen Reimer. Ein Bombenrückhalt in allen drei Spielen! Mit teilweise unglaublichen Reaktionen hielt er die Grizzlies nicht nur zu jedem Zeitpunkt im Spiel, sondern verhinderte in der gesamten Serie, dass die DEG auch nur ein einziges Mal in Führung gehen konnte. Und das trotz einiger wirklich heftiger Düsseldorfer Druckphasen.
In der Verteidigung kann man ebenfalls wirklich stolz auf das Geleistete sein. Vor allem die beiden Jüngsten (Wurm und Fischer) rechtfertigen das in sie gesetzte Vertrauen zu 100 Prozent. Besonders bei Wurm ist das wachsende Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fast greifbar zu spüren! Fischer hingegen wirkt schon fast erschreckend abgebrüht und konzentriert – wo soll das noch hinführen? Neben den gewohnt zuverlässigen und unauffälligen Traynor und Rekis, machte natürlich der A-Man wieder mächtig Dampf von der blauen Linie, blieb dabei diesmal aber leider unbelohnt. Insgesamt der einzige wirkliche Schwachpunkt unseres Teams: Von der blauen Linie braucht man eigentlich nur einen Spieler decken, dann kommt da nicht mehr viel...
Blake Sloan präsentiert sich überraschend gut als Play-off Leader, zieht das Team gut mit und bringt vollen Körpereinsatz. Schade, dass sich immer wieder nicht nachvollziehbare Fehler beim Wolfsburger Kapitän einschleichen. So auch wieder im ersten Drittel geschehen, als er völlig unbedrängt beim Spielaufbau den Gegner bediente.
Beim Sturm weiß ich eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll zu loben!
Bis auf den streckenweise etwas glücklos agierenden Hospelt überzeugten mich in dieser Serie fast alle in ihren Rollen. Vorne weg Peter Sarno, der sich in der vierten Reihe mal so was von den Arsch aufreißt, dass es einfach nur genial ist. Auch wenn diese Reihe (noch) kein Scoring-Erlebnis für sich verbuchen konnte. Wer in der Liga kann so eine gefährliche 4.Reihe vorweisen? Richtig: Keiner!
Was aber insgesamt an Kampfgeist und Disziplin gepaart mit genialen Momenten da aufgeboten wird ist einfach nur ein Hochgenuss. Sei es mit Magowan ein Torjäger, der checkt und Schlagschüsse abfängt wie ein Irrer; sei es ein Norm Milley, der nicht nur geniale Alleingänge startet, sondern neuerdings auch noch zu wichtigen Toren nutzt; sei es ein Laliberte, der mit seinen Handgelenksschüssen unglaubliche Gefahr von fast jedem Punkt im gegnerischen Drittel ausstrahlt; sei es ein Ulmer, der seine Nebenleute reihenweise gut aussehen lässt; sei es ein Furchner, der den Gegner nicht nur „kaputt rennt“, sondern auch vorm Tor die richtigen Entscheidungen trifft; seien es ein Green, Höhenleitner, Morczinietz, Sulkovsky oder Krestan, die mit eiserner Disziplin den gameplan verteidigen und die Gegner durch gezieltes Forechecking zur Verzweiflung treiben – alle haben ihren Anteil an dieser bisher so überzeugenden Play-off Vorstellung!

Das Fazit

Wenn man enge Spiele für sich entscheiden kann, ist das immer ein guter Fingerzeig für die Play-offs. Wenn man dann auch noch eine kleine Regenerationspause einlegen darf: Umso besser!
Die Grizzlies haben bisher in allen Mannschaftsteilen überzeugt. Sie erlaubten sich, bis auf das 2:1 im dritten Spiel, keine wirklich gravierende Unaufmerksamkeit und können nun gespannt auf ihren nächsten Gegner warten. Da sich Frankfurt und Berlin in ihren Serien äußerst schwer tun, ist sogar ein Heimspiel am kommenden Freitag nicht völlig ausgeschlossen!
Sollte das Team von Krinner und Gross diese gezeigte Geschlossenheit und Konzentration weiter an den Tag legen, so könnte das noch eine unerwartet lange Saison für uns werden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und schon jetzt kribbelt es tüchtig im Bauch, wenn ich an die kommenden Halbfinalspiele denke. Was will man mehr? mb